Freaks of the Heartland

[Comic von Steve Niles (Autor) und Greg Ruth (Zeichnungen), Cross Cult, 2008, Sprache: Deutsch, 168 Seiten, € 19,80]

Mögt ihr Dramen wie „Der Elefantenmensch“ oder „Der Glöckner von Notre Dame“?

„Freaks of the Heartland“ ist ein klassisches „Freak under the Attic“-Drama mit Horroreinschlägen. Im Mittleren Westen von Amerika wohnt der kleine Trevor mit seinem Bruder Will und seinen Eltern. Will ist riesig und entstellt – und wird in der Scheune versteckt gehalten.

Trevors Vater ist Alkoholiker, der seine Familie tyrannisiert. Auch Trevors Mutter kann nicht helfen, denn sie leidet genauso wie ihre Kinder – wie die beiden Jungen, ist auch sie eine Gefangene dieses düsteren Lebens mitten im Nirgendwo von Amerika. Wie man sich denken kann, steigt der Leser an einem Punkt in die Geschichte ein, an dem sich das bisherige, ohnehin schon unangenehme Leben der Familie noch weiter verschlimmert. Als Trevors Vater Will töten will, sind die Kinder gezwungen mitten in der Nacht zu fliehen. Doch wohin sollen sie gehen, an wen sollen sie sich wenden? Die beiden kennen nichts als das Bauernhaus ihrer Eltern und den schalen Gestank der Fahne ihres Vaters; sie haben das Tal nie verlassen.

Die Geschichte von Will und Trevor wird in eindringlichen Bildern in Braun- oder Blautönen erzählt. Die Bilder sind düster und realistisch, so beklemmend wie die Lebenssituation hier im Herzen Amerikas, wo die Zeit still zu stehen scheint. Nur wenn schnelle Bewegungen dargestellt werden, machen breite Bewegungslinien die Bilder undeutlich. Ich jedenfalls fand mich mehrere Male dabei wieder, wie ich versuchte herauszufinden, was eigentlich genau passiert. Doch schnelle Bewegungen sind selten und der ansonsten hervorragende Zeichenstil, die stimmungsvolle Farbgebung und großartige Darstellung der Gesichter macht das wieder wett.

Obwohl uns die Geschichte als Horror verkauft wird, ist es für mich eher ein Drama. Übernatürliche Elemente findet man beispielsweise fast gar nicht. Es geht viel eher darum, wie Trevor und Will plötzlich erwachsen werden müssen und um die Angst von Erwachsenen vor dem Unbekannten und wie sie nicht damit fertig werden. Am Ende fragt man sich, ob nicht sogar Trevors Vater nur ein Opfer der Umstände war und nicht der Bösewicht, für den man ihn hielt.

Fazit: Eine dramatische, nur zu Beginn etwas vorhersehbare Handlung, eine gruselige Kulisse, gepaart mit einem ruhigen, emotionalen Erzählstil und stimmungsvollen Bildern – aus solchen Zutaten werden großartige Comics gemacht. Und diese Zutaten findet der Leser in „Freaks of the Heartland“

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Veröffentlicht am 20. September 2008, in Comics, Rezensionen. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Ein Kommentar.

  1. Oh was für einen wohlfeinen Comic hast du dir da rausgesucht. ;-) Der ist wirklich sehr fein gemacht, ganz toll, ruhig und in leisen Tönen werden die Geschichte von Trevor und seinem Bruder erzählt. Und man merkt das nicht die Freaks die Außenseiter sind sondern der Mensch sie dazu macht. Mir hat der Band sehr sehr gut gefallen.

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