Messe Essen: Irgendwie war es cooler als die letzten Jahre

Vielleicht lag es an mir, vielleicht an den Ständen, Angeboten und Leuten, die ich traf, ich fand die Messe dieses Jahr jedenfalls besser als die letzten Jahre. Gegen 11 Uhr waren wir auf dem Gelände. Schon zu dieser frühen Uhrzeit war es abartig voll. Spielefans lassen sich offensichtlich noch nicht einmal von Bahnstreiks davon abhalten, in ihr Hobbywunderland zu fahren. Eine eigene Rollenspielhalle gibt es ja nicht mehr. Die Messe fand in drei großen Hallen statt und auch wenn in einer davon eher nerdiger Kram zu finden war, so lag doch keine so klare Trennung mehr vor wie früher: Comics und die „Zeichnerallee“ mischten sich mit kleinen Indie-Ständen, Händlern für Brett- und/oder Rollenspiele und natürlich Verlagen.

Der Uhrwerk Verlag hatte einen schönen, übersichtlichen Stand am Rand der Halle und bot eine Unmenge an Neuheiten dieses Jahr. Verlagschef Patric Götz sagte etwas von 12 (oder waren es sogar 16?) Stück. Mindestens eine Veröffentlichung mussten sie sogar verschieben, weil es zu viel Neues gab. Ich habe mir nicht alles angesehen, aber für Splittermond war natürlich eine Menge Material da. Der Sichtschutz – keine Ahnung, ob der neu ist oder nicht – ist eine echte Augenweide. Das beste ist: Er ist im Querformat, d. h. unheimlich breit (4 Panele), aber nicht sehr hoch. Für Myranor gab es bestimmt auch etwas, aber auch das interessierte mich weniger. Für Space: 1889 ist endlich der erste Quellenband „Die Venus“ erschienen. Wir Mitarbeiter haben lange darauf gewartet, dass er in den Druck geht und nun liegt der hübsche Band vor. Leider konnten wir unser Belegexemplar nicht gleich mitnehmen, weil sich die gesamten Neuheiten so gut verkauften, dass sie nicht wussten, ob welche übrig sein würden. Auch wenn ich natürlich gern in dem Band blättern würde, freut es mich, das zu hören. Ich kaufte mir die komplett farbige Neuauflage des Grundregelwerks. Die Farben wurden im Layout dezent und gut platziert eingesetzt: Es ist ein tolles Buch geworden. Welt und Spielsystem gefallen mir ja ohnehin. Hoffen wir mal, dass es jetzt etwas schneller mit Quellenbänden voran geht. Für Dungeonslayers gab es neu „Die Söhne der Wüste“, eine kleine Kampagne, über die ich bereits berichtete.

savage-worlds-ger-2Prometheus Games hatte auch ein paar Neuheiten und Nachdrucke am Start. Der Universalsichtschutz ist endlich wieder lieferbar. Drei Panele im Querformat bieten Taschen zum Einstecken von beliebigen Ausdrucken. Prometheus bietet für verschiedene Spiele kostenlos passende PDF-Dateien an. Für Gruppen, die einen Sichtschutz benutzen, ist das Ding quasi ein Pflichtkauf. Die Neuauflage der Hardcover-Version von Savage Worlds war auch auf dem Stand zu bekommen. Das Cover ist jetzt matt, die Errata eingepflegt und die Abenteuer neu. All das ist nicht unbedingt ein Grund, sich das Buch neu zu kaufen, aber der Preis von 19,95 € überzeugt vielleicht doch.

hellfrost-kreaturenNicht ganz so neu war das Kreaturenbuch für Hellfrost. Bei der Versendung meiner Vorbestellung war etwas schiefgegangen, sodass ich mir mein Buch am Stand abholte. Es sieht toll aus. Die Welt gefällt mir sowieso sehr gut. Eine kleine Rezi folgt demnächst. Außerdem sollte es die Neuauflage von Ratten! geben. Leider hat der Drucker nicht mehr rechtzeitig geliefert, was sowohl für Fans als für den Verlag sehr ärgerlich war. Ich habe es mal it großem Spaß gespielt und wollte ich mir eigentlich die limitierte Hardcover-Version kaufen. Ratten! ist toll, lädt zum netten Rollenspiel ein und bietet einfache und trotzdem spannende Abenteuer.

Der Stand von Pegasus war in einer anderen Halle bei den größeren Spieleverlagen. Für Shadowrun hatten sie ein oder zwei neue Bücher, das habe ich nicht verfolgt. Für mich spannend war „Düstere Orte“ für Cthulhu. Der Band dreht sich um gruselige Orte wie einen Schlachthof, Irrenanstalt, Friedhof u. a. und liefert auch Abenteuer dazu. Er ist hübsch wie immer; ich bin schon gespannt, wie er inhaltlich ist. Ansonsten gab es dort wieder einmal haufenweise neues Munchkin-Material und natürlich das aktuelle Spiel des Jahres, auf das Pegasus sehr stolz ist. Für uns war der Stand häufiger Treffpunkt. Wir besprachen Details über einen neuen Cthulhu-Band, an dem wir arbeiten, ich guckte teilweise bei einem Cthulhu-Testspiel zu und ganz allgemein konnte ich hier immer jemanden treffen, mit dem es sich zu reden lohnte.

Dieses Mal gab es auch eine ganze Reihe von Kleinverlagen, die ich unbedingt ansteuern musste. Bei der Runequest-Gesellschaft wurde das Glorantha-Nachschlagewerk vorgestellt, das über Kickstarter finanziert worden war. Was für ein Werk! Zwei riesige Bücher (je 400 Seiten!) in „Coffee Table“-Größe, Schutzumschlag um einen Kunstledereinband, wunderhübsch gestaltet und ganz einfach beeindruckend. Es ist mit Sicherheit das ultimative Nachschlagewerk für Glorantha-Fans und solche, die es werden wollen. Zu letzterer Gruppe gehöre ich. Ich habe heute morgen die Versandbestätigung für meine Ausgabe erhalten und freue mich schon sehr.

Bei der Edition Phantastik konnte man die Schnellstartregeln des Wolsung-Rollenspiels bewundern (nicht zu verwechseln mit dem Tabletop, das Prometheus erscheinen soll – gleiche Welt, anderes Spiel). Für 7,90 € konnte man das deutschsprachige Heft erstehen. Darin gab es Kurzregeln und ein exklusives Abenteuer. Es wurde in einer Mappe geliefert mit speziellen Karten für das Spiel und einer Posterkarte der Welt. Das englische Regelbuch gibt es schon seit geraumer Zeit und konnte mich absolut überzeugen. Die Welt ist durchdacht und die Regeln scheinen sinnvoll. Mal gucken, was da noch kommt.

cthulhu-brettspielAm Ulisses-Stand wurde die Neuauflage des Endzeit-Rollenspiels Degenesis vorgestellt. Autor Christian Günther war vor Ort und beantwortete auf seine unnachahmlich sympathische Weise jede Art von Fragen. Das Spiel ist zu einem kleinen Kunstwerk geworden. Zwei Bücher mit zusammen ca. 700 Seiten werden in einem stabilen und elegant-weißen Schuber geliefert. Die Bücher sind vollfarbig mit Bildern in der unglaublichen Qualität, für die Degenesis bekannt geworden ist. Das Regelsystem wurde komplett überarbeitet und die Informationen ganz allgemein übersichtlicher angeordnet. Der Preis von 99 € für die normale Version (es gibt limitierte Ausgaben) ist ganz klar an Liebhaber gerichtet, doch rechnet man ein, dass es zwei Bücher sind, ist das gar nicht mehr so hoch. Ich werde auf jeden Fall mehr über das Buch berichten.

Ich fand auch ein paar andere Liebhabereien, die nicht in die Reihe „deutsche Rollenspielneuheiten“ fallen. Bei dem Buchhändler, der jedes Jahr da ist, kaufte ich „Das Leben im Krieg“ von Lucius Shepard. Bei einem Händler fand ich „Lost Colony“ für Deadlands, ein Buch, das nicht mehr leicht zu bekommen ist. „Hamlets Hitpoints“ von Robin D. Laws konnte ich am Ulisses-Stand erstehen und von Daniel kaufte ich zwei 7te-See-Bücher. Ich fand außerdem das Brettspiel Cthulhu!!! Es ist ein Ableger von Zombies!!! und wird bestimmt bald von Pegasus übersetzt. Zombies!!! finde ich ganz nett und hoffe, das die neuen Regel von Cthulhu!!!, von denen mir erzählt wurde, es noch etwas attraktiver machen.

Das war es für mich auf der Messe. Es war voll und spannend. Genug Kram zum Lesen und Spielen habe ich jedenfalls gefunden, und die große Menge an Neuheiten hat mich sehr gefreut. Da behaupte jemand, Rollenspiel wäre tot …

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Veröffentlicht am 22. Oktober 2014 in Meinung und mit getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 2 Kommentare.

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