[Rezension] Nova Basisbuch 2e

Nova Basisbuch 2e[Regelwerk von Daniel Scolaris, Prometheus Games, Sprache: Deutsch, Hardcover, 496 Seiten, 49,95 €]

Über die zweite Auflage des liebevoll gestalteten Science-Fiction-Rollenspiels Nova wird verhältnismäßig wenig geredet. Meiner Meinung nach liegt das nicht daran, dass es etwa uninteressant oder schlecht gemacht wäre, sondern eher am Umfang des Buches. Das Buch ist so dick, dass man damit locker einen Metonoiden erschlagen könnte. 496 Seiten und einige Kilo bringt das hübsch gestaltet Hardcover mit. Das Cover verspricht unendliche Weiten und das Layout hat einen gewissen technischen Charme, der zum Genre passt und auch noch gut aussieht.

Die Welt von Nova bietet alle klassischen Versatzstücke der Space Opera und versucht sich auf halbem Weg mit der „ernsthaften“ SF zu treffen. Die Menschheit hat sich über das Weltall ausgebreitet und dabei natürlich andere Wesen auf anderen Planeten getroffen. Sie wird von einem Imperator regiert. Es gab einen interstellaren Krieg mit den eigentlich überlegenen Beta-Pictor, der mit einem Abkommen beendet wurde. Niemand weiß, warum die Aliens nicht einfach weitergekämpft haben. Andere Bestandteile des Universums sind: eine Echsenmenschenspezies, ein Schwarmvolk, Unterwasserwesen, intelligente Roboterwesen und noch vieles mehr. So klassisch das auch sein mag, man hat nie den Eindruck nur einen Aufguss von Altbekanntem vorgesetzt zu bekommen. Das Nova-Universum bietet ein rundes Konzept und fühlt sich „echt“ an. Man merkt dem Text die viele Liebe an, die in die Entwicklung der Fraktionen, Welten, Wesen und Zusammenhänge geflossen ist. Scolaris kann bei all der Detailverliebtheit nicht immer verhindern, ins Schwafeln zu kommen, zum Glück bleibt das aber die Ausnahme. Das Augenmerk von Nova liegt eindeutig auf der Welt, und es macht Spaß, sich durch 500 Jahre Geschichte zu wühlen oder die verschiedenen Spezies zu erkunden.

So viel Mühe sich mit der Welt gegeben wurde, so viel Mühe floss auch in alles andere. Es passt alles zusammen, sei es Layout, Buchaufbau, Charakterbogen oder Regelkomponenten. Mit haufenweise Querverweisen, geschickt platzierten Textkästen und einem vorbildlichen Einleitungskapitel organisiert er die Informationsmassen bestmöglich.

Die Einführung ist kurz und knackig. Der Geschichtsabriss der letzten 500 Jahre ist beispielsweise nur zwei Seiten lang. Das bekannte Universum ist in Zonen unterteilt, auf die kurz eingegangen wird. Der Hauptteil der Beschreibungen richtet sich aber an die darin lebenden Wesen und erfolgt größtenteils anhand von Zitaten. Ein Seitenverweis auf das entsprechende Hintergrundkapitel ist auch beigefügt.

Ob einem die Beschreibung anhand von Zitaten gefällt oder man objektive Sichtweisen bevorzugt hätte, muss jeder selbst entscheiden. Die „aufgezeichneten Dialoge“ und Ausschnitte aus Reden oder Protokollen klingen manchmal doch etwas gestelzt. Auf der anderen Seite richtet sich die Übersicht an Spieler, die entscheiden sollen, was für eine Figur sie spielen. Eine subjektive Sichtweise ist da gar nicht so schlecht. Insgesamt ist das Kapitel jedenfalls gut gelungen und gibt dem Leser die Möglichkeit, sich auf nur 18 Seiten einen Überblick zu verschaffen. Bedenkt man, dass SF-Spiele im Gegensatz zur Fantasy nicht auf bekannte Klischees zurückgreifen können, ist das erfreulich kurz.

Um einen Eindruck von den Regeln zu bekommen, sei ein Blick auf die Charakterbögen geworfen. Passend zum Genre sieht er nicht nur technisch aus, sondern zeigt auch die Art der zu erwartenden Regeln. Auf dem Bogen gibt es Felder für Augen-, Haar- und Hautfarbe (ziemlich unsinnig bei manchen Spezies, die weder das eine noch das andere haben). Es gibt 10 Eigenschaften, Kenntnisse, Spezialgebiete, einen Energiemonitor, Stresslevel, viel Platz für Rüstung, Waffen, Körperstruktur und und und.

Die Regeln sind tief im Rollenspieldesign der 80er und 90er verwurzelt. Das Design könnte etwas modernisiert werden, aber ist es stimmig und funktional. Und es passt zur SF. Es vermittelt ein technisches Gefühl, das dann erstrebenswert ist, wenn man sich vom reinen Abenteuergenre entfernen möchte. Nova will kein SF-Pulp sein und mehr als Laserschwerter und Sci-Fi-Ritter. Eine gewisse Komplexität ist da einfach nötig, wenn man sich nicht auf den rein erzählerischen Aspekt verlassen will.

Auf den ersten Blick wirkt das vielleicht erschreckend, so schlimm ist es am Ende aber nicht. Damit ohne große Kopfschmerzen ins Spiel eingestiegen werden kann, bietet Nova Regelmodule. Bestimmte Regelbestandteile bekommen einen Zahlenwert für ihre Komplexität. Aufaddiert kann man daraus ablesen, wie lange beispielsweise die Charaktererschaffung dauert. Eine Gruppe beginnt mit einfachen Modulen und kann die komplexeren nach und nach einbauen.

Den Regeln ist das letzte Drittel des Buches gewidmet. Technik ist inbegriffen und so beschäftigen sich fast 160 Seiten mit Kampf, Mutationen, Kybernetik, Raumschiffen, Raumkampf, allgemeiner Technik, Waffen, Schutzkleidung u. v. m. Die Vollständigkeit ist wie schon im Hintergrund-, ja sogar dem Einführungskapitel wieder einmal hervorzuheben. Es sollten kaum Wünsche offen bleiben. Auch ein Beispielabenteuer ist enthalten, was ich persönlich sehr wichtig finde.

Nova ist Grundregelwerk und diverse Quellenbücher in einem Band. Es ist das Magnum Opus des Autors, der es in vielen, vielen Jahren entwarf und immer wieder weiterentwickelte. Es ist das perfekte Buch für SF-Liebhaber, die gern ein ganzes Universum entdecken wollen und auch der technischen Seite etwas abgewinnen können. Man kann wochenlang durch das Buch stöbern und immer wieder Neues entdecken. Der Leser muss allerdings Energie investieren, will er es genießen. Das Lesen über ein fremdes Universum muss ihm genauso viel Spaß machen, wie das Erlebnis am Spieltisch. Bringt er die nötige Begeisterung mit, wird ihn Nova nicht enttäuschen.

Auf der Webseite gibt es Abenteuer, ein Fanpaket, Spezieskurzreferenzkarten und einiges mehr. Besonders Letztere vermitteln einen guten Eindruck.

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Veröffentlicht am 29. Mai 2013, in Rezensionen. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Hinterlasse einen Kommentar.

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