Rezension: Micheal Shea – Cugel in der Unterwelt

cugel-unterweltMicheal Sheas Roman „Cugel in der Unterwelt“ (FanPro, 176 Seiten, Taschenbuch, € 8) ist der beste Beweis dafür, dass man keinen exakten Nachbau von geliebten Romanen erwarten sollte, wenn sich andere Autoren der Ideen annehmen. So war ich von „Cugel aus der Unterwelt“ auf den ersten Seiten zunächst enttäuscht. Ein paar unschöne Sätze (die ich auf die Übersetzung schiebe) wirkten stümperhaft, aber das war nicht der eigentliche Grund für die Enttäuschung.

Micheal Shea war ein Fan der „Dying Earth“-Romane von Jack Vance und schrieb einen Episodenroman über den gewitzten Anti-Helden Cugel, der in zwei der vier DE-Bücher die Hauptrolle spielt. Doch gleich auf den ersten paar Seiten fällt auf, das irgendetwas fehlt. Die Welt ist so fantasievoll, wie ich es erwartet hatte, doch der Witz fehlt. Die intelligenten und pointierten Dialoge von Vance fehlen ebenso, der geschickte Storyaufbau ist nicht vorhanden. Außerdem verkommt Cugel ein wenig zur Nebenfigur.

So sehr mich das zunächst enttäuschte, doch bald konnte ich mich davon lösen, Vances Intelligenz und Hintergründigkeit zu erwarten und mich auf den sehr dichten und einfallsreichen Episodenroman zu konzentrieren, der „Cugel in der Unterwelt“ nun einmal ist. In der erzählerischen Dichte steht er den Original-Romanen in nichts nach. Auf Seite 38 haben Cugel und sein Begleiter bereits so viel erlebt, dass es bei den meisten anderen Fantasyautoren für einen kompletten Roman gereicht hätte: Eine lange Reise, um ein altes Recht einzufordern, wurde gestartet; die Reisenden kamen mit Monstern und Kannibalen in Kontakt, sollten ermordet werden und vernichteten eine uralte Kannibalengesellschaft – alles, wie gesagt, auf noch nicht einmal 4o Seiten Text.

In diesem Tempo geht es durch den gesamten kurzen Roman. Langeweile kann da einfach nicht aufkommen. Wer also ein wenig Stoff für seine „Dying Earth“-Sucht benötigt, macht mit „Cugel in der Unterwelt“ wenig falsch. Man sollte nicht zu viel erwarten, aber abgefahrene Geschichten über Flüche, magische Amulette, Hornissenpeitschen, Geister, Dämonen, Zombies und uralte Magier gibt es zuhauf. Trotz anfänglicher Enttäuschung bin ich froh, den Roman gelesen zu haben.

Advertisements

Veröffentlicht am 7. September 2009, in Literatur, Rezensionen. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 4 Kommentare.

  1. Da fällt mir ein das FanPro ja schon seit längerem noch Sarabande der Zauberer rausbringen wollte. Das schwelt wohl auch so vor sich hin.

  2. Darauf warte ich seit Jahren (deshalb ist mir Cugel in der Unterwelt auch überhaupt erst aufgefallen). Ich glaube ehrlich gesagt nicht daran, dass es noch kommt.

  3. Ich hab ja noch ein paar Cugel Romane im Regal die seinerzeit von Knaur? in den 80er Jahren? auf den Markt kamen. Ich vermute aber auch das Sarabande Geschichte ist.

  4. Dann hast du „Sarabande“ bestimmt schon unter anderem Namen. In „Sarabande“ sollten die beiden „Romane“ (waren ja eigentlich eher Geschichtensammlungen) „Die sterbende Erde“ und „Rhialto the Marvellous“ (wie auch immer es auf deutsch heißt) sein. Zusammen mit dem beiden Cugel-Romanen in „Cugel“ wären das alle gewesen, die es von Vance gab. Auf Englisch gibt es das alles ja noch, ist also nicht so schlimm und dank des coolen Buchstandes auf der Spielemesse habe ich zumindest die sterbende Erde inzwischen auf auf Deutsch.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: