Warum müsste ein DSA5 die alten Regeln eigentlich ersetzen?

Wenn es um DSA geht, schlagen die Gemüter hoch. Viele schreien nach Veränderungen, alte Fans laufen weg. Treue Fans verteidigen „ihr“ DSA bis aufs Blut.

Nun könnte Ulisses das als Geschmackssache abtun und sich den wichtigen Dingen zuwenden, nämlich der Zufriedenstellung der normalen, leisen Fans, die DSA mögen wie es ist und gern neue Bücher kaufen, ohne sofort ins Internet zu gehen und mit Kritik um sich zu werfen, als bekämen sie Geld dafür. Aber, wie wir alle wissen, machen es die aktuellen Regeln durch ihre Komplexität nicht gerade leicht, in DSA einzusteigen. (Aventurien selbst will ich außen vor lassen, das ist wie es ist und kann kaum noch geändert werden.) Nachwuchs ist ohnehin Mangelware und wenn es ihm auch noch zusätzlich schwer gemacht wird, ist das einfach nicht gut.

Das ist natürlich nichts Neues und aus der vor einiger Zeit durchgeführten Umfrage schließe ich, dass auch Ulisses über ein DSA5 (oder 4.5) nachdenkt. Wie ich die treuen DSA-Fans einschätze, würde aber fast jede Regelvereinfachung einige von ihnen verärgern. Es würde das spezielle DSA-Gefühl verändern, die starke Verquickung von Regeln und Welt – beides sehr detailliert und beides darauf ausgelegt, dass sich ein Spiel in Aventurien genauso anfühlt, wie es das zurzeit tut. DSA5 wäre ein uneinschätzbares Risiko für den Verlag.

Aber muss ein neues Regelsystem zwangsläufig ein Ersatz für das alte sein?

M20 liefert ein funktionierendes Beispiel, wie es anders gehen könnte. Es sind Regeln für D&D/Pathfinder, die auf das Wesentliche gekürzt wurden. Das Besondere ist, dass die Abenteuer und Quellenbücher für D&D/Pathfinder ohne jede Konvertierung benutzt werden können. Der Spielleiter muss nur einige Informationen aus den Wertekästen weglassen und kann mit dem Rest ein tolles, flexibles Spiel machen. Außerdem kann er auf die ganzen Listen – Zauber, Feats, magische Gegenstände, sogar Regeldetails – von d20 zurückgreifen und sich bedienen – immer noch ohne irgendetwas konvertieren zu müssen.

So etwas müsste doch auch für DSA möglich sein. Ein Regelwerk – vielleicht grob angelehnt an DSA3 mit einigen Modernisierungen -, das in ein Buch passt, einfach, flexibel und schnell zu erlernen ist.

Es dürfte nichts Halbgares sein, kein Regelwerk, das dem Leser das Gefühl vermittelt, den Kindereinstieg in den Händen zu halten, damit er später zum „richtigen“ DSA wechseln kann (wie das DSA-Basisbuch). Es müsste gut getestet sein und Möglichkeiten zu taktischem Vorgehen liefern und trotzdem Raum zur Interpretation liefern. Es müsste weniger buchhalterisch sein. Sprich: mehr Spiel, weniger Simulation

Das kürzlich erschienene PORTAL beweist, das so etwas möglich ist. Auch DS-Aventurien und Savage Worlds könnten Ideen liefern, ebenso das kommende DnD Next oder M20 selbst. Ich persönlich würde die Sonderfertigkeiten, Vor- und Nachteile und die Ausdauer streichen, Proben mit 1W20 würfeln lassen und Wunder und Magie vereinheitlichen. RS, Astral- und Karmaenergie, die 7 Attribute, AT/PA, 1W+4 Schwertschaden und eine handvoll andere Dinge müssten erhalten bleiben, um das DSA-Gefühl zu erzeugen. Ein Klassensystem könnte ein paar Sonderfertigkeiten über die Hintertür wieder einführen. Das Kampfsystem könnte einige Kampfsonderfertigkeiten in für alle Klassen gültige allgemeine Kampfregeln überführen (Entwaffnen, Wuchtschlag, etc.). Die Zauber und Wunder könnten kürzer und mit mehr Raum zur Interpretation beschrieben werden und alle erhalten bleiben. Am Ende könnte am Beispiel gezeigt werden, welche Werte von einem DSA4-Wertekasten benötigt und welche ignoriert werden können.

Ein solches Regelwerk – ein Buch: überschaubar, flexibel, weniger simulatorisch (!) und vor allem vollständig – würde es Ex-Fans und Neulingen erlauben, (wieder) in DSA einzusteigen. Es wäre ein zusätzliches Buch – kein Ersatz, kein DSA5 – und alle Quellenbücher, Abenteuer und sogar neue Regelwerke für DSA4.1 könnten normal weiter produziert und genutzt werden. Es könnte Teile der gespaltenen DSA-Fangemeinschaft wieder auf Aventurien zusammenbringen.

Vielleicht finden sich irgendwann ein paar Fans, die so etwas entwickeln, ohne sich in Details zu verstricken. Damit es sich etabliert, müsste es allerdings Ulisses selbst entwickeln.

Nachtrag (03.05.13): Da es in diesem Punkt offenbar Verwirrung gibt, möchte ich klarstellen, dass es nicht darum geht, DSA4.1 einzudampfen. Ich meine ein separates Spiel, separat entwickelt, das nur die gleichen Begrifflichkeiten und Größenordnungen benutzt. Meiner Vorstellung nach würde beispielsweise ein angepasstes DSA3 funktionieren.

Veröffentlicht am 2. Mai 2013, in Meinung. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Kommentare deaktiviert für Warum müsste ein DSA5 die alten Regeln eigentlich ersetzen?.

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