Almanach der klassischen Schrecken

[Quellenbuch für Pathfinder von James Jacobs, Rob McCreary und F. Wesley Schneider, Ulisses Spiele, 2011, Sprache: Deutsch, Softcover, 64 Seiten, € 17,95]

Wer je versucht hat Vampire, Werwölfe, Zombies oder Geister in sein Rollenspiel einzubauen, musste schnell feststellen, wie schwer es ist, diesen Wesen noch etwas Neues abzugewinnen. Der „Almanach der klassischen Schrecken“ für das Rollenspiel „Pathfinder“ will Abhilfe schaffen. Auf 64 Seiten werden zehn klassische Wesen der Gruselliteratur genau beleuchtet und mit neuen Ideen versehen.

Pathfinder scheint neben DSA Ulisses‘ neues Zugpferd zu werden. Jeden Monat kommen mindestens eins, meist mehrere Produkte auf den deutschen Markt. Damit kann der deutsche Verlag zwar nicht ganz mit dem amerikanischen Herausgeber Paizo mithalten, aber sie geben sich große Mühe wenigstens nahe dran zu bleiben. Kern der Veröffentlichungen sind verschiedene „Abenteuerpfade“, Reihen von je sechs Heften mit knapp 100 Seiten, die je ein Abenteuer, neue Monster, Hintergrundinfos und eine Fortsetzungsgeschichte enthalten. Die Abenteuer bilden eine zusammenhängende Kampagne.

Der Aktuelle Abenteuerpfad – Teil 3 erschien zeitgleich mit dem Almanach zur Spielemesse in Essen – heißt „Die Kadaverkrone“ und beschreibt die Verfolgung eines Kultes quer durch das Land Ustalav, bei der die Charaktere es mit den verschiedensten Kreaturen der Nacht zu tun bekommen. Teil 1 hetzt Geister auf die Charaktere, in Teil 2 sollen sie die Unschuld eines Fleischgolems (vergleichbar mit Frankensteins Monster) beweisen und in Teil 3 bekommen sie es mit Werwölfen und Zombies zu tun. Der Almanach der klassischen Schrecken ist eine perfekte Ergänzung dazu, kann aber natürlich auch unabhängig davon benutzt werden.

Das Heft ist mit 64 Seiten recht dünn, aber wunderhübsch anzusehen. Wie alle Pathfinderbücher ist es vollfarbig mit tollem Layout und vielen gelungenen Zeichnungen. Nur das Cover suhlt sich ein wenig zu sehr in Klischés. Da gibt es gelungenere Bilder im Buch.

Jedem der zehn besprochenen Wesen sind sechs Seiten gewidmet. Neben Vampiren und Werwölfen findet der Leser Einträge über Gargylen, Vetteln, Derro, Fleischgolems, Zombies u. a. Die Texte sind interessant zu lesen, der systematische Aufbau macht das Heft aber trotzdem zu einem übersichtlichen Nachschlagewerk.

Neben Vampiren sind es wahrscheinlich die „wandelnden Toten“, von denen man ausgehen muss, dass eigentlich schon alles über sie gesagt wurde. Der Eintrag über Zombies und belebte Skelette soll dann auch als Indikator dienen, ob es dem Almanach gelingt, den klassischen Schrecken noch etwas Neues abzugewinnen. Gleichzeit zeigen die sechs Seiten sehr anschaulich, was man im Rest des Heftes findet.

Ein kurzer Stimmungstext leitet das Kapitel ein, gefolgt von einem Überblick darüber, was ein wandelnder Toter überhaupt ist. Der Abschnitt „Nekrologie“ (in den anderen Kapiteln steht hier der Abschnitt „Lebensweise“) geht ein wenig mehr in die Tiefe und beschreibt, wie Skelette und Zombies aussehen und was sie so tun. Die drei Abschnitte bieten wenig Neues, sind aber notwendig. „Lebensraum und Sozialverhalten“ beschreibt, wo die wandelnden Toten herkommen und in was für Gruppen sie auftreten. In diesen Abschnitt entfernen sich die beschriebenen Details das erste mal weit genug vom Klisché, um wirklich interessant zu werden. „Rolle im Spiel“ gibt Hinweise, wie der Spielleiter die Wesen am besten im Spiel einsetzen kann. In „Gesichter des Todes“ findet der Leser diverse Variationen von Zombies und Skeletten: Vielarmige Skelette, explodierende oder mit Giftgas gefüllte Zombies, Wirtsleichen u. a. Spielleiter, denen hier nicht sofort Ideen für ungewöhnliche Abenteuerszenen kommen, sollten sich wieder auf die andere Seite des Sichtschutzes zurückziehen. Ein Textkasten mit dem Titel „Facetten der Furcht“ setzt sich kurz theoretisch mit den Toten auseinander. Ein paar bekannte wandelnde Tote auf Golarion und ein ausführliches Beispiel für einen Seuchenzombie schließen den Abschnitt ab.

Es gibt also doch mehr über wandelnde Tote zu lernen, als man erwartet.

Die anderen Kreaturenbeschreibungen sind entsprechend aufgebaut und sogar noch interessanter. Der Textkasten „Facetten der Furcht“ ist immer recht gelungen. Das Beispielwesen kann fast unverändert ins Spiel eingebaut werden. Unter „Fleischgolem“ wird zum Beispiel die „Bestie von Lepidstadt“ beschrieben, die die zentrale Rolle im zweiten Teil der „Kadaverkrone“ spielt. Variationen von Wesen oder deren Kräften sorgen für Abwechslung und bei manchen Wesen wie den Derro oder den Gargylen liefert allein die Beschreibung der Lebensweise mehr als genug Futter für Abenteuer.

Das Verhältnis zwischen Wortmenge und wirklich neuen Informationen ist gerade für erfahrene Rollenspieler sicherlich verbesserungswürdig, doch bei einem Thema dem vorliegenden, überrascht das kaum. Jeder Leser sollte zumindest ein paar Neuigkeiten und bisher unbekannte Variationen aus dem Buch ziehen können. Jeder wird irgendetwas für ihn Interessantes finden. Wen der recht hohe Preis von € 17,95 für 64 Seiten nicht abschreckt, bekommt ein spannendes Monsterbuch in die Hand, das ihm helfen wird, die Spieler mit manch böser Idee zu überraschen.

Mit freundlicher Unterstützung von Ulisses-Spiele GmbH
www.ulisses-spiele.de und www.f-shop.de

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Veröffentlicht am 10. Dezember 2011, in Rezensionen. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 2 Kommentare.

  1. Thematisch dazu passend wäre es doch mal Zeit für eine DSA Rezi zu diesem Band: http://www.f-shop.de/cgi-bin/f-shop/12063?id=MCo4uwY6&mv_pc=8173

    Ich hoffe, dass er noch dieses Jahr erscheint. Eine Leseprobe ist hier zu finden: http://www.dasschwarzeauge.de/index.php?id=1027

  2. Ich finde, dass die Monsteralmanache perfekt den Crunch der MHBs / Bestiarys mit Fluff ergänzen – und je nachdem, wie man es mag, kann man es sich zulegen.

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