Compass of Celestial Directions 3: Yu-Shan

yu-shan[Quellenbuch von Alan Alexander, Eric Brennan, Genevieve Cogman, Stephan Lea Sheppard, White Wolf, Sprache: Englisch, 160 Seiten, Softcover, Englisch, $ 24,99]

Yu-Shan: Die Stadt der Götter. Eine Stadt so groß wie ein Kontinent, zu der 61 Tore führen, die über die gesamte Schöpfung verteilt (und darüber hinaus) liegen. Hier leben Abermillionen von Göttern, Geistern und Elementaren, die wie die Menschen ums Überleben, Macht oder Bares kämpfen.

„Yu-Shan“ ist das Heim der himmlischen Bürokratie. Stellen wir uns als Westler eine Stadt der Götter vor, denken wir an den Berg Olymp, wo Zeus auf eine Thron sitzt und über eine Handvoll andere Götter herrscht, wenn er nicht gerade als Tier verkleidet irgendwelche Jungfrauen besteigt. Wir denken an Götter, die sich zwar streiten und bekämpfen aber fest in den Sätteln ihrer Macht sitzen. Hier kommt es nicht zu Arbeitslosigkeit oder Verschiebungen von Zuständigkeitsbereichen.

Anders in Yu-Shan. Der oberste aller Götter hat sich mit den anderen „Incarnae“ zurückgezogen, um das Spiel der Göttlichkeit zu spielen (das übrigens nichts mit der Herrschaft der Götter über die Schöpfung zu tun hat). Mit dem Schwinden seines Interesses an der Herrschaft, verschwand auch die harte Hand, die verhinderte, dass die Machtkämpfe im Himmel überhand nehmen und die komplexe Bürokratie zum Selbstzweck verkommt. Doch genau das geschah. Als die Schöpfung drohte unterzugehen, wurde Yu-Shan von arbeitslosen Göttern überrannt, deren Aufgabenbereich vernichtet war (Götter von Landstrichen, Tierarten oder Städten, die ausstarben oder im „Wyld“ verschwanden), woraufhin die Stadt die Tore schloss und sich abkapselte. Das „Bureau of Humanity“, eines der fünf großen Regierungsämter, verlor an Macht und wurde fast vom „Bureau of Heaven“ verdrängt. Die Götter mussten Machtspielchen spielen, wenn sie ihre Posten behalten wollten. Jetzt ist der Himmel wieder offen, doch die Machtverschiebung ist immer noch da und die Götter der Schöpfung haben nur wenig Lust sich von denen etwas sagen zu lassen, die sie damals im Stich ließen.

Optisch bietet das Buch die gleiche Qualität wie auch schon seine Vorgänger. Es ist ein stabiles Softcover mit 160 Seiten, einem ansehnlichen, ziemlich bunten Cover und Schwarzweiß-Layout. Die Bilder sind mehr oder weniger konsequent im Manga-Stil gehalten und wenn auch nicht alle hübsch, so doch wenigstens passend.

Nach der üblichen Einleitung, die den Leser auf das Kommende vorbereitet und ein kurzes aber wichtiges Glossar liefert, steigt das Buch in die Geschichte von Yu-Shan ein. Da die Vergangenheit der Stadt so sehr mit allem anderen verwoben ist, konzentrierten sich die Autoren hier auf weniger bekannte, interessante Details und fassen aus dem Grundregelwerk Bekanntes zusammen. Dementsprechend kurz ist das Kapitel.

Auch das nächste Kapitel „Life in the Celstial City“ ist nicht sehr lang. Was ist die Währung der Götter? Was bewirken Gebete der Menschen und wieso kann ein Gott reich oder arm sein? Wie wird die Zeit wahrgenommen, wie bewegt man sich von A nach B, ohne zu Fuß gehen zu müssen? Dieser Art allgemeine Fragen werden kurz beantwortet. Zwei weitere Abschnitte weisen außerdem auf Geheimkulte und den „Carnival of Meeting“ hin, dem jährlichen Festival, während dem die Menschen direkt mit den Göttern kommunizieren können.

Den Kern des Buches bilden die 39 Seiten des Kapitels „The Celestial Government“. Hatte es zu Beginn noch den Anschein, als wäre „Yu-Shan“ hauptsächlich an Spielgruppen gerichtet, die die himmlische Stadt bereisen wollen, zeigt sich hier das gesamte Potenzial des Buches. Das gigantische Netz aus Abhängigkeiten und Intrigen ist ein Nährboden für Abenteuer wie er fruchtbarer nicht sein könnte. Das „Bureau of Humanity“ versucht die anderen Ämter zu schwächen, indem es Göttern erlaubt, über Städte und Länder in der Schöpfung zu herrschen. Der „Bureau of Heaven“ hat massenweise Mitglieder, die ihre eigene Macht auf Kosten anderer erhöhen wollen, und die „Sidereals“ versuchen zusammen mit dem „Bureau of Destiny“ alle Fäden in der Hand zu halten. Sogar Dinge, die die Charaktere in der Schöpfung tun, haben Einfluss auf das Machtgeflecht im Himmel. Zerstören sie beispielsweise eine Stadt, wächst die Macht von Amoth City-Smiter, dem „God of Tumbled Ruins“, was wiederum seinen Feinden nicht gefällt, die Pläne entwickeln werden, um dem entgegenzuwirken.

Es bedarf großartiger Autoren, um ein derartig komplexes Geflecht, spielbar und anschaulich darzustellen und White Wolf hat solche Autoren offenbar gefunden. Alles beeinflusst sich gegenseitig, die Götter sind beeinfluss- und verletzbar und die Welt wird sich zwangläufig durch die Handlungen der Charaktere verändern, was wiederum ein ganzes Netzwerk an Aktionen in Gang setzt, die wieder zu weiteren Abenteuern führen. Keine Exalted-Gruppe sollte spielen müssen, ohne dass der Spielleiter die anschaulichen Informationen über die Regierung der Götter gelesen hat.

Dagegen mutet das vierte Kapitel „The Celestial City“ geradezu langweilig an. Sollten die Charaktere aber die Stadt der Götter bereisen, wird der Spielleiter die hier gebotenen Informationen dringend benötigen. Sämtliche 61 Tore werden beschrieben, ebenso wie einige der wichtigsten Bauwerke der Stadt. Natürlich dürfen auch allgemeine Informationen über Stadtteile und Reisemöglichkeiten nicht fehlen, ebenso wie eine Beschreibung der Hauptquartiere der fünf Himmelsämter.

Um die Götter selbst geht es im letzten Kapitel. Die Götter werden in fünf Kategorien unterteilt, fünf Ränge, die der Spielleiter jederzeit als Grundlage für Bewohnter der Stadt nehmen kann. Einige wichtige Wesen wie die „Celestial Lions“, die die Stadttore bewachen und ganz generell die Polizisten der Stadt sind, oder die „Pattern Spiders“, die im „Loom of Fate“ arbeiten, werden als nächstes beschrieben, bevor es zu zweieinhalb Dutzend wichtigen Individuen der Stadt geht. Diese letzten Einträge suggerieren mehr Abenteuer, als ein Spielleiter in einem Jahr verwerten kann. Es ist ein Vergnügen, wie beim Lesen Ideen nur so hervorspringen und man sich sofort hinsetzen und ganze Kampagnen entwerfen möchte.

Fazit: War ich beim ersten Kapiteln noch nicht sicher, was ich von „Yu-Shan“ halten sollte, stellte sich spätestens bei der Beschreibung der himmlischen Regierung heraus, dass es eines der wichtigsten Bücher für „Exalted“ ist. Dem Leser wird auf verständliche Weise nahegebracht, wie die göttliche Bürokratie funktioniert, wie sie mit der Schöpfung verflochten ist und wie sich alles gegenseitig beeinflusst. Nicht alles im Buch ist wichtig für jede Kampagne, doch ist alles mindestens interessant zu lesen.

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Veröffentlicht am 27. April 2009, in Exalted, Rezensionen. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Hinterlasse einen Kommentar.

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