Ich hasse die Trennung von Spielerwissen und Charakterwissen

Ich habe gestern das erste Mal seit Jahren DSA gespielt. Ich spiele einen unerfahrenen Adligen, der mit seinen Jugendfreunden in die Welt zieht, um das verschuldete Gut seiner Eltern zu retten. Das erste Abenteuer der Kampagne hieß „Begeisterter Neuanfang“ und war eines der Abenteuerhefte, die Ulisses auf Cons verteilt.

Keine Angst, ich vermeide Spoiler. Es geht um frisch besiedeltes Dorf, das von magischen Phänomenen terrorisiert wird. Wir haben noch keinen Beweis, worum es sich genau handelt, aber die Richtung ist recht eindeutig. Mein Ritter hat allerdings keine Erfahrung mit solchen Dingen. Er hat sein Heimatdorf nur zur Ausbildung bei einem anderen Ritter verlassen, der wie ich in der Provinz lebte. Außerdem ist er abergläubisch und sollte eher Angst und Fehlinformationen verbreiten, als Ideen zu produzieren, die bei dem Problem weiterhelfen. Man kann sicherlich diskutieren, inwieweit aventurisches Allgemeinwissen und eine andere Interpretation des Nachteils Aberglauben die Situation verändern, aber die grobe Richtung bleibt.

Meine Standhaftigkeit schwand jedenfalls schnell und ich begann, mein Spielerwissen in die Situation einzubringen und mit dem Magier über die Erscheinungen zu diskutieren. Ich habe mich zurückgehalten und versucht, mich halbwegs glaubwürdig zu verhalten, und es scheint auch niemanden gestört zu haben, aber mir fiel wieder einmal auf, wie schwer es mir fällt, mein Spielerwissen zurückzuhalten – und wie wenig Spaß es mir macht.

Das scheint nicht nur mir so zu gehen, denn wie häufig liest oder hört man von genervten Spielleitern, die sich über ach so bösartige Spieler beschweren, denen das auch nicht gelingt. Das führt mich zu folgenden Beobachtungen/Vorschlägen:

  • Die Trennung von Spieler- und Charakterwissen ist eigentlich unmöglich, denn man kann ja nur aktiv mit seinem Wissen oder gegen sein Wissen handeln. Was ich weiß, weiß ich und kann es unmöglich ignorieren. Das macht eine Umsetzung im Spiel schwierig.
  • Die Trennung macht mir und anscheinend vielen anderen Leuten häufig keinen Spaß.
  • Es vereinfacht das Spiel und fördert bei vielen Leuten den Spaß, wenn sie ihre Handlungen einfach darauf basieren können, was sie wissen, nicht was sie wissen sollten.
  • Bevor man sich über jemanden aufregt, dem die Trennung nicht gelingt, sollte man sich fragen, ob das Spiel denn im anderen Fall wirklich leidet. Ich habe noch keine Situation erlebt, in der die Verwendung von Spielerwissen in irgendeiner Form geschadet hätte (solange sich alle nicht so wahnsinnig ernst nehmen).
  • Oder man sollte die Wissenstrennung zum eigentlichen Spaß machen. In Horror-Abenteuern klappt das bei mir zum Beispiel hervorragend, dort geht es für mich neben der Problemlösung darum, meine Figur in Gefahr zu bringen und das kann ich leicht, wenn ich gegen mein Spielerwissen arbeite.
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Veröffentlicht am 11. März 2011, in Meinung. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Kommentare deaktiviert für Ich hasse die Trennung von Spielerwissen und Charakterwissen.

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