Lasst doch die Verlage einfach mal machen

Der Rollenspielfan als solches, besonders der im Internet aktive, möchte von seinen Lieblingsverlagen informiert oder eingebunden werden.  Das ist verständlich und zeigt die große Bindung der Fans zu den „Machern“. Eigentlich eine schöne Sache, möchte man meinen, Kritik und Wünsche sind schließlich wichtig, denn sie helfen dem Verlag bei der Entscheidungsfindung.

Prometheus Games will beispielsweise die Fans wieder mehr einbeziehen und schrieb in ein paar der wichtigsten Foren die Frage nach Wünschen für die Zukunft von Savage Worlds. Alle schrien: „Hurra!“ und „Hört! Hört! Das ist löblich!“ und legten mit den Vorschlägen los.

Doch kurze Zeit später reicht das nicht mehr aus. Der Verlag melde sich nicht genug zu Wort, heißt es. Man will nicht nur Wünsche äußern, man will den Beweis, dass der Verlag auch zuhört – und alle Wünsche erfüllt. Auch das kann man irgendwie verstehen, bis der erste Post auftaucht, der einfach nur noch penetrant ist, dem Verlag Dummheit oder Unwillen unterstellt oder einfach alles besser weiß. Die folgenden Gegenreaktionen sind manchmal nicht viel besser als die Meckerei selbst.

Polarisieren ist ja angeblich gut für’s Geschäft, aber hat der Verlag in so einer Diskussion überhaupt eine Chance, etwas richtig zu machen?

Das Problem ist, dass die Entscheidungsfindung von vielen Faktoren beeinflusst wird, die wir Fans nicht wissen können, wollen oder sollen. Manchmal sind die Lizenzkosten zu hoch, der Lizenzgeber will irgendetwas nicht oder hat einfach geschlampt oder der Lizenzvertrag ist unpassend. Manchmal kann jemand irgendjemanden nicht leiden oder ist gerade von etwas anderem begeistert oder hat keine Zeit oder rechnet sich einfach keine Chance aus, das gewünschte Produkt wirklich zu verkaufen. Da spielen Zahlen, Markteinschätzungen und Kostenpunkte eine Rolle von denen Otto Normalfan keine Ahnung hat – ganz zu schweigen davon, dass manchmal einfach etwas schief geht, auf das im Traum niemand gekommen wäre.

Ich frage mich: Ist es wirklich das, was wir wollen? Wollen wir nicht vielmehr nur regelmäßige Infos über neue Produkte bekommen?

Zugegeben: Wenn ich auf Messen gehe, frage ich die Macher auch gern nach den neusten Plänen oder ob mir jemand verraten kann und darf, was an Stelle X schiefgegangen ist. Aber ich finde es dennoch vermessen, so etwas zu fordern.

Manche Dinge gehen mich einfach nichts an.

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Veröffentlicht am 25. April 2011, in Meinung. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 8 Kommentare.

  1. Heyho!

    Ich denke gerade explizit im Falle Prometheus ist das, was da zu erleben ist, auch einfach die Reaktion auf ein ganz anderes Phänomen – die Leute sind frustriert.
    Als Prometheus gerade mit Savage Worlds anfingen, haben sie Arbeit vorgelegt, wie sie gerade im deutschen Rollenspiel-Sektor in der Qualität keine Selbstverständlichkeit ist. Die Gentlemen’s Edition ist schon ein massiv feines Buch.
    Doch nach diesem ersten Start ging es dann irgendwie bergab – vieles von dem, was dann kam, sind eigentlich Kleinigkeiten, etwa das massiv verbaute Helloween-Download-Teil zu Rippers, bei dem bei vier Seiten Umfang eine Seite Plot einfach fehlt, oder halt Rippers selbst, das auch schon arg überfällig ist. Überhaupt – die laaaange Durststrecke ohne jedes Produkt, Obskuritäten wie die Ankündigung von Unknown Armies und der jüngst erst gebrochene Fluch um den PDF-Shop, all das hat halt Spuren hinterlassen.

    Wenn der Verlag jetzt nach vorne tritt und Besserung gelobt (und sie in den letzten Monaten meiner Meinung nach auch zunehmend zeigt), dann ist das halt etwas, was viele, die mittlerweile einfach verbittert sind, sehr ‚cum grano salis‘ aufnehmen. Und das kann ich sogar ziemlich gut nachvollziehen. Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht, und so…

    Ich denke, langfristig kommen Prometheus da einfach raus, indem sie ihre Sache jetzt einfach (wieder) gut machen. Ich hab ja neulich „Daring Tales of Adventure“ auf der DORP rezensiert und mochte das Produkt inhaltlich nicht sonderlich, hab aber auch extra geschrieben, dass die Mängel nahezu alle *nicht* auf Prometheus zurückgehen; die haben ihre Sache da durchaus gut gemacht.
    Aber Fans sind launige Mistbiester. Waren sie schon immer. Darum lese ich auf Film-Webseiten die Kommentar-Rubriken auch nicht mehr. Hogshead sind damals sogar mehr oder weniger offiziell deshalb geschlossen worden, weil James Wallis keinen Bock mehr auf die Fans hatte.
    Und ich denke, da muss man halt irgendwie durch, ob man nun will oder nicht.

    Viele Grüße,
    Thomas

  2. Ach ja, und ultra-wichtiger Nachtrag:
    Es ist immer eine Minderheit, die so auffällt. Die meisten Fans sind nette, freundliche und aufgeschlossene Menschen – aber Freundlichkeit und Aufgeschlossenheit sind halt nicht so auffällig und formieren sich in Internet-Foren auch meist nicht so umfangreich. Weiß nicht woran es liegt, aber das sollte man nie aus den Augen verlieren :)

    Viele Grüße nochmal,
    Thomas

  3. Ich möchte alles sofort und ohne Mehrpreis aud Deutsch und die Extras kostenlos im Netz. 2 Wochen für Übersetzung, Lektorat und Druck sind mehr als ausreichend. Und damit ich nicht doch die englische Version kaufe, erwarte ich einen Mehrwert des Buches (min. 1 Extraabenteuer und 1 Charakterklasse). Über Neuigkeiten möchte ich bitte persönlich per singendem Telegramm informiert werden. Und wenn das ganze halbwegs anständig gelingt, ist eins sicher: ich hätte es besser und schneller übersetzt und sämtliche Fehler selbst weglektoriert … So scheint das bei einigen (wenigen) auszusehen.

  4. Achso, nebenbei Gratulation zum neuen Gewand!

  5. @ Thomas Michalski

    Das penetrante Gemnörgel und Gemecker stammt in meinen Augen daher, daß viele an die sogenannte Anonymität des Netzes glauben, es ist ihnen daher vollkommen egal, was sie von sich geben. Mehr als dreiviertel dieser Meckerfritzen trauen sich doch nicht, einem das, was sie dort von sich geben, ins Angesicht zu sagen
    Im Endeffekt ist daher jede dieser beleidigenden E-Mails nichts anderes als ein anonymer Drohbrief.

    Grüße,
    Jochen.

    P.S.: Ja, das neue Gewand ist klasse.

  6. @Thomas: Da hast du natürlich recht. Wenn Ankündigungen nicht eingehalten werden, fühlen sich die Fans belogen und betrogen und sind sauer. Kann man verstehen. Auf der anderen Seite sind es immer die gleichen Gestalten, die Dinge mit einer Penetranz fordern, dass man den Verlag fast bitten möchte, es nicht zu machen, nur damit sie kein Recht bekommen. Es sind nur einige wenige, aber genau an die richtet sich ja auch der Post.

    @Jochen: Ich würde nicht so weit gehen, die Posts und Mails als Drohbriefe zu bezeichnen, aber sie verlassen zumindest viel zu häufig den Bereich der Höflichkeit.

    Danke, an alle, denen das neue Gewand gefällt :-)

  7. Letztlich ist das Internet voller Idioten, die man einfach ignorieren sollte. Ich frage mich da auch, warum da so um wenige laute Fans geworben wird. Die meisten Fans wollen einfach nur Nachschub an Material und wollen vermutlich gar nicht mitreden.

  1. Pingback: George R. R. Martin is not your bitch « Einige Seiten des Buches Eibon

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