Einige Seiten des Buches Eibon

11. November 2009

Zombi – The Earth Won’t Hold the Dead

Gespeichert unter: freie Rollenspiele — amel @ 03:33

Zombi CoverVon Zombi habe ich schon vor langer, langer Zeit das erste Mal gehört. Bisher war es unendlich schwierig, an eines der kleinen, unscheinbaren und schlecht verarbeiteten Bücher zu kommen. Meines stammt vom Sphärenmeister.

Die Regeln von Zombi sind unscheinbar – und vor allem unwichtig – aber funktional. Das kleine Rollenspiel geht natürlich um die Zombie-Apokalypse, und da es dort meist einen ziemlich hohen Verschleiß an Figuren gibt, sollten die Regeln einfach sein, damit man schnell für Nachschub sorgen kann. Die Weltbeschreibung bringt es herrlich auf den Punkt. Mein Lieblingstipp: Man soll die Zombies wie Naturgewalten behandeln, nicht wie einzelne Gegner, erst dann konzentriert man sich auf die Geschichte abseits des Zombies-Tötens. Super!

Eine fast Bilder-freie PDF-Version des grandiosen Spiels gibt es jetzt zum Download. Leider wurde ein Zombiekopf als Bildhintergrund gewählt, aber das Cover macht dieses Manko locker wieder wett. Die Bilder aus dem Buch sollen noch eingepflegt werden, aber ehrlich gesagt, lohnt es die Mühe kaum. Man kann das Buch übrigens auch noch kaufen.

Mein Tipp: Herunterladen und spielen! Oder zumindest als Inspiration lesen.

10. November 2009

Universal-Spielleiterschirm

Gespeichert unter: Rezensionen, Savage Worlds, Spielhilfen — amel @ 09:56

uni-sichtschutz[Rollenspiel-Hilfsmittel, Prometheus Games, € 17,95]

Der Universal-Spielleiterschirm, den Prometheus Games dieses Jahr auf der Spielemesse in Essen veröffentlichte, soll dem Spielleiter endlich genau den Sichtschutz geben, den er benötigt.

Er besteht aus drei Seiten dicker Pappe umhüllt von schwarzem PVC im DIN-A4-Querformat. Auf Vorder- und Rückseite des Schirms befinden sich je drei Fächer, in die man beliebige Bilder und Tabellen einschieben kann.

Vorbild für den Schirm ist ein beliebter Sichtschutz, den Pinnacle Games schon vor vielen Jahren herausgebracht hat, der für den deutschen Nutzer allerdings den Nachteil hatte, dass er im Letterformat war, d. h. von uns ausgedruckte Seiten mussten zurechtgeschnitten werden, bevor sie hineinpassten. Die deutsche Version hat neben dem Format noch weitere Vorteile: Sie lässt sich im Gegensatz zur englischen in beide Richtungen klappen und hat Metallbuchecken, was beides noch einmal erheblich die Stabilität fördert.

Ich könnte mir keinen besseren Schirm vorstellen. Er kann flexibel gestaltet werden, ist stabil und schwer genug, dass er auch größere Tischerschütterungen (oder geworfene Würfel) übersteht, ohne sich vom Fleck zu rühren. Und im Vergleich zu den üblichen Sichtschirmen ist er auch preislich in Ordnung.

Als Zusatzbonus bietet Prometheus für alle seine Spiele Einleger an, die kostenlos von der Homepage heruntergeladen werden können (nur Elyrion und Nornis fehlen noch, sollen aber bald nachgereicht werden). Sie zeigen die wichtigsten Tabellen und eine große Auswahl an möglichen Bildern für die Spielerseite des Schirms, ja sogar meist eine Blankoseite mit passendem Hintergrund, auf die man mit entsprechenden Computerkenntnissen eigene Tabellen bringen kann.

Der Universal-Sichtschutz ist ein gelungenes Hilfsmittel, das jeden Cent wert ist.

6. November 2009

Kostenlos 1W6 Freunde bekommen

Gespeichert unter: freie Rollenspiele — amel @ 19:21

Zwar leider keine eins bis sechs neue Kumpels, mit denen man um die Häuser ziehen kann, aber das extrem coole und witzige Jungend-Detektive-Rollenspiel von der Dorp’lern und Prometheus Games, das letzten Monat zur Spiel erschien. Seit wenigen Augenblicken als Download erhältlich.

Wenn ihr damals die Drei ??? oder TKKG gehört oder gelesen habt (oder die Fünf Freunde oder eine der vielen anderen ähnlichen Serien), dann ladet euch das Spiel herunter. Ihr werdet es nicht bereuen.

30. Oktober 2009

Messebericht Spiel 2009

Gespeichert unter: News — amel @ 13:50

Als ich auf dem Hinweg zur diesjährigen Spielemesse in Essen im Zug saß, wurde mir schmerzlich bewusst, woher der Begriff „bleierne“ Müdigkeit kommt. Ich hatte Probleme meine Gliedmaßen aus dem Sitz zu bewegen, um das erste Mal umzusteigen. Die letzten Wochen waren anstrengend gewesen und die unchristliche Uhrzeit half auch nicht gerade weiter. Umso glücklicher war ich aber, dass ich mal wieder entschieden hatte, mit der Bahn zu fahren und der Kaffee am ersten Bahnhof half schließlich auch weiter.

Ich erreichte das Messegelände wie üblich gegen halb elf und begab mich in die vollen aber nicht überfüllten „Hallen der Verheißung“, nur um festzustellen, dass die Anzahl an Ausstellern zumindest in der Rollenspielhalle wieder geschrumpft war. Man entdeckte ein paar der üblichen Verdächtigen, wie Highlander Games, den Imp Shop und natürlich die größeren Verlage wie Pegasus, Prometheus und Ulisses, aber es schienen viel weniger Schnäppchenstände oder allgemeine Verkaufsstände da zu sein.

Dabei konnte sich der Rollenspieler nicht über zu wenige Neuheiten beschweren. Nach einer Runde durch die Halle, in der ich es vermied mit Leuten zu sprechen, um mir erstmal einen Überblick zu verschaffen, landete ich schließlich am Prometheus-Stand, der erstaunlich klein ausgefallen war. Bei einem Verlag mit so vielen Projekten und einem zumindest aus Konsumentensicht so großen Wachstum hätte ich einen größeren Stand erwartet. Aber das änderte nichts an der riesigen Mengen an extrem coolen Neuheiten. Sundered Skies, das neue Quellenbuch für Savage Worlds war genauso hübsch geworden, wie ich es gehofft hatte: Ein kleinformatiges Hardcover (etwas größer als A5) mit gelungenem Cover, großartigem Layout, hochwertigem Papier und sogar einem Lesebändchen. Das Cover ist stellenweise matt cellophaniert, was es edler erscheinen lässt als das Original. Außerdem ist die Schrift des Fließtextes gut zu lesen. (Wer das Original kennt, kann nachvollziehen, warum ich an dieser Stelle sorgen hatte.)

Scion: Demigod sah genauso schick aus. Der zweite Teil der Scion-Trilogie ist sogar noch dicker als der erste und das, obwohl er keine Grundregeln mehr enthält. Das Cover gefällt mir nicht so gut, wie das von Scion: Hero, ist aber trotzdem sehr gelungen. Ich bin schon sehr gespannt.

Eine weitere Neuheit war der Universalsichtschirm, ein stabiler Sichtschutz als drei Teilen im DIN-A4-Querformat, in den man beliebige Blätter unter durchsichtige Folie schieben kann. Prometheus liefert für alle seine Systeme Einschübe mit Tabellen und vielen Bildern zum Download. Das Ding ist großartig geworden, stabiler als das Original von Pinnacle Games und sogar mit Buchecken aus Metall.

Aber es geht noch weiter: Gleich drei neue Pocket-RPGs lagen auf den kleinen Tischen herum und luden zum Durchblättern ein. Mein persönlicher Favorit ist 1W6 Freunde, das vom Dorp entwickelte Jugend-Detektive-Rollenspiel. Die erste Version des witzigen Spiels ist ja schon eine ganze Weile online, doch jetzt wurde es erweitert und liegt in Buchform vor. Als alter „Drei ???“-Fan wurde ich wieder ganz nostalgisch. Prometheus wollte es eigentlich noch vor der Messe komplett als Download anbieten – das geschieht noch, wie ich mir habe berichten lassen – doch auch so ist es die lumpigen € 12 auf jeden Fall wert.

Zweites Pocket-Hightlight ist die Neuauflage von Funky Colts. Wer dachte die alte Version wäre bunt, der hat den Neudruck noch nicht gesehen. Deutschlands orangestes (sic!) Rollenspiel, fürwahr. Auch Funky Colts soll noch als kostenloser Download kommen, damit man unverbindlich hineinschnuppern kann.

Bei Barbaren war ich ehrlich gesagt etwas skeptisch. Es ist eine Indie-Entwicklung, ein „Macho-Rollenspiel“, bei dem man Barbaren in einer Testosteron-geschwängerten Welt voller halbnackter Frauen, heldenhafte Kämpfe und Verführungsversuchen spielt. Ob das mein Ding ist, wird sich noch zeigen (für alle Prometheus-Neuheiten reiche ich Rezensionen nach), es sieht aber hübsch aus und ein erstes Durchblättern konnte meine Bedenken schon etwas zerstreuen.

Dominik war gesprächig und begeistert wie immer und nahm sich trotz vieler Arbeit Zeit, ein wenig mit mir zu quatschen. Gemeinsam ist es uns gelungen jemanden davon zu überzeugen das tolle Opus Anima Investigation zu kaufen und einen Fan des Rollenspielwälzers Heroes dazu zu bringen, sich Savage Worlds zuzulegen. Beide Produkte finde ich großartig genug, dass es mir eine Freude war, die beiden glücklich weggehen zu sehen. Wie üblich hätte ich gern noch mehr mit Dominik gesprochen, aber auf einer Messe klappt so etwas ja nie.

Mein zweiter Anlaufpunkt war natürlich der Pegasus-Stand, der dieses Jahr auch nicht mit Neuheiten gegeizt hat. Dass ich beschlossen hatte, die Cthulhu-Neuheiten zu bestellen, war zwar gut für meinen Rücken, aber ich hätte die Bücher doch gern zum Durchblättern mitgenommen. Aber das ging ja auch am Stand und so mussten Thomas und Daniel noch ein wenig warten, während ich stöberte. Die Cthuloide Welten lag aus, war aber dank Abo schon in meinem Besitz. Der Schwerpunkt liegt diesmal bei Mexiko mit einem Artikel über das Land und einem längeren Abenteuer. Auch der Rest sah beim Durchblättern sehr interessant aus.

Das dickste neue Buch war Cthulhu Mittelalter, das eine neue Zeitepoche für Cthulhu eröffnet. Neu deshalb, weil das lange vergriffene Cthulhu 1000 AD nur einen kleinen Bruchteil des Mittelalters abgedeckt hatte, das komplett neu geschriebene Hardcover sich aber mit dem gesamten Mittelalter befasst. Das Cover ist jedenfalls schon einmal sehr gelungen und der eine Abschnitt, den ich am Stand las, war sehr vielversprechend.

Der erste Teil der dreiteiligen Cthulhu-Now-Kampagne Nocturnum ist für mich eine noch erfreulichere Neuheit. Cthulhu-Chef Frank Heller schwärmt so ansteckend von der Kampagne, dass man geradezu neugierig werden muss. Modern, weltumspannend, lang genug für drei Teile und die Zusammenfassung klingt auch gut. Da kann man nur gute Verkäufe wünschen, denn mit dem Erfolg der Kampagne steht und fällt die Cthulhu-Now-Reihe. Verkauft sie sich nicht, könnte es das gewesen sein mit Cthulhu in der Gegenwart - was natürlich sehr schade wäre.

Drittes Hardcover für dieses Jahr ist Grauen in Arkham, die Abenteuersammlung mit eigentlich acht Abenteuern passend zum großartigen Quellenband. „Eigentlich acht“, weil ein Abenteuer davon vergessen wurde. Zwar ist das theoretisch ärgerlich, praktisch bietet Pegasus das Abenteuer aber zum Download an und das Hardcover wurde dadurch günstiger. So hat der Fan am Ende doch noch etwas davon.

Was es sonst noch Neues am Pegasus-Stand gab, habe ich nicht genau beobachtet. Die Shadowrun-Kurzregeln (Direktlink auf das PDF, weil der Link auf der Pegasus-Homepage trotz Ankündigung immer noch zur alten Version führt) wurden neu und komplett farbig aufgelegt. Auch die Cthulhu-Kurzregeln waren neu und auf hochwertigerem Papier gedruckt. Zu schade, dass die Hexer-Kurzregeln wohl nie auf Papier erscheinen werden.

Auch wenn ich die einzelnen Shadowrun-Neuheiten nicht benennen kann, so halte ich doch endlich die neuen Grundregeln in den Händen. Ein unglaublich hübsches Buch und beim Hineinlesen, sind mir schon jetzt einige Dinge klarer als nach dem Lesen der alten Auflage. Die frisch zur Messe veröffentlichte limitierte Ausgabe mit Silberschnitt und Blau-Metallic-Cover wäre natürlich noch hübscher gewesen, aber auch erheblich teurer.

Nach dem Schnuppern konnte ich dann endlich Daniel und Thomas suchen, die ich beide hinter dem Stand fand. Ich nahm mir auch gleich einen der Cthulhu.de-Flyer in Form eines Mini-Sichtschutzes. Was für eine witzige Idee! Er ist so hoch wie ein Feuerzeug und optisch an den französischen Sichtschutz für Cthulhu angeglichen (und somit das Logo des Blogs). Man kann ihn sogar richtig hinstellen, um dahinter zu würfeln oder eine Notiz zu verstecken. Nachdem ich endlich begriffen hatte, dass die Dinger dazu da sind, benutzt zu werden, war ich nicht nur von der Optik begeistert.

Nachdem Daniel mit seiner erfolgreichen und lustigen Support-Runde fertig war, nahmen wir drei uns viel Zeit für Gespräche und ein Mittagessen in einem Burgerladen. Im Vergleich zum Messefraß war das eine regelrechte Gourmet-Mahlzeit, die sehr zu meiner guten Laune beitrug.

Später machte ich dann die Runde zu den anderen Ständen. Auch Ulisses hat nicht mit Neuheiten gegeizt. Für mich interessant waren Wege des Meisters und das John-Sinclair-Abenteuerspiel. Ersteres kaufte ich trotz meines DSA4-Hasses. DSA mag ich zwar nicht, Rollenspieltheorie aber sehr und an einem so großen Buch mit Spielleitertipps konnte ich nicht vorbeigehen. Den dritten Band der DSA-Retro-Reihe mit den ersten vier Soloabenteuern – ebenfalls neu – habe ich allerdings nicht gekauft, obwohl ich den Regelband der Reihe besitze und ab und zu nostalgisch seufzend darin herumblättere.

Das John-Sinclair-Abenteuerspiel ist eine Neuheit, die von Christian Günther (Degenesis) entwickelt wurde, ein Spiel, das ganz klar auf Anfänger zielt und kurze, prägnante Unterhaltung liefern will. Es gibt einfache Regeln, ein kurzes Soloabenteuer zum Einstieg und sogar ein dreiteiliges Abenteuer, das mit den Nachfolgebüchern eine kleine Saga ergeben soll. Ich bin noch nicht durch, aber was ich vom Inhalt bisher gesehen habe, war große Klasse. Nur die Aufbereitung der Spielkarten ist etwas unglücklich. Am Ende findet man für das Spiel genötigte Spielkarten, die man kopieren (oder als PDF herunterladen) muss. Die fast schwarzen Farbseiten sind beidseitig bedruckt, sodass man die Karten nicht einfach ausschneiden kann. Auch wenn es nur drei Seiten sind, finde ich es etwas ärgerlich, dass die Karten nicht spielbereit beigelegt wurden – zumal ein völlig sinnloses (wenn auch halbwegs hübsches) Poster hinten im Buch steckt. So oder so werde ich John Sinclair weiter beobachten.

Recht witzig fand ich auch das Werbespiel für Freelancer: Hexxagon, das man mitnehmen konnte. Es ist ein Poster mit einem kooperativen Dungeon-Brettspiel nach Freelancer-Regeln. Eine nette Idee.

Pathfinder war ebenfalls neu, ebenso wie ein Abenteuer dafür – und ich glaube auch einen dünnen Quellenband gesehen zu haben. Interessanter (jedenfalls für mich) war allerdings Hollow Earth Expedition, die neu erschienene Übersetzung des gleichnamigen amerikanischen Pulp-Rollenspiels, das in die Tiefen der Hohlwelt führt. Dinosaurier, Weird Science, edle Wilde und grausige Monster: Besäße ich nicht schon vier Pulp-Rollenspiele hätte ich mir das optisch gelungene Buch auf jeden Fall zugelegt.

