TSR hat D&D kaputtgemacht

Bei vielen „Mitgliedern“ der OSR heißt es, dass TSR mit dem Herausbringen von AD&D 2nd Edition und dem Umschwenken auf „Story“ in ihren Veröffentlichungen eine falsche Richtung eingeschlagen, ja sogar D&D „kaputtgemacht“ hat. Dragonlance ist die Saat allen Bösen.

Ron Edwards behauptet etwas Ähnliches von White Wolf: Mit ihrer Storyteller-Reihe haben sie bei den Rollenspielern einen Hirnschaden verursacht, sagt er, wonach nun alle Rollenspieler glauben, eine Geschichte müsste geplant und nach Schriftstellerregeln erarbeitet werden, um am Spieltisch zu funktionieren – und dass eine „Geschichte“ essenziell für den Spielspaß ist.

Blödsinn, sag ich! Große Rollenspielfirmen (die bösen, geldgeilen Mistkerle!) sind also schuld daran, dass … ja, woran denn überhaupt? Dass sich Rollenspiel in den 80ern verändert hat? Dass irgendetwas „kaputtgegangen“ ist?

Rückwirkend lässt sich so etwas immer leicht behaupten. Aber, Leute, seid doch mal ehrlich: Das war genau das, was wir alle wollten. „Hack’n’Slay“ war ein Schimpfwort! Wir fanden Dungeons langweilig, reines „Monsterbashen“ doof. Jaja, es gab Ausnahmen, aber die meisten wollten „Story“ planbar an ihren Spieltischen erleben.

Da ist nichts kaputtgegangen. Ich behaupte, diese Entwicklung war nötig und richtig, nicht nur, damit unser Verständnis von Rollenspiel dorthin gelangen konnte, wo es heute ist, sondern auch damit Rollenspiel den Erfolg erzielen konnte, den es in den 80ern hatte. Ohne diesen Schritt, wäre Rollenspiel vielleicht schon lange tot, weil nicht genügend Leute darauf aufmerksam geworden wären, um sich heute noch zu erinnern.

Das gleiche gilt übrigens auch für die Theorien von „The Forge“ und die hochspezialisierten Indie-Spiele. Es gilt für die Entwicklung hin zu komplexen Regeln im Gegensatz zur Do-it-yourself-Einstellung der frühen Spiele;es gilt sogar für die OSR.

Ihr findet Bewegung X oder Entwicklung Y doof? Nehmt sie als etwas hin, das nötig ist auf dem Weg der Weiterentwicklung. Die guten Ideen werden sich durchsetzen und die schlechten in Vergessenheit geraten oder irgendwann als schlecht entlarvt und verdrängt.

Advertisements

Veröffentlicht am 27. September 2010 in Rollensp. allg. und mit getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 10 Kommentare.

  1. Schöne Ansicht. Man könnte den Gedankengang noch erweitern, dass es im Prinzip auch völlig okay ist, dass unterschiedliche Strömungen nebeneinander existieren können ohne sich gegenseitig den Rang abzugraben. Aber das kapieren die Wenigsten.

  2. Danke. Ich hatte überlegt das dazuzuschreiben, aber es hätte den Post verwässert. Eigentlich sollte uns das ja allen klar sein :-)

  3. Weiterentwicklung ist zweifellos etwas Gutes und Notweniges.
    Im Spiel von Bewegung und Gegenbewegung entstehen allerdings
    recht schnell schädigende Auswüchse.
    Und zwar immer dann, wenn das Neue zum Heilsbringer stilisiert und
    das Alte der Verdammnis preisgegeben wird.

    Der aufgeklärte Rollenspieler mag bisweilen diesen schädlichen Einflüssen
    entgehen, der aus Faulheit oder Angst Unmündige dagegen, nimmt vollen Schaden.

    … oder so ähnlich.

  4. „Mit ihrer Storyteller-Reihe haben sie bei den Rollenspielern einen Hirnschaden verursacht, sagt er, wonach nun alle Rollenspieler glauben, eine Geschichte müsste geplant und nach Schriftstellerregeln erarbeitet werden, um am Spieltisch zu funktionieren – und dass eine „Geschichte“ essenziell für den Spielspaß ist.“

    Wer auch immer daran „schuld“ ist, Die Aussage unterschreibe ich gerne. Mit dickem Edding. Zweimal. Oder öfter.

    Trotzdem werden hier nur die zwei extreme verglichen und das ist das, woran mittlerweile viele Diskussionen erkankt sind. Hack’n’Slay finde ich ehrlich gesagt nicht so schlimm wie „Storytelling“, aber beide Sachen sind ziemlich mau. Dazwischen liegt die Wahrheit meiner Ansicht nach und dass hier jetzt so getan wird, als gäbe es nur schwarz und weiss ist ziemlich doof. Ich finde „Bewegungen“ grundsätzlich scheisse, denn sie stehen immer für irgendeine Einstellung, die in „Reinform“ propagiert wird und Vernunft oder Zwischlösungen, die auch tatsächlich funktionieren und positive Aspekte beider Seiten vereinen werden nieder gemacht. Üblicherweise von allen Seiten.

  5. Hallo (Dealg)Athair,

    du gibst mir also recht, oder deute ich deine Aussage falsch? Was ich versuche anzuprangern, ist das Verteufeln von alten Bewegungen, denn sie haben ihren Nutzen – auch die schlechten. Wer sollte bei einem Spiel schon „Schaden nehmen“?

    Hallo TheClone,

    diese Bewegungen waren (und sind) eine natürliche Weiterentwicklung gewesen. Da ist nichts Schlechtes daran, sondern sie sind einfach das, was logisch erschien. Fans und Autoren hatten beide nicht das Wissen, das wir heute haben, und alle wollten etwas Neues – weg von der reinen Taktik im Dungeon hin zu etwas anderem, das besser erschien. Dass sie das mit Methoden zu erreichen versuchten, die aus heutiger Sicht für viele nicht gut waren, war halt so. Woher hätten sie es wissen sollen? Lernen hat auch mit Fehlern zu tun.

    Wir blicken in zwei Jahren vielleicht auf unsere heute Einstellung und und halten sie für total bescheuert. Man muss Entscheidungen aus dem historischen Kontext betrachten und nicht aus dem, was man gerade modern ist. Mir geht es darum, dass TSR oder White Wolf nicht an irgendetwas „Schuld“ haben – außer an dem Willen das Hobby voranzutreiben.

  6. Ja, dass niemand die „Schuld“ an irgendwas hat, finde ich eine gute und richtige Aussage. Ich bemängele nur die schwarz/weiss-Darstellung. Und wenn man das „Storytelling“ wie oben von mir zitiert wirklich als Fehler ansehen würde, warum ist das immer noch das Standardrezept nachdem jede deutsche Gruppe spielt, die sich noch nicht vernünftig informiert hat. Wenn es wirklich als Fehler erkannt worden wäre, müsste es doch tot zu kriegen sein. Ist es aber leider nicht. Es scheint immer noch genug Extremisten zu geben.

  7. Norbert G. Matausch

    Ist anscheinend typisch menschlich, daß Leute sich von anderen Leuten abgrenzen wollen… „wir“ und „die“… Daß das zwangsläufig immer zu Spaltungen führt, zu sinnlosen Grabenkämpfen und extremen, doofen Ansichten über die Unterlegenheit anderer Spielstile und Systeme, die nicht dem eigenen Geschmack entsprechen, ist manchem wohl immer noch unklar.

    Leben und leben lassen — so einfach könnte das Leben sein.

  8. Sind Gygax und Arneson schuld, dass sich aus dem coolen Tabletop-Wargaming-Hobby sowas pussyhaftes wie Fantasy Roleplaying entwickelt hat und damit das Hobby unnötig diversifiziert wurde?

  9. Klar, war eine „Weiter“entwicklung nötig – wenn auch nur, um zu sehen, dass „früher alles besser war“ oder besser gesagt „wie gut man es früher hatte“. So, genug Phrasen gedrescht.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: