Jeffrey Thomas: MonstroCity

Punktown, eine riesige Stadt auf einem fremden Planeten, in der die Bewohner unterschiedlichster Planeten und Dimensionen nebeneinander leben, ist die Schöpfung des Schriftstellers Jeffrey Thomas und wurde vom Festa-Verlag für das deutsche Publikum entdeckt.

Mein erster Kontakt mit Punktown war die hervorragende Kurzgeschichtensammlung „Punktown“. Die lebhafte Sprache und die bildhaften Geschichten faszinierten mich. Es war großarig erzählte Science Fiction mit dunklen an Horror grenzenden Elementen.

In „MonstroCity“ werden diese Elemente mit dem Cthulhu-Mythos in Verbindung gebracht. Die neue Freundin von Christopher, den Protagonisten der Geschichte, steht auf Okkultismus und als sie ihn eines abends nach dem Sex fragt, ob er ein kleines Ritual machen wolle, dachte er sich nichts dabei. Sie öffnete eine Datei namens „Necronomicon“ auf ihrem Computer und suchte ein Ritual heraus. Es war einfach, sogar die Beschwörungsformeln lagen als Ton-Datei vor, und dennoch ging irgendetwas schief.

Christophers Freundin wurde seltsam, zog sich zurück und veränderte sich. Christopher stellt Nachforschungen an und stößt auf einen Buchladen für seltene Bücher (so richtig auf Papier!) und von da an bemerkt er die unheimlichen Seiten von Punktown. Ist es möglich, dass die Stadt selbst böse ist.

„Punktown“ ist ein waschechter Cthulhu-Roman. Alle Elemente sind da: ein schrecklicher Gott, alte Bücher, Rituale, ja sogar Ältere Zeichen und Mythosrassen. Aber kein Mythosroman im klassischen Sinn könnte so bunt und so direkt sein. Die Geschichte schießt gradlinig nach vorn, ohne unnötige Wendungen oder Abzweige. In ihrer Direktheit wirkt sie manchmal geradezu simpel. Für den Mythoskenner gibt es wenige Überraschungen, doch die Sprachgewalt Thomas‘ gleicht dieses Manko wieder aus, denn er erschafft viel mehr als eine Mythosgeschichte. Er erschafft eine Stadt im Kopf des Lesers, eine Stadt wie die knallgelbe Keramikpistole, die Christopher im Laufe der Geschichte an sich nimmt: grell und tödlich. Es ist nur schade, dass ich nicht das englische Original gelesen habe, denn die Sprache ist manchmal etwas holprig, und ich kann mir nicht vorstellen diese sprachlichen Schwachstellen im Originaltext des viel gelobten Autoren zu finden.

Wer gern dunkle Science Fiction liest, hat bestimmt viel Spaß mit dem Roman. Man sollte nur nicht zu viel erwarten, dann stört es auch nicht, dass die Geschichte teilweise etwas einfach gestrickt ist. Spannend ist sie aber allemal.

Veröffentlicht am 6. Juli 2008, in Literatur, Rezensionen. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Hinterlasse einen Kommentar.

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