Rezension: Erdenstern – Into The Light

[Rollenspielsoundtrack von Andreas Petersen, Eva-Maria Irek und Per Dittmann (Erdenstern); € 23,99]

Das Projekt Erdenstern ist schon lange kein Geheimtipp mehr. Das sympathische Trio produziert seit vielen Jahren Musik für das Rollenspiel. Am bekanntesten ist ihre „Into The“-Reihe, in der verschiedene Themen musikalisch bearbeitet werden: Krieg, Wald, die See, Grusel, Sci-Fi, … man könnte glauben, dass alle Bereiche bereits abgedeckt sind.

Das dachte sich auch Erdenstern und hatte mit der Veröffentlichung von „Into The White“ (Kälte und Eis) eigentlich angekündigt, dass dies ihre letzte CD der Reihe wäre. Doch sie ließen sich überzeugen, doch noch ein einziges Projekt dranzuhängen und machten über ihre Homepage eine Abstimmung, welches Thema behandelt werden soll. Zu unserem Glück konnten sie sich anscheinend nicht entscheiden, denn die endgültig letzte „Into The“-CD „Into The Light“ bearbeitet vier Themen auf zwei CDs: Alte Reiche, Sakrales, Steampunk und Endzeit

Das Trio wird übrigens nicht müde zu betonen, dass sie nicht aufhören wollen, Musik zu machen. Nur diese spezielle Reihe wird eingestellt, aber auch schon jetzt gibt es ja andere Produkte: Soundtracks für DSA, Elyrion oder die große Cthulhu-Kampagne „Berge des Wahnsinns“ und sogar ein internet-basiertes Projekt genannt „13 Briefe“.

„Into The Light“ ist limitiert und wird in einem Pappcover geliefert. Das Design entspricht der Reihe und ist wie immer gut gelungen.

Die elf Tracks von „Alte Reiche“ liefern Bombastisch-Barbarisches zur Untermalung von großen Schlachten zwischen Dschungelvölkern oder Erforschungen von uralten Tempeln. Titel wie „Gods“ mit seinem schiefen, rituellen Gesang oder das von ständig wechselnden Rhythmen durchzogene „Glory Rituals“ lassen Bilder wie aus einem Conan-Film vor dem geistigen Auge entstehen. Spontan hatte ich mir bei der Ankündigung etwas anderes vorgestellt, eher biblische Zeiten ist östlichen Wüsten, doch dies hier gefällt mir weit besser.

Die neun „sakralen“ Tracks sind nicht so kirchlich, wie ich es erwartet hätte, was einem Fantasy-Rollenspiel natürlich zu Gute kommt. Ehrfurcht und Ruhe durchströmen die Titel, ab und zu Chorgesang und selten eine Orgel. Doch mit beispielsweise „Crusade“ findet der Hörer auch hier brachiale Musik für Szenen, die eine laute Untermalung benötigen.

Etwas enttäuscht war ich von „Steampunk“, dem Thema, auf das ich mich am meisten gefreut hatte. In den neun Titeln hören wir ab und zu das Zischen von Dampfmaschinen und die vermittelte Aufbruchstimmung mit Sci-Fi-Touch ist eigentlich hervorragend gelungen. Leider passt es nicht zu der Vorstellung, die ich von einem Steampunk-Soundtrack hatte. Ich muss aber zugeben, dass meine Vorstellungen wahrscheinlich einfach zu weit von dem Stil entfernt waren, den Erdenstern normalerweise liefert. Das Thema „Steampunk“ drängt sich beim Hören nicht so auf, wie bei „Alte Reiche“ oder „Sakrales“, ist aber dennoch ein schöner Teil des Albums, der Erdenstern-typische Musik liefert, die vielfach eingesetzt werden kann. Und „The Mechanical Pony“ könnte einer meiner Erdenstern-Lieblings-Songs werden.

Auch bei „Endzeit“ hatte ich etwas anderes erwartet – düsterer und weniger melodiös. Doch auch hier habe ich nicht den Erdenstern-Stil eingerechnet. Schnell ließ ich mich von den letzten neun Tracks des Albums begeistern, denn die Musik passt gut zu Endzeitsettings, auch ohne auf Melodien und Instrumente zu verzichten.

„Into The Ligth“ begeistert mich mehr als alle anderen Erdenstern-Alben. Vielleicht liegt es daran, dass das Projekt Erdenstern erwachsener geworden ist und man im Vergleich zum ersten Album „Into The Green“ die zusätzliche Erfahrung deutlich hört. Vielleicht liegt es daran, dass ich das Album bisher von allen am intensivsten gehört habe, weil mich die Themen so sehr interessieren, oder einfach weil es das neuste Album und mir am besten im Gedächtnis ist. Wahrscheinlich ist es von allem etwas. „Into The Light“ ist ein würdiger Abschluss für eine zu Recht gelobte Reihe. Es macht Spaß, sich das Album einfach nur so anzuhören und es liefert tolle Hintergrundmusik, die zwar vielleicht ein wenig zu auffällig ist, um bei einem Spielabend im Hintergrund zu verschwinden, doch gezielt eingesetzt sollte jeder Spielleiter damit seine Abende bereichern können.

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Veröffentlicht am 2. Dezember 2011, in Rezensionen. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Hinterlasse einen Kommentar.

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