Hspielt!: Die DS-Box und ein weiteres Mal Trail of Cthulhu

Der Con Hannover spielt! ist für mich immer entspannend. Er ist nah genug dran, dass es zumindest keine Weltreise ist und vor allem so nah, dass es sich lohnt für nur einen Tag zu fahren.

Ich war erst gegen zwei Uhr im Gebäude und rannte gleich ein paar Pegasus-Mitarbeitern in die Hände. Wir schnackten eine Weile und dann, bevor ich mich an Rundenanmeldung oder Kaffeetrinken machen wollte, ging ich erstmal rum und habe mir die Verkaufsstände angeguckt. Ich brauchte eine neue Cthuloide Welten. Ausgabe 20 war pünktlich per Abo erschienen, doch ich hatte einen halben Becher Kaffee darüber gegossen. So gründlich war ich beim Zerstören eines Papierwerks schon lange nicht mehr. Da Pegasus wie immer Hauptsponsor des Cons war, gab es natürlich auch einen Stand und dort bekam ich das Heft. Nummer 19 war übrigens bereits nach ein paar Monaten ausverkauft, wer also eine Ausgabe wünscht, sollte nicht zu lange zögern.

Mit großer Freude entdeckte ich, dass die neue Dungeonslayers-Box bereits verkauft wurde. Zwei große Tische mit Uhrwerk-, Ulisses- und Cublicle-7-Bücher waren da und der hohe Stapel mit den kleinen Boxen fiel sofort ins Auge. Moritz hat bereits ein Foto vom Box-Inhalt gepostet, deshalb will ich dazu gar nicht mehr viel sagen. Nur den Bogen mit fertigen Charaktere ist auf dem Foto nicht zu sehen. Das Heft „Einstieg ins Abenteuer“ habe ich heute Morgen überflogen. Mehr ist für einen erfahrenen Rollenspieler auch nicht nötig. Es richtet sich an Einsteiger, enthält eine Erklärung, was Rollenspiel ist und ein ausführliches und sehr gelungenes Beispiel. Wer nach der Lektüre der diversen Seiten nicht weiß, was ihn im Rollenspiel erwartet, ist selbst schuld. Auf einen kurzen Artikel über die Aufgaben eines Spielleiter („Sei fair“ u. ä.) folgt ein Beispielabenteuer. Für dieses ist auf der Rückseite der DIN-A3-Caera-Karte eine Battlemap eines kleinen Höhlensystems und alle benötigten Counter sind auch vorhanden. Das Abenteuer ist zur Hälfte wie ein vereinfachtes Solo aufgebaut. „Wenn die Spieler dies machen, lies 2B und wenn sie das machen lies 2C“. Tolle Idee. Das Szenario selbst ist extrem simpel, was aber für Einsteiger ja auch sein muss, nur erfahrene Rollenspieler haben weniger davon. Alles zusammen ist es eine wunderbare kleine Box für mein derzeitiges Lieblingssystem, stabil, flach und so prall gefüllt, das wirklich keine Luft mehr darin ist. Für 24,95 ein echter Schnapper.

Mir wurde übrigens bestätigt, dass der Box-Inhalt (ohne Regelwerk) auf der RPC einzeln verkauft werden soll. Wenn das klappt, wird er wohl 5 Euro kosten. Schöne Sache. Malmsturm wird aller Wahrscheinlichkeit auch pünktlich erscheinen.

16 Uhr berichtete Frank Heller über cthuloide Neuerscheinungen. Bei dem kleinen Runde waren genauso viele Mitarbeiter wie Besucher da. Trotzdem war es sehr informativ. Dieses Jahr bringt viel Neuauflagen: Cthulhu Now, Deutschland (diesmal als Buch) und natürlich das Spielleiter-Handbuch. Für die letzten beiden haben Daniel und ich je ein Abenteuer geschrieben. Beide sind sehr unterschiedlich: ein klassisches Detektivabenteuer um einen Serienmörder in Arkham und ein Spiel mit viel persönlichem Drama, dem organisierten Verbrechen, einer Künstlerfamilie und viel Soap Opera. Beide sind sehr frei gehalten – selbst bei dem Detektivabenteuer wird sich niemand über Railroading beschweren können. Außerdem erscheint dieses Jahr noch Kingsport auf deutsch, und Heiko Gill berichtete ausführlich über den Mittelalterband über Kreuzzüge, der auch sehr interessant klingt. Nächstes Jahr wird es drei große Veröffentlichungen geben, die interessanteste davon ist wohl der lang geplante Geheimgesellschaftenband, in dem eine große okkulte Gesellschaft beschrieben wird, die als Hntergrund für viele Kampagnen genutzt werden kann. Das ist echtes Spielmaterial, auf das ich echt gespannt bin.

18 Uhr bot ich das Abenteuer „Devourers in the Mist“ für „Trail of Cthulhu“ an. Es ist eine Mensch-gegen-Natur-Geschichte auf einer einsamen Insel gepaart mit Mythos und las sich beim ersten  Überfliegen besser als beim genauen Durcharbeiten. So viele Lektoratsfehler habe ich schon lange nicht mehr gesehen: Es werden Briefe erwähnt, die aber nirgendwo auftauchen, die fertigen Charaktere haben häufig keine Zahlen neben ihren Fertigkeiten und ein wichtiger  Absatz endet mitten im Satz. Das Ende kommt außerdem sehr abrupt und ohne Zutun der Charaktere, was zwar für einen Con praktisch ist, aber insgesamt etwas unbefriedigend ist. Die Spieler dachten jedenfalls das plötzliche Ende wäre der Tatsache geschuldet, dass unsere Zeit ablief.

Mir hat das Abenteuer trotzdem großen Spaß gemacht. Es gibt eine Menge zu tun und die Fertigkeiten spielen eine große Rolle, sodass es auch gut als Einführung für „Trail of Cthulhu“ geeignet ist. Nur die Fertigkeit Outdoorsman hat einen zu zentralen Stand, aber das liegt nun einmal in der Natur des Genres.

Ich hatte sechs Spieler. Alle waren sehr lustige, aufgeschlossene Leute, die gern aktiv waren. Bei sechs Spielern ist es aber schwer, allen die gleiche Aufmerksamkeit zu schenken. Ich habe leider die eine oder andere Chance verpasst, ruhigere Spieler ins Geschehen einzubringen. Die Gruppe teilte sich außerdem häufiger und meist waren es die gleichen Leute, die den interessanteren Teil der Geschichte erlebten. Ich hoffe, es hat sich niemand gelangweilt, es standen aber zumindest alle ganz zufrieden auf, als wir uns zehn vor elf Richtung Table Quiz aufmachten.

Ich war u. a. mit zwei der Trail-Spieler in einer Gruppe und wir sind immerhin Dritte geworden. Die Fragen waren aber auch wieder besonders fies. (Nenne alle zehn Spiele, die in den 80er Jahren den Spiel-des-Jahres-Sonderpreis „Schönes Spiel“ bekommen haben. Ich hatte von keinem einzigen auch nur gehört.)

Dann noch ein wenig quatschen und anschließend nach Hause. Ich stieg kurz nach drei aus dem Auto und habe zum Abschluss meine Hspielt-Tasse vor die Haustür geworfen – schade drum, auch wenn nur etwas abgesplittert ist. Es hat wie immer Spaß gemacht, und ich habe wieder etwas mehr über „Trail of Cthulhu“ gelernt. Was will man mehr …

Advertisements

Veröffentlicht am 17. April 2011, in Cthulhu abseits, Gumshoe, Meinung. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 6 Kommentare.

  1. Die DS-Box sind richtig toll aus. Da freu ich mich total drauf :-]
    Ach, ich hoffe nächstes Jahr mal nach Hannover fahren zu können, klingt nach einer sehr netten Con :-)

    Schade um deine Tasse!

  2. Moin Amel!

    Wie immer warst Du ein gern gesehener Gast. Leider war in diesem Jahr irgendwie keine Zeit für ein Gespräch, aber wir werden das sicher in Otterndorf nachholen können. Damit der Auszug aus dem Table Quiz nicht etwaige Neulinge abschreckt, sei aber noch darauf hingewiesen, dass es Punkte für jedes genannte Spiel gab (nämlich 1/4-Punkt). Nicht etwa einen für alle 10 genannten. Das beste Team konnte aus dieser Frage 0,75 Punkte ziehen (ein Spiel im richtigen Jahr, ein weiteres Spiel genannt).

    Viele Grüße, Maniac

  3. Das ist ja eigentlich auch der Spaß am Table Quiz. Die Gruppe diskutiert und rät und per Ausschlussverfahren kommt man der Lösung manchmal näher, als man geahnt hätte.

    Ärgerlich beim Quiz war nur die Frage: Welche Band hat 2008 ihr endgültig letztes Album mit dem Titel „Endlich 18“ (Anm.: das Motto des Cons) herausgebracht? Ich war beim Abschiedskonzert, bei einem Konzert der Tour 2008 und habe die CD verschenkt. Da ich aber immer nur „mitgekommen“ und nicht selbst der Schröders-Fan bin, bin ich trotzdem nicht drauf gekommen. Sonst wären wir Zweite geworden :-)

    Gequatscht wird auf dem AdI oder auf dem Cthulhu-Con, falls du kommst.

  4. Das ist ja eigentlich auch der Spaß am Table Quiz. Die Gruppe diskutiert und rät und per Ausschlussverfahren kommt man der Lösung manchmal näher, als man geahnt hätte.

    Amel, das ist ein wichtiger Hinweis für alle Table Quiz-Anfänger, wie man ihn von einem Champion (zwar nicht in diesem Jahr, aber schon bei diversen Anläufen) erwarten darf. Und brillant von der späteren Siegergruppe bei der Endlich 18: Porno-Frage umgesetzt. Die hatten keinen blassen Schimmer von der Antwort auf diese Frage:

    „Endlich 18: Porno. Wie heißt die mittlerweile zum Kult gewordene, aber ursprünglich als Hardcore-Pornofilm geplante, Sexfilm-Parodie von 1972, bei dem die Helden auf dem Planeten Porno notlanden müssen?“

    Der zusätzliche Hinweis, dass einer der „Charaktere“ den wunderschönen Namen „Dr. Jerkoff“ trägt, hat dann aber unsere typischen Geeks zu der Überlegung gebracht, dass Dr. Jerkoff und Dr. Zarkoff natürlich irgendwie ähnlich klingen. Und dass Zarkoff ein Charakter aus der Comic-Reihe Flash Gordon ist. Und dass Flash ja auf dem Planeten Mongo notlandet. Mit ein bisschen Humor und imaginärem Eindenken in die Pornobranche ist man dann ganz schnell bei „Flesh Gordon“ und bei der richtigen Antwort. Kudos! So spielt man Table Quiz.

  1. Pingback: Boxenschau II: Wer ist in der Box? » Dungeonslayers

  2. Pingback: Gute Regeländerungen während des Spiels « Einige Seiten des Buches Eibon

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: