Das Monster Acheron: Archie

Ich fand Borges‘ „Book of Imaginary Beings“ in einer kleinen Kirche in England. Dort stand ein Regal mit Büchern. Ein Schild besagte: Wem ein Buch gefällt, der soll es sich mitnehmen und 50 p in die Spendendose am Eingang werfen. Ich warf 1 Pfund ein.

Das Buch enthält die Beschreibung von ca. 120 Wesen aus Legenden und Fabeln. Ich habe also quasi ein Monsterbuch in einer Kirche gekauft.

Beim Durchblättern kam mir die Idee für einen kreativen Selbsttest: Schreibe einen kleinen Rollenspielartikel zu jedem Eintrag – ein neues Monster, eine Abenteueridee, irgendetwas. Die Idee habe ich fast so schnell verworfen, wie sie mir gekommen ist, denn 120 Abenteuerideen würden so viel von meiner Zeit beanspruchen, das für die anderen Sachen nichts mehr übrig bliebe. Außerdem musste ich mir schnell eingestehen, dass es bei manchen Einträgen einfach keinen Spaß machen würde, sich irgendetwas aus dem Hirn zu leiern.

Zwei oder drei Ideen sind dabei aber entstanden und ich nehme das Buch immer mal wieder in der Hand und überlege, was für eine Idee aus irgendeinem zufälligen Eintrag entstehen könnte. Je nach Zeit und Lust werde ich immer mal wieder etwas aufschreiben.

Den Anfang macht das Monster Acheron:

Das Monster Acheron ist ein riesiges Wesen, das die Seelen der Toten verschluckt. In ihm leben Dämonen und anderen Monster, die die Seelen quälen.

„In dieser Legende ist die Hölle ein Monster, in dem andere Monster wohnen.“

Aus irgendeinem Grund war mir klar, dass das etwas für Unknown Armies daraus werden musste. Wir haben also ein Monster, das Seelen frisst. Aus der postmodernen UA-Sicht muss ein niedliches Haustier daraus werden. So war Archie geboren.

Archie

Archie ist der Chihuahua von Hilde Lindemann, einer älteren Dame, die gern das Image „nette Tante von nebenan pflegt“, in Wirklichkeit aber Haare auf den Zähnen hat. Ihr Archie ist ihr Ein und Alles. Er wird gebürstet, mit Schleifchenhalsbändern geschmückt und in selbstgestrickte Pullover gehüllt. Sie trägt ihn zu jeder Hundeschau und Kinder, die besonders höflich zu ihr sind, dürfen ihn ausnahmsweise streicheln.

Archie spürt die Anwesenheit von Dämonen und Geistern, und er frisst sie. In ihm leben sie wahrscheinlich weiter, doch das wird man erst herausfinden, wenn Archie tot ist und in ihm gefangene Geister wieder entkommen können. Archie ist allerdings schon 76 Jahre alt (zufälligerweise auf den Tag genau so alt wie Hilde Lindemann) und ob er überhaupt je stirbt, solange er nicht von einem Laster überfahren wird, wird vom okkulten Untergrund stark angezweifelt.

Die Geister haben Angst vor Archie und sie spüren seine Nähe, so wie der Hund die Toten fühlt. Dumme oder geistlose Seelen, kommen ihm häufig zu nahe und enden als Hundefutter, doch die intelligenteren Toten machen einen großen Bogen um den niedlichen Chihuahua. Man kann sich also fast sicher sein, dass im Umkreis von 500 m um Archie herum, eine „geisterlose Zone“ ist.

Man kann sich vorstellen, was für einen Wert so ein Wesen für den okkulten Untergrund hat: Ein Geisterspürhund, der die Toten vernichten und vertreiben kann. Außerdem weiß niemand, was für Schätze in dem kleinen Tier zu finden sind, sollte er abtreten. Uralte Verstorbene mit längst vergessenem Wissen warten vielleicht seit Jahrzehnten auf ihre Freilassung.

„In dieser Legende ist die Hölle in einem kleinen Hund, der Geister frisst.“

Seltsamerweise ist noch niemand auf die Idee gekommen, Archie einfach zu entführen. Ob das an Hilde Lindemann liegt oder an dem Hündchen selbst, kann man nur spekulieren.

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Veröffentlicht am 6. September 2011, in Spielhilfen, Unknown Armies. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 5 Kommentare.

  1. Ist Hilde die Mutter von Ingo? ;o)

    Cooles Buch, die Idee mit den Beschreibungen und Abenteuerideen reizt mich irgendwie…

  2. Und ich dachte schon, mir wäre der Name „einfach so“ eingefallen. So funktioniert das Gehirn … :-)

  3. 1 Pfund = 120 Monster, guter Kurs bei der CoE ;-)

    Und der Chihuahua wird in meinem nächsten Spiel garantiert auftauchen…

  1. Pingback: Archie – Das Monster Acheron – unknown armies

  2. Pingback: Die acht Köpfe der Chaosschlange – Eine Abenteueridee « Einige Seiten des Buches Eibon

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