Archiv des Autors: amel

Download: 1 Pot RPG, Deutsche Ausgabe

1-pot-rpg-bogenVor ein paar Tagen berichtete ich über einen Internetfund. Das 1 Pot RPG fand ich auf Anhieb faszinierend. Ein guter Freund hat mich überredet eine Übersetzung davon anzufertigen. Da ich mir vor kurzem ein Layout-Programm gekauft habe, nutzte ich die Chance, spielte damit ein wenig herum und baute ein komplett neues Layout für das Spiel. Es hat jetzt zwei Seiten. Es soll auf ein Blatt gedruckt und in der Mitte gefaltet werden. So erhält man ein “Heft” mit vier Seiten: Der Charakterbogen ist vorn, Platz für gefundene Schätze und Notizen auf der Rückseite und alle Regeln in der Mitte. Man kann dementsprechend auch nur die erste Seite ausdrucken und hat dann nur den Charakterbogen. Zwei bisher noch ungetestete “Hausregeln” habe ich bereits eingefügt.

Ein Termin für einen Spieltest habe ich schon angesetzt. Wenn der zustande kommt, werde ich davon berichten. Viel Spaß mit dem Download!

Download: 1 Pot RPG de

Ein Topf, alles drin

Ich war auf der Suche nach einem kostenlosen, klassenfreien D&D-Klon – ein Spiel das flexibel ist und einfach zu lernen, und das ermöglicht, ohne Konvertierung auf entsprechende Abenteuer zurückzugreifen. Ich habe es nicht gefunden.

Dafür habe ich das 1 Pot RPG gefunden. Es ist D&D-ähnlich. Es hat Klassen, sogar zehn Stück. Aber es passt auf eine Seite und ist irre flexibel. Es könnte der erste Ein-Seiten-D&D-Klon sein, der mir für meinen Geschmack genug bietet, das ich ihn mehr als einmal spielen würde. Der Spieltest steht schon fest auf dem Plan.

[Rezension] Feuer und Stein 4 – Predator

feuer-und-stein-4-predator[Comic von Joshua Williamson, Christoper Mooneyham, John Lucas, Kelly Sue DeConnick, Agustin Alessio; Cross Cult 2015; 144 S.; Softcover; deutsch; 16,80 €]

Die Bergungsmission auf dem Mond LV-223, die mit Teil eins von „Feuer und Stein“ begann, verlief nicht ganz so, wie die Mannschaft gehofft hatte. Sie wollten herausfinden, was auf der Prometheus-Mission geschah und wohin die Wissenschaftler verschwanden. Jetzt sind nicht mehr viele von der Crew übrig. Obwohl sie die meiste Zeit auf der Flucht verbrachten, haben sie aber zumindest einiges herausgefunden. Es bleiben jedoch noch genügend Fragen übrig. Nicht zuletzt: Was will der Predator eigentlich auf dem Schiff?

Bei den Bildern muss man sich erst einmal umgewöhnen. Der Stil ist ein völlig anderer als bei den letzten Büchern. Er ist grober, eher eine klassische Zeichnung und weniger die annähernd „realistischen“ Bilder, die es bisher gab. Mir gefällt er, ehrlich gesagt, weniger gut. Aber Comics leben nun einmal von verschiedenen Künstlern und auch wenn ich ein wenig Eingewöhnung brauchte, so zog mich die spannende Geschichte doch schnell in ihren Bann.

Wie so oft im Alien-Universum beginnt es mit einem Betrug und der Erkenntnis, dass die außerirdischen Wesen nicht so schnell umzubringen sind. Der Sicherheitsoffizier Galgo Helder muss schwierige Entscheidungen treffen, die ihm anschließend aber nichts nützen. Er wird – wieder einmal – zum Spielball fremder Kräfte. Der Leser erahnt auch inzwischen, was das Ziel des Predators ist. Die Jagd beginnt und führt uns zum feurigen Showdown.

Über die Handlung kann nichts weiter verraten werden, ohne Pointen preiszugeben. Ich kann nur verraten, dass sie sich nahtlos an die bisherigen Geschichten anfügt und zu einem spannenden und passenden Abschluss führt. Am Ende des Buches wird noch eine abschließende Kurzgeschichte geboten. Sie spielt wieder auf dem Mond LV-223 und schließt die Feuer-und-Stein-Saga endgültig ab. Hier erfahren wir auch eine wichtige Pointe über die Erbauer – sehr passend, aber nicht wirklich überraschend. Die Zeichnungen der Kurzgeschichte sind wieder deutlicher und plastischer. Mir gefällt das, wie gesagt, besser, aber die Geschmäcker sind verschieden.

Damit endet „Feuer und Stein“. Es war eine kurzweilige Reise bis hierhin. Es wurde viel geschossen und gekämpft. Viel Blut ist geflossen und viele, viele Leichen wurden produziert. Die kleine Reihe ist eine gelungene Fortführung der Alien- und Predator-Saga. Fans kommen voll auf ihre Kosten.

Fazit: Teil vier von „Feuer und Stein“ schließt die Geschichte um die Rettungsmission auf den Mond LV-223 ab. Wer die ersten drei Teile gelesen hat, kommt um den Abschluss wohl nicht drumrum. Dem Rest sei geraten: Wenn ihr Alien- und Predator-Fans seid und wissen wollt, was nach dem Film „Prometheus“ kommen könnte, schaut auch die kurze Saga an. Ihr werdet euren Spaß haben.

[Diese Rezi erschien im Ringboten.]

[Rezension] Feuer und Stein 3 – Alien vs. Predator

feuer-und-stein-3-avp[Comic von Christopher Sebela, Ariel Olivetti; Cross Cult 2015; 104 S.; Softcover; deutsch; 14,80 €]

Die vierteilige Feuer-und-Stein-Sage führt die Alien-Geschichte weiter. Was kam nach dem Film Prometheus und was für eine schwarze Sauce war das denn nun genau, die die Wissenschaftler fanden? In Teil eins und zwei von „Feuer und Stein“ geht es um den reinen Überlebenskampf. Aliens überall und keine Hilfe in Sicht. Teil drei führt einen neuen Gegner ein.

Die Einführung der Predators in das Alien-Universum hat mich ehrlich gesagt nie so richtig begeistert. Dementsprechend skeptisch war ich, als ich den Titel „Alien vs. Predator“ las. Andererseits ist es vielversprechend, wenn die schwarze Beschleunigersubstanz mit Aliens und den Predators in Kontakt kommt. Nicht vergessen dürfen wir auch Elden aus den vorigen Teilen. Alle drei zusammen geben eine wirklich kraftvolle Mischung.

Als wir die Geschichte das letzte Mal verließen, flohen die Reste der Geryon-Armada vom Mond LV-223 und den dort lebenden außerirdischen Grauen. Jetzt erleben wir, wie das Schiff von Elden die beiden übriggebliebenen Raumschiffe einholt und lahmlegt. Bald ist er zusammen mit ein paar seiner „Haustiere“ an Bord eines der Schiffe und macht Jagd auf die Menschen. Als wäre das nicht genug, ist ein Predator-Schiff ebenfalls in der Nähe. Auch die außerirdischen Jäger gelangen auf das Schiff und so kommt es, dass zwei Alien-Rassen und Menschen zusammen auf engstem Raum im All treiben und sich gegenseitig jagen.

Elden spielt in der Geschichte den philosophierenden Super-Jäger, der sich nur kurz von der neuen Konkurrenz überraschen lässt. Regelmäßig werden seine Ausführungen von Action und Blut unterbrochen. Der Leser beobachtet die Gewalt und erlebt dabei, was für Einfluss die schwarze Substanz noch haben kann. Und so heißt es bald „Alien vs. Predator vs. ganz neue Gegner“.

Wer Action-Comics mit viel Gewalt mag, kommt in diesem Band noch mehr auf seine Kosten als in den ersten beiden Teilen. Langweilig wird es jedenfalls nie. Blut und Schleim gibt es in Massen, es wird gelaufen und zerrissen – und philosophiert. Die Action wird von ein paar entscheidenden Fragen vorangetrieben: Was will Elden? Und kommen wir je dahinter, was die Erschaffer ursprünglich bezweckten? Das macht den Comic zu mehr als nur sinnlosem Gemetzel.

Die Zeichnungen sind dem Thema angemessen detailreich und deutlich. Sie helfen dem Leser, der Geschichte zu folgen. Sie blenden nicht aus, sondern „halten drauf“, wenn Gliedmaßen fliegen und grünes Blut die Gänge hinunterfließt. So etwas muss man mögen. Der durchschnittliche Alien-Fan wird sich aber wahrscheinlich nicht davon abschrecken lassen.

Fazit: Die Saga geht weiter. Wie man sich denken kann, wird viel gekämpft, wenn Aliens und Predators aufeinandertreffen. Die Geschichte kommt dabei aber nicht zu kurz. Teil drei hat wieder viel Spaß gemacht und lässt den Leser neugierig zurück, wie die Geschichte ausgeht.

[Diese Rezi erschien im Ringboten.]

Spielbuchparadiese

Ist man auf der Suche nach Spielbüchern, kommt man um zwei Adressen nicht herum. Deutschsprachige Spielbücher gibt es beim Mantikore-Verlag und online und auf englisch findet man seinen Spaß beim Project Aon.

Ich habe zurzeit großen Spaß mit Destiny Quest I, deshalb komme ich überhaupt darauf, diesen Blogpost zu schreiben. Diese neue Spielbuchreihe des Mantikore-Verlags bietet eine klassische Sandbox im Solo-Format. Wie in einem Computerspiel, wählt man unterschiedliche Punkte auf einer Karte, die jeweils anderen Quests entsprechen. Diese sind grob nach Schwierigkeit gekennzeichnet, dass man sich nicht übernimmt. Durch Ausrüstung und Sonderfähigkeiten wird die Figur nach und nach mächtiger. Die Harkuna-Reihe ist ähnlich, doch durch die Sonderfähigkeiten, hat man hier wirklich das Gefühl “aufsteigen” zu können. Das Buch ist hübsch und dick und macht einfach Spaß. Eine genaue Rezi folgt.

Der Verlag bietet aber noch weit mehr. Er hat historische Spielebücher, besagte Harkuna-Reihe, ein riesiges Spielbuch aus deutschen Landen (Reiter der schwarzen Sonne) und natürlich den “Einsamen Wolf”. Ganz nebenbei bietet er auch Romane.

Hat man nichts dagegen Englisch zu lesen/spielen, dann ist das Project Aon der zentrale Anlaufpunkt für Spielebücher – ganz besonders wieder einmal für den “Einsamen Wolf”. Denn auf dieser großartigen Webseite werden alle Spielebücher von Joe Dever (mit dessen Erlaubnis!) online reproduziert. Vor kurzen war ich mal wieder auf der Seite, nur um festzustellen, dass sie fertig sind. Sie haben alle Lone-Wolf-Bücher (immerhin 28 Stück), die vier Bücher über “Grey Star the Wizard” und die vier Teile “Freeway Warrior” im Angebot. Die Bücher gibt es als HTML online oder auch alle zum Download. Jedes Buch wird auch als einzelne HTML-Datei ohne Formatierung (jeweils mit oder ohne Bilder) angeboten. Es gibt auch “Stat Keeper”, womit man die Zahlen speichern und würfeln kann.  Zusätzlich gibt es diverses Material für den LW-Fan, ob es nun Werbeanzeigen, Interviews oder diverse andere Texte und Bücher sind. Das Project Aon ist ein wirklich beeindruckendes Projekt.

[Rezension] Finsterland – Dracolith

dracolit[Kampagne von Markus von Leon, Eigenverlag, 72 Seiten, Softcover, deutsch, 17 €]

Finsterland ist ein österreichisches Steamfantasy-Rollenspiel, für das seit Jahren regelmäßig Bücher erscheinen. Ich berichtete schon mehrfach darüber. Produkte dieser Art beweisen mir jedes Mal aufs Neue, dass Rollenspiel trotz vieler gegenteiliger Behauptungen nicht stirbt. Sind es nicht die klassischen kommerziellen Verlage, die sich um neues Material kümmern, dann sind es engagierte Fans. Fans wie Georg Pils und seine Freunde, die uns regelmäßig mit Steam versorgen.

“Dracolith” ist eine kleine Kampagne in drei Teilen. Der namensgebende Stein hat irgendetwas mit Drachen zu tun. Doch Drachen gibt es nicht (mehr), oder? Ob es sie nun gibt oder sie ins Reich der Legenden gehören, die Charaktere erhalten jedenfalls den Auftrag, für einen Sammler auf die Suche nach einigen dieser Steine zu gehen. Er gibt ihnen auch gleich drei Adressen mit auf den Weg. Das erste Abenteuer dreht sich um diese drei Adressen und was die Charaktere dort finden. Ich verrate wohl nicht zu viel, wenn ich sage, dass einer der Funde tiefer in die Kampagne führt.

Teil zwei führt die Charaktere auf die Suche nach etwas, das ihnen in Teil eins abhanden gekommen ist. Zwei der fünf Szenen des Abenteuers gefallen mir besonders gut. Beide sind riesig und bieten genug Stoff für jeweils einen kompletten Spielabend. Sie geben dem Spielleiter viele Informationen in die Hand, überlassen ihm die eigentliche Gestaltung aber größtenteils selbst. Eine Szene ist eine wirklich spannende Zugreise und die zweite der Besuch in einer außergewöhnlichen Bibliothek. Alle Fans von Fantasybibliotheken werden ihre wahre Freude daran haben.

In Teil drei haben die Charaktere alles, was sie brauchen, um eine sich auftürmende Gefahr für das Finsterland zu besiegen. Hier wird es wieder klassisch. Sie müssen ein weiteres Rätsel lösen und gegen mehrere Gegner antreten. Dabei ist auch ein Gegner, der aus einer unerwarteten Richtung auf sie zukommt.

Alle drei Abenteuer bieten jeweils fünf Szenen vom Einstieg, über eine erste Spurensuche bis hin zu verschiedenen Action- und Rollenspielsequenzen und jeweils einem schönen Showdown. Der Aufbau der Kampagne ist klassisch. Sie könnte so direkt in den 80ern der deutschen Rollenspielszene geschrieben worden sein. Eine Winzigkeit Railroading hier und ein oder zwei klare Hinweisspuren da. Das Ganze wird gemixt mit Rätseln im klassischen Sinn (echte Bilder- und Worträtsel, die hervorragend in die Geschichte eingebunden sind), Nachforschungsarbeit und unterschiedlichen Kämpfen. Wie so häufig ist die Mischung weit mehr als die Summe ihrer Teile, denn durch die Abwechslung, die “Dracolith” bietet, und dem funktionierenden Aufbau wird die Kampagne zu etwas, das ich jederzeit spielen würde. Sie ist einen Hauch bieder, das lässt sich nicht leugnen, doch in diesem Fall bedeutet das nur, dass mir ein wenig der Wow-Faktor fehlt, der mich begeistert zu den Würfeln suchen lässt. Doch auch ohne “Wow” ist Dracolith eine schöne Kampagne, die sich wunderbar in die Reihe einreiht.

Was mich jedesmal an Finsterland beeindruckt, ist der Text selbst. Man sollte ihn als gutes Beispiel in die Rollenspielschreiberklassen legen. Der Text kommt ohne jedes Geschwurbel aus. Er ist gut strukturiert und vor allem kurz und knapp – genau wie ein Rollenspieltext sein sollte. Die Hintergrundinfos beschränken sich auf ein Minimum. Man findet alles sofort wieder.

Das Layout reiht sich in die bisherigen Beobachtungen ein: Kein Wow, aber hübsch und solide. Die Seiten werden von einer Dampfmaschine begrenzt. Die Karten sind simpel, aber übersichtlich. Die Bilder sind für eine Hobbyproduktion dieser Art hervorragend. Das Highlight ist für mich aber das Cover, das nicht nur das beste aller Finsterlandcover ist, sondern ganz generell ein richtig tolles Ding. Das Softcover ist stabil und auf gutem Papier gedruckt.

Fazit: “Dracolith” ist jeden Finsterlandfan zu empfehlen. Es bietet klassische, solide Kampagnenunterhaltung mit Abwechslung, Rätseln, Detektivarbeit und Kämpfen. Es ist gut strukturiert und sieht auch noch hübsch aus.

Verkaufe: Berge des Wahnsinns

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Der Jahresbeginn ist eine gute Zeit um auszumisten, deshalb möchte ich mich von einem Teil meiner Sammlung trennen. Den Anfang macht das Sammlerstück “Die Berge des Wahnsinns”.

Berge des Wahnsinns: 3 Bände, Zustand wie neu, 150 € incl. Porto

Es handelt sich um die drei Bände der ersten Auflage. Die Bücher sind ungelesen und absolut neuwertig. Die Antarktiskarte zum Herausnehmen ist selbstverständlich enthalten und ebenso unbenutzt wie der Rest.

Versand erfolgt als versichertes Paket über DHL. Die Versandverpackung ist oben links im Bild zu sehen. Ich habe auch noch ein wenig Polsterfolie gefunden, die ich ebenfalls benutze.

Bei Interesse bitte per E-Mail oder hier im Kommentar melden.

Steam Noir – Das Kupferherz 4

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Preis: 19,80 €]

Was geschieht, wenn ein paar talentierte Leute einen Comic zu einem Rollenspiel schreiben, aber niemandem erzählen, dass es auf ein Rollenspiel basiert? Das Ergebnis einer solchen Situation liegt vor mir. Vor gar nicht langer Zeit erschien der vierte und letzte Teil von „Steam Noir “ und berichtet das Ende der Suche von Herrn Lerchenwald nach dem Kupferherz.

Das angesprochene Rollenspiel ist „Opus Anima“. Das Spiel wurde über viele Jahre entwickelt und zeichnete sich durch eine liebevoll gestaltete und vor allem innovative Welt aus. Die optische Gestaltung wurde komplett von Felix Mertikat übernommen. Das Buch ist eine Augenweide (und übrigens immer noch unter www.opusanima.de als kostenloser Download erhältlich). So liebevoll das Design auch war, der Erfolg blieb leider aus. Das lag bestimmt nicht daran, dass das Buch nicht gut gewesen wäre. Die Einstiegshürde war aber extrem hoch, zu ungewöhnlich war die Welt.

Die Welt besteht aus Schollen, die durch den Äther treiben. Seelen kehren manchmal nach dem Tod auf die Welt zurück und verzerren sie in quasi-magischer Weise. Will man die Welt beschreiben, kommt einem sofort das Wort Steampunk in den Sinn. Es gibt lebende Maschinenmenschen und andere abgefahrene technische Errungenschaften auf Dampfbasis, alles zusammen eingebettet in eine dazu passende Optik. Wahrscheinlich war diese Welt einfach nicht greifbar genug für ein lockeres Rollenspiel zu Hause. Es gab zu wenig Klischees an die sich die Spieler halten konnten. Es gab „zu viel Innovation“. Dass die Spieler die zurückgekehrten Seelen verkörpern sollten und so selbst mit kontrollierter und unkontrollierter Macht zu kämpfen hatten und von den Lebenden gefürchtet wurden, machte den Einstieg nicht leichter.

Es wäre unendlich schade gewesen, wenn so viel Innovation und Arbeit ungehört im Äther verpufft wäre. Da ist es ein Glück, dass Felix Mertikat das Comicszeichnen für sich entdeckte und zusammen mit Benjamin Schreuder und Verena Klinke die vorliegende Comicreihe entwickelte. Cross Cult brachte die vierteilige Reihe in schmucken Hardcovern auf den Markt.

In „Steam Noir“ geht es um ein kleines Ermittlerteam, das tief in die Hintergründe der Welt mit ihren Seelen, Schicksalen und Verzerrungen gesogen wird. Die Ermittlungen werden persönlicher je weiter die drei in den Fall verstrickt werden. Was hat es mit dem künstlichen Herz aus Kupfer auf sich? Und wie kann man das Chaos verhindern, das in Form der Blinden Tage droht, wenn sich die Totenwelt Vineta so nah annähert, dass die Seelen zurück auf die Schollen von Landsberg stürzen? Verschiedene Gruppen haben unterschiedliche Ziele. Wäre es nicht toll, wenn die Seelen keine Gefahr mehr wären? Oder sollte man sie auf jeden Fall vernichten?

Der vorliegende vierte Teil wurde von Verena Klinke geschrieben, die bereits seit Teil zwei Benjamin Schreuder ablöste. Mit ihm liegt der dickste Band vor und die vielen Handlungsstränge und Geheimnisse finden ihre Auflösung. „Endlich“, möchte man fast sagen, warfen doch die vorherigen Bände immer mehr Fragen auf als sie beantworteten. Damit wird der abschließende Teil auch der am besten erzählte. Auch wenn man ab und zu den Eindruck hat, dass die Geschichte unbedingt beendet werden musste, kommt ihr es insgesamt zu Gute, dass der Leser mit Hintergründen und Informationen überhäuft wird. Die Story gewinnt dadurch an einer Tiefe, die vorher nur angedeutet werden konnte.

Die ruhige Erzählweise der vorherigen Teile wird mehrfach aufgebrochen, wenn Dinge explodieren und Menschen sterben. Dennoch ist „Das Kupferherz 4“ keine hektische Geschichte. Mertikats Zeichnungen unterstützen sowohl Epik als auch das Persönliche. Das Ende ist befriedigend und wenn auch ohne überraschende Wendungen dann zumindest nicht im Detail vorherzusehen. Der Weg von Teil eins, der 2011 erschien, bis Teil vier, der seit August erhältlich ist, war lang. Doch er hat sich gelohnt.

Es soll nicht verschwiegen werden, dass mit “Steam Noir” nicht nur gute Geschichten verbunden sind. Für eine Crowdfunding-Kampagne entwickelte Daniel Danzer ein Spiel mit dem Titel “Steam Noir – Revolution“, das Mertikat bebilderte. Es handelt sich um ein ungewöhnliches Karten-plus-Spielmarker-Spiel bei dem geschickte Taktik und Verhandlungsgeschick zum Sieg führen. Die Spieler sammeln Punkte für eine geheime Organisation, die den Kaiser stürzen will. Gerät ein Spieler ins Hintertreffen, kann er aber auch den Kaiser unterstützen. Bekommt nämlich dieser am Ende die meisten Punkte, gewinnt der Spieler mit den wenigsten Punkten das Spiel (weil er am wenigsten „revoluzzerisch“ aufgefallen ist). Es geht darum, die Mitspieler zu manipulieren und geschickt zu bluffen. Leider ist das Spiel nicht im Handel, wenn man jedoch Gelegenheit hat, gebraucht heranzukommen, würde ich die Gelegenheit nutzen. Nicht nur, weil es ein schönes Sammelobjekt ist. (Anm.: Nachdem ich es versäumt habe Daniel als Autoren zu nennen, wies er mich auch gleich auf einen Link hin, der mehr über das Spiel verrät – zu finden unten bei den Kommentaren).

Fazit: „Steam Noir – Das Kupferherz“ dürfte in der weltweiten Comiclandschaft seines Gleichen suchen. Der vorliegende vierte Teil ist der krönende Abschluss einer guten Reihe. Die Schollenwelt wurde liebevoll über Jahre entwickelt und der Comic erzählt ihre Geschichte gut. Langeweile kommt nie auf. Die Zeichnungen und Farben sind toll. Wer eine (meist) ruhige Geschichte voller Steampunk, wahnsinniger Wissenschaftler, fehlgeleiteter Idealisten, Geheimbünde, irrer Magie, Familienschicksale und schrulliger Charaktere lesen möchte, findet mit „Steam Noir – Das Kupferherz“ genau, was er sucht.

[Diese Rezension erschien im Ringboten.]

Horror im Podcast

Man kann mich in einem Podcast hören. System Matters hat (wie ich gerade erfahren habe, schon vor einigen Tagen) eine neue Folge online gestellt. Es geht um Horror. Der erste Teil einer kleinen mehrteiligen Reihe befasst sich mit der Zeit vor dem Spielabend und der Frage, was Horror im Rollenspiel ausmacht, was für Genre es gibt und welche Grenzen ein Spielabend haben könnte.

Mir hat die Aufnahme viel Spaß gemacht.

Wettbewerb der Einseiter

Greifenklaue und Würfelheld richten auch dieses Jahr wieder den Winter-OPC aus. Es geht darum, auf einer Seite (OPC, One Page Contest) Spielmaterial einzureichen. Ich werde wieder in der Jury sitzen und verzweifelt versuchen Äpfel mit Birnen – oder NSC-Beschreibungen mit kompletten Abenteuern – zu vergleichen. Einsendeschluss ist der 05.01.2016. Es gibt auch wieder eine Menge tolle Preise. Die Chancen stehen nicht schlecht, dass selbst der Letztplatzierte noch einen Preis bekommt.

Weitere Informationen findet ihr hier:

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