Rezension: Curse of the Yellow Sign, Teil 1

curse-yellow-signJohn Wick ist als Autor von „Legend of the 5 Rings“ und „7th Sea“ bekannt und hat sich im Laufe seiner Karriere zu einem Superstar der amerikanischen Rollenspiellandschaft (wenn es so etwas überhaupt gibt) entwickelt. Wick ist ein Name, der dafür sorgt, dass die Leute genauer hingucken. Und jetzt hat er ein Cthulhu-Abenteuer veröffentlicht, genauer gesagt, den ersten Teil einer Trilogie von Cthulhu-Abenteuern.

„Digging for a Dead God“, so der Titel des ersten Teils, ist eine kleine, fiese Geschichte mit vorgefertigten Charakteren in einem Dschungel von Afrika. Die Charaktere spielen ein paar Soldaten, die auf etwas Vergrabenes stoßen.

Das Layout des kurzen PDFs (28 Seiten mit 2x Cover, zwei leeren Seiten und viel freiem Raum um den Text) ist fantastisch, sehr stimmungsvoll mit großen gut ins Textbild eingearbeiteten Bildern. Drucker werden stark belastet, aber wenn man auf die gedruckte Version wartet, kann man dieses Problem leicht umgehen.

Ich liebe Wicks Sprache. Er erzählt nicht einfach, er schlägt dem Leser die Informationen ins Gesicht – nie neutral oder emotionslos gibt er Tipps (viele Tipps, die das Abenteuer auch dringend benötigt); nennt Gründe, aus denen er bestimmte Entscheidungen getroffen hat, oder erklärt seine Idee vom Cthulhu-Mythos. Leider scheint ihn diesmal die Rhetorik ab und zu zu verlassen, denn man versteht manchmal nicht sofort, was er meint – und obwohl ich den Schreibstil gern lese, muss ich zugeben, dass es in einigen Fällen wie Klugscheißerei klingt. Aber ich bevorzuge jederzeit Klugscheißerei gegenüber einem langweiligen Text.

Wie von Wick zu erwarten, ist es nicht einfach eine Cthulhu-Geschichte. Er greift grundlegende Themen auf und interpretiert sie auf seine spezielle Weise, beispielsweise versucht er die Wahnsinn bringende Wirkung des Mythos fassbar zu machen, trotz all ihrer Unfassbarkeit, und der Gegner der Charaktere ist eine wirklich ungewöhnliche Gestalt.

Die Geschichte – die Charaktere, der Gegner, die Situation – ist wie ein Schlag in dem Magen. Wick berührt unangenehme Themen und baut so eine emotionale Geschichte, aus der weder Spieler noch Charaktere unberührt herausgehen werden (wenn die Charaktere überhaupt herausgehen).

Aber ob ich es spielen würde? Ich fürchte, für Deutschland ist das Abenteuer nur schwerlich geeignet. Man spielt Nazis! Auch noch Nazis, die am Anfang des zweiten Weltkriegs in eine Situation gebracht werden, in der sie Böses tun und dieses erst im Nachhinein als solches empfinden werden. Leider ist es schwer bis unmöglich die Charaktere auf andere Nationalitäten oder eine andere Zeit umzuschreiben. Dann sind da die Namen der Spielerfiguren: Sie sind nach einigen der Todsünden benannt, Bernhard Begierde und Rambert Missgunst beispielsweise. Für amerikanische Ohren ist das bestimmt toll, aber für deutschsprachige Fans muss man die Namen wohl ändern (es sei denn man möchte die Andeutung auf die Persönlichkeiten, die in den Namen stecken, gern beibehalten).

Man muss selbst entscheiden, ob man bereit ist, sich an solche Themen heranzuwagen. So oder so zeigt der erste Teil von „Curse of the Yellow Sign“, wie man echten Horror ins Rollenspiel bringen kann und eröffnet ganz neue Blickwinkel auf den Mythos. Ein großartiges Heft, dass ich mir unbedingt noch gedruckt zulegen muss. Ich freue mich schon auf die nächsten beiden Teile.

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Veröffentlicht am 3. Juli 2009, in Cthulhu, Rezensionen. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 15 Kommentare.

  1. Du bist echt schnell :-) Gute Rezi!

    Ich denke mal ein Con-Szenario ist das nicht unbedingt oder?

  2. Also, ich werde es wohl nicht anbieten, aber ich denke, wenn man die Leute vorwarnt, kann man das machen. Ich würde nur irgendwo ein dickes „Achtung!“ hinschreiben :-)

  3. Hmm, muss ich mal drüber nachdenken. Ich glaube ich teste es erst mal in meiner Runde, werde es aber zur Con mitbringen. Vielleicht ergibt sich was ;-)

  4. Kannst Du auch noch bitte ein oder zwei Sätze zum Plot schreiben?
    Das würde mir bei der Entscheidung sehr helfen…

  5. Das ist schwer, wenn man nicht zu viel verraten will. Der Plot wird hauptsächlich durch die Handlungen der Charaktere und die Zwiste zwischen ihnen getragen. Sie sind Soldaten, die ein Eingeborenendorf beaufsichtigen, wo die Männer in einer Mine arbeiten (wo dann etwas entdeckt wird) und die Frauen und Kinder von den Männern getrennt in ihrem Dorf bleiben. Der Rest ist, wie gesagt, komplett davon abhängig, was die SC tun. Ich hoffe, das hilft ein wenig.

  6. Also ich werde es auf jeden Fall anbieten. Hab schon ein paar Umfragen gestartet und bisher ist da Interesse so groß, das ich es mit 2×6 Spielern leiten kann. Alle sind alt genug und vorgewarnt, was auf sie zukommt.

    @Oliver, das PDF kostet keine 5€, gib Dir einen Ruck, es lohnt sich wirklich. Das Abenteuer ist schöner Cthulhu Horror, wirklich sehr sehr fies. Ich bring es mal zur Con mit.

  7. Oliver der Entsafter

    Das hoert sich spannend an. Ich werde wohl auf die Print-Version warten und dann zuschlagen.

  8. Ich zensiere Geschichte nicht.

    Ansonsten brauchst du eh nicht Rollenspiel spielen, da Spieler meistens am Gesetz vorbei handeln, und den wenigsten bewusst ist, das Waffen Dinge sind um Menschen zu töten und auch entsprechend respektvoll und verantwortungsbewusst geführt werden sollen. Ein moralisches „gut“ ist im Rollenspiel schwer zu definieren, vor allem wenn es um das Überleben geht, jedoch immer verschiedene Fraktionen und Ziele.

    Außerdem sind es ja eh bloß Hollywood-Nazis, und keine Deutsche, die als Opfer und Täter eines sozialistischen Diktators und faschistischen Regimes auch massenweise ihr Leben gelassen haben. Eine differenziertere Sichtweise wäre angebracht. Ich würde einfach ab 21 auf den Aushang schreiben. Außer du machst natürlich für Pegasus-Support… eine Blacklist für Abenteuer gibt es da aber auch nicht.

    Und echte Nazis würde ich mir sofort in die Runde holen, den Ideologien bekämpft man mit Information und vll. ist ja bei dem ein oder anderen noch was zu richten \;)

    Lies mal Edward Barneys Propaganda.

  9. Ich gebe dir absolut recht, dass Aufklärung der beste Weg ist, um gesellschaftlich schädliche Ideologien zu bekämpfen. Darum geht es aber nicht. Es geht darum, dass man auf keinen Fall den Bereich verlassen sollte, an dem sich die Spieler wohl fühlen. Das ist einfach eine Sache der Rücksicht.

    In gutem Horror bewegt man sich auf der Grenze zwischen Wohl- und Unwohlsein und wirft ab und zu einen scharfen Blick auf die „dunkle“ Seite. Die Grenze liegt aber bei jedem anders und sollte respektiert werden, sonst wirft das ein schlechtes Licht auf dich und sogar auf den Con.

    Eine gute Form, um Respekt vor dieser Grenze zu zeigen, ist meiner Meinung nach eine Warnung vor dem, was die Spieler erwartet. Wir sind alle erwachsen und wissen, dass Cthulhu kein Wattepusten ist. Ich bin mir sicher, wenn die Spieler vorher wissen, was auf sie zukommt, könnte das Abenteuer eines der grausigsten werden, das sie bis dahin erlebt haben.

    Ich bin übrigens nicht beim Support und auch nicht in der Con-Orga. Ich bin mir aber sicher, dass Chrissi und seine Kollegen keinen Bock darauf haben, Stress zu kriegen, weil sich irgendjemand von den in seiner Spielrunde angesprochenen Themen auf den Schlips getreten fühlt.

    Damit möchte ich die Diskussion über Zensur beenden. Wir sind alle aufgeklärte Erwachsene, die wissen, dass rechtsextremistische Ansichten schlecht sind. Das Thema bleibt aber schwierig und so sei jedem selbst überlassen, wie er mit diesem Wissen umgeht.

  10. Mit einer handverlesenen Gruppe würde ich das Abenteuer auch auf dem Cthulhu Con leiten. Wird aber wohl nicht dazu kommen, da ich bis zum WE nicht alle Handouts zusammen kriege. Daheim werd ich das Abenteuer für 2 Runden leiten. Bei einer hab ich die Leute persönlich angeschrieben, die andere hab ich quasi öffentlich ausgeschrieben. Da ich aber meine Pappenheimer kenne, weiss ich mit welchen Personen ich es zu tun hab. Trotzdem gibt es noch vorab eine explizite Warnung, damit die Spieler wissen, worauf sie sich einlassen.

    Zum Thema Nazis sei noch gesagt, ich hab vor Jahren mal „Der Engel von Prag“ geleitet. Ein Cthulhu Live Abenteuer in dem sich Mitglieder verschiedener okkulter Strömungen 1939 in Prag treffen. Schwarzuniformierte Deutsche waren da auch dabei. Dabei wurden keinerlei Ideologien verherrlicht oder das ganze verharmlost. Auf Grund der Thematik jedoch haben wir eine strenge Auswahl getroffen, dennoch dürfte das Spiel auch heute noch allen in guter Erinnerung geblieben sein. Und das nicht nur wegen der dichten und drückenden Atmosphäre. Man muss nur ein wenig Fingerspitzengefühl walten lassen, dann ist alles möglich.

  11. Genau so sehe ich das auch. Respekt und Fingerspitzengefühl, dann kann man spielen, was und wo man will.

  12. Da ich den Chambers-Mythos liebe und „Tatters of the King“ mit großer Begeisterung geleitet habe, ist das ein Muss für mich. Vielleicht warte ich aber auf die Druckversion. Wird es einen Sammelband geben? Mal nachschauen.

  13. Hast Du es jetzt mal gespielt??

  14. Nein, immer noch nicht. Hat sich nicht ergeben und inzwischen würde ich auch eher die anderen Teile spielen, glaube ich.
    Sorry, ich würde gern mehr berichten.

  1. Pingback: Curse of the Yellow Sign | Arkham Advertiser

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