Manual of Exalted Power: Sidereals

Die „Sidereals“ bilden vielleicht die faszinierendste Gruppe der „Exalted“, kontrollieren sie doch das Schicksal der Schöpfung selbst. Sie erleben Verschwörungen der Götter und ihrer Herren, sind direkt in die Kontrolle der Zukunft involviert und können trotzdem in der Schöpfung regelmäßig die Fäuste fliegen lassen. Der vorliegende Band beschäftigt sich ausführlich mit dieser tiefgründigen Fraktion.

Das Buch steht in puncto Stabilität und Aufmachung seinen Vorgängern in nichts nach. Auf dem in lila gehaltenen Cover (passend zum dazugehörigen Buch „Celestial Directions 3: Yu-Shan“) ist die übliche Ansammlung von fünf Figuren und auch die Innenbebilderung ist in bekannter Qualität. Nur das Seitenlayout finde ich diesmal etwas ungünstig, denn der Text liegt auf hellgrauem anstatt auf weißem Grund. Das sieht zwar nett aus und wirkt unheilvoller (besonders mit den dunkelgrauen Rändern), erschwert jedoch die Lesbarkeit.

Bei einer Fraktion, die Geschichte schreibt, ist die eigene Vergangenheit besonders interessant. Das erste Kapitel nach der Einleitung gibt auch gleich einen Überblick über die Sidereals, ihre Geschichte, die verschiedenen Fraktionen und Ziele und beschreibt ein paar der herausragenden Charaktere. Die Bürokratie von Yu-Shan, so erfahren wir, ist kaum zu durchschauen: Es gibt die verschiedensten Hierarchien und Gruppierungen und jede versucht ihre eigenen Ziele durchzusetzen. Die bronzene Fraktion versucht beispielsweise die Dragon-Blooded an der Macht zu halten und die Goldene Fraktion die Solars zu altem Ruhm zu führen. Das Schicksal ist eine komplizierte Angelegenheit, was sich nicht zuletzt im „Loom of Fate“ widerspiegelt, dem Webstuhl an dem das Geschick der Welt von mechanischen „Pattern Spiders“ gesponnen wird. Jedes Wesen, jedes Ding und jede Idee hat einen eigenen Strang und diese Abermillionen Stränge laufen kreuz und quer, berühren und trennen sich, bevor sie gekappt werden.

Das „Bureau of Destiny“ und mit ihm die Sidereals haben die Aufgabe, den Webstuhl und somit die Zukunft zu überwachen. Essence, die magische Kraft, kann die Stränge in Vibrationen versetzen, was eventuell zu Verknotungen führt, die teilweise nicht im Webstuhl, sondern nur von der Schöpfung aus entwunden werden können. Es sind die Sidereals, die als Agenten ausgeschickt werden, um das Problem zu beheben. Sie haben aber auch noch viele andere Aufgaben, sowohl in der himmlischen Stadt selbst als auch außerhalb. Manchmal werden sie mit Aufträgen in die Schöpfung geschickt, die nur die fünf Maiden mit ihrem besseren Überblick über die Wirrungen des Webstuhls verstehen.

Das „Bureau of Destiny“ ist viel zu wichtig, um es im allgemeinen Hintergrundkapitel abzuhandeln und so beschäftigt sich das gesamte zweite Kapitel damit. Was ist der „Loom of Fate“, wie funktioniert er, was genau machen die „Pattern Spiders“, kann man seine Zukunft aus den Webfäden ablesen und wie kann man sie verändern? – All diese komplexen Fragen und noch einige mehr werden beantwortet.

Kapitel drei, vier und fünf (Charaktererschaffung, „Traits“ und „Charms“) bilden eine Einheit. Die Kasten werden beschrieben, neue Eigenschaften vorgestellt und alte aus anderem Blickwinkel betrachtet. Die „Charms“ sind diesmal besonders interessant, denn mit ihnen können die Sidereals das Schicksal beeinflussen. So können sie beispielsweise das Schicksal ihres Körpers mit dem eines anderen verbinden und so die Wirkung von Giften oder Krankheiten auf diesen übertragen. Wenn sie ihr persönliches Geschick mit dem eines Gegenstandes verbinden, findet dieser immer zu ihnen zurück, auch wenn er verloren geht oder gestohlen wird. Bei den Martial Arts werden wir allerdings auf den Band „Scroll of the Monk“ verwiesen.

Die Astrologie – beschrieben im sechsten Kapitel – erlaubt den Sidereals Einfluss auf das Schicksal auszuüben, indem sie mit den „Pattern Spiders“ kommunizieren und sie bitten, bestimmte Dinge im Webstuhl einzuweben. Auf diese Weise können sie zum Beispiel Flüche und Segnungen verteilen. Die Astrologie ist eine komplexe Wissenschaft, abhängig von den 25 Sternzeichen (jeweils fünf für jede Maid unter denen die Sidereals arbeiten. Welcher Zahlenmagier hat eigentlich die Fünf zur einzig bedeutsamen Zahl im White-Wolf-Universum erklärt?). Man muss sich eine Weile einlesen, aber wenn man alles verstanden hat, eröffnen sich großartige Möglichkeiten für die Spieler. Der Spielleiter hätte allerdings viel zu tun, wenn er die astrologischen Einflüsse aller NSCs verfolgen wollte, weshalb ihm in einem Textkasten angeraten wird, sie zu improvisieren. Kreative Spieler und Spielleiter werden die Astrologie für viele interessante Ereignisse nutzen können.

Spielleitertipps erscheinen bei dieser komplexen Materie besonders wichtig, dennoch fällt das sich ihnen widmende siebte Kapitel recht kurz aus. Vermutlich war einfach nicht mehr genug Platz. Aber immerhin: Die Grundlagen der wichtigsten Kampagnenarten und -stile werden beschrieben (teilweise mit konkreten Abenteuertipps) und auf viele Fragen zu Besonderheiten einer Sidereals-Kampagne zumindest kurz eingegangen.

Fazit: „Sidereals“ ist wieder mal ein großartiges Buch. Verschwörungen, die Möglichkeit Einfluss auf das Schicksal der Welt zu nehmen, Sprünge zwischen Himmel und Erde und Aufträge von den obersten Göttern selbst eröffnen unendlich viele Abenteuermöglichkeiten. Die dargebotenen Informationen sind interessant, gut geschrieben und reichhaltig.

Veröffentlicht am 27. Juni 2008, in Exalted, Rezensionen. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Hinterlasse einen Kommentar.

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