Standardverhalten bei Cthulhu

Meine alte Cthulhu-Euphorie ist zurück. Eine Zeit lang langweilten mich die Tentakeln etwas. Es gab nichts Neues zu schreiben, das mich interessiert hätte und die Bücher waren zwar immer noch gut, aber hauptsächlich Übersetzungen von Bänden, die ich bereits hatte.

Jetzt habe ich mich nicht nur wieder mal darangesetzt, etwas zu schreiben (ein klassisches 1920er Abenteuer in Arkham, das ich mit Daniel zusammen entwickle), sondern habe mit den Armitage Files ein Buch in den Fingern, das völlig neue Ansätze bietet.

Interessanterweise steht in dem Buch etwas, das mich anstatt zu Neuem zum Alten zurückführt: Laws beschreibt kurz, wie man neuen Spielern mit Beispielen und Tipps zeigen soll, wie cthuloide Ermittler normalerweise vorgehen. Zum Beispiel: „In so einer Situation geht man normalerweise erst einmal in die Bibliothek und stellt ein paar allgemeine Nachforschungen an.“

Der Tipp ist ihn vielerlei Hinsicht erwähnenswert, denn häufig wird in veröffentlichten Abenteuern versucht, sich von den festgelegten Bahnen zu entfernen. Warum sollte es also sinnvoll sein, die Spieler aufzufordern sich im Klischee zu bewegen?

Cthulhu ist deshalb das beste Rollenspiel der Welt ™, weil es schon vom Grundaufbau her bestimmte Handlungsweisen vorgibt. Jeder Spieler weiß sofort, was er bei Cthulhu zu tun hat.

Das ist eine gute Sache, die wir viel zu häufig vergessen. Der Spielleiter weiß ungefähr, womit er zu rechnen hat und kann dementsprechend planen. Auch kann er voraussetzen, dass die Spieler wissen wie gefährlich es ist, wenn sie sich dem Geheimnis unvorbereitet stellen. In Fantasyabenteuern könnte so etwas ein Problem sein, sind die Spieler nämlich Dungeons gewohnt und werden nun plötzlich von einem riesigen Ekelmonster in Stücke gerissen (und der Spielleiter zuckt nur mit den Achseln und sagt: „Ihr hättet ja Nachforschungen anstellen können.“), sind sie zurecht wütend, dass ihre Charaktere umgebracht wurden. Sie wussten ja nicht, dass das von ihnen erwartet wird.

Ich habe den Eindruck, dass sich stillschweigend ins deutsche Cthulhuspiel eingeschlichen hat, man müsse solche Standards vermeiden, weil sie Klischees und „immer das Gleiche“ und somit langweilig sind. Es ist interessant, jemanden zu sehen, der darauf hinweist, dass solche festen Strukturen gut für das Spiel sein können und der Spielleiter ruhig offensiv darauf hinweisen sollte. Wenn Abenteuerautoren und Spielleiter das bedenken und ihre Überraschungen in diese Strukturen einfließen lassen, wird das Spiel flüssiger und – höchstwahrscheinlich – besser.

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Veröffentlicht am 7. April 2010, in Cthulhu. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 5 Kommentare.

  1. Interessant, dass Du gleichzeitig sagst, das CoC Dir zu langweilig gewesen ist, was z.B. an immer gleichen Handlungsweise liegen könnte. Nur als Einwurf.

  2. Standartverhaltensweisen die von Spielern erwartet werden sollen dem Spielleiter Sicherheit geben und das Spiel verbessern?!

    Bessere Überraschung durch feste Strukturen?!

    Irgendwie widersprechen sich diese Argumente. Überraschung bringen die Handlungen der Spieler welche eben die sein sollten auf die sie Lust haben und die ihrer Meinung nach zu den SCs passt. Nicht diejenigen die das Rollenspiel standartmässig von ihnen erwartet (Taschenlampe fallenlassen, Monster statt mit Feuerkraft mit alten seltsamen Fetischen besiegen, immer erst Geschichtsrecherche antreten).

    Gerade diese Verhaltensweisen sind Outgame-Reglements die mMn spannendes Spiel verhindern. Wenn ich weiß dass der Spielleiter nur die eine Lösung für sein AB hat, die uralte Kristallkugel welche ich dem Hund von Sonstwas gegen den Kopf schmeißen muss, dann nimmt mir das jegliche Spannung und die Möglichkeit, andere Taktiken zu wählen.

  3. @TheClone: Interessante Beobachtung :-) … Grund für die Unlust waren eher die Neuerscheinungen, aber ganz von der Hand weisen kann ich deinen Einwand nicht.

    @ateracalba: Wenn wir jedes einzelne Klischee nehmen und es von den SC verlangen würden, hättest du natürlich recht. Taschenlampe fallen lassen wäre für mich so ein Beispiel, bei dem ich dir absolut beipflichten würde (wobei es sicherlich eine tolle Situation gäbe, wenn der Spieler das freiwillig macht). Aber von diesen Extrembeispielen rede ich natürlich nicht und dann widersprechen sich auch die Argumente nicht mehr.

    Na klar können die SC versuchen das Monster mit Feuerkraft zu vernichten – sie sollten aber vorher einigermaßen sicher sein, dass es überhaupt mit Feuerkraft zu besiegen ist. Dafür stellen sie Nachforschungen an.

    Es sagt ja auch niemand, dass irgendjemand *gezwungen* werden soll, in die Bib zu gehen. Wenn die Spieler aber wissen, dass das der übliche Weg in einem Cthulhuabenteuer ist, hilft das sowohl ihnen (sie haben mindestens einen Anlaufpunkt, wenn sie nicht weiterwissen) und dem SL (er weiß, dass er einen Besuch in der Bib vorbereiten sollte). Außerdem werden die Spieler nicht überrascht, wenn sie wegen zu wenig Informationen plötzlich geröstet werden.

    Darum geht es: Um die Hilfestellung, die eine (sehr grob gefasste!) Struktur bietet, und dass man *mit* der Struktur arbeiten sollte und nicht *gegen* sie.

    Am Ende ist der Eintrag aber nur ein Gedanke, der mir kam, als ich den Hinweis von Laws las, nichts über das ich lange nachgegrübelt hätte.

  4. Ein Problem, dass durch den Bib-Besuch gelöst werden soll, ist ja die Infos zu geben, die eigentlich kein Zeuge so hat. Außerdem trifft es den Flair von Cthulhu sehr gut sich durch alte Bücher und Zeitungsarchive zu suchen. Aber der kreative SL sollte ja die Funktion: BIB = INFOPOOL + Stimmung auch in andere Settings ummünzen können. Ein häufiger Ort/NSC war bei uns der verrückte Überlebende a´la Zadock ALLEN, der auch unglaubliche Infos rausgeben kann. Das nutzt sich aber leider auch schnell ab.

    Spannend finde ich, welche anderen Klischee, die gleiche Funktion erfüllen. So das man nicht immer in die Bibliothek rennt. Aber es eben mit wenig nachdenken klar ist, wo man einen Grundstock an Infos herbekommt. Gibt es da eine art Locations/ NSC Sammelung?

  5. Nicht dass ich wüsste. Falls es so eine Liste irgendwo gibt, würde ich auch gern davon erfahren.

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