Archiv der Kategorie: Meinung

Zittern, Cthulhu und Zeitreise: drei Spieltests auf der Cthulhu-Con 2014 – Teil 2: Cthulhu und Zeitreise

Teil 1, wo ich hauptsächlich über Tremulus spreche, findet ihr hier.

Den Freitagnachmittag verbrachte ich ungezwungen bei einem kleinen Workshop und netten Gesprächen. Freitagabend eröffnete ich schließlich meine Runde für The Laundry. Ich nannte sie “Zu viel Lovecraft”, weil ich den englischen Originaltitel “Ye Liveliest Awefulness” für einen Con unpassend fand. Fragt mich nicht warum. Das Abenteuer befindet sich in Unconventional Diplomacy, dem aktuellen Abenteuerband für The Laundry.

The Laundry ist eine Mischung aus Cthulhu, Akte X und Dilbert, mit einem Hauch James Bond. Romanautor Charles Stross erschuf in bisher fünf Büchern eine Welt, in der Mathematik Magie ist. Zauber sind nichts als mathematische Prozesse. Damals wurden diese mit komplexen Zeichnungen und Menschenopfern durchgeführt, heute erledigen das Computer. Das hat den Nachteil, dass theoretisch jeder Volltrottel mit einem Smartphone Azathoth in den Weltmittelpunkt beschwören könnte. Um das zu verhindern, gibt es The Laundry, eine Abteilung des britischen Geheimdienstes. Sie ist geheimer als geheim, praktisch das Ergebnis, wenn die X-Files von ihren Vorgesetzten ernst genommen und zu einer eigenen unterfinanzierten Abteilung ausgebaut worden wären. Sie kämpft mit dem gleichen bürokratischen Wahnsinn wie alle größeren Organisationen: zu viel Papierkram, nervigen Vorgesetzten oder teils gefährlicher Desorgansation.

Das Abenteuer beginnt mit einem Mann in der amerikanischen Botschaft in London, der behauptet, Howard Lovecraft zu heißen und aus Boston zu stammen. Er kann sich nicht ausweisen. Als die Charaktere ankommen, ist er schon weg. Sie finden heraus, dass er in der Nähe aus einem Reisebus gestiegen war und, nachdem er die Botschaft wieder verlassen hatte, von schwarz gekleideten Männern in einen weißen Lieferwagen gezerrt wurde. Gepaart mit den folgenden Nachforschungen, geraten die Charaktere in wahnsinnige Actionszenen, die wohl nur mit Glück alle überleben werden. Witzigerweise folgt das Abenteuer der von Frank Heller so verhassten Cthulhu-Matrix, ist dabei aber so originell und gut aufgebaut, dass das niemanden stören dürfte. Uns jedenfalls nicht.

Für das Spiel angemeldet waren Kaid und vier junge Spieler und Spielerinnen, die ich nicht kannte. Kaid ist ein alter Laundry-Fan und konnte schon bei Einleitung und Charakterverteilung die anderen Spieler mit Anekdoten begeistern. Ab da lief alles so, wie man es sich als Spielleiter erträumt. Das Abenteuer hat einfach funktioniert. Die Spieler hatten schnell jede Menge Theorien, die gar nicht mal so weit von der Wahrheit entfernt lagen. Sie forschten, befragten, telefonierten, untersuchten und rannten um ihr Leben. Am Ende wurde die Geschichte mit einer schönen Idee aufgelöst, die im Abenteuer gar nicht vorgesehen war, aber einfach zu gut passte, um sie zu blockieren. Wir trennten uns jeder auf seine Weise begeistert (ein Eindruck der sich zu meiner großen Freude, am nächsten Tag noch einmal bestätigte, als plötzlich die Laundry-Bücher im Con-Shop knapp wurden).

Ich würde mir den Erfolg des Abends gern allein auf die Fahne schreiben, aber es war das Zusammenspiel aus Welt, Abenteuer und Gruppe, was zu so einem Vergnügen geführt hat. Die Damen und Herren am Tisch brachten eine Freude und Energie in die Spielrunde, wie ich es lange nicht erlebt habe. Wie könnte man sich davon nicht anstecken lassen? Außerdem war das Abenteuer einfach hervorragend konstruiert. Die Hinweise sinddeutlich und reichlich vorhanden. Die ganze Idee ist cool und die Action-Szenen spannend und ungewöhnlich. Und dann ist da natürlich The Laundry selbst.

  • Die Idee Mathematik = Magie funktioniert erstaunlich gut.
  • Es gibt verschiedenen Welten, aus denen Besucher zu uns gebracht werden können.
  • Das Zusammenspiel aus beidem ergibt so etwas wie eine wahnsinnige Logik. Endlich kann man Mythosmonster und ihre Taten “begründen”.
  • Der bürokratische Wahnsinn lässt sich wesentlich leichter in die Abenteuer einbauen, als ich je erwartet hätte.

Gruppen, die auf der Suche nach cthulhoider Abwechslung sind, sollten unbedingt einen Blick auf The Laundry werfen. Höchstwahrscheinlich werden sie erstaunt sein, wie viel Neues immer noch im Mythos steckt und wie gut moderne Abenteuer gestaltet sein können.

 Den Samstagnachmittag verschlief ich größtenteils. So konnte ich halbwegs ausgeruht in den letzten Abend gehen und nicht nur mein nächstes Abenteuer bestreiten, sondern auch genug Zeit für Bier im Gewölbe einrechnen. Das zweite Abenteuer war für Time Master. Time Master ist ein uraltes System, dass auf den alten Regeln der vergangenen Verlages Pacesetter aufbaut. Die erste Edition von Chill basierte zum Beispiel darauf. Der Verlag Goblinoid Games hat Rechte für einige der alten Systeme und bietet sie und darauf aufbauende Bücher als PDFs an. Als sie irgendwann eine Angebotswoche hatten (ca. 2 $ pro Buch), kaufte ich so ziemlich alles, was da war.

Time Master ist – welche Überraschung – ein Zeitreiserollenspiel. Die Charaktere sind Mitglieder der Time Corps und reisen in die Vergangenheit, um diese zu “reparieren”, wenn jemand darin herumpfuscht. Ein paar der üblichen Zeitreiseabenteuerprobleme werden mit einfachen “Gesetzen der Zeitreise” beseitigt. Das Abenteuer, das ich leitete, hieß Clash of Kings und spielt in der Welt von König Artus. Wer würde nicht gern einmal dafür sorgen, dass das Schwert genau so aus dem Stein gezogen wird, wie es die Legende vorsieht, obwohl böse zeitreisende Aliens es verhindern wollen?

Das original Regelwerk gefällt mir nicht so gut. Es ist absolut spielbar, erschien mir mit seiner großen Anzahl an Fertigkeiten und der großen Zentraltabelle, über die alles geregelt wird, unpassend für eine Con. Ich griff deshalb auf ein anderes Regelsystem zurück. Deep7 hat eine Reihe mit dem Titel 1PG. Das sind Minirollenspiele, die für spontane Zusammenkünfte oder eben Cons ausgelegt sind. Jedes “Buch” hat genau 13 Seiten. Darin sind die allgemeinen Regeln enthalten, die Sonderregeln für das jeweilige Genre (Superkräfte für Superhelden, Magie für Fantasy, Gadgets für Geheimagenten etc.), Charakterbögen (mit und ohne kurzer Regelerklärung) und fünf Abenteuer auf je einer Seite. Erfahrene Spielleiter mit dem Willen zu improvisieren können mit so einem Heft innerhalb von 15 min. eine Rollenspielrunde aus dem Boden stampfen. Das erschien perfekt. Ich suchte mir ein halbwegs passendes Genre und erstellte einen angepassten Charakterbogen.

Da die Charaktererschaffung fast vollständig zufällig ist und wahnsinnig schnell geht, wollte ich die Charaktere vonden Spielern erstellen lassen. Das war keine so gute Idee, wie sich herausstellte, weil es mit Erklärungen und sechs Spielern am Tisch eben doch immer länger dauert als geplant. Meine Erklärungen waren ebenfalls etwas konfus. Schlussendlich hat es uns nicht übermäßig lang aufgehalten, hätte aber ruhig schneller gehen können.

Das Abenteuer ist sehr flexibel. Es gibt mehrere Punkte in Artus’ Geschichte, die “repariert” werden müssen. Es ist aber leicht möglich, nach jedem Punkt aufzuhören. Wir schafften Punkt 1. Die Charaktere konnten also dafür sorgen, dass Artus genau so gezeugt wurde, wie es sein sollte. Schon mit ihrer allerersten Tat hoben sie den geplanten Weg des Abenteuers aus den Angeln. Die Abenteuer sind aber so aufgebaut, dass man leicht improvisieren kann. Ein paar Ideen schlugen fehl, aber die entscheidenden gelangen. Aus meiner Sicht war das bei weitem keine perfekte Spielsitzung, aber ich gehe davon aus, dass alle ihren Spaß hatten. Ich hatte ihn jedenfalls. Die Spieler waren sehr nett und harmonierten gut.

Der Abend klang aus mit Bier im Gewölbe und langen Quatschereien. Am Sonntag war ich wieder froh, nicht selbst fahren zu müssen, denn ich war erwartungsgemäß übermüdet. Die Con war wieder toll. Leider fällt sie nächstes Jahr aus, weil sich die Organisatoren neu organisieren müssen. Hoffen wir, dass das nicht das Anfang vom Ende ist. Ich würde jedenfalls wieder gern auf die Burg Rieneck fahren, um Cthulhu zu zocken.

Zittern, Cthulhu und Zeitreise: drei Spieltests auf der Cthulhu-Con 2014 – Teil 1: Zittern

Der Cthulhu-Con ist immer eine tolle Möglichkeit, um Dinge auszuprobieren – cthuloide Dinge hauptsächlich, doch ab und zu trifft man auch auf andere Sachen. Dieses Mal bin ich selbst von der klassischen Schiene abgewichen und habe ein Abenteuer für Time Master angeboten, ein klassisches Rollenspiel auf Basis des Pacesetter-Regelsystems. Außerdem wagte ich mich zum zweiten Mal in die Welt von The Laundry, Charles Stross’ verrückter Welt voller cthuloider Wesenheiten, Action, Intrigen und Papierkram. Doch auch aus Spielersicht habe ich interessante Abenteuer erlebt: Zum einen bot Daniel mal wieder eine kleine Runde Pendragon an, und zum anderen konnte ich endlich einmal Tremulus ausprobieren. Dafür bin ich dem Purple Tentacle immer noch dankbar.

Wir waren recht pünktlich in der stimmungsvollen Kulisse von Burg Rieneck angekommen und konnten in Ruhe unsere Zimmer beziehen. Gleich nach Begrüßung und Abendessen ging es los mit Pendragon. Zum Spiel gab es keine neuen Erkenntnisse, aber es hat wie immer Spaß gemacht. Schwertkämpfe, Ehre und Ritterlichkeit sind einfach hervorragend eingefangen. Schade, dass Pendragon ein Nischensystem ist und bleibt. Es gibt in jeder Runde wenigstens einen, der kein Ritter sein möchte. Ninjas und Waldläufer gibt es nun mal nicht. Auch Frauen haben es zugegebenermaßen schwer, sich in eine von Rittern dominierten Geschichte einzufügen. Das Abenteuer war “Die schlafende Schöne”, das Gewinnerabenteuer des zweiten One-Page-Abenteuer-Wettbewerbs von Greifenklaue und, wie gesagt, sehr unterhaltsam.

Freitagnachmittag spielten wir Tremulus. Tremulus ist eines dieser “hippen” Indie-Spiele, über die so viel geredet wird. (Naja, so viel auch wieder nicht, sonst müsste ich es nicht erwähnen.) Es ist ein Ableger von Apocalypse World. Bekannter dürfte allerdings Dungeon World sein, was seinerseits ebenfalls auf Ideen aus Apocalypse World aufbaut. Tremulus spielt in einer Welt, die Lovecraft erträumt haben könnte – Cthulhu-Monster optional.

Das Prinzip bei all der *World-Spiele (es gibt inzwischen einige davon) ist wirklich nicht alltäglich: Die Charaktere setzen sich zusammen aus ein paar Attributen (Geschick, Intelligenz und ähnliches) und so genannten Moves. Letztere sind Dinge, die die Charaktere tun können. Dazu würfeln sie 2W6 und addieren den Wert eines der Attribute hinzu (-1 bis 2). Ein Ergebnis bis 6 bedeutet, dass die Probe misslungen ist, sie nichts herausfinden, ihren Gegenüber nicht überzeugen oder im Kampf nichts ausrichten. 7 bis 9 bedeutet, ihre Handlung ist zumindest teilweise gelungen. Sie erhalten einen Teil der gesuchten Info, überzeugen ihren Gesprächspartner teilweise oder erledigen, was sie wollen, müssen aber mit einer negativen Konsequenz leben. Ein Ergebnis von 10+ bedeutet einen kompletten Erfolg.

So läuft es bei jedem Wurf. Der Spielleiter sagt beispielsweise: “Du bekommst 4 Schaden und das Tentakelwesen ergreift dich und hebt dich in die Höhe. Würfele mal den Move ‘Schaden entgehen’.” Oder: “Du durchsuchst das Haus? Würfel mal auf ‘Herumsuchen'”. Das klingt prinzipiell wie die Benutzung einer Fertigkeit wie in jedem anderen Spiel. Die Moves unterscheiden sich jedoch erheblich davon. Jeder Move gibt an, was genau die Würfelergebnisse bedeuten. Bei Nachforschungs-Moves können beispielsweise bestimmte Fragen an den Spielleiter gestellt werden, u. a. wo sich eine Geheimtür oder Schwelle befindet. Die Frage ist ganz bewusst formuliert: Sie fragt wo sich die Schwelle befindet, nicht ob sich irgendwo eine befindet. Der Spielleiter muss sie also einbauen, auch wenn er das ursprünglich nicht geplant hat. Der Spielleiter würfelt übrigens gar nicht.

Der Spielleiter muss also in seiner Abenteuerplanung Lücken lassen, die er spontan füllt. Die Spieler sind ständig gefordert, spannende Fragen zu stellen und der SL, diese zu beantworten.

Das Spiel lief so ungewöhnlich wie erwartet. Zunächst stellte der Spielleiter Fragen, aus denen sich von ganz allein ein Gruppengefüge ergab – z. B.: “Wie hat dir der Professor – der Spieler zu deiner Linken – bei einem wichtigen Problem geholfen?”. Dann wurden wir in ein Haus geladen und vom uralten Gastgeber aufgefordert, es zu erkunden, damit “es sich aussuchen könne, wer es erben soll”. Praktisch alles wurde spontan entschieden und so durchsuchten wir das Haus, fanden viele Andeutungen auf Geheimnisse und schließlich einen geheimen Gang und ein gruseliges Wesen, dass wir besiegten.

Das Spiel hat Spaß gemacht und ich bin froh, dass ich es endlich einmal ausprobieren konnte. Es hat mir aber auch gezeigt, dass diese Art Spiel für mich eher nichts ist. Es ist mir zu anstrengend, ständig zur Geschichte hinzuerfinden zu müssen. Die schwerste Last liegt hier beim Spielleiter, der praktisch alles spontan und im Alleingang machen muss, aber auch die Spieler sind gefordert. Dennoch sollte jeder Spielleiter einmal Tremulus gelesen haben. Es gibt so viele ungewöhnliche und horizonterweiternde Elemente darin, dass jeder irgendetwas lernt. Da ist z. B. die grandiose Charaktererschaffung basierend auf Archetypen und angepassten Listen. Oder die Szenarionentwicklung, die darauf basiert, was die Spieler gern haben möchten (grandios zusammengefügt mit einem Buchstabencode). Und natürlich die Moves, auch aus ihnen kann man viel für sein eigenes Spiel ziehen.

Ich werde weiterhin versuchen, das Spiel zu begreifen und einen Weg zu finden, Spaß damit zu haben. Das Abenteuerdesign dürfte zu interessanten Ergebnissen führen, da der SL lernen muss, die richtige Anzahl an Lücken zu lassen. Als Gedankenexperiment funktioniert Tremulus, mal gucken, ob es für mich jemals auch als Spiel funktioniert.

In Teil zwei (ab Freitag) berichte ich von einem der besten Spiele, die ich seit Jahren hatte. Ob es The Laundry oder Time Master war, erfahrt ihr dann.

GS, PdT und CD

GS-PdT-AeKl

Es hat etwas gedauert, aber nun endlich habe ich ein paar Uhrwerk-Neuigkeiten in der Hand (klick zum Vergrößern). Ich werde mich hüten, Rezensionen zu schreiben – die würde mir ohnehin niemand glauben – aber ein paar Eindrücke möchte ich dennoch los werden:

  • Das Cover von Gammaslayers ist der Hammer :-)
  • Die beste Beschreibung von GS, die ich bisher gehört habe: “Gammaslayers ist wie eine Pizza mit allem. Man muss sich nur heruntersammeln, was man nicht mag.” (Jetzt noch ein Abenteuer schnappen und dann muss ich es endlich ausprobieren – ich hatte bisher leider keine Gelegenheit dazu.)
  • Dünneres Papier: Sowohl GS als auch die Pyramide des Todes sind auf dünnerem Papier gedruckt als die letzten Dungeonslayers-Bücher. Das erhöht die Stabilität der Buchrücken gewaltig und macht das Blättern einfacher.
  • Die Karten von PdT gefallen mir gedruckt noch besser als auf dem Bildschirm.
  • Die Ätherklänge-CD höre ich nachher, aber das Promo-Medley war schon mal sehr beeindruckend und das Cover ist cool.

Auf den Inseln: Familientreffen 2013

Dieses Jahr habe ich mich mehr noch als sonst auf den ADI gefreut, die kleine, familiäre Con, die jedes Jahr in Otterndorf direkt hinterm Deich stattfindet. Nach einem aufregenden und etwas seltsamen Jahr war ich besonders heiß darauf, 4 Tage lang durchzuzocken. Ich wurde nicht enttäuscht.

Die Fahrt war gut, und als wir ankamen, gab es das übliche Hallo. Der Zeitplan zeigte, dass dieses Jahr unglaubliche Mengen an Spielrunden angeboten wurden. Ich selbst hatte drei Runden vorbereitet und Fiasko im Gepäck, mir blieb also gar keine Zeit, bei anderen mitzuspielen. Eigentlich war das schade, andererseits hatte ich so viel Spaß, wie ich haben konnte.

Los ging es gleich nach Abendessen und offizieller Begrüßung mit Simply Red, einem Abenteuer aus dem Cthulhu-Band Blood Brothers. Es ist ein zweieinhalb Stunden dauernder Splatterfilm in Abenteuerformat. Die Geschichte ist nett und unkompliziert. Nur einer starb (eine Stricknadel ins Auge, die andere in den Hals), der Rest der Familie überlebte (einschließlich des Familienhundes, dessen Spieler uns mit seiner Darstellung viel Spaß bereitete). Für den Ankunftsabend war das genau das Richtige: kurz und einfach. Die beiden Blood-Brothers-Bände sind generell tolle Produkte. Falls man sie noch antiquarisch bekommen kann, würde ich unbedingt zuschlagen.

Wie ich am nächsten Morgen erfuhr, gab es mindestens eine Runde, die bis 5:30 Uhr morgens spielte. Das sollte am Abend noch von Bedeutung werden. Nach einem ruhigen Vormittag war nach dem Essen aber zunächst eine Runde Fiasko dran. Ich hatte das Spiel auf der diesjährigen DCC ausprobiert und war recht angetan gewesen. Die Runde, die wir am Freitag hatten, stellte die erste locker in den Schatten.

Wir spielten Auftragskiller. Aus dem Playset ergab sich, dass ein Polizist das Ziel war, und er per Autounfall um die Ecke gebracht werden sollte. Der Aufbau war etwas chaotisch. Ich erklärte das System nicht deutlich genug (erntete häufiger mal ein “Das verstehe ich nicht”), und weil wir draußen saßen, flogen öfter die Zettel weg. Als das Spiel losging, wurde es nicht weniger chaotisch – diesmal in der Erzählung, was natürlich genau war, was wir wollten. Schon in der zweiten Szene gab es mehrere offene Handlungsstränge und noch in der ersten Runde hatten wir die erste Leiche. Einer von uns traf sich mit einem korrupten Cop im Zoo. An einer Stelle fühlte sich der Cop bedroht und machte einen Schritt zurück zu nah an den Affenkäfig heran. Ein Orang Utan klaute ihm die Waffe, begann herumzuballern und erschoss den Polizisten. Unser Mörderkollege tötete den Affen und machte sich aus dem Staub.

Die Eskalationen hörten nicht auf und am Ende gab es das erhoffte Totalchaos. Wir verübten den Anschlag auf den falschen Polizeiwagen und landeten alle im Knast, im Krankenhaus oder in der Hölle. Das war eine unglaubliche Runde. Fiasko wird ab sofort mein ständiger Begleiter auf Cons.

Abends begann die Runde, auf die ich mich ganz besonders freute. Ich hatte mein nagelneues Deadlands Noir eingepackt und bot das Abenteuer The Old Absinth House Blues aus dem Spielleiterschirm an. Das Setting ist toll und kam bei allen gut an. Die fertigen Charaktere, die es als Download gibt, funktionieren ebenfalls. Da Deadlands Noir viel mit Detektiven zu tun hat, war der erste Teil des Abenteuers hauptsächlich Ermittlungsarbeit. Das Rollenspiel war gut und die Leute hatten Spaß. Allerdings bremste uns am späteren Abend allgemeine Müdigkeit aus. Gegen 23 Uhr fielen dem ersten Spieler die Augen zu. Er war einer von denen, die am Vorabend bis 5:30 Uhr gespielt hatten. Gegen 24 Uhr kämpfte der nächste. Dann gab es einen kleinen Kampf, der alle nochmal zurückholte, nur damit um kurz vor 1 Uhr vier Leute mit halb geschlossenen Augen dasaßen. Ich schlug vor, den Rest des Abenteuers am Sonntagvormittag zu beenden, was gern angenommen wurde. Weil die meisten am Sonntag wieder begeistert dabei waren, gehe ich davon aus, dass die Schläfrigkeit nicht an meiner Spielleiterleistung lag – ich kann zumindest hoffen.

Wie zu erwarten, war die Gruppe Sonntag etwas geschrumpft. Einer musste früh nach Hause und einer ging während des Spiels, weil es dann doch zu lange dauerte. Wir haben noch bis 14:30 Uhr gespielt und hatten einen wunderbaren Shootout mit ein paar Bösewichten und einem Sumpfmonster. Wir hatten die beste Stimmung, die ich je bei einem Kampf erlebt habe. Jeder erfolgreiche Würfelwurf wurde gefeiert und der hart erkämpfte Sieg bejubelt. Das war ein großartiger Abschluss für den Con. Mir fiel bei dem Kampf wieder mal auf, wie großartig das Savage-Worlds-Kampfsystem ist. Die taktischen Möglichkeiten sind vielfältig und trotzdem einfach. Die Boni-und-Mali-Tabellen sind schnell verinnerlicht, sodass man praktisch nichts improvisieren muss. Der hohe Zufallsfaktor macht jeden Wurf spannend. Ich sollte viel häufiger SW spielen. Danke an die großartige Gruppe, die das Spiel zu so einem Fest gemacht hat.

Am Samstag im Block von 11 Uhr bis 20 Uhr wurden neun Runden angeboten. Wenn man bedenkt, dass nur ca. 40 Leute auf dem Con waren, ist das unglaublich viel. Nicht jede Runde wurde voll, es fielen sogar ein oder zwei aus. Meine Runde war aber zum Glück gut gefüllt.

Wir spielten Return to Red Hook für Trail of Cthulhu, das ich schon auf dem DCC angeboten hatte. Es lief völlig anders als in Rieneck, hat aber genauso viel Spaß gemacht. Die Nachforschungen waren etwas langsamer. Die Gruppe ging anders vor – breiter gefächerte Ermittlungen – was das Infos-pro-Zeit-Verhältnis etwas senkte. Zwischendurch hatte ich etwas Angst, die Spieler zu langweilen. Dann aber stürmten sie das Hauptquartier der Kultisten und wir hatten einen pulpigen und spannenden Abschluss des Abenteuers. Als das einzige Monster, dem sie begegneten, kurz bevor es sie erreichen konnte mit einer Handgranate getötet wurde, gab es allgemeines Aufatmen: “Das war knapp”, hieß es. Wenn man als SL nicht die Würfel dreht, sind solche Situationen nicht alltäglich, aber besonders süß, wenn sie passieren. Danke auch euch. Es hat mir viel Spaß gemacht.

Irgendwann in einer kurzen Pause hatte ich noch das Vergnügen ein nicht-geekiges Würfelspiel namens Las Vegas auszuprobieren. Praktisch jedes Mal, wenn ich den Essraum betrat, saß eine Gruppe an irgendeinem Tisch, die mit Begeisterung das kleine Spiel spielte. Man verteilt verschiedenfarbige Würfel auf Felder, um dort am Ende die meisten Würfel liegen zu haben. Es ist ein tolles, kurzes und kurzweiliges Zockerspiel mit hohem Mit-Jubel-Faktor, das ich mir zeitnah kaufen werde.

Das Tablequiz war dieses Jahr etwas weniger frustrierend als die letzten Male. Man konnte wenigstens ab und zu raten, was die Lösung sein könnte. Mit viel Glück und ein paar Leuten am Tisch, die wesentlich mehr wussten als ich, konnten wir das Quiz auch dieses Jahr für uns entscheiden, was mir das Spiel Marswürfel als Gewinn einbrachte. Es ist vergleichbar mit Zombiewürfel. Ich spielte es vor einiger Zeit, als die deutsche Version noch nicht erhältlich war (sehr einfach, sehr lustig), und wollte es mir seitdem besorgen. Danke an Pegasus für die Spende der Preise und natürlich wie immer für das Sponsoring des Cons.

Auf der Heimfahrt war ich weniger müde als die letzten Jahre. Vielleicht lag es daran, dass wir entspannt etwas später und nach einem Spiel fuhren. Wesentlich mehr Schlaf als sonst hatte ich jedenfalls nicht. Das Fazit kann nur lauten wie immer: ADI ist die beste Con des Jahres, und ich hoffe, ich habe auch nächstes Jahr wieder Zeit und Gelegenheit dabei zu sein.

DSA Klassik in 2015?

Ich war erstaunt zu lesen, dass nach DSA5 nun auch ein DSA Klassik angekündigt ist. Dazu kann ich nur sagen: Hurra! Wenn sie das richtig machen, können sie mit den beiden Regelwerken eine Menge alte und neue Fans glücklich machen.

Aus egomanischer Neugier würde mich jetzt nur interessieren: Haben sie die Idee von mir oder sind sie von selbst drauf gekommen? :-)

Zum 123. Geburtstag Lovecrafts: Cthulhu-Con-Bericht 1013

Ich will gerade lostippen, da sehe ich, dass heute der 123. Geburtstag von HPL ist. Das ist ein schöner Grund, um den Artikel heute auch fertig zu machen. Auf HPL! Ohne ihn wäre das hier alles nicht möglich.

Der 10. Cthulhu-Con fand wie die letzten Jahre auf Burg Rieneck statt. Die Location ist einfach toll. Das Essen ist ok, die Kaffeeversorgung funktioniert und es gibt viele schöne Orte, um zu spielen. Auch das Wetter hat dieses Jahr mitgemacht: warm und sonnig am Tag und kühl in der Nacht, dass man vernünftig schlafen konnte.

Donnerstag ging es bereits los. Eine halbe Woche ist viel Zeit zum Spielen, denkt man – und plötzlich ist es Sonntag und man fährt wieder nach Hause. Es gab aber auch wieder viel zu tun, zu sehen und zu quatschen. Zum Jubiläum wurde ein Jubiläumsdinner serviert und einen Abend wurden Cocktails gemixt, die ausgesprochen lecker waren (vielen Dank an Barmann Yörn! – Ich hoffe, ich schreibe dich richtig). Als weiteren besonderen Programmpunkt gab es einen Film. Es war ein Low-Budget-Lovecraft-Film, der, glaube ich, Gewinner eines HPL-Filmfestivals ist. “The Thing on the Doorstep” war durchaus nett gemacht, nur der Ton war mäßig, sodass ich nur ein Viertel des englischen Textes verstanden habe. Bei so einer Ausbeute war es dem Film trotz der teilweise großartigen Bilder unmöglich, mich wirklich zu fesseln – dass ich aufgrund des unvermeidbaren Schlafmangels fast eingeschlafen wäre, hat auch nicht geholfen.

Wesentlich spannender war eine kurze Vorschau auf den Film “Dreamlands”, die “Die Farbe”-Macher Huan Vu vorstellte. Es soll ein groß angelegter Fantasyfilm werden, der mehrere Dreamlands-Geschichten auf der Leinwand vereint. Ob und wie schnell das Projekt umgesetzt werden kann, steht noch in den Sternen, aber der Trailer lässt Großes hoffen.

Die Hauptattraktion der Con waren natürlich die Spielrunden. Donnerstagabend bot Daniel für einen kleinen Kreis Pendragon an. Er hatte extra ein Abenteuer herausgesucht, in dem Tentakeln (wenn auch keine cthuloiden) vorkamen. Pendragon ist toll. Ich habe es jetzt zweimal gespielt und es war jedes mal ein besonderes Erlebnis. Die Regeln funktionieren einfach, sind spannend, kurzweilig und nachvollziehbar. Die Geschichte war unkompliziert und kurz: Ein Ehemann, der nach der Ehe “wunderlich” wurde, ein alter Fluch und einige Tests unserer Standhaftigkeit in einer Burgruine unter Wasser sorgten für Spannung. Ich spielte den 17-jährigen Lancelot, eine Figur, die mir ausgesprochen gut gefiel. Die Truppe war nett, der Spielleiter gut und der Abend war schnell vorbei.

Freitagmorgen bot Ralf mit der Unterstützung von Daniel ein Seminar über das Abenteuerschreiben an, das zu viel Diskussionen zwischen Ralf und mir führte. Der Vortrag arbeitete alle Grundlagen ab: Vom Brainstorming mit unterschiedlichen Techniken, über das Aufschreiben bis hin zum Spannungsbogen-Erschaffen. Ralf orientierte sich stark an dem Aufbau von Geschichten und gab ein paar hervorragende Tipps. Was mir persönlich etwas fehlte, waren Hinweise, wie man Railroads nicht unangenehm werden lässt oder sie ganz vermeidet, aber ein solches Seminar kann niemals alles abdecken. So war es ein unterhaltsamer Vortrag, in dem ich sogar etwas gelernt habe.

Den Nachmittag nahm ich mir frei, bereitete mein Abenteuer für den Abend vor und schlief noch einmal zwei Stunden. 21 Uhr bot ich dann “Return to Red Hook” für Trail of Cthulhu an, ein Abenteuer, das sich im Band “Arkham Detective Tales” befindet. Die Gruppe war vielleicht eine der sympathischsten, mit denen ich bisher auf Cons spielen durfte. Auch das Abenteuer lief hervorragend. Die Story ist spitze, es kam – so weit ich das als SL beurteilen kann – keine MInute Langeweile auf und der actionreiche Abschluss war spannend. Da ich das Abenteuer vielleicht noch einmal auf dem ADI im September anbieten will, kann ich hier nichts zum Inhalt sagen. Nur so viel: Die Gruppe verschanzte sich am Ende in einem Haus mit Kultanhängern und lieferte sich mit ihnen ein tolles Feuergefecht. Den Schluss musste ich etwas kürzen, aber da ich die geplanten letzten Szenen ohnehin nicht so toll finde, war das nicht schlimm. Wenn ich nach der hervorragenden Dynamik am Spieltisch gehe, scheint die Gruppe so viel Spaß gehabt zu haben wie ich. Danke, Leute, das war echt spitze.

Es ging bis 3 Uhr nachts und nach einem extrem kurzen Abstecher ins Gewölbe (dort war die Kneipe), fiel ich müde ins Bett.

Am Samstagmorgen wollte ich eigentlich pausieren, doch Kaid bot spontan eine Runde Fiasko an, das ich schon so lange einmal ausprobieren wollte. Wir rekrutierten noch ein paar Leute mehr und spielten schließlich zu fünft. Als Playset wurde passenderweise “Bookhounds of London” gewählt und schnell hatten wir die Figuren erschaffen. Ich war ein schmieriger Erpresser, was mir viel Spaß bereitete. Wir hatten einen Buchladen, ein magisches Tagebuch, Fälschungsversuche und Entführung. Am Ende verbreitete ein Dämon Missstimmung und zwei Menschen (u. a. ich) und ein Haus brannten. Fiasko ist mal etwas ganz anderes. Es funktioniert hervorragend und liefert Möglichkeiten, Geschichten zu erfinden und ein wenig zu schauspielern. Das nächste Mal achte ich auf größere Ziele, sodass man noch mehr Unerwartetes erlebt. So oder so war es ein spannender Vormittag.

Nachmittags leitete ich dann “The Wild Hunt” aus dem Buch “Black Bag Jobs” für das Spiel The Laundry. The Laundry ist ein Cthulhu-Ableger, der ebenfalls mit den BRP-Regeln arbeitet. Der Hintergrund entstammt der gleichnamigen Romanreihe von Charles Stross. Er paart grauenhaft komplexe Bürokratie mit grauenhaft entsetzlichen Monstern und herzerfrischender Parodie. Zwei Mitspieler kannten die Romane (im Gegensatz zu mir), doch auch der Rest der Gruppe fand sich sehr schnell ein und ergötzte sich daran, mit der Bürokratie zu spielen. Das Abenteuer spielt in Dartmoor in einem esoterischen Selbstfindungszentrum. Der Besitzer Dr. Greg Satori ist ein herrlich witziges Klischee des modernen Gurus. Das Zentrum liegt am Rande eines unheimlichen Waldes und grenzt an ein altes Haus mit merkwürdigen Bewohnern. Ein paar Leute sind verschwunden und es gibt andere Merkwürdigkeiten.

Das Abenteuer ist prinzipiell sehr gut, nur die Informationsdichte ist nicht so hoch, wie ich es mir gewünscht hätte. Das war mir beim Lesen nicht aufgefallen. So stolperte die Gruppe verhältnismäßig ziellos umher – zwar mit Spaß, aber mit weniger Erfolgen, als ich gern gesehen hätte. Sie fanden zwar heraus, in welche Richtung es ging, doch dauerte es so lange, dass wir das Showdown nicht mehr vor dem Film schafften, der abends lief, und leider auch später keine Zeit mehr dafür fanden. Die Gruppe bereitete mir aber unentwegt Freude mit der Darstellung der Agenten und ihrem ganz persönlichen Verhältnis zu Dr. Satori. Ich fand das Spiel witzig und hoffe, es hat sich niemand gelangweilt.

Abends nach dem Film gab es wie üblich den großen Abschluss mit dem Tablequiz. Ich hatte das Glück mit einem echten Fachmann am Tisch zu sitzen und so gewannen wir mit einem Punkt Vorsprung. Ich habe z. B. nicht gewusst, woran Lovecraft gestorben ist (Darmkrebs) und hätte auch den Vornamen seiner Frau verwechselt (Sonia). Dafür wusste ich aber noch vom ersten Tablequiz, wo der blaue Monolith steht (R’lyeh) und konnte so doch noch ein wenig beitragen. Beim Schaden der Elefantenbüchse lagen wir alle daneben (3W6+4) und den Stabilitätsverlust eines Shoggothenlords in Monstergestalt (1W6/1W20) hatten wir auch falsch. Es war wie immer ein vergnüglicher Abschluss. Danach fanden noch viele interessante Gespräche statt und wieder einmal viel zu spät ging ich ins Bett.

Nach dem Frühstück am nächsten Morgen gab es noch mehr Gespräche und nach ganz vielen “Bis nächstes Jahr”, “Bis zur Spielemesse” oder “Bis zum ADI”, machte ich mich auf den Heimweg. Die Rückreise war ereignislos aber erwartungsgemäß anstrengend. Ich bin immer noch müde, aber es hat sich gelohnt. Der DCC 2013 war ein tolles Ereignis ohne einen einzigen Wermutstropfen. Mehr kann man nicht verlangen.

Meine Meinung zu World War Z

Meine erste Verwirrung war: Warum eigentlich World War Zee? Ich hatte mal gelernt, dass Zed heißen müsste. Die Wikipedia verrät mir aber, dass die Amerikaner Zee sagen. Außerdem reimst sich das auf three. Na denn.

Im Vorfeld hatte ich mehrere Meinungen gelesen. Sie reichten von “erster vernünftiger Zombiefilm” bis “totaler Schund”. Beides kann ich nicht nachvollziehen.

Mir hat er gefallen – nicht mehr und nicht weniger. Es ist ein Zombiefilm, der alles hatte, was ein Zombiefilm benötigt – abgesehen vom Splatter. Wer meint, letzteres gehört unabdingbar zu einem Zombiefilm, sollte ihn meiden.

Ansonsten ist er spannend, verzichtet so gut es geht auf schwülstigen Pathos (bei den Familienszenen mögen die Meinungen an dieser Stelle auseinandergehen, aber ich fand sie gelungen) und auch die Auflösung ist einigermaßen schlüssig. Die Bilder von den schwärmenden Zombies, die man schon aus den Vorschauen (oder wie lautet die Mehrzahl von Vorschau?) kennt, sind beeindruckend. So stelle ich mir das Zombie-Genre vor: keine weltbewegende Kinokunst, aber nette Unterhaltung.

Einfach weil’s cool ist: Roll XX

Zurzeit (und höchstens noch für ein paar Stunden), gibt es die beiden Tabellensammlungen Roll XX und Roll XX: Double Damage kostenlos (normalerweise 3,99 $ und 1,99 $) zum Download.

Beide PDFs liefern Inspirationen in Tabellenform. Jede Tabelle beantwortet eine Frage. Zum Beispiel:

  • Where do the sorcerers gather?
  • What’s the hero’s apparently-useless power?
  • Who are the starship passengers?
  • What euphemism applies at this particular crime scene?

Roll XX bedient mit  fast 100 Tabellen mehrere Genre von Fantasy über Superhelden bis Horror. Roll XX: Double Damage ist etwas kleiner. Es enthält “nur” 20 Tabellen, alle für das Fantasygenre, dafür sind diese immer mindestens zweigeteilt. Der Antwortsatz besteht aus zwei Teilen (je eine Tabelle) oder eine mehrfach geteilte Phrase ist die Antwort.

Mein letzter Tabellekauf war etwas enttäuschend – teuer mit wenig inspirierendem Material – aber die beiden Roll XX sind spitze. Allein die Superhelden-Tabellen lassen in mir den Wunsch aufkeimen, sofort eine Kampagne zu starten.

Auch wenn ihr die kostenlose Phase verpasst, sind die wenigen Dollar gut angelegt.

Hellfrost Spielerhandbuch Revised

Hellfrost-Spielerhandbuch-RevEs geht also langsam los. Die Vorbestelleraktion für die Neuauflage von Hellfrost ist schon eine Weile vorbei. Das angestrebte Ziel wurde zwar nicht erreicht, doch reichen die Vorbestellungen aus, um alle drei Bücher in voller Farbenpracht und im beliebten Format DIN B5 herauszubringen.

Wer nun befürchtet hat, dass sich nichts tut und man genauso lange auf die Bücher warten muss damals auf Rippers, der scheint zu irren. Das Spielerhandbuch ist jedenfalls bereits fertiggestellt und muss nur noch gedruckt werden. Das PDF kann man schon jetzt erwerben und sich davon überzeugen, dass wirklich etwas passiert. Der Text der Weltbeschreibung auch bereits aus dem Lektorat zurück, sodass das Layout bald beginnen kann. Auch das Monsterbuch wird lt. Verlagshomepage hoffentlich noch dieses Jahr erscheinen. Klopft auf Holz …

Hellfrost ist eine recht klassische Fantasywelt, jedoch mit einem Winter-Twist. Die Welt droht vom Winter und von Winterkreaturen überrollt zu werden, was zum steten Überlebenskamfp der Bewohner führt. Das klingt zwar zunächst wenig aufregend, aber das Spielerhandbuch weiß auf subtile Weise zu beeindrucken. Viele Kleinigkeiten machen das Buch zu etwas Lesenswertem.

Zur Neuauflage ist wenig zu sagen, das ich nicht bereits gesagt hätte. Der Unterschied ist wirklich nur das Format. Das Layout ist hübsch, die Bilder toll und der Schreibstil unterhaltsam. Die Bilder wirken teilweise etwas rabiat abgeschnitten, was wahrscheinlich dem Format geschuldet ist. Ich habe das alte Spielerhandbuch aber gerade nicht für einen Vergleich zur Hand. Man kann im PDF den Hintergrund und die Bilder unabhängig voneinander ausblenden, um Druckkosten zu sparen (hier funktioniert es auch im Gegensatz zum Sunders Skies Kompendium). Das B5-Format ist außerdem sehr Tablet-freundlich. Alle weiteren Details entnehmt bitte meiner alten Rezension.

Ich freue mich sehr, dass Hellfrost trotz aller Unkenrufe noch lebt und bin gespannt auf die beiden folgenden Bücher.

Meine Mission DSA zu verstehen

Ich muss gestehen, ich habe den Reiz von DSA nie begriffen. Ich mag die Regeln nicht und finden die Quellenbücher langweilig.

Da ich aber seit Jahren DSA spiele – meine Gruppe liebt Aventurien heiß und innig – wollte ich es begreifen. Also schrieb ich ein paar Fragen bei Google+, hörte ein paar Interviews und Podcasts zum Thema, guckte mir kurz die Ergebnisse der DSA-Umfrage an und unterhielt mich darüber mit anderen Rollenspielern.

Ich bin zu einer Art Ergebnis gekommen. Wie immer, wenn man andere kategorisiert (was bei Theorien dieser Art unumgänglich ist), werden sich viele – wenn nicht alle – auf den Schlips getreten fühlen. Es ist nicht böse gemeint – ehrlich – ich versuche nur etwas zu verstehen.

DSA steht und fällt, das zumindest denke ich, mit einem speziellen DSA-Gefühl, das die Fans wollen. Es ist eher Low-Fantasy (Galotta hin oder her) als beispielsweise die Vergessenen Reiche. Es ist weniger amerikanisch. Es ist sehr detailreich und fühlt sich wie eine lebende Welt an.

Anders als bei D&D sind bei DSA die Regeln und die Welt ganz fein miteinander verwoben. Astralenergie ist nicht nur ein Regelbestandteil sondern existiert in der Welt. Außerdem muss sich das Gefühl von “Realismus” in den Regeln wiederfinden. Wunder müssen sich auch in den Regeln anders anfühlen als Zauber und da es nun mal mehrere Eigenschaften sind, die das Können beeinflussen, muss man auch drei Attribute haben, die eine Probe beeinflussen. Zu all dem kommen noch Elemente dazu, die einfach schon immer Teil von DSA waren und zum Gefühl dazugehören: ein Schwert, das 1W+4 Schaden verusacht; Rüstungsschutz, der vom Schaden abgezogen wird; die archaisch/anglizistisch benannte Attacke und eine aktive, davon getrennte Parade.

Zusammengefasst: Aventurien muss sich wie eine lebende, atmende Welt anfühlen (eine ganz bestimmte lebende, atmende Welt, die die Spieler seit Jahre kennen) und dieses Gefühl muss sich in den Regeln wiederfinden.

Deshalb sind auch die Quellenbücher wie sie sind. Es kommt gar nicht darauf an, dass der SL die ganzen Details liest, es ist für das Gefühl wichtig, das sie irgendwo stehen. Man könnte sie nachschlagen, wenn man sie benötigt. Ein ganzes Buch mit Pflanzen – Nutzpflanzen, hübsche Blumen, alchemistische Zutaten, ein paar Heilkräuter und eine handvoll coole Sonderkräuter – jeweils mit Bild und Beschreibung: ich behaupte, kein Mensch hat das gelesen. Aber es ist da und man könnte Pflanzen nachschlagen. (Bevor jemand meckert, wie bescheuert das ist: Nein, ist es nicht. Das Drumherum gehört zum Spielerlebnis dazu.)

Deshalb sind auch die Regeln so komplex und kleinteilig.

So viel zu meiner Theorie (die blanke Theorie bleiben wird).

Es geht also alles, um das Gefühl und da das nun mal bei jedem anders ist, werden sich die DSA-Fans auch nicht einig, was denn nun zu einem DSA-Regelwerk zwingend gehört und was nicht. Deswegen meine ich auch, dass eine Entwicklung von DSA5 eine Sisyphusarbeit wäre.

Und deshalb bin ich der Meinung, dass die erfolgversprechendste Methode, Ex-DSA-Fans wieder ins Boot zu holen, wäre, ihnen zwei Regelwerke anzubieten.

Folgen

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.