Stunning Eldritch Tales

[Trail of Cthulhu, Abenteuersammlung von Robin D. Laws, Pelgrane Press, Sprache: Englisch, Softcover, 82 Seiten, $ 17,95]

Mit „Stunning Eldritch Tales“ präsentiert Pelgrane Press die erste Abenteuersammlung  für „Trail of Cthulhu“. Das mit 82 Seiten recht dünne Heft enthält vier komplette Abenteuer. In den folgenden Zeilen werde ich erklären, wieso die Sammlung auch für Cthulhuspieler zu empfehlen ist, die eigentlich das klassische BRP-System bevorzugen.

Doch zuerst die Grundlagen: Das Heft ist schwarzweiß im gleichen hervorragenden Layout wie „Trail of Cthulhu“. Auch die Zeichnungen sind genauso stimmungsvoll wie die des Grundbuchs. Das Cover lässt mich zwar kalt, passt aber hervorragend zur Prämisse des Bandes, vier „heart pounding Pulp Adventures“ zu liefern. Einziges Manko ist die Tatsache, dass es per Digitaldruck erstellt wurde und die Buchqualität dementsprechend verbesserungswürdig (aber akzeptabel) ist.

Alle vier Abenteuer sollen im Pulp-Modus gespielt werden (in „Trail“ wird zwischen „Pulp“ und „Purist“ unterschieden und je nach Spielmodus ein paar Regeln unterschiedlich gehandhabt). Laws zeigt bei allen vieren – mit einer möglichen Ausnahme -, dass Pulp und Cthulhu nicht nur kompatibel sondern praktisch nicht voneinander trennbar sind.

Mit „The Devourers In The Mist“ beginnt das Buch auch gleich mit meinem Favoriten der Sammlung. Es ist angelehnt an die klassischen Mensch-gegen-die-Natur-Geschichten. Die Charaktere (fünf vorgefertigte Figuren werden mitgeliefert, müssen aber nicht eingesetzt werden) stranden auf einer einsamen, auf keiner Karte verzeichneten Insel. Dort kämpfen sie aber nicht nur gegen die Natur, wie man sich denken kann, sondern auch noch gegen weit unheimlichere Gegner. Das Abenteuer ist kurz und direkt, sehr leicht vom Spielleiter zu formen und außerordentlich spannend. Es eignet sich hervorragend für Spiele auf Cons und ein Textkasten erklärt sogar, was man dabei beachten sollte).

„Shanghai Bullets“ ist wesentlich länger. Ein katholischer Priester, Hobby-Archäologe und möglicher Spion ist in Shanghai verschwunden. Er schickte eine mysteriöse Nachricht über eine schreckliche Entdeckung an einen Bekannten, die sein Verschwinden in einem cthuloiden Licht erscheinen lässt. Die Charaktere geraten mitten ins organisierte Verbrechen und in die Schusslinie zwischen mehreren rivalisierten Gruppen. Allein die Kulisse ist etwas Besonderes, wenn man jedoch in einem internationalen Schmelztiegel einer Stadt, die kein westlicher Geist jemals völlig verstehen kann, zwischen die Fronten der Triaden gerät und auch noch der Mythos eine Rolle spielt, sind ein paar erinnerungswürdige Spielabende praktisch garantiert. Sehr erfrischend ist die Tatsache, dass sich die Informationen über Shanghai auf ein paar spielrelevante Textkästen und zwei Internetlinks beschränken.

„Death Laughs Last“ hat mir nicht so gut gefallen, was aber weniger an der Qualität des Abenteuers als an seinem Thema liegt. Der maskierte Rächer, der unerkannt auf Verbrecherjagd geht – aus Pulp-Heften zugegebenermaßen nicht wegzudenken – ist nicht das, was ich mir bei Cthulhu wünsche. Der „Penitent“ ist aber eine Figur, die verhältnismäßig gut in eine cthuloide Geschichte passt – wie gut, werden die Spieler erst gegen Ende herausfinden. Ein unerwarteter Gegner und eine witzige Pointe sorgen ebenfalls für Spielspaß.

„Dimension Y“ ist ein echter Gruselschocker. Bei der Vorführung einer Maschine, die die titelgebende „Halbrealität“ sichtbar machen soll, geht irgenetwas schief. Zunächst scheint sie einfach nicht funktioniert zu haben, doch Alpträume und merkwürdige Ereignisse in den Wachzeiten sorgen dafür, dass die Charaktere die Maschine und alles, was damit zu tun hat, genauer untersuchen müssen. Es gibt einen Wettlauf gegen die Zeit, der die ansonsten vielleicht etwas eintönige Detektivarbeit mehr als aufregend macht. Laws schafft es außerdem, viele der üblichen Cthulhu-Klischees (nicht-euklidische Geometrie, der EInfluss von Mythos-Gottheiten auf die Erde, etc.) zu veranschaulichen. Und am Ende wartet sogar eine „plötzliche, schrecklich kursiv geschriebene Enthüllung“ auf die Charaktere.

Die kontrovers diskutierten Gumshoe-Regeln, die „Trail“ benutzt, werden jederzeit hervorragend umgesetzt. Hatte ich bisher meine Zweifel, ob sie in meinem Spiel funktionieren würden, veranschaulicht diese Sammlung, dass sie es tun.

Mit allen vier Abenteuern zeigt uns Laws, wie man mit relativ einfachen Mitteln spannende Abenteuer entwickeln und in knappen Worten verständlich zu Papier bringen kann. Es gibt ja gerade bei erwachsenen Cthulhu-Spielern mit Berufsleben und Familie einige, die kurze Abenteuer ohne für erfahrene Spielleiter unnötige Regieanleitungen bevorzugen. Was sie brauchen sind Abenteuer, die es auf den Punkt bringen und abwechslungsreiche Unterhaltung liefern. Diesen Spielern im Besonderen – aber auch jedem anderen – sei „Stunning Eldritch Tales“ empfohlen.

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Veröffentlicht am 12. Juli 2008, in Cthulhu abseits, Gumshoe, Rezensionen. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Hinterlasse einen Kommentar.

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