Messebericht RPC 2010

Dieses Jahr war Greifenklaue so nett, mich im Auto mitzunehmen und besorgte mir sogar einen Übernachtungsplatz bei Kinshasa Beatboy. Nach den üblichen Verzögerungen bei so einer Fahrt kamen wir gegen 21.oo h an und setzten uns in die lockere, fröhliche Runde der bereits Anwesenden, tranken das großzügig ausgegebene Bier und quatschten, was das Zeug hielt. Es war eine angenehme und herrlich nette Gruppe von Leuten, die wir da trafen.

Zwischendurch konnte ich am eigenen Leib erfahrenen, wie es meiner Freundin unter Rollenspielern ergeht, denn als sich die Gespräche lang und breit um MMORPGs und Bloodbowl drehten, verstand ich schnell nur noch Bahnhof und mein Blick driftete ins Leere. Das war aber nicht so lang, dass es genervt hätte und eine kurze geistige Auszeit nach einer langen Fahrt am Ende einer anstrengenden Woche ist auch gar nicht so schlecht. Vielen Dank noch einmal an Kinshasa, du hast mir nicht nur viel Geld gespart, sondern auch einen netten Abend beschert.

Am nächsten Tag checkte ich schnell im Hotel ein, das ich von Samstag auf Sonntag nutzen wollte und stellte wieder einmal fest, dass Flexibilität einfach nicht jedermanns Sache ist. Der junge Mann mit der modischen Strubbelfrisur an der Ibis-Hotel-Rezeption kann diesbezüglich jedenfalls noch dazulernen.

Gegen halb zehn waren wir auf der Messe und bauten den Fanzine-Stand auf, den Greifenklaue betreute. Es lagen alle Fanzines aus, von denen ich jemals gehört habe und sogar noch ein paar Ansichtsausdrucke der Anduin, die auch am Stand von einer freundlichen jungen Dame vertreten wurde, deren Namen ich leider vergessen habe (Sorry).

Uns schräg gegenüber war der Stand der sympatischen Dorp‚ler und so konnte ich mich lange mit Thomas unterhalten, der ein wenig aus dem Nähkästchen plauderte. So viel kann ich verraten: Sie haben noch viele großartige Pläne.

Um die Ecke war der Stand von Mantikor und Schüppler. Letzterer Verlag hatte gerade sein (soweit ich weiß) erstes Buch auf dem Markt gebracht. Die Minotauren reitet von Aussehen und Namen auf der Welle der erfolgreichen Heyne-Fantasy-Reihe. Autor Andreas Schnell soll auch gut sein, habe ich mir sagen lassen. Trotzdem hinterließ ich enttäuschte Blicke, als ich mir nur das kleine Rollenspiel abholte, das sie umsonst für den Hintergrund des Buches produziert hatten. 24 Seiten, DIN A4 mit ein paar heraussragenden Farbbildern. Ich bin schon gespannt, was Hintergrund und Regelsystem hergeben und werde mir dann ggf. den Roman doch noch zulegen.

Bei Mantikor kaufte ich zunächst das Heft mit dem kurzen Zusatz-Solo in der Einsamer-Wolf-Reihe. Ein grauhaariger Mann erklärte mir auf Englisch, dass es eine Karte umsonst dazu gäbe. Es ratterte kurz: Englische Sprache, das Alter könnte auch stimmen. Meine verstohlenen Blicke auf die unbeschriftete Ausstellerkarte waren offenbar nicht verstohlen genug, denn ich hörte, wie er sich mit der Frau neben ihm unterhielt (seine Ehefrau, wie sich herausstellte): „He ist waiting for me to get a pen, so I can sign his book.“ Nun war es klar, dass der freundliche Mann Joe Dever war.

„So, you are Joe Dever?“

„Yes, I can confirm, that I am me.“

Es war mir etwas peinlich, dass ich seine Anwesenheit am Stand vergessen hatte, aber so bekam ich wenigstens ein Autogramm in mein Heft.

Die drei ersten Bücher der Solo-Reihe Einsamer Wolf lagen auch am Stand. Der erste Teil wurde übrigens mit dem ersten RPC-Preis für Abenteuer/Solos ausgezeichnet. Alle drei Bücher sind in irgendeiner Form gegenüber dem Original erweitert und so soll es auch mit den zukünftigen Bänden sein. Das Lone Wolf Multiplayer Gamebook kaufte ich nicht gleich und als ich später wiederkam, war es schon ausverkauft. Allein die Idee des Titels ist es schon wert, sich das dünne Taschenbuch mit Rollenspielregeln und drei Abenteuern zu besorgen. Die Regeln basieren auf den Regeln der Solo-Bücher und sind somit so einfach, dass wirklich jeder Anfänger damit umgehen kann.

