Rezension: Legenden von Harkuna 1 – Das Reich des Krieges

[Spielbuch von Dave Morris und Jamie Thomson, Mantikore-Verlag, 2011, Sprache: Deutsch, Taschenbuch, ca. 385 Seiten, € 14,95]

Nach „Einsamer Wolf“ bringt der Mantikore-Verlag mit der Reihe „Legenden von Harkuna“ eine weitere klassische Spielbuch-Reihe wieder auf den Markt. Das Original war in den 90ern unter dem Titel „Fabled Lands“ zu bekommen.

Die Regeln sind einfach und doch komplex genug, um den Spielbuch-Spieler eine Weile zu unterhalten. Obwohl es eine ganze Reihe an Werten gibt, wodurch die Charakterentwicklung auch über längere Zeit interessant wird, ist der Regelteil einfach und schnell gelesen. Er ist sogar kürzer als beim „Einsamen Wolf“.

Alle Figuren haben sechs Charaktereigenschaften wie Zauberkraft oder Charisma. Zusätzlich gibt es noch Lebenspunkte (bei allen gleich) und ein Verteidigungswert. Proben und Kämpfe sind spielend einfach. Zu Beginn kann man zwischen sechs fertigen Figuren wählen oder selbst eine erstellen. Letzteres ist allerdings fast schon ein Witz, denn „selbst erstellen“ bedeutet eigentlich nur, dass man Namen und kurze Hintergrundbeschreibung der fertigen Figuren ändert. Aber das stört nicht, wichtig ist ja, dass man sofort losspielen kann.

Das Abenteuer selbst besteht aus 680 Abschnitten. Anders als in den meisten anderen Spielbüchern kämpft sich die gewählte Figur nicht durch eine festgelegte Geschichte, sondern bewegt sich völlig frei (so frei es eben bei einem Solo-Abenteuer geht) durch die Welt von Harkuna, erlebt unterschiedliche Abenteuer, bewältigt verschiedene Questen und lernt so nach und nach dazu und verbessert ihre Werte. „Harkuna“ ist sozusagen eine „Solo-Sandbox“. Die Reihe ist so angelegt, dass sogar zwischen den Büchern hin- und hergesprungen werden kann, wodurch sich eine Freiheit ergibt, wie sie in keinem anderen Spielbuch zu finden ist. So könnte es geschehen, dass die Figur, wenn sie sich in einen bestimmte Situation begibt, entführt und als Sklave verkauft wird, und der Leser aufgefordert wird: Lesen sie in Buch X bei Abschnitt Y weiter.

Das ist einerseits eine tolle Sache, anderseits stört es erheblich, wenn man nicht alle Bücher der Reihe besitzt. Zum Glück ist es relativ einfach, in Buch eins zu bleiben, solange man auf die Karte achtet, die zu Beginn abgedruckt ist. Die Bücher beschäftigen sich nämlich mit verschiedenen Gegenden von Harkuna. Buch eins spielt in Sokara und der Leser kann erahnen, wann er sich über den Rand der Karte in ein anderes Buch begibt. Stolpert man aus Versehen von der Karte, muss man zurückblättern und eine andere Wahl treffen.

Der Ansatz der „Sandbox“ ist ungewöhnlich und gefällt mir sehr gut. Die Regeln sind einfach und doch komplex genug für ein längeres Spiel. Die Geschichten, die man erleben kann, sind spannend und einfallsreich. Kann man damit leben, dass mehr Bücher benötigt werden, um das volle Potenzial der Reihe auszuschöpfen, erhält man ein spannendes Spielbuch, das lange Zeit zu unterhalten weiß.

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Veröffentlicht am 21. Februar 2012, in Rezensionen. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Hinterlasse einen Kommentar.

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