[.REC]

… oder wie mir der schlechteste Kameramann der Welt Übelkeit bereitete.

„Rec“ ist ein spanischer Film, der auf dem Fundament gebaut ist, das „Blairwitch“ und „Cloverfield“ gelegt haben. Es gibt keine Musik, die Geschichte ist aus der filmischen Entsprechung der Ich-Perspektive erzählt, sehr viel wird im wahrsten Sinne des Wortes im Dunkeln gehalten und die Kamera wackelt. Oh ja, und wie sie wackelt. Doch von Anfang an.

Eine junge Reporterin dreht zusammen mit einem Kameramann eine Reportage über die Feuerwehr, die an diesem Tag auch wirklich zu einem Einsatz gerufen wird, weil aus einer Wohnung, in der eine alte Frau wohnt, schreckliche Schmerzensschreie ertönten. Die Feuerwehrleute öffnen die Tür und finden die Frau im Hemdchen in ihrer Wohnung stehen. Sie ist wach, blickt die Feuerwehrleute an, ist aber nicht ansprechbar. Schließlich wirft sie sich mit lautem Schreien auf ihre Retter und verletzt einen von ihnen schwer, indem sie ihm in Hals und Wange beißt. Als die Hausbewohner einen Arzt holen wollen, müssen sie feststellen, dass sie von der Gesundheitsbehörde eingesperrt wurden und das gesamte Gebäude hermetisch abgeriegelt ist. Von da an nimmt die Zombiegeschichte ihren Lauf.

Der Film funktioniert auf vielen Ebenen: Die Geschichte wird glaubwürdig und dramatisch erzählt und die Hintergründe über die seltsame Krankheit, die die Hausbewohner befallen hat, geschickt nach und nach offengelegt. Das Showdown in einer stockdunklen Dachwohnung ist grandios. Der Film hat mir gefallen.

Auf vielen anderen Ebenen funktioniert er leider nicht so gut. Da wäre zum Beispiel die Wackelei. Mir ist durchaus bewusst, dass mit dieser Technik ein Gefühl von Authentizität vermittelt werden soll, aber  mal ehrlich: Kein Kameramann der Welt würde so viel rumwackeln, wenn er für’s Fernsehen dreht. Ob meine Übelkeit mit der Wackelei zu tun hatte, möchte ich hier nicht mutmaßen – vielleicht lag es einfach an den Nachos – aber diesmal hat sie mich genervt. Hinzu kam die schlechte Synchronisation. Als zu Beginn die junge Reporterin ihre erste Ansage in die Kamera macht, scheinen die Mundbewegungen nichts mit dem zu tun zu haben, was wir hören. Zum Glück wird es später besser. Spanisch ist eine schnell gesprochene Sprache, also sicher nicht leicht zu synchronisieren, aber das wäre sicher besser gegangen.

Die Idee der filmischen Ich-Erzählung verliert genau an der Stelle ihre Glaubwürdigkeit, an der sie sie auch in den vergangenen Filmen verliert. Irgendwann ist es einfach nicht mehr nachzuvollziehen, warum mit einer laufenden Kamera auf der Schulter herumgerannt (und geflohen!) wird – außer im wie gesagt großartigen Showdown, wo die Kamera eine eigene wichtige Rolle einnimmt.

Trotz all der Kritik hat mir der Film gut gefallen. Ich mag diese Art Filme und schiebe meine Übelkeit und meinen Unwillen, die Wackelei zu ertragen, auf die Nachos. Der Streifen ist dramatisch erzählt, gruselig mit einigen gelungenen Schockeffekten. Er ist gut – im Kino sicher noch mehr als später auf DVD – und wird zurecht hoch gelobt.

Leidet ihr nicht an Seekrankheit und könnt es ertragen, wenn viele Leute und über lange Zeit wild durcheinanderreden, guckt euch „Rec“ an. Er ist trotz seiner Schwächen ein Gruselfilmhighlight.

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Veröffentlicht am 2. Juli 2008, in Film, Rezensionen. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Hinterlasse einen Kommentar.

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