Außerdem kaufte ich die beiden Neuerscheinungen für Labyrinth Lord. Übersetzer und Autor Moritz sprang wie immer begeistert um den Stand und schwärmte von neu entdeckten Schätzen oder Bildern der ausliegenden Bücher. Es ist schon beeindruckend, was er so auf die Beine stellt.

Das neue Regelwerk für Labyrinth Lord hat sich textlich gegenüber der auf der RPC 2009 erschienen Fassung nicht sehr verändert. Auf jeden Fall ist ein Rüstungswert (ich glaube, es war für die Lederrüstung) neu, die Monster haben aber leider immer noch keine Erfahrungspunkte. Das neue Cover finde ich mit Verlaub furchtbar. Dennoch habe ich mir das Buch gekauft, denn im Gegensatz zu der 2009er Version kann man es so weit aufklappen, dass man es am Tisch auch benutzen kann. Mein alter Lulu-Druck war einfach zu schlecht gebunden.

Die Larm-Chroniken haben ein sehr hübsches Cover. Das dünne und mit € 14,95 preisgünstige Heft enthält die komplette Beschreibung des Dörfchens Larm (mitsamt der drei dazugehörigen Abenteuer) und zusätzlich die Abenteuer „Die Festung des Bergkönigs“, „Rückkehr des Bergkönigs“, „Grimics Schrein“ und „Dolm River“ (den deutschen Titel habe ich vergessen). Das One Page Dungeon „Gefangene des Bergkönigs“, das Moritz beim diesjährigen One Page Dungeon Contest eingereicht hat,  ist ebenfalls enthalten, aber noch nicht einmal die mit Filzstift hingeschmierte Karte wurde verändert. Die Texte sind aber alle gut spielbar und interessant zu lesen und so ist das Buch absolut sein Geld wert, obwohl ich ein Inhaltsverzeichnis oder wenigstens angepasste Kopfzeilen mit den Kapitelnamen vermisse. Man findet im Buch nichts wieder.

Außerdem gab es am Stand natürlich noch Moritz lang angekündigtes One Page Dungeon „Das goldene Tal“ zum Mitnehmen. Es liest sich gut und ist witzig aufgemacht. Leider ist die Karte aber so verkleinert, dass man sie fast keine Beschriftung erkennen kann. Wie ich Moritz kenne, stellt er sie aber bestimmt noch online.

Bald traf ich Daniel und Macthulhu, mit denen ich die meiste Zeit auf dem Con verbrachte und gemeinsam starteten wir eine Runde.

Pegasus war wieder mit einem großen Stand vertreten. Das neue Cthulhu-Quellenbuch über Innsmouth sieht großartig aus – fischig und blau. Es enthält eine wunderschöne Karte von der Stadt und gleich sechs Abenteuer (zwei davon deutsche Neuentwicklungen). Ich werde für den SpielxPress eine Rezi schreiben und mehr berichten. Im Sommer erscheint die passende Kampagne Sturm auf Innsmouth, womit ein lang vergriffener Klassiker endlich wieder verfügbar gemacht wird. Außerdem konnte ich ein Cover vom ersten Teil der Mega-Kampagne Berge des Wahnsinns bewundern, der  zur Spielemesse erscheinen soll. Da läuft einem das Wasser im Mund zusammen.

Am Stand traf ich auch Verlagsleiter Janni, der mir sofort eine Mitarbeiter-Plakette in die Hand drückte. Sie ist großartig geworden, viel besser, als ich es erwartet hätte – ganz großes Lob an die Macher. Er erzählte mir außerdem, dass die NSCs und Abenteuerideen, die ich für den im Sommer erscheinenden Wien-Band entworfen hatte, ins Buch kommen. Freudige Nachrichten.

Der Ulisses-Stand interessierte mich aus zwei Gründen. Zum einen wollte ich mir nach langem Überlegen nun doch Kult/Okkult kaufen. € 50 sind eine Menge Geld für ein Buch, aber der schwarze Kunstledereinband und die Tatsache, dass die Magieregeln Okkult nirgendwo mehr zu finden sind, haben mich überzeugt. Zum anderen waren es natürlich die Neuheiten, die mich zum Stand trieben. Raumhafen Adamant ist kleinformatig und sieht nett aus. Man merkt dem hübschen Layout die Handschrift von David „Kopfkino“ Grashoff an. Beim Projekt Kopfkino kann man übrigens kostenlose Kurzregeln bekommen. Außerdem ließ ich mir die Kurzregeln für Space 1889 geben, die sehr vielversprechend wirken. Das Ubiquity-System soll ja sehr gut sein. Ich für meinen Teil werde mir trotzdem erst einmal die demnächst erscheinende Plot-Point-Kampagne Space 1889: Red Sands für Savage Worlds kaufen und dann entscheiden, ob ich noch mehr Space 1889 brauche oder nicht. Um Hollow Earth Expedition (auch dafür hatten sie Kurzregeln) schleiche ich auch schon seit einem halben Jahr herum. Wahrscheinlich landet auch das irgendwann in meinem Schrank.

Feder und Schwert ignorierte ich mal wieder ungerechtfertigterweise und verpasste so einen Blick auf Warhammer 3 und die Kurzregeln für Freihändler. Zum Glück gibt es die auch als Download.

Dafür verbrachte ich längere Zeit am Stand von Prometheus Games und erfuhr von Henni, dass es nun endlich wieder richtig weiter geht. Der Verlag hat wegen diverser Krankheitsausfälle eine für die Mitarbeiter schwere Zeit hinter sich, was vor allem die Fans, die auf bestimmte Bücher warteten, verärgerte, weil sich „nichts mehr tat“. Diese Zeit ist nun vorbei. Zunächst erscheinen die Daring Tales of Adventure (Savage Worlds) nach und nach als PDF. Juni oder Juli folgt das lang ersehnte Spielerhandbuch für Hellfrost. Henni berichtete auch von kommenden Projekten, die ich hier nicht verraten darf. Nur so viel: Es tut sich einiges und ich freue mich darauf wie das sprichwörtliche Schnitzel.

Neu ist außerdem eine Zusammenarbeit des Verlags mit den Machern von Spherechild und dem Space-Opera-RPG Nova. Von letzterem lag auch ein brandneues riesiges Regelbuch im Regal, das ich mir aber sparte, weil ich kein großer SF-Fan bin (zumindest in RPGs). Wenn sich mal eine Gelegenheit ergibt, einen längeren Blick hineinzuwerfen, werde ich davon berichten. Interessierte seien an die freien Downloads auf der Homepage verwiesen, mit denen man das Spiel ausprobieren kann.

Am gleichen Stand traf ich auch wieder Eva-Maria und Per von Erdenstern. Demnächst erscheint mit Into the White (nordische, kalte Musik) der letzte der Rollenspiel-Soundtracks. Einerseits ist das schade, andererseits besser so, als sinkende Verkaufzahlen und lange Gesichter bei den Machern, weil sie versuchen einen gesättigten Markt zu füttern. Es war jedenfalls wie jedes Jahr eine große Freude, die beiden zu treffen.

Die Indie-Insel war gut sichtbar in einem Parallelgang zu Greifenklaues Stand. Dort angekommen, versuchte mich Jörg Dünne gleich davon zu überzeugen, mir Reign zuzulegen. Da ich mit der Absicht gekommen war, genau dies zu tun, fiel ihm das nicht schwer. Leider hatten sie nur das Softcover und Jörg riet mir, es mit Schutzfolie zu bekleben. Zu Hause wusste ich dann auch warum, denn die Celophanierung hatte sich schon durch den vorsichtigen Transport nach Hause teilweise von den Kanten gerieben, also folge ich seinem Rat. Der Wunschtraum, die Folie blasenfrei draufzubekommen, erfüllte sich zwar nicht, aber auch so sieht es besser aus als abgerubbelte Kanten. Schon nach kurzem Reinlesen gehe ich davon aus, dass das Buch die beste Anschaffung der Messe war.

Meine lange Unterhaltung mit Jörg zeigte außerdem, wieso es so viel Spaß macht, seinen Blog zu lesen. Er ist genau, wie er schreibt: meinungsstark, vehement und einfach sympathisch; das macht seine Spielberichte und Meinungsäußerungen so authentisch und lesenswert. Sein gelungenes Rollenspiel Western City verkauft sich sehr gut, wie er erzählte, was mich mit Freude erfüllt.

