Rezension: Gruselkabinett 34 – Die obere Koje

Gruselkabinett 34 - Die obere Koje

[Höerspiel nach Francis Marion Crawford, Titania Medien, 1 CD, € 8,95]

Die 34. Folge der Hörspielreihe „Gruselkabinett“ ist eine waschechte Gespenstergeschichte. „Die obere Koje“ basiert auf einer 1886 erstmals veröffentlichten Kurzgeschichte von Francis Marion Crawford, die immer wieder in Anthologien klassischer Gruselgeschichten nachgedruckt wird.

Aldous Brisbane ist zwar ein erfahrener Seereisender, so etwas hat er aber noch nicht erlebt: Kaum nennt er die Nummer seiner Kabine, erbleichen alle, mit denen er sich unterhält. Außerdem stinkt die Kabine nach brackigem Wasser und Moder. Der Typ, der die Koje über ihm hat, taucht erst mitten in der Nacht auf und schreit dann auch noch so herum, dass Brisbane keinen Schlaf findet.

Man erahnt schon, dass hier sehr klassischer Stoff auf den Hörer wartet. Es ist offenbar nicht ganz geheuer in Kabine 105. Der Schiffsarzt und der Kapitän wollen nicht so recht mit der Sprache heraus, was genau das Problem ist, aber sie empfehlen Brisbane die Kabine zu verlassen und zu ihnen zu ziehen. Wie es für das Genre üblich ist, lehnt dieser natürlich ab, denn er möchte den seltsamen Vorkommnissen auf den Grund gehen.

Die Geschichte ist zu ihrer Zeit bestimmt grandios gewesen und ich kann mir gut vorstellen, dass sie auch heute noch beeindruckend ist. Mir ist Crawford zugegebenermaßen unbekannt, aber ich gehe davon aus, dass er intensiv genug schreibt, um einen Nachdruck der Story in Anthologien zu rechtfertigen. Aus heutiger Sicht leidet die Geschichte aber daran, dass sie moderne Leser nicht überrascht. Eine seltsame Erscheinung hier, ein komischer Geruch da und immer wieder Unterhaltungen mit dem Schiffsarzt und dem Kapitän, die ein wenig Licht auf die Vergangenheit von Kabine 105 werfen.

Das Hörspiel ist wie alle Teile des Gruselkabinetts fantastisch produziert. Bekannte Synchronsprecher sorgen mit ihren schauspielerischen Fähigkeiten und angenehmen Stimmen für eine gute Atmosphäre und alle Dramatik, die man aus der Geschichte herausholen kann. Auch die Musik ist gut produziert, wird richtig dosiert eingesetzt und unterstreicht so die Stimmung.

Aber auch wenn sich alles großartig anhört, wollte sich bei mir der Grusel nicht so recht einstellen. Die Hörspielumsetzung einer Gespenstergeschichte dieser Art ist ziemlich schwer, denn die Informationen müssen entweder per Erzähler – was auf Dauer auch langweilig wird – oder mittels eines dauernd mit sich selbst redenden Protagonisten an den Hörer weitergegeben werden. Da kann schon einmal ein wenig der ursprünglichen Spannung verloren gehen.

Fazit: Mit dem 34. Teil der Reihe „Gruselkabinett“ bekommt der Hörer eine klassische Gespenstergeschichte auf einem Schiff geboten, der man ihr Alter anmerkt. „Die obere Koje“ ist trotzdem durch die großartige Produktion durchaus kurzweilig und stimmungsvoll, auch wenn sich echte Spannung nicht so recht einstellen will. Einsteiger in die hervorragende Hörspielreihe sollten sich zunächst anderen Teilen zuwenden, Sammler oder alte Fans können aber getrost zuschlagen.

[Diese Rezension erschien im Ringboten.]

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Veröffentlicht am 19. September 2009, in Rezensionen. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Hinterlasse einen Kommentar.

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