Prince of the City

Prince of the City[Brettspiel, White Wolf, 2006, englisch, $ 39,99]

„Prince of the City“ ist ein auf das Rollenspiel „Vampire: the Requiem“ basierendes Brettspiel mit schöner Ausstattung aber auch entsprechendem Preis. Schon die Box sieht edel aus, sie ist im gleichen Design gestaltet wie das Cover von „Vampire“ und auch der Inhalt der Box ist vielversprechend.

Der Inhalt der Box besteht aus stabilen, matten Karten, einem ebenso stabilen Spielplan, Würfeln, dicken Pappcharakterkarten, fünf verschiedenen Plastikminiaturen in verschiedenen Farben und diversen Spielchips aus dicker Pappe. Die Materialien sind so stimmungsvoll und hochwertig gestaltet, wie man es sich für Vampire-Brettspiel nur wünschen kann.

„Prince of the City“ ist ein taktisches Brettspiel, das, wie es sich für ein Vampireprodukt gehört, nur um ein Thema gehen kann: Es wird ein Nachfolger für den Prinzen der Stadt gesucht. Jeder Clan hat einen Vertreter im Rat (die Spielfiguren) und wer am Ende der Spielzeit das meiste „Prestige“ gesammelt hat, wird der neue Prinz. Prestige sammelt man, indem man sich bestimmter Ereignisse, die das (Un-) Leben in der Stadt beeinträchtigen, annimmt oder indem man Teilbereiche der Stadt wie das Leichenschauhaus oder die katholische Kirche kontrolliert. Die Stadtbereiche werden durch Felder auf dem Spielplan symbolisiert.

Jeder Spieler bekommt eine Spielfigur, die je nach Clan unterschiedliche Fähigkeiten und Eigenschaften hat. Die Eigenschaften bestimmen wie erfolgreich man sich beispielsweise physischen oder sozialen Herausforderungen stellen kann. Disziplinen, von denen jede Figur drei hat, geben ihr besondere Fähigkeiten. Jede Figur hat außerdem eine bestimmte Anzahl von „Blutpunkten“, die etwa eingesetzt werden können, um die Disziplinen zu aktivieren.

Das Spiel wird eine vorgegebene Anzahl von Runden gespielt, was die Dauer des Spiels sehr flexibel macht (auch wenn zwei Stunden wohl das Minimum sind). Jede Runde besteht aus mehreren Phasen. Je nach Phase zieht man Karten (allesamt positiv und individuell einsetzbar) oder „geht jagen“ (um Blutpunkte zu bekommen), fordert sich gegenseitig heraus, versucht Prestige durch das „besiegen“ eines Ereignisses zu ergattern und versucht Teilbereiche der Stadt unter seine Kontrolle zu bringen. Die Karten sorgen genau wie die Würfel, die bei Übernahmeversuchen und anderen Herausforderungen eingesetzt werden für ein willkommenes Zufallselement im Spiel. Durch taktisches Einsetzen der Karten und Spielchips kann man sich teilweise erhebliche Vorteile gegenüber dem Gegner verschaffen, was das Zufallselement wiederum verkleinert. Spieler können sich gegenseitig bei ihren Aktionen unterstützen oder behindern. Absprachen sind jedoch nie bindend – genau wie im Vampire-Rollenspiel.

Da sich ein Zug über die verschiedenen Phasen erstreckt und eine Phase die andere beeinflusst, ist ein Sieg nur mit genauer Planung möglich. Man erarbeitet sich nach und nach wie das Spiel funktioniert, wobei der Lerneffekt zwar hoch, aber man als Neuling nicht völlig aufgeschmissen ist. Das führt zu einem hohen Wiederspielwert.

Ich habe mir das Spiel vor fast einem Jahr gekauft und bin erst jetzt dazu gekommen, es auszuprobieren – 16 Seiten Regeln in kleiner Schrift machten es unmöglich, kurzfristig loszuspielen. Die Regeln sind, hat man sie erst einmal begriffen, aber zum Glück gar nicht so kompliziert. Das Wichtigste steht auf den Charakterkarten, die jeder Spieler bekommt, auch wenn uns ein paar Teilbereiche der Regeln immer wieder das Regelbuch kontaktieren ließen.

Es ist lange her, dass ich so begeistert von einem Spiel war. Eine gelungene Mischung aus Taktik, Glück und Verhandlungen sorgt dafür, dass selbst Anfänger ein passables Spiel hinbekommen. Wir merkten aber schnell, dass wir noch lange nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft haben.

Die Zielgruppe dürfte die gleiche sein, wie für das Vampire-Sammelkartenspiel. Zwar ist der Spielverlauf völlig anders, aber das Spielgefühl ist ähnlich (bis hin zu Karten, die man wiederzuerkennen scheint, wie z. B. den Schlagring als Ausrüstungsgegenstand).

Fazit: „Prince of the City“ hat mich wirklich beeindruckt. Die taktischen Möglichkeiten gepaart mit den Zufallselementen und der guten Ausstattung machen das Spiel zu einem echten Erlebnis – auch wenn der Preis schon recht gepfeffert ist.

[Diese Rezension erschien bei Ringbote Online.]

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Veröffentlicht am 15. Mai 2007, in Gesellschaftsspiele, Rezensionen. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Hinterlasse einen Kommentar.

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