Zum 123. Geburtstag Lovecrafts: Cthulhu-Con-Bericht 1013

Ich will gerade lostippen, da sehe ich, dass heute der 123. Geburtstag von HPL ist. Das ist ein schöner Grund, um den Artikel heute auch fertig zu machen. Auf HPL! Ohne ihn wäre das hier alles nicht möglich.

Der 10. Cthulhu-Con fand wie die letzten Jahre auf Burg Rieneck statt. Die Location ist einfach toll. Das Essen ist ok, die Kaffeeversorgung funktioniert und es gibt viele schöne Orte, um zu spielen. Auch das Wetter hat dieses Jahr mitgemacht: warm und sonnig am Tag und kühl in der Nacht, dass man vernünftig schlafen konnte.

Donnerstag ging es bereits los. Eine halbe Woche ist viel Zeit zum Spielen, denkt man – und plötzlich ist es Sonntag und man fährt wieder nach Hause. Es gab aber auch wieder viel zu tun, zu sehen und zu quatschen. Zum Jubiläum wurde ein Jubiläumsdinner serviert und einen Abend wurden Cocktails gemixt, die ausgesprochen lecker waren (vielen Dank an Barmann Yörn! – Ich hoffe, ich schreibe dich richtig). Als weiteren besonderen Programmpunkt gab es einen Film. Es war ein Low-Budget-Lovecraft-Film, der, glaube ich, Gewinner eines HPL-Filmfestivals ist. „The Thing on the Doorstep“ war durchaus nett gemacht, nur der Ton war mäßig, sodass ich nur ein Viertel des englischen Textes verstanden habe. Bei so einer Ausbeute war es dem Film trotz der teilweise großartigen Bilder unmöglich, mich wirklich zu fesseln – dass ich aufgrund des unvermeidbaren Schlafmangels fast eingeschlafen wäre, hat auch nicht geholfen.

Wesentlich spannender war eine kurze Vorschau auf den Film „Dreamlands“, die „Die Farbe“-Macher Huan Vu vorstellte. Es soll ein groß angelegter Fantasyfilm werden, der mehrere Dreamlands-Geschichten auf der Leinwand vereint. Ob und wie schnell das Projekt umgesetzt werden kann, steht noch in den Sternen, aber der Trailer lässt Großes hoffen.

Die Hauptattraktion der Con waren natürlich die Spielrunden. Donnerstagabend bot Daniel für einen kleinen Kreis Pendragon an. Er hatte extra ein Abenteuer herausgesucht, in dem Tentakeln (wenn auch keine cthuloiden) vorkamen. Pendragon ist toll. Ich habe es jetzt zweimal gespielt und es war jedes mal ein besonderes Erlebnis. Die Regeln funktionieren einfach, sind spannend, kurzweilig und nachvollziehbar. Die Geschichte war unkompliziert und kurz: Ein Ehemann, der nach der Ehe „wunderlich“ wurde, ein alter Fluch und einige Tests unserer Standhaftigkeit in einer Burgruine unter Wasser sorgten für Spannung. Ich spielte den 17-jährigen Lancelot, eine Figur, die mir ausgesprochen gut gefiel. Die Truppe war nett, der Spielleiter gut und der Abend war schnell vorbei.

Freitagmorgen bot Ralf mit der Unterstützung von Daniel ein Seminar über das Abenteuerschreiben an, das zu viel Diskussionen zwischen Ralf und mir führte. Der Vortrag arbeitete alle Grundlagen ab: Vom Brainstorming mit unterschiedlichen Techniken, über das Aufschreiben bis hin zum Spannungsbogen-Erschaffen. Ralf orientierte sich stark an dem Aufbau von Geschichten und gab ein paar hervorragende Tipps. Was mir persönlich etwas fehlte, waren Hinweise, wie man Railroads nicht unangenehm werden lässt oder sie ganz vermeidet, aber ein solches Seminar kann niemals alles abdecken. So war es ein unterhaltsamer Vortrag, in dem ich sogar etwas gelernt habe.

Den Nachmittag nahm ich mir frei, bereitete mein Abenteuer für den Abend vor und schlief noch einmal zwei Stunden. 21 Uhr bot ich dann „Return to Red Hook“ für Trail of Cthulhu an, ein Abenteuer, das sich im Band „Arkham Detective Tales“ befindet. Die Gruppe war vielleicht eine der sympathischsten, mit denen ich bisher auf Cons spielen durfte. Auch das Abenteuer lief hervorragend. Die Story ist spitze, es kam – so weit ich das als SL beurteilen kann – keine MInute Langeweile auf und der actionreiche Abschluss war spannend. Da ich das Abenteuer vielleicht noch einmal auf dem ADI im September anbieten will, kann ich hier nichts zum Inhalt sagen. Nur so viel: Die Gruppe verschanzte sich am Ende in einem Haus mit Kultanhängern und lieferte sich mit ihnen ein tolles Feuergefecht. Den Schluss musste ich etwas kürzen, aber da ich die geplanten letzten Szenen ohnehin nicht so toll finde, war das nicht schlimm. Wenn ich nach der hervorragenden Dynamik am Spieltisch gehe, scheint die Gruppe so viel Spaß gehabt zu haben wie ich. Danke, Leute, das war echt spitze.

Es ging bis 3 Uhr nachts und nach einem extrem kurzen Abstecher ins Gewölbe (dort war die Kneipe), fiel ich müde ins Bett.

Am Samstagmorgen wollte ich eigentlich pausieren, doch Kaid bot spontan eine Runde Fiasko an, das ich schon so lange einmal ausprobieren wollte. Wir rekrutierten noch ein paar Leute mehr und spielten schließlich zu fünft. Als Playset wurde passenderweise „Bookhounds of London“ gewählt und schnell hatten wir die Figuren erschaffen. Ich war ein schmieriger Erpresser, was mir viel Spaß bereitete. Wir hatten einen Buchladen, ein magisches Tagebuch, Fälschungsversuche und Entführung. Am Ende verbreitete ein Dämon Missstimmung und zwei Menschen (u. a. ich) und ein Haus brannten. Fiasko ist mal etwas ganz anderes. Es funktioniert hervorragend und liefert Möglichkeiten, Geschichten zu erfinden und ein wenig zu schauspielern. Das nächste Mal achte ich auf größere Ziele, sodass man noch mehr Unerwartetes erlebt. So oder so war es ein spannender Vormittag.

Nachmittags leitete ich dann „The Wild Hunt“ aus dem Buch „Black Bag Jobs“ für das Spiel The Laundry. The Laundry ist ein Cthulhu-Ableger, der ebenfalls mit den BRP-Regeln arbeitet. Der Hintergrund entstammt der gleichnamigen Romanreihe von Charles Stross. Er paart grauenhaft komplexe Bürokratie mit grauenhaft entsetzlichen Monstern und herzerfrischender Parodie. Zwei Mitspieler kannten die Romane (im Gegensatz zu mir), doch auch der Rest der Gruppe fand sich sehr schnell ein und ergötzte sich daran, mit der Bürokratie zu spielen. Das Abenteuer spielt in Dartmoor in einem esoterischen Selbstfindungszentrum. Der Besitzer Dr. Greg Satori ist ein herrlich witziges Klischee des modernen Gurus. Das Zentrum liegt am Rande eines unheimlichen Waldes und grenzt an ein altes Haus mit merkwürdigen Bewohnern. Ein paar Leute sind verschwunden und es gibt andere Merkwürdigkeiten.

Das Abenteuer ist prinzipiell sehr gut, nur die Informationsdichte ist nicht so hoch, wie ich es mir gewünscht hätte. Das war mir beim Lesen nicht aufgefallen. So stolperte die Gruppe verhältnismäßig ziellos umher – zwar mit Spaß, aber mit weniger Erfolgen, als ich gern gesehen hätte. Sie fanden zwar heraus, in welche Richtung es ging, doch dauerte es so lange, dass wir das Showdown nicht mehr vor dem Film schafften, der abends lief, und leider auch später keine Zeit mehr dafür fanden. Die Gruppe bereitete mir aber unentwegt Freude mit der Darstellung der Agenten und ihrem ganz persönlichen Verhältnis zu Dr. Satori. Ich fand das Spiel witzig und hoffe, es hat sich niemand gelangweilt.

Abends nach dem Film gab es wie üblich den großen Abschluss mit dem Tablequiz. Ich hatte das Glück mit einem echten Fachmann am Tisch zu sitzen und so gewannen wir mit einem Punkt Vorsprung. Ich habe z. B. nicht gewusst, woran Lovecraft gestorben ist (Darmkrebs) und hätte auch den Vornamen seiner Frau verwechselt (Sonia). Dafür wusste ich aber noch vom ersten Tablequiz, wo der blaue Monolith steht (R’lyeh) und konnte so doch noch ein wenig beitragen. Beim Schaden der Elefantenbüchse lagen wir alle daneben (3W6+4) und den Stabilitätsverlust eines Shoggothenlords in Monstergestalt (1W6/1W20) hatten wir auch falsch. Es war wie immer ein vergnüglicher Abschluss. Danach fanden noch viele interessante Gespräche statt und wieder einmal viel zu spät ging ich ins Bett.

Nach dem Frühstück am nächsten Morgen gab es noch mehr Gespräche und nach ganz vielen „Bis nächstes Jahr“, „Bis zur Spielemesse“ oder „Bis zum ADI“, machte ich mich auf den Heimweg. Die Rückreise war ereignislos aber erwartungsgemäß anstrengend. Ich bin immer noch müde, aber es hat sich gelohnt. Der DCC 2013 war ein tolles Ereignis ohne einen einzigen Wermutstropfen. Mehr kann man nicht verlangen.

Veröffentlicht am 20. August 2013 in Cthulhu, Meinung und mit , , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Ein Kommentar.

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