Vom sympathischen Internetauftritt

Ich schreibe generell wenig Negatives im Internet – kein Bashing, kein Dissen. Wenn ich absolut nichts Positives über eine Sache berichten kann, erzähle ich lieber gar nichts darüber.

Auch ich habe öfters den Drang, über etwas zu meckern, aber im Gegensatz zum „richtigen Leben“, schaffe ich es meist, diesem Impuls zu widerstehen. Ich weiß gar nicht, wie häufig ich schon einen langen Forumspost oder Blogkommentar geschrieben habe, in dem ich mich über irgendetwas aufregte – normalerweise über den Text direkt darüber – dann aber statt auf „Senden“ auf „Abbrechen“ geklickt habe. Es lohnt sich nicht. Man regt sich auf, produziert neue Aufreger und am Ende verhallt die Beschwerde entweder ungehört oder man bekommt Gegenwind, der in fruchtloses Gemecker mündet.

Vor allem aber sind solche Posts unsympathisch. Wer spricht schon gern mit chronischen Meckerern? Ich bin im realen Leben schon negativ genug, da muss ich mich nicht auch noch im Internet mit Negativlingen und Motzköppen abgeben.

Wie ich vor kurzem gelernt habe, funktionieren Diskussionen so: Aussagen über die eigene Meinung beenden eine Diskussion, faktenbasierte Aussagen ohne Meinung beginnen sie. Wenn ich eine Diskussion über etwas starte, das ich hasse, findet sich im Internet immer jemand, der es gerne mag und sich auf den Schlips getreten fühlt. Ergo: Streit. Ich will keinen Streit im Rollenspiel, denn Streit ist unsympathisch.

Es gibt genug Leute, die ein gutes Streitgespräch mögen. Aber ist euch mal aufgefallen, das ein „gutes“ Streitgespräch im Internet fast unmöglich ist? Es ist doch besser, wenn man sich über die guten Sachen austauscht und versucht, diese anderen näher zu bringen. So etwas schafft Begeisterung und davon lebt Rollenspiel.

Es gibt auch Leute, die Streit ganz generell mögen. Umgebt ihr euch gern mit Leuten, die Streit mögen?

Leider verursacht Streit Aufmerksamkeit und damit „Hits“ und so fühlen sich die Streiter im Recht. Liebe Leute: Diese Streitgespräche sind wie Autounfälle. Man findet sie eklig, kann aber nicht weggucken. Wollt ihr das wirklich?

Versucht lieber zu verstehen, warum euer Gegenüber etwas mag, das nicht nach eurem Geschmack ist. So beweist man Weltoffenheit. Das macht sympathisch. Und man lernt auch noch was.

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Veröffentlicht am 21. April 2012, in Meinung. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 4 Kommentare.

  1. Amen, Amel!
    Ich habe berufsbedingt schon einige Kommunikationstrainings besucht und die sagen im Endeffekt das Gleiche aus wie Du es dort schreibst. Permanentes Nörgeln vermiest mir den Spaß, egal ob im echten Leben oder im Rollenspiel. Im Beruf (Beratung bei der Deutschen Rentenversicherung, also viel Potential für Unzufriedenheit) gehe ich da auch nie gegen an, sondern stelle mich entweder auf die Seite des Meckerers, lasse es an mir abprallen und dann ist gut, oder ich kann demjenigen die Bedeutung und den Hintergrund der Sache erläutern und dann ist die Sache auch beigelegt. Freundlichkeit ist hier der Schlüssel. Im Privatleben kann ich das zwar auch ne gewisse Zeit, aber da rege ich mich über Meckern schon eher mal auf. Ich-Botschaften helfen dann, um es der anderen Seite ohne Streit klar zu machen.

    Was Rollenspiel und Internet angeht: Ich finde die verschiedenen Blubber- und Meckerthreats die es so gibt einfach nur mega überflüssig. Das hat auch nichts mit Humor zu tun. Meistens habe ich den Eindruck, dass viele Leute so einfach Aufmerksamkeit suchen (interessant in dem Zusammenhang die Theorie, dass Facebook und Co. den Narzissmus fördern). Eine Weile lang hab ich mir manche solcher Aussagen wirklich zu Herzen genommen, habe an Dinge, die ich bisher im Rollenspiel geliebt habe angezweifelt und mir dadurch manchen Spaß fast verderben lassen. Das kann es ja dann nicht sein. Freie Meinungsäußerung ist gut und wichtig und soll immer bleiben, aber viele Menschen denken glaube ich nicht darüber nach, was ihre Aussagen bei anderen bewirken können.

    Ich nehme Meckerer inzwischen nicht mehr ernst, amüsiere mich bestenfalls über die Diskussionen, die zeitweise bis aufs Blut geführt werden und sehe das eher als Hilferuf manch unsicherer Seele an. Leute, es ist ein Hobby und es gibt kein Richtig, kein Falsch, es gibt nur anders. Verderbt euch nicht gegenseitig den Spaß. Meiner Erfahrung nach haben Meckerer irgendwann keine Mitspieler mehr.

  2. Sehe ich auch so! Und den Moment über eine wütende Forenantwort nochmal drüberzulesen und dann den Beitrag nicht abzuschicken, kenne ich nur zu gut.

  3. @amel: mmh, was isf für dich den Meckern?
    ich hab die Erfahrung gemacht, dass verschiedene Leute zwischen Skeptiker und Jubelperser verschiedenes darunter verstehen.

  4. Meckern ist meckern, da gibt es keine Abstufungen. Nur ab wann man es als unangenehm empfindet, ist fließend.

    Der Rest ist simple Sozialkompetenz. Ein Skeptiker, der seine Skepsis permanent mitteilen muss und damit den „Jubelpersern“ den Spaß verdirbt, ist unsympathisch. Wenn er aber versucht, die Lobpreiser zu verstehen, ist das sympathisch.

    Oder kurz: Wenn man sich im Internet angegriffen fühlt, „bloß weil man mal ein wenig Kritik äußert“, ist das nicht die Schuld der anderen.

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