Warum Abenteuer von Autoren geschrieben werden (sollten)

Ich stoße in letzter Zeit immer häufiger auf die Aussage, dass Abenteuer nicht von Leuten geschrieben werden sollten, die versuchen Autoren zu sein. Was für ein Quatsch. Erzählt das mal einem Autoren außerhalb der Rollenspielszene, z. B. einem Fachbuch- oder einem Spieleautoren.

Gemeint ist natürlich etwas anderes, denn sobald jemand ein Abenteuer aufschreibt, ist er zwangsläufig Autor dieses Abenteuers, selbst wenn es nur aus ein paar Stichworten auf einem Blatt Papier besteht. Gemeint sind Abenteuerautoren, die versuchen Schriftsteller zu sein und literarischen Anspruch, „spannende“ Erzählweise und ausgefeilte Formulierungen über Ordnung, Übersichtlichkeit und einen gut spielbaren Plot (oder die Abwesenheit desselben) setzen. Es geht also darum, dass deutsche Rollenspielhobbyautoren sich auf das besinnen sollten, das sie da aufschreiben und keine falschen Maßstäbe anlegen.

Worüber ich mich hier also aufrege, ist eigentlich nichts als eine Verwechslung von den Begriffen „Autor“ und „Schriftsteller“. Der Aussage selbst stimme ich eigentlich zu – knappe und gut strukturierte  Abenteuer finde ich jederzeit besser als aufgeblähte Textmassen voll von literarischem Anspruch. Und dennoch rege ich mich auf.

Es mag Leute geben, die husten innerhalb kürzester Zeit einen Dungeon oder irgendeine nette Abenteuerrahmenhandlung lesbar aufs Papier, die meisten müssen aber eine Menge Arbeit und Mühe  in ein niedergeschriebenes Abenteuer stecken. Es ist nämlich ganz schön anspruchsvoll, ein Abenteuer zu schreiben, das kurz und übersichtlich ist, aber alles enthält, was man braucht. Und die Lesbarkeit spielt eine Rolle, auch wenn sie häufig falsch angegangen wird. Außerdem muss man kürzen (denn nie ist ein erster Entwurf kurz und prägnant genug), gegenlesen, nachmal lesen, sich Kritik gefallen lassen, schreiben und umschreiben, rudimentäres Interesse an Grammatik und Rechtschreibung mitbringen und bereit sein, Deadlines einzuhalten – und das alles in der Freizeit nach normalem Tagwerk und ggf. Familienbetreuung.

Man braucht also gute Autoren, um ein gutes Abenteuer zu verfassen, Leute, die bereits sind, sich mit einem Thema auseinanderzusetzen und Mühe hineinzustecken.

Ein weiterer Punkt, der in diesem Zusammenhang praktisch immer erwähnt wird, ist die Behauptung, das die „literarischen Abenteuer“ ein deutsches Phänomen wären. Interessanterweise steht diese Aussage häufig kurz nach der Erklärung, dass die Dragonlance-Saga oder die World of Darkness der Ursprung des Problems sind.

Das Schriftstellersyndrom zeigen auch amerikanische Produkte, jedoch haben englischsprachige Verlage einen größeren Kundenkreis und größere Auflagen und können bessere und teurere Autoren bezahlen, deshalb kommt von dort im Schnitt mehr gute Qualität. In Deutschland arbeiten die Rollenspielautoren häufig umsonst oder fast umsonst.

Der Aufruf muss also lauten: Liebe deutsche Rollenspielschreiberlinge, werdet bessere Autoren und besinnt euch auf die Struktur eines guten Abenteuers. Ein guter Aufbau und kurze, prägnante Aussagen erhöhen die Lesbarkeit, den Nutzen und ganz allgemein den Spaß am Produkt. Und nehmt es euch nicht zu Herzen, wenn die Meckerköppe wieder einmal zuschlagen. Ihr habt euer Bestes gegeben.

Advertisements

Veröffentlicht am 14. März 2011, in Meinung. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 10 Kommentare.

  1. Mich amüsiert dieses „Ich bin kein Autor! Sei kein Autor!“ eigentlich nur, aber vielleicht ist es ganz gut, wenn es nochmal jemand erklärt. ;) Ich finde allerdings, dass auch der richtige Begriff nichts an der leicht aggressiven Plumpheit ändern würde, mit der so oft auf die (Selbst)bezeichnung losgegangen wird, ohne irgendetwas auch nur halbwegs stichhaltiges gegen den Text vorbringen zu können. Mein Eindruck ist jedenfalls der von Frontlinien, an denen dann schon „alles klar“ ist, wenn einer Jehovah Autor gesagt hat.

  2. Ist das jetzt eine Haarspalterei, weil „Autor“ nur „Urheber“ oder „Verfasser“ heißt?

    Keine Ahnung wie du gerade auf den Beitrag kommst, da ich das Autorenverächten schon länger nicht mehr gelesen oder geschrieben habe. Für mich schwingt bei „Autor“ halt immer noch eine Art „literarischer Anspruch“ mit und den habe beispielsweise ich überhaupt nicht. Ich weiß, dass es bei mir schriftstellerisch nicht zu einem ROman langt und mir selbst bei Kurzgeschichten die Puste ausgeht, aber ich bin in der Lage halbwegs vernünftige Abenteuer zu konzipieren und würde nie die Vermessenheit haben, mich „Autor“ nennen zu wollen.

  3. Hi Moritz,

    auch wenn ich mit der Erwähnung des Dungeons eventuell den Eindruck erwecke, will ich mit dem Post auf keinen Fall dich persönlich angreifen. Ich finde deine gesunde Selbsteinschätzung sogar sehr erfrischend, nur leider wird sie gern für eine Meinung aufgegriffen, die ich überhaupt nicht teile. Ich habe das eine zeitlang regelmäßig in Diskussionen gelesen (der Entwurf des Posts liegt schon eine Weile herum), die immer den Tenor hatten, dass deutsche Abenteuerautoren alle keine Ahnung haben. Ich persönlich finde, wenn Rollenspielautoren abgesprochen wird, Autoren zu sein (oder vorgeworfen, dies zu versuchen) würdigt das ihre Arbeit – und somit auch meine – herab.

  4. Hm, ich habe ja schon öfter in ein ähnliches Horn gestoßen. Ich finde es sogar nicht einmal schlimm, wenn die Texte ausgefeilte Formulierungen haben. Kommt immer drauf an wo und wie. Wenn kurze Vorlesetexte da sind, können die gut formuliert sein. Da darf auch die Information ein bisschen zurück stehen. Ansonsten gebe ich Dir recht. Information und Übersichtlichkeit geht vor Formulierung. Ich selbst empfinde aber den Aufbau der Geschichte als ein viel größeres Schlachtfeld. Da werden einem Abenteuer vorgesetzt, die aus Zeitmangel oder sonstwelchen Gründen schön dem klassischen Aufbau mit Spannungsbogen usw folgen aber die Besonderheiten des Rollenspiels wie freie Entscheidungsmöglichkeiten der Spieler kaum berücksichtigen. Und ich behaupte, das liegt auch zu einem Teil daran, dass die Autoren eben sonst gerne mal Romane schreiben und es gar nicht gewöhnt sind auf solche Dinge zu achten.

  5. Ich denke, der Kern des Ganzen ist doch einfach, dass ein Autor wissen muss, welches Medium und/oder welche Gattung er gerade beliefert.
    Man schreibt Sachbücher nicht wie Romane, Drehbücher nicht wie Gedichte und Abenteuer nicht wie Novellen. Die Grenzen verschwimmen und gerade in diesen Grauzonen verläuft irgendwo das Problem; gerade Dramaturgie ist halt etwas, was man immer entsprechend anpassen muss.
    Ich vermute sogar, dass Abenteuer, die ich leite, ganz anders ticken als Abenteuer, die ich schreibe, einfach weil auch die Anforderungen anders sind – für meine Runde kann ich improvisieren, für meine Leser nicht beispielsweise.
    Mit dieser ganz basalen und über das Rollenspiel nun wirklich weit hinausgehenden Eingabe – Autor, wisse, was du schreibst – könnte man auch hervorragend arbeiten. Da aber leider viele Rollenspiel-Theorie – und noch mehr die Diskussionen darum – aus grundsoliden Steinen gebaut werden, die allerdings mit Mörtel und Spachtelmasse aus Polemik und Besserwisserei zum Halten gebracht werden sollen, sind Postings wie dieses hier für mich immer ein Grund zur Freude.
    Ergo: Danke dir für wohl geformte Worte ;)

    Viele Grüße,
    Thomas

    PS: Ich meine keinen der bisher anwesenden, was die obige Beschreibung der Haftmasse betrifft. Damit sich niemand angegriffen fühlt.

  6. Ich verstehe mal wieder gar nichts. Soll doch jeder (ob er sich Autor nennt oder nicht) schreiben, was er mag. Entweder es gefällt oder eben nicht. Wozu eine eine solche Diskussion?

  7. Um Autoren darauf aufmerksam zu machen, dass man Rollenspiele anders schreiben sollte als Romane. Offensichtlich ist das nötig. Ich finde es jedenfalls extrem frustrierend, dass man sich nie darauf verlassen kann ,dass Abenteuer was taugen ohne sie gründlich durchgelesen zu haben. Und das geht nun einmal im Regelfall nicht.

  8. Aufmerksamkeit auf das Problem zu lenken ist gut, aber dein zweites Problem wird das natürlich nicht lösen. Welchen Text kann man denn abschließend beurteilen, ohne ihn gelesen zu haben? Selbst eine Zusammenfassung wie z. B. bei den offiziellen Cthulhu-Abenteuern hilft da nur bedingt.

  9. Mein zweites Problem lässt sich nur lösen, wenn man sich allgemein mehr darauf verlassen kann, dass Abenteuer besser geschrieben sind. Und darum ist mir „Problem 1“ anzusprechen so wichtig, des das sollte hoffentlich dazu führen. Ich lese mich derzeit in Sundered Skies ein. Da muss man sagen, dass das buch vielleicht 10 Seiten mehr verdient hätte, weil manche Dinge sehr knapp beschrieben sind. Die Abenteuer sind auch sehr knapp beschrieben, teilweise eine halbe Seite nur. Aber genau da fehlt nix. Denn da sind die Eckpunkte vorhanden und ich sehe sofort, dass ich noch etwas Arbeit reinstecken muss. Kein Problem, damit rechne ich eh. Aber toll aufbereitete Geschichten, die dann am Spieltisch nichts taugen und/oder total unübersichtlich sind, das ist Mist.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: