Genre-Bücher für Fate

Es gibt inzwischen vier Genre-Bücher für „Fate“ von UKG Publishing, einem Verlag, der  mir bisher nur durch sein großartiges Zombierollenspiel „Year of the Zombie“ bekannt gewesen ist. Es sind kleinere Publikationen mit Abenteuer und Einführung in das jeweilige Genre – und das für unglaubliche $ 2,50 für die 39 bis 56 Seiten lange PDF-Datei.  Auch wer keinen Bock auf Fate hat, hat sicherlich Spaß daran.

Fate

„Fate“ ist ein Universalrollenspiel, das sich inzwischen recht großer Beliebtheit erfreut, ich würde vermuten sogar mehr Beliebtheit als sein geistiger Vater „Fudge“. Ein Beispiel für ein auf „Fate“ basierendes Spiel ist „The Dresden Files“. Andere Spiele sind „Spirit of the Century“, „Starblazer Adventures“, „Diaspora“ und inzwischen einige mehr.

„Fate“ arbeitet mit dem flexiblen und gut spielbaren Prinzip der Aspekte. Aspekte sind völlig frei wählbare Eigenschaften, die die Figur besonders charakterisieren. Ob das nun „Das magische Schwert Tyrfing“, „stark wie ein Ochse“ oder „Erbe des verschollenen Königreichs Elfengard“ ist, spielt keine Rolle. Sogar negative Aspekte können gewählt werden und sie bringen dem Spiel nicht nur zusätzliche Tiefe, sondern geschickten Spielern sogar Vorteile. Die Aspekte können im Spiel eingesetzt werden, um Würfe zu verbessern oder kleine Details zur Erzählung des Spielleiter hinzuzufügen.

Die hohe Flexibilität der Aspekte und die anderen gelungenen Regelbestandteile erlaubt die problemlose Darstellung jedes Genres und der meisten Spielstile. Erzählerische und freie Spielweisen werden allerdings bevorzugt.

Das Beste ist allerdings: Man kann das Spiel umsonst bekommen. Die inzwischen veraltete, aber immer noch gute Version zwei, kann als Universalregelwerk heruntergeladen werden. „Spirit of the Century“ (Pulp) war das erste Buch, das die Version drei benutzte. Der komplette Text ist ebenfalls frei verfügbar, ebenso wie der Regeltext (ohne Hintergrundinformationen) von „Diaspora“ (Sci-Fi). Hier ist ein Direktlink zu einem PDF und hier ist das offizielle Diaspora-SRD als HTML. Es gibt auch eine deutsche Seite, die sich mit Fate und der Übersetzung einiger SRDs beschäftigt.

Die Genre-Bücher

Die vier bisher erschienen Genre-Bücher sind:

Laut Angaben in „Brains and Souls“ ist ein fünfter Band in Planung, der das Genre „Endzeit“ betrachtet.

Alle Bücher haben den gleichen Aufbau: Zunächst gibt der Autor eine relativ kurze, aber immer schöne Übersicht über das Genre und erklärt, um welchen Teil davon es ihm geht (bei „Limitless Horizons“ ist es z. B. der Teil der Sci-Fi, den der Autor als „Pulp Sci-Fi“ bezeichnet). Meist erfolgt dieser Überblick anhand von Lese- und „Anguck“-Listen, sodass jeder das Thema unterhaltsam vertiefen kann.

Es folgen Regelergänzungen. Es wird nicht versucht, die Regeln weiterzuentwickeln, sie werden nur um einige Punkte erweitert. Da das Fate-System so flexibel ist, sind sie kurz und einfach und nehmen nur wenige Seiten ein. Wer Fate also nicht mag, verliert nicht viel Seiten.

Abgeschlossen werden die Bücher mit einem Abenteuer und meist einem Kampagnenüberblick.

Das alles zusammen kostet, wie gesagt, nur je $ 2,50 für 39 bis 56 Seiten und kann gerade durch die Tatsache, dass die Bücher nicht zu sehr in die Tiefe gehen, gut unterhalten. Sie machen Spaß und sind ein günstiger Einblick in die Materie für Neulinge und eine schöne Übersicht für Genrefans.

Das Layout ist bei allen vier Publikationen mittelmäßig bis „hobby-haft gut“, die Bilder sind 3D-Computergrafiken, was ich persönlich nicht so gern man, mich aber auch nicht weiter stört. Lesen tue ich ohnehin die völlig grafikfreie druckerfreundliche Datei, die immer mitgeliefert wird: Schwarzweißer Text ohne Hintergrundgrafiken und weniger Seiten, weil die Bilder fehlen.

Hauptkritikpunkt an allen Büchern ist das schlechte Lektorat, das sogar mir irgendwann negativ aufgestoßen ist. Bei der vierten oder fünften Sinn verfälschenden Wortdopplung wird es etwas anstrengend, allerdings bin ich bei dem Preis gern bereit, darüber hinwegzusehen.

Je mehr ich von der Reihe lese, desto begeisterter bin ich. Die Bücher sind kurzweilig und fassen die Genre gut zusammen. Ich könnte mir beispielsweise gut vorstellen, dass Spieler, die in einer neuen Kampagne spielen, die Bücher als Überblick über ein für sie neues Genre gut gebrauchen können.

Limitless Horizons

47 Seiten. Im ersten der Genre-Bücher beschäftigt sich der Autor Richard Fannon (der auch die anderen drei geschrieben hat) mit dem Genre, das er als „Pulp Sci-Fi“ bezeichnet. Dazu zählt er Flash Gorden aber „Space Operas“ wie „Dune“ oder die Romane von Iain M. Banks und Ken MacLeod.

Der Überblick selbst erklärt kurz die herausragenden Schlagworte für diese Spielart der Sci-Fi (Optimismus,  Freiheit und Identität) und bewegt sich anschließend durch die Geschichte des Genres, durch die Filme und Bücher, die es definieren. Wer auf den insgesamt nur drei Seiten Informationen vermisst, die ihm ein Gefühl für das Genre geben, ohne diverse Romane lesen zu müssen, bekommt diese in der Kampagne „Cunningham’s Folly“. Sie bietet ein Sammelsurium an Ideen zusammengestellt aus den besten Inspirationen der späteren Bücher von Banks u. a. Man kann sich beliebig bedienen oder das Komplettpaket als typische Kampagne verwenden. Das Abenteuer fühlt sich hingegen etwas fleischlos an. Aber es ist spielbar und liefert zumindest ein nettes Beispiel.

Brains and Souls

Die „Nachforschungen“ zum Thema sind so einfach wie kurzweilig: Zombiefilme gucken. Der Genre-Überblick gibt hervorragend sämtliche Grundlagen wieder, die man abseits von zwei oder drei Filmen brauchen könnte. Spielarten werden abgearbeitet (Pulp-Zombies über Komödie bis zu Zombies im Weltall), mögliche Charaktertypen vorgestellt und – sehr hilfreich – eine Abfolge angegeben, wie die Zombie-Apokalypse normalerweise ablaufen würde, alles vom ersten herumlaufenden Toten bis zum erreichen einer gewissen Stabilität. Natürlich darf auch der Überblick über Film und Literatur nicht fehlen.

Die Regeln sind abgesehen von einer alternativen Charaktererschaffung sehr kurz. Es gibt ein paar neue Stunts und Regeln zum Vertreiben von Untoten, Verfolgungsjagden und anderem.

„The Fungi from Lamu“ ist ein Abenteuer, das als Kampagnenstart genutzt werden kann – aus diesem Grund konnte auch eine Kampagnenbeschreibung weggelassen werden. Die Zombies und die Erklärung, wo sie herkommen, sind ungewöhnlich und mitreißend genug, dass ich sofort den Drang verspürte, mir eine Gruppe dafür zu suchen.

„Thousand-Faced Heroes“ und „Brass, Blood and Steam“ habe ich nicht gründlich genug gelesen, um hier näher darauf einzugehen, aber auch nach bloßem Überfliegen, kann ich sagen, dass mir beide Bücher sehr gefallen haben. Sie folgen dem Aufbau der anderen beiden.

„Thousand-Faced Heroes“ beschäftigt sich mit dem Genre der Fantasy. Es geht um große Epen und Helden, die Mythen schreiben. Da die Fantasy den meisten Spielern nur allzu bekannt sein sollte, ist es vielleicht das Genrebuch mit dem wenigsten Gehalt für den Durchschnittsleser. Dennoch finde ich, dass es ein gutes Buch und seine $ 2,50 allemal wert ist.

„Brass, Blood and Steam“ ist das beliebteste der Genrebücher (jedenfalls wenn man nach den Verkaufszahlen von Drivethrurpg geht). Es geht um Steampunk. Das Layout hat mich nicht überzeugt, aber der Rest – soweit ich das beurteilen kann – ist toll.

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Veröffentlicht am 11. November 2010, in Rezensionen. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 4 Kommentare.

  1. Vielleicht magst du in dem Text ja auch noch auf die neue Seite http://www.fate-rsp.de hinweisen?

  2. Klingen gar nicht übel die Bücher :-]

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