Ebenso nicht gekauft habe ich mir Frostzone, das neue Cyberpunk-Rollenspiel der Arcane-Codex-Macher. Es ist wunderhübsch und mit ca. 560 Seiten ein gewaltiger Brocken. Da mich Arcane Codex textlich aber ziemlich enttäuscht hat, beschloss ich, das Geld dafür zu sparen. Einen Sichtschutz gab es für Frostzone übrigens auch schon.

Beim 13Mann-Verlag lag der erste Roman für das optimistische Postapokalypse-Rollenspiel Heredium aus. Außerdem gab es irgendein Buch für Rolemaster.

Bei Feder und Schwert konnte man, so habe ich nachträglich gehört, einen Blick auf die 3. Edition von Warhammer und Rogue Trader werfen. Schade, dass ich das verpasst habe.

Der neue Sichtschutz von Private Eye musste leider auch im Regal bleiben, und die neue Ausgabe des Fanzines Abenteuer-Punkt habe ich nicht gefunden. (Ich hatte überlesen, dass ich sie an eben dem Stand bekommen hätte, wo der erwähnte Sichtschutz stand.) Dafür habe ich aber kurz Moritz getroffen und mir eines seiner One-Page-Dungeons für Labyrinth Lord geben lassen. Und bei André am Stand der Runequest-Gesellschaft konnte ich noch die Neuauflage von HeroQuest erwerben, auf die ich sehr gespannt bin. Robin Laws hat aus dem großartigen System für Glorantha ein Universalsystem gemacht, das echte Erzählstrukturen aufweist (im Gegensatz zu manchen anderen selbst ernannten Erzählspielen).

Und damit war ich am Ende angelangt. Ich habe gelernt, dass man mit Pressekarte Zugang zu Schließfächern hat (was ich auch nutzte) und dass es manchmal schon reicht im Impressum einer Zeitschrift zu stehen, um besagte Pressekarte zu erhalten. Ich fuhr pünktlich ab, schwer beladen mit Büchern, die ich aber im Zug brav in der Tasche lies, denn das ältere Ehepaar am gleichen Tisch hatte beschlossen nicht zu sprechen (es sei denn sie flüsterten sich leise Worte zu) und stattdessen ihre Umgebung mit gerunzelter Stirn zu beobachten. Ich war ohnehin müde und wollte vermeiden, die Falten auf den Stirnen mit John Sinclair oder gar Barbaren noch tiefer zu machen. Gegen elf war ich müde aber glücklich zu Hause.

Es war nett wie jedes Jahr, wenn der Schwund an Verkaufsständen aber so weitergeht, muss ich irgendwann überlegen, ob es noch lohnt hinzufahren.

Rezension: Freelancer – Hexxagon

Gespeichert unter: Rezensionen — amel @ 03:33

Freelancer - Hexxagon[Grundregelwerk von Christian Lonsing, Ulisses Spiele 2009, Sprache: Deutsch, 160 Seiten, € 29,99]

„Köln Dungeon Monsterjäger“ lautet der Untertitel dieses ungewöhnlichen Regelwerks, das gleich eine ganze Kampagne mitliefert. Die Spielercharaktere sind besondere Menschen, die sich in Fantasy-Figuren verwandeln können, um gegen den bösen Hexxagon zu kämpfen, der sie unter Köln gegen Monster und verzwickte Fallen antreten lässt.

„Henshin“ ist ein japanisches Genre, das hierzulande am ehesten durch die „Power Rangers“ bekannt sein dürfte und in dem sich „normale“ Menschen mit einer speziellen Phrase und ein paar einstudierten Bewegungen in Superhelden verwandeln können („Henshin“ bedeutet „Verwandlung“).

Die Charaktere sind so genannte Emorpher: Leute, die Einfluss auf die Realität nehmen können. Das Schicksal scheint ihnen immer gewogen zu sein. Sie sind reich, denn durch den bewussten oder unbewussten Einfluss auf die Realität haben sie immer Glück; alles gelingt ihnen, sie machen das Unmögliche möglich.

Das „Corps“ kontaktiert Emorpher, auf die es aufmerksam wird, und bietet ihnen einen Job an. Sie erhalten Henshin-Artefakte, mit denen sie verschiedene Formen größter Macht annehmen können und erledigen dafür Aufgaben für das Corps. Da die Emorpher ziemliche Freigeister sind – eine Eigenschaft, die mit ihren Fähigkeiten einhergeht – lassen sie sich nur ungern einschränken und versuchen häufig bald wieder auszusteigen. Das Corps reagiert, indem es sie in so einem Fall als „Freelancer“ einstellt, die sich ihre Aufgaben aussuchen können. Als Hexxagon, der „Herr der Schatten“, die Bewohner der Stadt Köln als Geisel nimmt und Leute mit besonderen Fähigkeiten auffordert sich seinem Verlies unter Köln, seinen Monstern und Fallen zu stellen, hat sich eine Aufgabe gefunden, die die Charaktere bestimmt als würdig erachten, um sich ihrer anzunehmen.

