Den perfekten NSC entwerfen

Ich muss zugeben, bis vor kurzem habe ich NSC-Beschreibungen in Quellenbüchern meist irgnoriert. Ab und zu habe ich mal eine Beschreibung überflogen, war aber selten beeindruckt. Ob der NSC nun ein aufbrausender Typ ist, ein Schwätzer oder Langweiler, ob er seine Eltern mochte oder nicht ist mir meist egal, wenn es sich nicht um eine Person für eine spezielle Situation wie einem Abenteuer handelt. Selbst dann helfen mir die NSC-Beschreibungen abseits von plotrelevanten Handlungsanweisungen häufig nur wenig.

Als ich gebeten wurde, für den neuen cthuloiden Wien-Band ein paar universelle NSCs zu entwerfen, musste ich meine Einstellung überdenken. Wie sähe für mich die Beschreibung eines „unfokussierten“ NSCs aus, mit der ich etwas anfangen könnte? Für mich konnte ich die Frage beantworten, aber mich würde doch sehr interessieren, wie das andere Leute sehen.

Wie sieht für euch eine gute NSC-Beschreibung aus? Mit was für Figuren könntet ihr etwas in euren eigenen Kampagnen anfangen? Wie sähe es im Gegensatz dazu in Abenteuern aus? Reichen ein paar Werte? Benötigt ihr charakterliche Eigenschaften oder eine genaue Beschreibung des Äußeren?

Für mich sind drei Punkte bei NSC-Beschreibungen wichtig: Werte, Spielrelevanz und Kürze:

1. Da ich es hasse, Werte für NSCs herauszusuchen, möchte ich, dass mir der Buchautor das abnimmt.

2. Mir nützt es nichts, wenn ich weiß, wie die Figur ihren Morgen begeht, ob sie Kaffee oder lieber Tee mag oder ob sie diesen juckenden Hautauschlag hat oder nicht – es sei denn ihre Morgenroutine wurde vor kurzem von einem Ereignis unterbrochen, das zu einem Abenteuer führt, der Tee ist magisch und für die SC interessant oder der Hautausschlag ist die erste Ankündigung eines großen cthuloiden Ereignisses. Mit anderen Worten, für mich sollten universell einsetzbare NSCs Abenteuerideen mit Beinen sein.

3. Die Kürze spielt eine wichtige Rolle, denn sobald zu viel über den Hintergrund und die Eigenheiten der NSC schwadroniert wird, verliert der Text an Spielrelevanz. Das gilt auch (vielleicht sogar besonders) für NSCs in Abenteuern. Nun, ich muss zugeben, an die Sache mit der Kürze habe ich mich wahrscheinlich selbst nicht so sehr gehalten, wie ich es mir von anderen wünsche. Das ist aber auch schwierig, denn die Hintergründe muss man sich ja trotzdem ausdenken. Sie dann nicht aufzuschreiben, tut einfach zu sehr weh. Aber ich habe gekürzt, wo ich konnte.

Charakterliche Eigenschaften (also ob die Figur aufbrausend oder ruhig, schüchtern oder extrovertiert ist) benötige ich persönlich praktisch gar nicht. So etwas ergibt sich aus der Spielrelevanz und wird von mir ohnehin geändert, wenn es die Abenteuerhandlung verlangt (aber natürlich nicht mehr nachdem die Figur das erste Mal aufgetreten ist). Auch ist mir im Laufe der Jahre aufgefallen, dass ich Figuren, die ich selbst ausschmücken muss, viel besser darstellen kann. Sobald die Figur zu diffizil wird, reicht meine schauspielerische Leistung einfach nicht mehr aus.

Ich war begeistert, wie viel der Hintergrund Wien hergibt. Nach ein paar Anfangsüberlegungen waren Ideen für eine Reihe NSCs schnell gefunden. Da ich kleine Abenteuerideen in die Figuren einbauen wollte, war schnell klar, dass sich in Wien eine Art okkulter Untergrund befinden sollte – die Stadt bietet sich dafür einfach an. Die Figuren bilden also eine Art Netz. Jede Person hat Kontakt zu mindestens einer weiteren und alle zusammen können genutzt werden, um eine kleine Kampagne zu entwerfen. Zugegeben, es ist nur ein winziger Beitrag zu einem insgesamt großartigen Buch, aber einer, der hoffentlich ein klein wenig zum Nutzen des Bandes beitragen kann.

Wie ist denn eure Meinung zu dem Thema? Liege ich falsch?

Veröffentlicht am 27. November 2010, in Cthulhu. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 3 Kommentare.

  1. Die Beschreibung der NSC’s klingt interessant und für mich so, als hättest du alles wichtige bedacht. Für mich sind fertigen NSC’s für 2 Zwecke interessant:
    1. Halb ausgearbeitete NSC’s sind für Abenteuerideen oder auch als Vorstellungshilfe/Anleitung für eigene NSC’s wichtig.
    2. NSC’s bei denen nur der Name, Aufenthaltsort und vielleicht noch 1~2 Stichpunkte angegeben sind um als Meister wenn die Spieler nach irgendeiner Nebenfigur fragen mir nicht den nächsten NSC aus den Fingern saugen zu müssen sonder dafür eine Liste zu haben.

    Nach deiner Beschreibung fallen die NSC’s die du erstellen durftest eher in die 1. Kategorie. Da find ich es immer am schwierigsten einen NSC zu haben, der gleichzeitig so dicht beschrieben ist, dass man ihn sich vorstellen kann und überlegen kann wie er handelt und was ihn motiviert und gleichzeitig genug Freiheiten zu lassen, dass man als Meister ihn für viele Abenteuerideen verwenden kann.

  2. Ich hätte gerne NSC in Abenteuern in Schlagworten oder tabellarisch beschrieben oder zumindest zusammengefasst. Denn den 1/2 bis 2 Seiten Monolog einer NSCBeschreibung merke ich mir ehe nicht. Generelle NSCS, die als Abenteuersaat dienen können gerne ausführlich beschrieben werden.

    Informationen, wie Aussehen und Verhaltensweisen/Charakterzüge, also dass was die Spieler als erstes sehen oder merken, möchte ich ohne langes suchen sehen können.

  3. Volle Zustimmung (zu beiden Kommentaren).
    Da ist übrigens Trail of Cthulhu ganz großartig, zumindest bei den Abenteuern, die ich bisher gelesen habe. NSC-Beschreibungen mit den zwei oder drei relevanten Werten und vielleicht sechs Zeilen Beschreibung – und trotzdem weiß man alles Wichtige.

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