Rezension: Iain McEwan – Solar

Liebe RSP-Blogs.de-Crew, sorry, aber diese Rezi ist wieder einmal Geek-freier Bereich. Da es so selten vorkommt, hoffe ich, damit niemanden zu verärgern.

Auf der anderen Seite ist „Solar“ vom britischen Autor Iain McEwan ein Roman, der auch Geeks ansprechen könnte, die ja relativ häufig im wissenschaftlichen Bereich arbeiten oder studieren. Micheal Beard, die Hauptperson der Romans, ist nämlich Wissenschaftler. Vor vielen Jahren hat er den Nobelpreis in Physik bekommen und noch heute profitiert er davon, obwohl er zu Beginn der Geschichte eigentlich nicht viel auf den Schirm kriegt. Er sitzt in einem extra um ihn herum gegründeten Institut fest und forscht an alternativen Energien, wobei er eigentlich schon weiß, dass die Forschungen scheitern werden.

Doch das ist nicht Beards einziges Problem. Seine Frau betrügt ihn und reibt es ihm auch noch unter die Nase. Sie hinterlässt kleine Zettel auf dem Küchentisch: „Komme heute nicht nach Hause“, und Beard weiß, dass sie sich mit einem unsympatischen Handwerker trifft. Sie rächt sich damit, hat sie doch herausgefunden, dass er sie in ihrer Ehe über zehnmal betrogen hat – praktisch alle sechs Monate. Wie könnte er das rechtfertigen? Es ist seine x-te Ehe und jede davon hat er selbst beendet – bis auf diese – und darunter leidet er auf lustige aber auch erbärmliche Weise. Und dann ist da noch dieser Nachwuchswissenschaflter, der Beard nachstellt und ihn mit seinen Ideen über Solarenergie nervt.

Micheal Beard ist ein furchtbarer Mensch, der sich nicht unter Kontrolle hat und sehenden Auges in jedes zwischenmenschliche Fettnäpfchen tritt, das ihm begegnet. Er ist ein Egoist, ein Egomane und sein Genie ist auch schon eine Weile vergangen. Er ist der Anti-Held des Buches und wahrscheinlich der Grund, aus dem es so mancher Leser nicht mögen wird. Beard macht einen manchmal wahnsinnig. Auf der anderen Seite schafft es McEwan, die Figur glaubhaft und hochinteressant zu gestalten. In abstrusen Situationen beobachten wir ca. 10 Jahre von Beards Lebens, seine Beziehungen und seine Wissenschaft, wie er dann doch noch Erfolg hat und vielleicht sogar die Welt verändern könnte – vorausgesetzt er versaut nicht alles.

Das Ende des Romans könnte so manchen überraschen. Ich war jedenfalls ziemlich platt, bis ich mir klar gemacht habe, dass McEwan nun mal ein Romancier ist. Er schreibt über Menschen. Es geht primär um Beards Persönlichkeit, und so ergibt das Ende absolut Sinn.

„Solar“ ist ein komisches Buch und gleichzeitig eine Abrechnung mit Politik und Wissenschaftsbetrieben. Wenn John Irving Brite wäre, hätte er dieses Buch schreiben können, ich habe mich jedenfalls diverse Male an seinen Stil erinnert gefühlt. Der Roman macht nachdenklich und bringt zum lachen – und ist immer interessant. Ich habe das von Burghart Klaußner großartig gelesene Audible-Hörbuch gehört und jede Minute davon genossen.

Das Buch wird nicht jedem gefallen, dazu ist die Figur von Beard zu unsympatisch, ich aber fand es großartig. „Solar“ bietet Unterhaltung auf ganz hohem Niveau, und dass ohne je zu langweilen.

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Veröffentlicht am 12. April 2011, in Literatur, Rezensionen. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Hinterlasse einen Kommentar.

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