[Rezension] Blood of Pangea

blood-of-pangea[Olde House Rules, Regelwerk, Sprache: Englisch, PDF, 34 Seiten]

„Blood of Pangea“ ist ein einfaches „oldschooliges“ Rollenspiel für das „Swords and Sorcery“-Genre. Davon gibt es zwar schon ein paar, BoP ist aber wieder einmal ein wenig anders und so dennoch einen Blick wert.

Der kleine Verlag fing mit einem System namens „Pits & Perils“ an, das ich bereits besprochen habe. P&P erinnert sich zurück an die Zeit, in der Rollenspiel noch Tabletop war, wo es keine Tabellen mit Modifikationen gab, sondern es eher auf Stellung und Taktik ankam. Es war eine Zeit in der es hieß: „Bei 7+ auf 2W6 ist der Gegner getroffen und bekommt einen Punkt Schaden.“ P&P hat mir gut gefallen, nachdem ich mich erstmal gedanklich darauf eingestellt hatte.

BoP ist praktisch P&P ohne Charakterklassen oder Zauberspruchlisten. Oder genauer: Mit einer freieren Charaktererschaffung und freier Magie. Es nimmt die Idee aus den Tabletops und führt sie in einen erzählerischen, freien Rahmen. Das mag zunächst komisch klingen, funktioniert aber. Doch fangen wir am Anfang an:

Das PDF hat 34 Seiten, wovon 7 Seiten für Cover, Impressum, Widmung u. a. fallen. Der Rest ist wie P&P in einer auf alt getrimmten Schreibmaschinenschriftart gestaltet und mit ein paar Public-Domain-Abbildungen versehen worden. Der Text ist lesbar aber mäßig übersichtlich, weil auf unterschiedliche Schriftgrößen oder Fettdruck verzichtet wurde. Bilder und Schrift passen aber ins Gesamtkonzept und bringen durchaus Stimmung auf die Seiten.

Was genau „Sword and Sorcery“ sein soll, wird auf der ersten Seite erklärt. Dort zeichnet der Autor das Bild einer rohen Fantasywelt, höchstwahrscheinlich im Vor-Mittelalter oder zumindest einer fantastischen Version davon. Nach ein paar allgemeinen Worten geht es gleich zur Charaktererschaffung. Der Spieler wählt: Abenteurer, Dieb oder Magier. Dann schreibt er 30 Worte über die Figur, woraus sich zwei Fähigkeiten ergeben sollen, die auch noch einmal separat notiert werden. Das war es so ziemlich. Jede Figur hat zu Beginn 10 Punkte „Might“, die für Probenboni oder Magie ausgegeben werden können, aber auch im Kampf eine Rolle spielen. Jeder Treffer ist tödlich – es sei denn man gibt „Might“ aus, um dies zu verhindern. Ich halte das für eine geschickte Handhabung von Lebenspunkten. Magie ist frei. Der Spieler wählt also aus, was er zaubern will. Es gelten ein paar einfache und sinnvolle – und vor allem ins Genre passende – Einschränkungen, die dafür sorgen, dass diese Art Magie im Spiel auch wirklich einfach und ohne Diskussionen funktionieren sollte.

Die Kampfregeln sind so simpel wie in P&P: 2W6 gegen Mindestwurf (7 oder 9), ein oder zwei Punkte Schaden, evtl. drei bei schweren Waffen. Das war es mehr oder weniger. Initiative, Ausrüstung, Rüstung usw. werden natürlich auch abgehandelt, sind aber genauso einfach gehalten.

Auf S. 15 ist der Regelteil bereits beendet und es geht weiter zum „Campaigning“. Auf sechs Seiten findet der Spielleiter alles über wilde Tiere, namenlose Monströsitäten, Reisen, Sprachen, NSC-Typen und ein paar andere Kleinigkeiten. Das Genre ist wie auch in den anderen Regeln gut in Szene gesetzt, ohne dass der Leser dauernd mit der Nase darauf gestoßen wird. Den Abschluss bilden zwei Anhänge mit ein paar Worten über den Superkontinent Pangea, auf dem das Spiel stattfinden könnte, Götter, Dämonen und anderen Monstern.

Ehrlich gesagt, bin ich hin- und hergerissen. BoP sollte funktionieren und hat ein paar kleine, clevere Regelmodule. Die Magie mag ich sehr, ebenso die Einfachheit und Freiheit. Die Stimmung von barbarischer „Sword and Sorcery“ ist gut eingefangen. Es stellt sich nur die Frage, ob das am Ende für ein kommerzielles Produkt – selbst ein so günstiges – ausreicht. Als ein Spiel für zwischendurch, wenn man Freiheit will und „Old-School“ und keine Lust auf Angriffsmodifikatoren oder Tabellen hat, kann man es empfehlen. Man kann auch seinen Neffen damit ins Rollenspiel einführen, wenn dieser gerade eine coole Zeichentrickserie gesehen hat und gern darin spielen würde. Thundarr sollte damit ebenso einfach möglich sein wie Masters of the Universe. Trotz der Bedenken gefällt mir das Spiel. Vor kurzem ist „Retrospace“ erschienen, ein Quellenbuch für BoP, mit dem man Pulp-Sci-Fi spielen kann. Neugierig bin ich ja schon …

Veröffentlicht am 1. August 2015 in Rezensionen und mit , , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Hinterlasse einen Kommentar.

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