[Rezension] Schatten über Dolmvay (Labyrinth Lord)

Schatten über Domvay[Solo- und Gruppenabenteuer von Marc Geiger und Moritz Mehlem, Mantikore-Verlag, Sprache: Deutsch, Softcover, 84 Seiten, 14,95 €]

Wer schon immer wissen wollte, ob sich das einfache System „Labyrinth Lord“ auch für Soloabenteuer eignet, hat mit dieser Veröffentlichung des Mantikore-Verlags die Gelegenheit dazu. „Schatten über Dolmvay“ bietet neben einem ca. 230 Abschnitte langen Soloabenteuer aber noch mehr: LL-Veteran Moritz Mehlem steuert ein ebenfalls an Anfänger gerichtetes Gruppenabenteuer bei.

Das Buch ist ein stabiles Softcover mit schlichtem gut zum angestrebten Old-School-Feeling passenden Layout. Ich hätte mir allerdings mehr weiße Flächen gewünscht. Die große Schrift und schmalen Seitenränder machen den Text unübersichtlicher, als er sein müsste. Die Qualität der wenigen Zeichnungen schwankt zwischen mittelprächtigem Hobbyniveau und „ansehnlich“. Eine Dorfkarte im Anhang ist farbig entworfen worden, was (wieder mal) zu sehr schwachen Kontrasten im Schwarzweißdruck führt. Es ist mühsam alle Einzelheiten zu erkennen. Die ebenfalls beigefügte Dungeonkarte ist allerdings gut gestaltet und übersichtlich.

Das Soloabenteuer „Der Kessel der Toten“ von Marc Geiger ist für eine kleine Gruppe von Erststuflern konzipiert. Die wenigen notwendigen Regelanpassungen sind geschickt umgesetzt. Der Spieler reist in einer kleinen Gruppe, sodass ein paar grundlegende Fertigkeiten vorliegen, egal welche Charakterklasse der Spieler wählt. Seine Gefährten sind vorgegeben: ein Halbling, eine Klerikerin und ein Elf. Der Kampf ist etwas vereinfacht, es gibt z. B. eine schöne Regelung für Entfernungen. Auch die anderen kleinen Ergänzungen wie Zeitverlauf, Heilung und Nahrungsaufnahme sind gut gelöst. Sogar ein System, das ermittelt, wie viel Zeit vergeht und ob Tag oder Nacht ist, gibt es. Einzig die „komplexen Handlungen“ sind mir einen Hauch zu komplex – immer noch verständlich und für viele Spieler vielleicht genau der richtige Grad an Komplexität, ich mag meine Solos aber so einfach wie möglich.

Das Abenteuer ist kurzweilig. Die Gruppe sucht nach dem namensgebenden Kessel der Toten und bewegt sich dabei durch die  zwielichtigen und weniger zwielichtigen Bezirke der Stadt Dolmvay. Das Abenteuer ist nicht allzu schwer, durch die Tödlichkeit des Regelwerks aber auch nicht zu einfach. Abseits der Kämpfe wird hauptsächlich herumgerätselt und ein wenig herumgeirrt. Das passt hervorragend zum Old-School-Feeling, verlagert aber das Spielgefühl außerhalb der Kämpfe von „spannend“ auf „ganz interessant“. Es gibt keine herausragenden Überraschungen, wer aber das System – oder Rollenspiel allgemein – einmal ausprobieren will, liegt hier genau richtig.

Moritz Mehlems Gruppenabenteuer „Der Tempel der Koa-Tau“ ist nicht neu. 2010 erschien es als PDF (und ist immer noch bei Drivethrurpg.com zu bekommen). Es ist aber schön, das nette Abenteuer gedruckt zu sehen.

Etwas peinlich ist allerdings, dass augenscheinlich keinerlei Anpassungen von der alten auf die gedruckte Version vorgenommen wurden. So wird beispielsweise auf einen Download der Regeln auf der Homepage von Goblinoid Games verwiesen. Da wäre ein Hinweis auf den aktuellen Verlag sicher sinnvoller gewesen. Es gab mal eine deutsche Version von Labyrinth Lord als kostenloses PDF, dieses ist aber inzwischen aus allen offiziellen Quellen verschwunden.

Auch die Schreibe ist verbesserungswürdig. Kann man allerdings über ein paar Redundanzen und gestelzte Formulierungen hinwegsehen, sollte das nur mäßig stören, denn es kommt ja viel eher darauf an, ob das Abenteuer etwas taugt.

Und das tut es. Der Aufhänger ist einfach: Fischmenschen entführen Bewohner des Dorfes Tauberg in einen verlassenen Tempel in den Bergen. Dort sollen, so heißt es, außerdem große Schätze liegen.

Das Dörfchen Tauberg wird rudimentär beschrieben (hauptsächlich wo und bei wem man Sachen kaufen kann). Ganz nach alter Manier gibt das Abenteuer keine Handlung vor Erreichen des Tempeleingangs vor, sondern bietet dem Spielleiter an, selbst etwas zu erfinden. Anfänger wollen wahrscheinlich sowieso dort beginnen.

Das Abenteuer selbst ist ein klassischer, hervorragend konzipierter Dungeon. Zwar sind die Überraschungen meist auf „Was für Monster lauert hier und wo ist es versteckt?“ beschränkt, aber viele Kleinigkeiten sorgen für Spannung und bringen Old-School-Neulingen auch gleich die richtige Einstellung bei. Dass ein Räumesystem nicht statisch ist, lernen Spieler und Spielleiter gleich mit der ersten Begegnung. Auch dass nicht jedes Monster bekämpft werden muss und es unbesiegbare Gegner geben kann, wird sehr schnell klargestellt. „Der Tempel der Koa-Tau“ ist ein wunderbarer „Lern-Dungeon“ und ein schöner Abschluss für das Buch.

Fazit: Ein gut gemachtes Solo-Abenteuer und ein klassischer, ebenfalls gut konzipierter Dungeon – beides zusammen in einem stabilen Heft und einer Gestaltung, die so klassisch ist, wie der Inhalt (dementsprechend muss man dort ein paar Abstriche machen). „Schatten über Domvay“ bietet damit genau, was man von „Labyrinth Lord“ erwarten kann.

Veröffentlicht am 16. September 2013 in Rezensionen und mit , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Ein Kommentar.

  1. Was das Grundregelwerk und dessen nicht Runterladbarkeit angeht, spekuliere ich mal, daß das an der Revised Edition liegt. Übrigens, ich weiß nicht wie offiziell das ist, aber bei einem der Übersetzer aus der Schweiz kann man das Grundregelwerk immer noch runterladen. ;)

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