Familientreffen 2011 – Teil 1: Trail of Cthulhu und Pendragon

AdI – der Auf-den-Inseln-Con in Otterndorf – ist vorbei, und auch dieses Jahr soll ein Con-Bericht an vier tolle Tage erinnern. Im Folgenden berichte ich über:

  • Meine erste und wahrlich wahnwitzige Erfahrung mit einem Trail-of-Cthulhu-Abenteuer im „Purist-Stil“ (es heißt „The Rending Box“),
  • mein erstes Pendragon-Abenteuer,
  • CthulhuTech und HeroQuest,
  • unser neues Cthulhu-Abenteuer „Bilderwahn“, das ich nicht gespielt habe,
  • das Brettspiel Betrayal at the House on the Hill,
  • meine erste Erfahrung als Malmsturm-Spielleiter und
  • wie wir im Tablequiz erniedrigt wurden.

Das alles ist für einen einzelnen Post zu lang.

1. Teil: Trail of Cthulhu und Pendragon
2. Teil: CthulhuTech, HeroQuest und Bilderwahn
3. Teil: Betrayal at the Drachenhort of Malmsturm, Tablequiz

1. Teil: Trail of Cthulhu und Pendragon

Den Donnerstag hatte ich bereits frei, ich konnte also mittags einen Freund abholen und mit ihm Richtung Otterndorf fahren. Nach einem leckeren Mittagessen – danke noch mal! – fuhren wir los, quatschten uns schon mal warm und kamen auch noch gut durch. Gut gelaunt konnten wir also schon früh die Zimmer beziehen und warten, bis die anderen Gäste nach und nach eintrudelten. Es war toll, die vielen strahlenden Gesichter zu sehen, wenn sich alte Freunde und „gute Bekannte“ nach einem Jahr wiedertreffen und sich gemeinsam auf vier Tage voller Spiele weit abseits allen alltäglichen Unbills freuen.

Für den Abend hatte ich The Rending Box angesetzt, eines der neueren Trail-of-Cthulhu-Abenteuer, und nach offizieller Begrüßung und Abendessen ging es auch schon los. Um es vorwegzunehmen: Am nächsten Tag hörte ich aus verschiedenen Ecken, wie die Spieler von einem großartigen der Abend berichteten – allerdings aus etwas anderen Gründen, als ich vorher geahnt hätte.

The Rending Box ist das vierte in einer Reihe von Purist-Abenteuern und kann für wenig Geld als PDF auf der Pelgrane-Webseite erstanden werden. ToC unterscheidet zwischen zwei Spielstilen: „Pulp“ und „Purist“. Bei Ersterem haben die Charaktere eine gewisse Chance, die Welt zu retten, können ihre geistige Stabilität wieder auffrischen, Würfelproben besser einschätzen und ganz generell mehr erreichen. Im Purist-Mode wird versucht, die Hoffnungslosigkeit und Grausamkeit der meisten Geschichten Lovecrafts einzufangen. Stabilität regeneriert sich niemals, jede Probe ist ein Risiko und selbst Teilsiege über den Mythos sind immer gepaart mit großen Opfern und grausamen Konsequenzen.

Ich bin eher der „Pulp-Typ“ und hatte mich bisher noch nie an ein Purist-Abenteuer getraut – schon gar nicht auf einem Con – aber The Rending Box hatte tolle Kritiken bekommen und so hatte ich es einfach mal angemeldet, nachdem ich ca. die Hälfte gelesen hatte. Da es voraussetzt, dass die Spieler Freude an Wahnsinn im Spiel haben, warnte ich sie entsprechend vor.

Ich hätte es ahnen müssen, es traf mich dennoch unvorbereitet, wie sehr die Spieler in der Idee wahnsinnig zu werden aufgegangen sind. Die ersten spielten (den mitgelieferten Charakteren entsprechend) ihre Figuren von der ersten Sekunde an ziemlich irre und das steigerte sich je weiter der Abend voranschritt.

Um es kurz zu machen: Wir haben Tränen gelacht. Das Abenteuer lief irgendwie dahin und lustiges Charakterspiel beherrschte die komplette Handlung. Dadurch war leider das Ende etwas unglaubwürdig, denn als sich die Spieler begannen gegenseitig niederzuschießen, war eine entführte Hotelangestellte irgendwie nicht mehr so wichtig.

Fazit: Ich weiß jetzt, welche Art Abenteuer ich nicht wieder auf dem AdI anbieten werden, wer mich aber deswegen bedauert, hat etwas Grundlegendes nicht verstanden. Ich kann nur sagen: Danke, Leute!. Solche Erlebnisse sind für mich der Grund, warum AdI der beste Con des Jahres ist.

Pendragon verlief ruhiger. Der Spielleiter erklärte zu Beginn recht viel, was zwar einige Zeit des Zuhörens erforderte, aber im Gegenzug die Welt und die Regeln sehr gut vermittelte. Das Abenteuer begann mit einer kurzen Schlacht und brachte uns danach in ein vergessenes, verfluchtes Dorf, das von einem Stiermenschen heimgesucht wurde. Das bedrohliche Monster aus dem Wald sorgte für eine mythische Stimmung und der Priester des Dorfes war gut dargestellt. Insgesamt eine schöne und vor allem vom Spielleiter gut vermittelte Geschichte.

Wirklich beeindruckt hat mich aber das Spielsystem. Mit relativ einfachen Mitteln werden Details vermittelt, die man in anderen Systemen nicht findet: Das Chaos der Schlachten, die Wirkung von Schilden und Rüstungen, das Risiko im Kampf umgeworfen zu werden, Ritterlichkeit u. v. m. Ein Kampf wirkt verhältnismäßig „realistisch“, ohne von Details niedergedrückt zu werden.

Ritterlichkeit wird durch Charakteristika vermittelt, eine Reihe Adjektive, die jeweils im Doppelpack auftauchen: Fromm und weltlich, keusch und lüstern, gnädig und rachsüchtig, … Die Summe der Punkte pro Paar ist immer gleich. Proben können auch darauf gewürfelt werden.

Pendragon ist nicht „Rules light“, bietet aber mit einfachen Mitteln mehr, als so manch anderer fetter Rollenspielschinken. Im Probespiel kamen natürlich viele Dinge aus dem Regelwerk noch gar nicht zum Tragen, aber auch so war es beeindruckend. Ritter, Mythen, Monster, Sachsen und Pikten … was will man mehr?

Teil 2 des Berichts folgt demnächst.

Advertisements

Veröffentlicht am 23. September 2011, in Cthulhu, Gumshoe, Meinung. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 3 Kommentare.

  1. Klingt beides super :-) Pendragon will ich ja auch immer noch spielen, aber es ist schwer meine Runde davon zu überzeugen…

  2. Och, ich fand den Purist-Style klasse. Dass sich zum Schluss keiner mehr gegruselt hat, lag halt an der Weisung des SL, möglichst schnell wahnsinnig zu werden. Und das Ende war halt eine voll salzige Terz mit einem Tick limettengrün…;-). Aber im Ernst, THE RENDING BOX ist ein super-atmosphärisches Abenteuer, bei dem man puristisch oder verrückt viel Spaß haben kann. Danke nochmal!

  1. Pingback: Con-Bericht: ADI 2012 « Einige Seiten des Buches Eibon

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: