Messebericht RPC 2008

Es begann wie so Vieles mit einem Stau.

Ich wollte bei einem guten Freund übernachten, den ich viel zu selten sehe und der nur eine Dreiviertelstunde von Münster entfernt wohnt. Ein LKW-Unfall auf der A2 verhagelte unseren Plan, nett essen zu gehen – stattdessen gab es nur mitten in der Nacht ein Frustbier.

Zum Glück ging es so aber nicht weiter. Am nächsten Tag kam ich gegen elf Uhr (ohne Stau) mit 300 Exemplaren von „Wetterleuchten“ und je einer Ausgabe von „Elyrion“ und „Ratten“ auf dem RPC-Gelände an. Der Unknown-Armies-Stand war in der Halle Nord an einer schönen Stelle und bot eine Menge Platz. Die Jungs von „Degenesis“ waren auch schon da, genauso wie die Crew von der Mephisto.

Mein erster Griff galt natürlich dem druckfrischen „Postmoderne Magie“. An das Cover hatte ich mich zugegebenermaßen gewöhnen müssen, aber nach dem zweiten und dritten Blickfinde ich, dass es eines der besten und vor allem ungewöhnlichsten Cover der letzten Jahre im Rollenspielbereich ist. Mein zweiter Griff galt der Box mit den „Wetterleuchten“-Zetteln, die ich kurz abgestellt hatte, denn die Abenteuer mussten noch gefaltet werden.

Nach vielen Begrüßungen machte ich einen Rundgang. Direkt nebenan war der Prometheus-Stand, wo ich meine Bücher von „Elyrion“ und „Ratten“ hinbrachte. Der Verlag hatte von Digital- auf Offsetdruck umgestellt und in diesem Zuge die Preise gesenkt. Jeder Fan konnte sich seine Bücher abstempeln lassen und bekam die Differenz zum neuen Preis als Gutschrift. So bekam ich ohne Aufpreis eine neue und besser gedruckte Version von „Ratten“. Nach den kurzen Unterhaltungen am Stand und den vielen Ankündigungen, die der Verlag die letzten Wochen gemacht hat, darf man gespannt sein, was sich dort in nächster Zeit so tut.

Am Stand traf ich auch David Grashoff, der sich ärgerte, dass die Anthologie „Disturbania“, bei der er als Herausgeber fungiert hatte, nicht fertig gedruckt war. Seit heute kann man das Buch aber bestellen. Zu „Disturbania“ komme ich später noch einmal zurück.

Am Dorp-Stand ließ ich mich über den Stand der Dinge beim Fan-Film „Xoro“ aufklären und plauderte über die Zukunft der Dorp. „Xoro“ ist fertig. Der Film wird zum Selbstkostenpreis verkauft und umsonst auch als Download angeboten werden und nach den Bildern, die ich in der Vorschau sehen konnte, die die ganze Zeit über einen Computerbildschirm lief, würde ich dringend zu einem Download raten. Das wird bestimmt ein Riesenspaß. Und zum zweiten Punkt: Nein, die Dorp ist nicht tot. Es geht , wenn auch durch neue Berufe unter erschwerten Bedingungen, weiter. Es wird sogar noch an der Abenteueranthologie für das „1W6-Freunde-Rollenspiel“ gearbeitet, was mich besonders freut. Auch die Arbeit an der ultimtiven Ausgabe der „Super Star Wars of Darkness“, also der Umsetzung von „Star Wars“ mit dem Exalted-I-Regeln, wird fortgesetzt. Wie immer war es ein nettes Gespräch mit Thomas Michalski, der mich noch mal für mein Hexer-Abenteuer „Tage des Mondes“ lobte (wie kann ein Gespräch nicht nett sein, in dem man gelobt wird?) und gern und freundlich Auskunft gab, egal welche dämliche Frage ich auch stellte. Scorpio werkelte im Hintergrund herum und bot mir Haribo-Himbeeren an.

Eva-Maria Irek von „Erdenstern“ traf ich das erste Mal auf der „Hannover Spielt!“ Ende März. Sie erzählte damals ein wenig über das Projekt „Erdenstern“ und machte mir die Musik so schmackhaft, dass ich „Into the Dark“ und „Into the Red“ kaufte. Ich musste mich zugegebenermaßen ein wenig in die Musik hineinhören, um sie wirklich zu mögen, doch mit jedem Durchlauf der CDs wurde mir mehr bewusst, wie großartig sie für Rollenspieluntermalung geeignet sind. Die Musik ist nicht zu aufdringlich oder „extrem“, sie bleibt im Hintergrund und unterstreicht doch die jeweilige Stimmung. Jedem Titel sind drei Adjektive zugeordnet, die die Auswahl der richtigen Musik am Spieltisch erleichtern. Außerdem können viele Titel geloopt werden, haben aber trotzdem einen echten Anfang und ein richtiges Ende . Eva-Maria war natürlich auch wieder am „Erdenstern“-Stand auf der RPC und ging sogar ein wenig mit dem Preis herunter, als ich mir die drei noch fehlenden CDs kaufte. „Into the Gold“ ist wirklich nett geworden, wie ich gleich zu Hause herausfand. Ich kann „Erdenstern“ nur viele verkaufte CDs und glückliche Fans wünschen.

Am Pegasus-Stand vermisste ich die „Cthuloide Welten #14“. Leider war sie ganz knapp nicht fertig geworden (die Druckerei war umgezogen) und kann nun erst ab dieser Woche bestellt werden. Ansonsten war der Stand gut gefüllt. Janni Steines, Tom Weghofer und viele andere waren die ganze Zeit anwesend und verbreiteten gute Laune. Es gab viele gut gefüllte Tische für Demos und eine Menge Spiele und Bücher zu kaufen. Ich holte mir mein Belegexmplar von „Der Blutstern“, dem Hexer-von-Salem-Spielbuch, und tauschte „Trollblut“ gegen eine vollständige Version um, bevor ich mich nach einer längeren Unterhaltung zum nächsten Stand aufmachte.

Die „Indie-Insel“ hatte bei der Standvergabe etwas Pech gehabt. Die sympatischen Jungs waren zusammen mit nur drei oder vier weiteren Ständen in der Halle Süd untergebracht, trugen es aber mit Fassung. Hier hätten sie wenigstens Platz für Demos, so meinten sie freudestrahlend. Da ich die Indie-Szene recht genau beobachte, konnten sie mir nichts Neues über die vielen grandiosen Spiele erzählen, die an ihrem Stand auslagen, und so mussten sie mein Gelaber ertragen, anstatt ihrem eigentlichen Ziel, der Verbreitung der „Indie-Message“, nachzugehen. Neu für mich war allerdings das erste deutsche Indie-Spiel „Western City“, das als wunderhübsches Soft- oder Hardcover zum Verkauf angeboten wurde (Red-Brick-Verlag). Autor Jörg Dünne war so nett und ließ den Preis etwas nach, als ich ihm versprach eine Rezension zu schreiben. Gleich hier sage ich: Optisch ist das Buch fast perfekt, ich finde nur den Seitenhintergrund in der Schwarzweiß-Version etwas zu dunkel. Ich freu mich jedenfalls schon auf’s Lesen. Hoffentlich entwickelt sich auch in Deutschland eine rege Indie-Szene.

Zurück bei UA war Standdienst angesagt. Tim sprang in der Jury des Kostümwettbewerbs herum und war eine Weile weg. Wie immer war der Dienst am Stand keine Arbeit. Wir unterhielten uns angeregt und durften sogar völlig straffrei ein paar Messebesuchern von UA vorschwärmen. Es ist witzig, wie manche Leute reagieren, wenn man ihnen etwas umsonst geben will. Zwei sind regelrecht geflohen, die meisten haben sich aber über freie Abenteuer gefreut. Nur die Kurzregeln waren leider schnell alle, Tim hat aber versprochen, sich um neue, hübsch gedruckte zu kümmern (und bald kommt ja die überarbeitete Version auch ins Netz – es fehlt nur ein weiterer Lektoratsdurchlauf).

Später kam auch die sympatische Maja von „Opus Anima“ an den Stand. Das Spiel sieht wirklich großartig aus. Meine Befürchtung, dass die Einstiegsschwelle zu hoch ist (die Welt kann man nicht schnell erklären, man muss also viel lesen, bevor es losgehen kann), wurde etwas zerstreut, wenn möglich, wollen sie nämlich Kurzregeln für einen schnellen Einstieg mit allen nötigen Zusammenfassungen herausbringen, die man den Spielern geben kann. Eventuell wird auch das Regelwerk noch etwas gekürzt. Majas Optimismus, dass das Spiel zur Spiel 2008 im Oktober erscheint, kann ich noch nicht teilen. Der Text muss zwar „nur noch“ lektoriert werden, aber so etwas kann lange dauern. Ich drücke allen Beteiligten jedenfalls die Daumen und hoffe in sechs Monaten auf ein fertiges und großartiges Spiel.

Um 17.00 h war die Lesung von „Disturbania“. „Disturbania“ ist eine Anthologie mit urbanen „Weird Tales“, in der sich Geschichten von Anfängern wie David Grashoff (dem Herausgeber), Fabian Mauruschat und meiner Wenigkeit zwischen Storys von Fantastikgrößen wie André Wiesler, Christoph Marzi, Christoph Hardebusch und Torsten Sträter tummeln. Zehn vor fünf war das Zelt noch leer doch ein Stück davon entfernt sah ich David, der sich mit zwei Leuten unterhielt. Einer davon entpuppte sich als Torsten Sträter, ein sehr sympatischer Geselle, der – so zumindest war mein erster Eindruck – genauso ist wie er schreibt (nur ohne den Splatter). Auch ohne die anderen zu kennen, behaupte ich, dass seine Geschichte eines der Highlights des Buches sein wird. Sie war, so zeigte sich bei der späteren Lesung, witzig, gemein, bitter und grotesk – teilweise alles in einem Satz. Dagegen fielen die beiden anderen gelesenen Geschichten von David und Fabian fast schon zwangsläufig etwas ab – was aber in keiner Weise ihre Leistung schmälern soll, es zeigt nur den Unterschied zwischen einem erfahrenen Autoren und uns Anfängern. Genau dieser Kontrast ist es aber auch, der für mich die Anthologie so spannend macht.

Bevor gelesen wurde, zählten wir aber erstmal durch. Fünf nach fünf waren acht Leute im Zelt, von denen sieben am Buch mitgearbeitet hatten und vier sogar selbst lesen wollten. Der arme einzelne Zuschauer war, glaube ich, etwas eingeschüchtert (vielen Dank für’s Durchhalten!), als wir darüber witzelten, wie man Leute aus dem Nachbarzelt, wo Markus Heitz las, zu uns herüberlocken könnte. Am Ende fiel unsere Lesung aber dann doch nicht aus, obwohl auch das angedacht worden war. André Wiesler klinkte sich aus, weil er direkt im Anschluss aus dem zweiten Teil seiner Trilogie um „Hagen von Stein“ vorlesen wollte, David und Fabian wollten aus Übungsgründen lesen und auch Torsten Sträter wollte nicht einfach wieder abfahren. Zwischendrin kamen noch einmal zwei Zuschauer, die aber nicht mehr als eine Geschichte durchhielten. Wir konnten nicht gegen Markus Heitz anstinken, aber das macht mich nicht weniger gespannt auf das Buch.

André Wiesler konnte ich aus Zeitgründen leider nicht ganz hören. Wer meint, dass Werwölfe, Vampire, Hexen, Mittelalter, 30-jähriger Krieg und Jetztzeit, alles vermischt in einer Trilogie vereint sein dürfen, sollte sich seine Bücher unbedingt ansehen. Es verspricht spannend zu werden.

Dann war es auch schon spät und ich ging rum, um mich zu verabschieden, was natürlich wie immer viel länger dauerte als geplant. So kam ich dann auch fast 15 min zu spät zum Treffpunkt am Pegasusstand, um essen zu gehen. Das Schnitzel im Maredo war lecker und vertrieb den brennenden Hunger.

Die RPC war aus meiner Sicht – und ich glaube, da werden mir die Meisten zustimmen – eine gelungene Sache. 23500 Besucher waren an diesem Wochenende in Halle Münsterland – und ich möchte wetten, alle hatten einen Mordsspaß.

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Veröffentlicht am 28. April 2008, in News. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 2 Kommentare.

  1. Schöner Bericht. Ich hab so viel auf der Messe verpasst. Haufenweise an Leuten vorbeigelaufen mit denen ich eigentlich das ein oder andere Wort wechseln wollte. Na mal sehen ob es 2009 nicht besser wird. Dann hab ich immerhin 3 Tage Zeit.

  2. Ja, der Sträter ist echt mal eine coole Sau. :)

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