[Rezi] Strange Stars – ein gelungenes Sci-Fi-Setting

strange-stars-cover[Strange Stars von Trey Causey, Setting-Buch, Eigenverlag, 32 Seiten, PDF, Englisch]

„Strange Stars“ ist ungewöhnlich in vielerlei Hinsicht. Der Autor Trey Causey des kleinen (an Worten), doch großen (das Konzept) Settings hat einen interessanten Blog mit vielen kreativen Inhalten. Er gestaltet dort Settings und hat neben „Strange Stars“ das Buch „Weird Adventures“ veröffentlicht, das D&D-Fantasy in eine fiktive Pulpgroßstadt packt. Es sprudelt über vor Kreativität und „Flair“. Das machte mich neugierig, als er ein Sci-Fi-Setting veröffentlichte.

Der Preis erschien mir allerdings etwas hoch – knapp 10 $ für 32 Seiten. Aber, jungejunge, habe ich mich geirrt.

„Strange Stars“ bietet auf den wenigen Seiten ein großartiges und höchst kreatives Setting. Das Heft arbeitet nicht mit Fließtext, sondern ausschließlich mit einer Art von Schaubildern. Beispielcharaktere werden mit Informationsblasen umgeben, die den NSC, seine Rasse und eventuell deren Geschichte beschreiben. Oder der Leser bekommt eine Art Zeitleiste geboten. Oder Bilder von Planeten, teils mit Darstellung einer vereinfachten Sternenkarte. Die vielen Bilder dürften auch der Grund für den relativ hohen Preis des PDFs sein.

strange-stars-innenCausey gelingt es in diesen wenigen Absätzen, ein komplettes Sci-Fi-Setting zu zeichnen. Es ist Space Opera mit Ansätzen von Transhumanismus und 70er-Jahre-Optik. Die Art der Darstellung ist großartig, denn es gelingt Causey anhand von Detailinformationen wie NSCs oder Geschichtsabschnitten oder zwei Absätzen über einen Planeten ein gesamtes Universum zu zeichnen. So kategorisiert er auf einer Doppelseite beispielsweise alle menschlichen Wesen des Universums und vermittelt gleichzeitig einen Eindruck des aktuellen Standes des Transhumanismus. Ganz nebenbei kamen mir beim Lesen der wenigen Absätze diverse Ideen für Charaktere und Konflikte. Andere Weltenbücher könnten ganze Kapitel mit dieser Einteilung füllen. Gleichzeitig lässt die Darstellungsweise aber auch den so dringend benötigen Freiraum, um das All mit den eigenen Ideen zu füllen.

In einer Rezi ist es schwer, greifbar zu machen, warum das Setting gut ist – jedenfalls ohne (zu) lange Beispiele zu zitieren. Wer die Sci-Fi-Romane von Iain M. Banks kennt, bekommt vielleicht die beste Vorstellung. Banks erklärt seine Settings so gut wie nie. Die Welt muss sich der Leser anhand der Handlung selbst erarbeiten. Bedenkt man, wie abgefahren Banks‘ Sci-Fi-Welten teilweise sind, ist das nicht immer einfach, macht aber einen Großteil des Reizes aus. Hätte Banks 70er-Jahre-Optik in einen Roman bringen wollen, hätte das Setting vielleicht „Strange Stars“ geähnelt.

„Strange Stars“ ist mehr als ein großer Lesespaß. Es ist optisch und inhaltlich ungewöhnlich, kreativ, toll konzipiert, und es liefert ein Grundgerüst, das bereits beim Lesen Tausend Ideen hervorruft. Ich habe jedenfalls den Drang mir mein Fate-Regelwerk zu schnappen und sofort loszulegen. Das Buch sollte als Blaupause für mehr Settings dienen. Ich würde total gern mal eine Fantasywelt auf diese Weise dargestellt sehen.

Veröffentlicht am 11. Juni 2015 in Rezensionen und mit getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 2 Kommentare.

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