Con-Bericht AdI 2008

Sollte sich während der vier Tage in Otterndorf ein Motto herauskristallisiert haben, dann war es: „Wir spielten gegen den Regen an.“ So viele Spielrunden waren für den kleinen Con an der Küste noch nie angemeldet worden. Die Auf-den-Inseln-Organisatoren haben dieses Jahr nämlich einen Trick angewandt. Es hieß: „Wenn ihr eine Spielrunde anmeldet, steigen eure Chancen am Con teilzunehmen.“ Und jeder, der weiß, wie knapp die Plätze sind, kann sich vorstellen, wie sehr das die Motivation gehoben hat, eine Runde anzubieten.

Donnerstag 17 Uhr ging es offiziell los. Nachdem ich mich zweieinhalb Stunden über die nasse Autobahn gequält hatte – durchaus eine normale Fahrzeit, was bei den Verkehrsverhältnissen schon fast an ein Wunder grenzte – kam ich pünktlich zum Abendessen im Speise- und Aufenthaltsraum an. Die Frage, ob ich gleich was spielen oder lieber quatschen wollte, stellte sich gar nicht erst, als nach der Begrüßung alle auseinanderstoben, um an einer der vielen Spielrunden teilzunehmen. Ich landete in einer Warhammer-FRP-Runde und lernte, dass die Diskussion, ob ein gesammelter Pilz eine Ranaldskappe oder eine Schleimige Krötenspinne ist, für Halblinge bedeutender sein kann, als der Sieg gegen einen Vampirfürsten – zumindest aber gleichbedeutend, denn beim furiosen Endkampf war von der Meinungsverschiedenheit nichts mehr zu spüren. Für mich war das Abenteuer ein grandioser Auftakt für den Con, denn zum einen konnte ich endlich mal Warhammer ausprobieren und zum anderen habe ich lange nicht mehr so gelacht. Danke an Dirk, den Spielleiter, der auf die grandiose Idee „Halblinge gegen Vampire“ gekommen war, und an Arwed und Marco für die großartigen Verbalschlachten.

Freitag wurde ich gleich zweimal von „2nd-System-Meister“ Ortwin rekrutiert, weil ich zufällig dort saß, wo er Spieler suchte. In der Cthulhu-Runde wurde der Geist unserer Charaktere von einem post-apokalyptischen England, in dem die Großen Alten gewonnen hatten, in die Körper einiger Yithianer und von dort ins London der 1890er-Regeln (ich weiß nicht mehr, in welchem Jahr genau es spielte) gesetzt. Und wäre das nicht abgefahren genug, habe ich mich nachts mit einem Chill-Charakter durch die Umsetzung eines japanischen Trash-Films gekämpft. Auch hier kann ich nur Ortwin für die kurzweiligen Spiele danken.

Nachmittags leitete ich noch eine eigene Runde, in der Bettina mir zeigte, dass man sich nie auf etwas verlassen sollte – auch nicht auf drei ungefähr gleich verlaufende Spieltests. „Filmreif“ für Unknown Armies, das wir an diesem Nachmittag spielten, geht unter anderem um eine wichtige moralische Frage, die die Charaktere für sich im Laufe der Geschichte beantworten müssen. Manchmal scheint diese Frage aber leichter zu beantworten zu sein, als man denkt und so war das Abenteuer nicht weniger actionsreich, aber wesentlich früher zu Ende als gewohnt. Ich hoffe, es hat allen Spaß gemacht, ich fand es jedenfalls großartig.

Freitagnacht war dann eine Whisky-Probe angesagt. Ich bin ein Whisky-Banause, aber der direkte Vergleich war ein echtes Erlebnis. Dass allerdings einige der Jungs nach der Probe von immerhin fünf Whiskys noch bis in die Nacht Poker spielen und weitertrinken konnten, ist mir ein Rätsel. Nächstes Jahr bin ich jedenfalls wieder dabei – und vielleicht schaffe ich dann sogar auch noch Poker.

Der Samstag wurde mit einem sehr unterhaltsamen Unknown-Armies- Spiel als einzige Runde wieder etwas ruhiger. Bettina hat als Spielleiterin alles gegeben und uns in das Chaos des Abenteuers „Carcosa, NJ“ aus den Einsteigerregeln geschickt. So legten wir uns mit einem „Metthund“ an und stellten fest, dass zu viel Unsterblichkeit tödlich sein kann.

Abends war das legendäre Table-Quiz von Moderator Marco, das diesmal noch besser besucht schien als sonst, der Raum war jedenfalls mit acht oder neun Mannschaften von 4 bis 5 Personen brechend voll. Die Fragen waren gemein wie immer und bei all dem Gegröle und Gejohle war es allein das Quiz wert, beim Con gewesen zu sein. Spaß pur, der mit langen Gesprächen und viel Bier bis in den Morgen andauerte.

Während ich in den vielen verschiedenen Spielrunden herumtobte, wurde um uns herum gespielt, gespielt und gespielt. Die Gespräche kamen aber auch nicht zu kurz, und das Essen war wie immer reichhaltig und großartig. Mir wurde berichtet, dass sich Cookie, der Koch, schon im Februar erkundigt hatte, ob es ein Motto oder etwas ähnliches gäbe, weil er den Essenplan schon mal erstellen wollte. So gut und viel isst man nirgendwo. Für die Idee mit dem Nachtimbiss und die Verpflegung überhaupt sei Cookie an dieser Stelle noch einmal ein ganz besonderer Dank ausgesprochen.

Wenn man mal keine Lust auf Rollenspiel oder Essen hatte, gab es Dutzende von Brettspielen. Sponsor Pegasus ließ sich wieder mal nicht lumpen und spendierte diverse Sets „Powershot Fußball“ für das Table-Quiz und eine ganze Palette Bücher und Spiele für all die Spielleiter, die eine Spielrunde angeboten hatten.

Der Abschied am Sonntag fiel allen schwer und man hörte viele Male „bis nächstes Jahr“. Und auch mir blieb, als ich am späten Nachmittag immer noch auf der regennassen Autobahn hing, nur, mich auf nächstes Jahr zu freuen.

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Veröffentlicht am 9. Oktober 2008, in News. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 4 Kommentare.

  1. Wenn ich nicht durch die ganze Republik fahren müsste, wäre ich schon mal dabei auf dem Insel Con. Klingt immer wieder sehr sehr interessant. So bleibt mir aber der Cthulhu Con, wo ich hoffe unter deiner Ägide mal ein Abenteuer zu erleben.

  2. Genau! Werbung, Werbung, Werbung! 10.-12.07.2009 ist Cthulhu-Con. Wir wollen Burg Rieneck voll kriegen, damit wir ungestört unter uns sind.

    Also Leute, haltet euch den Termin frei und kommt zum Cthulhu-Con. Letztes Mal war großartig und ich sehe keinen Grund, warum das nächstes Jahr anders sein sollte.

    Und Tom, wenn ich dich überreden kann überhaupt irgendwo mitzuspielen, würde ich dich gern mal als Spieler erleben. Ich werde auf jeden Fall etwas anbieten.

  3. Danke für den inspierierenden Bericht vom ADI 2008! Hier endlich meine Perspektive, von der aus ich zum gleichen Ergebnis komme: ADI ist fantastisch :-)

  4. Hi Doc-T! Sorry, für’s späte Freischalten, ich war weg. Ich lese gleich mal …

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