Kampf als Krieg oder Kampf als Sport?

In letzter Zeit stoße ich immer wieder auf Augenöffner, die mir die Welt der Rollenspiele in neuem Licht zeigen. Obwohl der unten erwähnte Forumspost erst ein paar Tage alt ist, scheint er schon im kollektiven Unterbewusstsein der amerikanischen Rollenspielblogger angekommen zu sein. Auch für viele Leser hier ist er wahrscheinlich schon ein alter Hut und dafür entschuldige ich mich.

Auf Enworld erklärt der User Daztur, den Unterschied zwischen 4E-Kampf und Old-School-Kampf.

D&D 4E (und andere Rollenspiele) sieht Kampf als Sport. Jede Begegnung ist ausbalanciert. Alle Parteien haben die gleiche Gewinnchance, und es geht darum, seine Fähigkeiten möglichst geschickt einzusetzen, um zu gewinnen. Keine Seite hat die totale Übermacht, und die Chance, dass ein Kampf zu einem unfairen Gemetzel wird, bei dem die eine Seite hoffnungslos unterlegen ist (oder weglaufen muss), ist praktisch Null. Wenn die Charaktere in ein Dungeon gehen, wissen sie, dass die Gegner an ihre Gruppenstärke angepasst sind.

Old-School-D&D (und andere Rollenspiele) sieht Kampf als Krieg. Hier geht es nicht um einen fairen Kampf. Hier versucht jede Seite, die Chancen so zu ihren Gunsten zu verändern, dass der Kampf ein unfaires Gemetzel zu ihren Gunsten wird. Gegner können übermächtig oder total unterlegen sein. Im Megadungeon Barrowmaze wird OSR ganz im Zuge dieser Idee mit „Oh Shit! Run!“ übersetzt.

Sagen wir, die Charaktere – alle 1. oder 2. Stufe – wandern durch einen Dungeon in dem ein Gott der Untoten angebetet wurde. Plötzlich entdecken sie einen Raum, in dem 100 untote Skelette stehen und sich auf jeden Stürzen, der keine besonderen Erkennungsmerkmale trägt (so gesehen in einem Abenteuer von Matt Finch). Ihnen bleibt nur die Flucht und da sie nicht schneller als die Skelette sind und außerdem ermüden, müssen sie die Untotenarmee irgendwie ablenken zu anderen Gegnern locken oder ein gutes Versteck finden. Später kommen sie zurück und haben sich vorher das Erkennungsmerkmal besorgt. Sie legen magische Sprengfallen zwischen den Skeletten aus und gehen wieder raus, sprengen so die Armee bis auf ein oder zwei Exemplare und können diese ohne jede Schwierigkeit besiegen.

Bei Kampf als Sport wäre das undenkbar. Weglaufen ist keine Option, und eine solche Übermacht mitten in einem Dungeon niedriger Stufe würde als unfair angesehen. Bei Kampf als Krieg ist das normal.

Mischformen sind der Normalfall und praktisch kein Rollenspiel befindet sich 100 % im einen oder anderen Lager. Es geht um die Tendenz.

Die Unterscheidung erklärt viele Dinge, über die ich mich in meiner Gruppe gewundert habe, und macht für mich vielleichtden Unterschied zwischen Old-School-Spiel und D&D-4E-Spiel aus.

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Veröffentlicht am 15. Februar 2012, in Rollensp. allg.. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Kommentare deaktiviert für Kampf als Krieg oder Kampf als Sport?.

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