Was wollen Rollenspielbuchleser (im Gegensatz zu -spieler)?

Ich bin hier auf eine Diskussion gestoßen (ausgelöst durch diesen Artikel), für die ich wenig Verständnis habe.

Es geht um die Schar der Rollenspieler, die Bücher kaufen, um sie zu lesen, aber wenig oder gar nicht dazu kommen, wirklich zu spielen. Nennen wir sie mal „Leser“ im Gegensatz zu „Spieler“. Für diese Leser, so wird an manchen Orten behauptet, wäre es wichtig, dass ein Buch gut zu lesen ist, die Spielbarkeit wäre eher unwichtig. Oder noch schlimmer: Es wird gesagt, dass sich Lesbarkeit und Spielbarkeit ausschließen.

Glaubt wirklich irgendjemand, dass ein Leser, Spaß an einem nicht spielbaren Buch hat? Auch die Leser wollen spielbare Lektüre, denn sie lesen entweder zur Unterstützung des Spiels oder als Ersatzbefriedigung. Eine Ersatzbefriedigung für das Spielen.

Auslöser für die in letzter Zeit häufiger auftauchenden Überlegungen war wohl eine Diskussion mit dem Thema: „Abenteuer oder Alltagsleben? Was ist wichtig bei Das Schwarze Auge?“ Ich habe sie nicht gehört, aber es geht ja wohl darum, dass Alltagsleben nicht abenteuerlich, also nicht spielbar ist, aber dennoch für Aventurien beschrieben werden soll, damit auch diejenigen befriedigt werden, die nur lesen oder einfach „ihre“ Welt so genau wie möglich beschrieben haben wollen.

Nicht abenteuerliches Alltagsleben ist aber langweilig und deshalb liest das kein Mensch. Sind Alltagslebeninfos knapp aufbereitet und/oder in einen interessanten (also spielbaren) Kontext gepackt, stellt sich die Frage gar nicht erst. Also: Alltagsleben – warum nicht, aber bitte interessant.

Ich halte die ganze Überlegung einer Trennung zwischen Lesern und Spielern für Unsinn.

Kurz und knapp ein paar Punkte und Zusammenfassungen:

  • Das Lesen der Bücher gehört zum Spielerlebnis dazu.
  • Gute Lesbarkeit und gute Benutzbarkeit schließen sich nicht gegenseitig aus.
  • Eine detaillierte Ausgestaltung der Spielwelt (einschl. „Alltagsleben“) kann spiel- und lesbar sein.
  • Leser wollen spielbares Material lesen.
  • Langweilige Infos werden nicht gelesen.
  • Gerade Barbie-Spieler brauchen spielbares Material.
  • Les- aber nicht spielbare Bücher lassen sich schneller und einfacher produzieren.

Die „Könnte-Leser“

Eine Gruppe wurde allerdings noch nicht betrachtet: Die große Gruppe der „Könnte-Leser“. Das ist die Gruppe von Käufern, die sich Bücher ins Regal stellen, weil sie sie irgendwann einmal gebrauchen könnten. Das sind Sammler, die sich darüber freuen, wenn sie alles da haben, um losspielen zu können, wenn denn mal Zeit dafür ist. Sie lesen die Bücher nicht oder nur ganz grob, aber sie könnten sie lesen und benutzen.

Für diese Gruppe ist es theoretisch egal, was in den Büchern steht, Hauptsache, es ist viel. Allerdings hören sich diese Sammler auch um und bekommen auf anderem Wege mit, ob das Buch, das sie gerade neu erworben haben, etwas taugt oder nicht. Also ist es auch für diese Käufergruppe wichtig, spielbare, gute Bücher zu produzieren.

Über das Schreiben

Lesbare Bücher zu schreiben ist schwer. Rollenspielautoren sind fast alles Hobbyautoren, die aus Begeisterung arbeiten. Wie alle Hobbyautoren müssen sie erst lernen und der Lernprozess beim Schreiben ist langwierig.

Meiner persönlichen Meinung nach ist diese ganze Leser-gegen-Spieler-Diskussion auf diesen einen Punkt zurückzuführen. Wenn man sich englischsprachige Verlage ansieht, die wegen der größeren Verkaufszahlen, bessere Autoren bezahlen können, findet man weit weniger Probleme dieser Art. Dafür andere Probleme – aber das steht auf einem anderen Blatt.

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Veröffentlicht am 17. November 2011, in Meinung. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Kommentare deaktiviert für Was wollen Rollenspielbuchleser (im Gegensatz zu -spieler)?.

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