Das Aussehen des Buches hat leider einige Schwächen. Der Seitenrahmen – eine Mauer aus groben Steinen – passt zwar sehr gut zum Dungeon-Thema, sieht aber billig aus, und die durchaus gelungenen japanisch anmutenden Zeichnungen wollen dazu nicht so recht passen. Der Seitenhintergrund ist außerdem etwas dunkel geraten. Zusätzlich arbeitet das Buch teilweise mit Grafik im Stile von uralten Computerspielen. Die Icons aus riesengroßen Pixeln passen zwar wieder thematisch sehr gut, wirken aber ebenfalls billig.

Das Regeldesign ist besser durchdacht. Autor Christian Lonsing hat sich offensichtlich viel Gedanken zur Funktionsweise von Rollenspielen gemacht, bevor er „Freelancer“ schrieb. Es lohnt sich auch für erfahrene Rollenspieler die „Was ist Rollenspiel“-Einleitung zu lesen, denn dort erklärt er, dass Rollenspiel eigentlich aus zwei getrennten Teilen besteht: Einem erzählerischen Teil und einem Taktikspiel, ähnlich einem Brettspiel. Damit erklärt er den Grundstein von „Freelancer“ und gleichzeitig den Punkt, an dem sich die Geister scheiden werden.

„Freelancer“ nimmt diese Teilung in verschiedene Spiele nämlich sehr ernst. Zunächst sind da die Henshin-Figuren. In „Hexxagon“, dem ersten von insgesamt drei angekündigten Teilen des Rollenspiels, geht es um Fantasy. Die Henshin-Formen sind Fantasy-Archetypen wie der Barbar, Paladin oder Kampfmagier. Eine Figur kann mehrere dieser Formen haben. Sie kann sich mit ein wenig Aufwand und dem passenden Artefakt verwandeln, wird dann zu einer anderen Figur mit anderem Aussehen und anderen Fähigkeiten. Diese Formen nehmen die Charaktere an, wenn sie die taktischen Teile des Spiels spielen, sich also im Dungeon befinden.

Im erzählerischen Teil haben die Charaktere in ihre normalen Körper und sind in Köln auf der Jagd nach Schlüsseln, die Hexxagon dort für sie versteckt hat. Zusätzlich zum Kampf- und Erzählteil gibt es noch einen Jump’n’Run-Teil, den so genannten Hindernisparcours. Dabei handelt es sich um kleine Labyrinthe mit Fallen und schwierigem Gelände, die wie in einem Mini-Brettspiel durchquert werden müssen.

Auch der Rest der Regeln orientiert sich stark an Brett- und Tabletopspielen. Kampf wird auf Kästchen durchgeführt (es wird ein Schachbrett empfohlen), ebenso wie die Hindernisparcours. Wenn die Charaktere besondere Fähigkeiten einsetzen (z. B. eine Henshin-Form annehmen), verbrauchen sie „Aktionsmarken“, die sich nur nach und nach regenerieren. Es gibt „Zustandsmarken“, die neben die Spielfiguren gelegt werden und so einen Fluch, Blendung oder Fesselung markieren.

Die mitgelieferte Kampagne erfüllte mich zunächst mit Unwillen. Ein selbst ernannter Herr der Schatten, der von scheinbar zufällig ausgewählten Leuten verlangt, dass sie sich den Fallen und Monstern in seinem Labyrinth unter dem Kölner Dom stellen und ganz zum Schluss gegen ihn selbst antreten, erschien mir zu abgefahren. Zum Glück ergibt dieser Ansatz aber doch Sinn, der allerdings erst am Ende der Kampagne offenbar wird – sogar die Anwesenheit der Hindernisparcours wird durch einen einfachen Trick nachvollziehbar.

Insgesamt liefert „Freelancer“ also ein in sich schlüssiges Konzept, das mit bestimmten Eigenheiten des Rollenspiels (nämlich die Tatsache, dass es eigentlich mehrere Spiele sind) offensiv umgeht und mit passenden Regeln unterlegt. Die Kampagne liefert Spaß mit einem Old-School-Gefühl, darstellerischen Elementen, Taktik, abgefahrenen Monstern und hoffentlich spannenden Würfelorgien. Wo das Spiel allerdings völlig versagt, ist die Identifikation. Die meisten Spieler legen großen Wert darauf, sich mit der Welt und ihren Figuren identifizieren zu können. Die strikte Trennung der Spielstile bis hin zum Spielen von recht unterschiedlichen Figuren (verschiedene Henshin-Formen und die Original-Form) erschwert dies immens. Die wahrscheinlich durch den japanischen Einfluss teilweise sehr abgefahrenen Ideen machen es auch nicht leichter. (Die „Hefeteilchen“, Golems aus Brot, die als billige Arbeitskräfte eingesetzt werden, sind für mich so ein Fall.)

Fazit: Wenn man sich mit dem gewöhnungsbedürftigen Spielstil von „Freelancer“ anfreunden kann, bekommt man ein schlüssig designtes System, das Spannung verspricht. Fans von Fantasy-Brettspielen, die ein paar Rollenspiel-Elemente vermissen, sollten es sich ansehen, Spieler, die „Immersion“ über alles andere setzen oder mit den Brettspiel-und Tabletopelementen nichts anfangen können, werden aber wahrscheinlich wenig Freude daran haben.

[Diese Rezension erschien im Ringboten.]

29. Oktober 2009

Cyberpunk im Niemalsland

Gespeichert unter: freie Rollenspiele — amel @ 10:42

Zwei Neuigkeiten aus der „Umsonst und cool“-Kategorie:

Zum einen sind seit heute Cyberpunk-Regeln (Direktlink auf PDF-Datei, weil noch keine eigene Seite dafür existiert) für Savage Worlds von Triple Ace Games online. Sie unterstützen die neue Abenteuerreihe „Daring Tales of the Sprawl“ zu der auch gleich das erste Doppelpack erschienen ist. Die Regeln gefallen mir beim ersten Überfliegen sehr gut – besonders die Regeln für Implantate. Vier fertige Charaktere gibt es auch. Ich hoffe, es folgt noch ein Blanko-Charakterbogen.

Die zweite Neuigkeit ist nicht mehr ganz neu. Seit einigen Tagen gibt es die 3. Edition des freien Rollenspiels Neverwhere zum Download (Link zu DrivethruRPG). Es basiert auf den gleichnamigen Roman von Neil Gaiman, in dem ein normaler Stadtbewohner von dem Mädchen Door in eine magische Welt unter London eingeladen wird. Dort trifft er einen König in einem U-Bahn-Zug, das Biest von London, eine extrem coole Jägerin und sogar einen Engel. Das Rollenspiel wird aus Lizenzgründen umsonst bleiben.

22. Oktober 2009

7x Sichtschutz zum Download

Gespeichert unter: Spielhilfen — amel @ 09:04

Die Vöglein hatten es mir schon vorher zugezwitschert, aber da es jetzt offiziell ist, kann ich es auch verkünden:

Zur Messe in Essen erscheint von Prometheus Games ein Universalsichtschutz. Die Idee stammt von Pinnacle Games und wurde für Savage Worlds entwickelt. Es ist ein stabiler (mir wurde etwas von 1,5 bis 2 mm dicke Pappe überzogen mit PVC erzählt) dreiteiliger Sichtschutz im Querformat. Auf den insgesamt sechs Vor- und Rückseiten kann man Blätter unter durchsichtige Folie schieben und so jeden beliebigen Sichtschutz basteln. Das tolle an der deutschen Produktion ist, dass es auf DIN A4 und nicht wie im Original das etwas kürzere Letter-Format zugeschnitten ist.

Seit gestern bietet Prometheus Einleger für diesen Sichtschutz an – und zwar für alle Rollenspiele, die sie bisher produziert haben (Elyrion und Nornis fehlen zwar noch, sollen aber nach der Messe nachfolgen). Allein 19 Seiten für das Savage-Worlds-GRW mit vielen verschiedenen Bildern und diversen Seiten Tabellen, sodass man sich seinen Lieblingsschirm selbst zusammenstellen kann. Für Necropolis und Sundered Skies gibt es Sonderschirme. Es gibt sogar für jedes Spiel eine Blankoseite mit passendem Hintergrundbild, auf das man selbst Tabellen setzen kann.

Ein großartiger Service, wie ich finde.

Download hier.

20. Oktober 2009

Das Grauen von den Sternen

Gespeichert unter: Abenteuer, Cthulhu — amel @ 17:27

Ein Arkham-Abenteuer wurde im frisch erschienene Band „Grauen in Arkham“ vergessen. Weil die Kalkulation für das dünnere Buch gemacht wurde, wird es billiger – das ist ja auch nicht schlecht, besonders weil Pegasus so nett ist, es als Download anzubieten.

Download: Das Grauen von den Sternen

(Die Meldung geht schon überall herum, aber um meine Links zu kostenlosem Material so vollständig wie möglich zu halten, wiederhole ich sie hier.)

19. Oktober 2009

Freelancer-Regeln

Gespeichert unter: Netzfundstücke — amel @ 11:48

Freelancer ist ein ungewöhnliches Spiel: Japanisches „Henshin“ („Power Rangers“), ein klassisches Dungeon unter Köln, Fantasyfiguren wie Paladine und Barden, aber auch – später zumindest – Science Fiction u. a. Außerdem spielt man „normale“ Leute und kann sich in den brettspielartigen Hindernisparcours beweisen.

Ich lese das Grundregelwerk gerade und eine Rezension folgt bald. Wer sich aber schon mal einen Eindruck machen will, kann die Grundregeln (reine Regeln ohne Henshin-Formen) hier herunterladen.

14. Oktober 2009

Private-Eye-Sichtschutz mit Kurzschocker

Gespeichert unter: Kurzschocker, News — amel @ 09:12

Zur Messe erscheint der Sichtschutz für das Detektivrollenspiel Private Eye. Wie uns mitgeteilt wurde, ist der Kurzschocker #9: Die Frau im Koffer im Paket enthalten. Mal abgesehen davon, dass Private Eye ein wirklich gelungenes Spiel ist, freut es uns natürlich sehr zu sehen, dass unsere Bemühungen in einem Kauf-Produkt enthalten sind. (Obwohl die Hauptarbeit natürlich Ulrike Pelchen, Mit-Autorin von Private Eye und Autorin des Abenteuers, machte. Unsere redaktionelle bzw. Layoutarbeit war vergleichsweise gering.)

Hier die offizielle Meldung:

Damit haben Sie alles auf dem Schirm! Mit der Neuerscheinung für Private Eye.
Der Spielleiterschirm zeigt alle relevanten Regeln und Proben. Hinzu kommen die wichtigsten Übersichten und Listen.
Dem Spielleiterschirm sind zwei Hefte beigelegt:
Die Spielhilfe Detektivabenteuer spielen und leiten erklärt die besonderen Merkmale, die für Detektivabenteuer charakteristisch sind und gibt Hilfen und Tipps. Ob die Begrenzung der Schauplätze und Personen, ob Informationsmanagement oder die Platzierung der Hinweise, die Kenntnis dieser und anderer typischer Bestandteile erleichtern das Leiten und Spielen gleichermaßen. Außerdem werden Wege aufgezeigt, Detektivabenteuer selbst zu schreiben.
Das zweite Heft beschreibt Corbridge, ein kleines Städtchen an der Grenze zu Schottland, wegen der schönen Natur und guten Luft von den Ärzten empfohlen. Vorgestellt werden die Geschichte, ausgewählte Gebäude und natürlich Einkaufs- und Unterkunftsmöglichkeiten, hinzu kommen mehrere Pläne des Ortes und seiner Umgebung, einige Grundrisse sowie Beschreibungen möglicher Bewohner. Zwei Abenteuervorschläge über die Tücken des Erbens und Vererbens und über eine Fehde vor dem Hintergrund der Schwarzbrennerei zeigen, dass hinter der beschaulichen Fassade mehr steckt, und ein Urlaub der Detektive recht turbulent werden kann.
Eine kleine Zugabe ist /Die Frau im Koffer/, die den Detektiven einen schrecklichen Fund an der Charing Cross Station und viele Fragen beschert. Das kurze Abenteuer, erschienen als Kurzschocker #9, führt die Detektive auf Mörderjagd durch London.
Wir freuen uns auf einen Besuch möglichst vieler Detektive an unserem Stand 312 in der Halle 6.

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