Abgesehen von Reign lagen am Stand alle Bücher, die im Indie-Bereich Rang und Namen haben. Ich hätte am liebsten fast alle gekauft, ließ es zum Wohle meines Geldbeutels aber sein.

Viele Stände ignorierte ich, weil die Zeit durch die langen Gesprächen viel zu schnell um war. Sehr viel Zeit verbrachte ich auch mit Ralf und Kaid. Kaid hat große Pläne für den auferstandenen Unknown-Armies-Blog. Pläne beißen sich zwar häufig mit dem reellen Vorhandensein von freier Zeit, doch er schaffte es, diverse Mitarbeiter der deutschen Version des Ausnahme-Rollenspiels zu verpflichten und so sehe ich freudig in die Zukunft. Ich werde auf jeden Fall mit dabei sein. Es soll regelmäßig Posts und ab und zu coole Downloads geben und da auch in Amerika mehrere Veröffentlichungen angekündigt sind, kann man sich nur freuen.

Abends waren wir bei einem leckeren Mexikaner essen und dabei erfuhr ich von Macthulhu, dass er witzige Pläne für den anstehenden Cthulhu-Con hat. Ich kann zwar dieses Jahr leider nicht kommen, aber er hat mir versprochen, mir eine Handvoll dieser „Pläne“ zuzuschicken. Ich freu mich schon.

Danach schlurfte ich müde und heiser ins ungemütliche Ibis-Hotel. Wie schon letztes und vorletztes Jahr, war die RPC ein voller Erfolg. Ich bin bestimmt auch 2011 wieder dabei.

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Veröffentlicht am 20. April 2010, in News. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 12 Kommentare.

  1. „Hingeschmiert!“

    Pfrrrrz! So sehen alle Karten aus, die ich selbr zeichne – in bunt sieht sie übrigens ganz nett aus! Ich denke mal die Tal-Karte werde ich möglichst flott an den Mantikore-Verlag weiterleiten – der hat bessere Download-Kapazitäten als mein mickriger Blog. Auch die EP-Tabelle (die übrigens in der US-Version auch nicht drin ist) werde ich mal etwas aufhübschen – wäre auch ein sinnvoller Download (neben den aktuellen deutscen Charakterbögen).

    Und Joe D. ist einfach nur ein netter Mensch mit einem gesunden Humor! Ich freue mich schon auf das DORP TV-Interview.

  2. Na komm, ein klein wenig Kritik muss schon mal drin sein. Solche Leute wie dich braucht die Szene, Leute, die einfach mal anpacken, ohne monatelang an Perfektion zu feilen, die ohnehin nicht erreicht werden kann. Die EP-Tabelle habe ich auch nur vermisst, weil sie ja bereits existiert :-)

  3. Keine Angst! Und gerade mit der Sache mit den Kapiteln als Seitenüberschriften hast du absolut recht! Das hätten wir machen MÜSSEN!

  4. Sebst wenn! Wer könnte schon dem „Justus Jonas des Rollenspiels“ jemals böse sein! ;-)

  5. Minotauren ist aber im Schüppler-Verlag (http://www.schueppler-verlag.de/) erschienen und nicht bei Schöppler. Wollen wir mal nicht Ulis Namen abändern. *g* Wie hieß noch mal dieses blutige MMO, von dem du erzählt hattest?

  6. War ein toller Samstag, aber das Mexikanische Essen hat mich noch zwei Tage später beschäftigt :-D

  7. Oops, ich ändere mal den Verlagsnamen.

  8. Zum Thema Space 1889: Hast du schon mein Preview zu Space 1889: Red Sands gelesen?

  9. Nee, kannte ich noch nicht. Danke für den Link, ich lese es gleich mal.

  10. Neue Nachricht, gerade erhalten:

    Das Minotauren-Rollenspiel gibt es jetzt auch als kostenlosen Download:

    http://www.schueppler-verlag.de/downloads/

  11. Schöner Bericht :-) ….. einen Teil der von Dir sehnlichst erwarteten „www.Cthulhu.de“ Überraschungen liegen druckfrisch vor mir :-D …. ich schüre Dir ein Packet, wenn ich alles fertig habe , wie versprochen :-)

  12. Großartig! Ich freue mich schon drauf und habe auch meine Cthulhu-Runde schon heiß gemacht :-)

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