Rezension: Bissige Zeiten

bissige-zeiten[Abenteuer, Prometheus Games und Projekt Kopfkino, Sprache: Deutsch, Softcover, 74 Seiten DIN A5, € 11]

„Bissige Zeiten“ ist der Titel des ersten Abenteuerbandes für den Überraschungserfolg „Ratten!“. Fünf Abenteuer sind in dem dünnen A5-Band zu finden, eines sogar für das im „Ratten!!-Kompendium“ beschriebene Setting „Ratten! im Weltraum“. Im Gegensatz zu bisher allen anderen Veröffentlichungen, wird es diesen Band nicht als Download geben. Das „Ratten!!-Kompendium“ wird für mindestens eines der Abenteuer benötigt, doch da man es umsonst als PDF bekommen kann, sollte das kein Problem sein.

Layout und Aussehen des Buches sind im üblichen Stil gehalten: Ein großartiges, stimmungsvolles Bild ziert das dunkle Cover, das Layout ist einfach aber auf Vollfarbseiten und auch die Bilder im Inneren sind ausnahmslos wunderbare Szenen mit Nagern in unterschiedlichen Situationen. Timo Grubing und Volker Konrad benutzen einen ähnlichen Zeichenstil, der nicht nur toll aussieht und super passt, sondern auch jeder Ratte Individualität verleiht. Die Zeichnungen haben sicherlich mehr als nur ein bisschen zum Erfolg von „Ratten!“ beigetragen. Das Buch ist außerdem das bisher stabilste der Pocket-RPG-Reihe, mit Seiten, die dick genug sind, um sie gut blättern zu können, aber dünn genug, dass der Buchrücken beim einfachen Lesen nicht unnütz strapaziert wird.

Die Abenteuer bieten eine bunte Mischung. In „Ein neuer Krieg“ geht es episch zu, denn die Gefahr eines echten Krieges bedroht die Rattenburg. Geschickt werden die Charaktere in die Geschehnisse verwickelt, die sich gradlinig entfalten, ohne die Spieler zu sehr einzuschränken. „In Namensvetter“ werden die Charaktere Opfer eines gemeinen Betruges und müssen quer durch die Rattenburg jagen, um einen hinterlistigen Gegner zu stellen. Die Idee von „Fell über die Ohren“ hat mir von allen am besten gefallen. Seltsame Diebstähle verärgern die Ratten der gesamten Burg. Dahinter steckt etwas Böses, Wahnsinniges, das den Charakterratten einen Schauer über den Rücken jagen wird, während sie es im Showdown versuchen niederzuringen. In „Sammelwut & Sammlertücke“ sind die Charaktere im Auftrag der Sammler unterwegs und stoßen dabei auf ein Komplott, das sie hoffentlich nach ein wenig Detektivarbeit und der einen oder anderen Rauferei aufklären können. Bei „Das Rotaugenexperiment“ für „Ratten! im Weltraum“ kommt leider die Tatsache, dass das Abenteuer auf einer Raumstation spielt, kaum zum Tragen. Außerdem meine ich eine logische Lücke in der Pointe gefunden zu haben. Wer sich um diese Tatsachen herumarbeitet, sollte aber trotzdem Spaß mit dem Szenario haben, bei dem die Charaktere auf die Suche nach einer Ratte gehen, die ein Rotauge ist, aber gern eine Laborratte wäre. Wie sich zeigt, scheint eine Rottenzugehörigkeit wichtig für die geistige Gesundheit zu sein.

Stilistisch sind die Abenteuer trotz der unterschiedlichen Themen ähnlich: Immer wird eine relativ gradlinige Geschichte skizziert, in denen der Spielleiter nicht mit Details oder „Rollenspielanleitungen“ erschlagen wird, sondern freie Hand hat, die Ereignisse nach eigenem Gutdünken auszugestalten. Karten gibt es beispielsweise keine. Erfahrene Spielleiter haben so unkomplizierte Abenteuer für zwischendurch, weniger erfahrene werden aber mit dem gefühlten „Railroading“ wahrscheinlich manchmal überfordert.

Insgesamt vermittelt „Bissige Zeiten“ wie der Rest der Reihe das Gefühl, ein liebenswertes Hobbyprodukt zu sein. Das Lektorat hätte wirklich besser sein können (manchmal heißt es beispielsweise: „eine Probe auf cleverx2“, manchmal: „2x Clever“, dann wieder anders), die Formulierungen sind ab und zu holprig, ja sogar das Abenteuerdesign selbst fühlt sich manchmal hobbymäßig an. Doch das stört nicht. „Ratten!“ will eine nette Abwechslung für Zwischendurch bieten; es will „niedlich“ sein – und das gelingt. Die Stimmung ist nett, die Zeichnungen grandios und die Möglichkeit, eine Ratte zu spielen, die sich durch die dunklen Gänge eines verlassenen Kaufhauses kämpft und es mit Krabblern oder Kriechern aufnimmt, Hartlufthalter untersucht oder ein Schwätzchen mit Schönplauderer Schwemmbauch hält, ist einfach zu reizvoll, um sie völlig zu ignorieren. „Bissige Zeiten“ bietet auf charmante Art die Möglichkeit, genau dies zu tun.

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Veröffentlicht am 9. September 2009, in Rezensionen. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Hinterlasse einen Kommentar.

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