Secrets of Los Angeles

Secrets of Los Angeles[Quellenbuch für Cthulhu von Peter Aperlo, Chaosium, 2007, Sprache: Englisch, Softcover, 192 Seiten, $ 24,95]

Spätestens seit Lynchs „Mullholland Drive“ und Bradburys „Bringen wir Constanze um“ wissen wir, dass es in Hollywood nicht immer geheuer ist. Die Mischung aus Verbrechen, Intrigen, Sonne und der in vieler Hinsicht künstlichen Realität von Hollywood macht die Stadt Los Angeles zu einem perfekten Abenteuerschauplatz – besonders wenn man noch unheimliche Kulte und cthuloide Monster zum Mix addiert.

Das Cover des vorliegenden „Secrets of Los Angeles“ ist gut gelungen. Irgendetwas (lt. Beschreibung auf S. 2 vermutlich ein Schoggothe) verschlingt das „Grauman’s Chinese Theater“. Das Cover ist außerdem das erste Mal matt: Eigentlich eine schöne Sache, denn es passt hervorragend zur angestrebten Stimmung, leider ist das Buch aber nur deshalb matt, weil es nicht cellophaniert ist. Ein Quellenbuch, das dazu gedacht ist, am Spieltisch benutzt zu werden, sollte immer cellophaniert sein.

Die Innengestaltung ist recht gut gelungen, mit einem Filmstreifen als oberen Zierrand und einer guten Mischung aus alten Fotos und Zeichnungen. Es gibt recht viele Karten, die aber optisch nicht weiter erwähnenswert sind. Die Stadtkarten sind teilweise unübersichtlich und die Detailkarten einfache Strichgebilde, die man auch mit dem billigsten Vektorzeichenprogramm hinpfuschen kann. Aber selbst hässliche Karten sind etwas Positives, denn es ist einfach schön zu sehen, wenn die Kneipe, die einen längeren Eintrag in der Stadtbeschreibung erhält mit einer Karte ausgestattet ist – hübsch oder nicht.

Das erste Kapitel des Buches legt die Grundlage für den Rest und gibt dem Leser einen Überblick über die Stadt samt ihrer Geschichte. Autor Peter Aperlo zeigt uns ein Los Angeles voller Korruption, Überbevölkerungsproblemen und Verbrechen, in dem die verschiedensten Kulturen ungebremst aufeinanderprallen. Es ist James Ellroys L. A, bloß etwas früher. Hier im ersten Kapitel zeigt sich auch schon früh, dass Aperlo schreiben kann. Die Zusammenfassungen sind prägnant und kurz, voller Detailinfos und nie langweilig. Politik, LAPD, Verkehr und Geschichte erhalten jeweils kurze übersichtliche Einträge. Die Geschichte ist mit gerade mal 8 Seiten nicht sehr lang, was dem Lesefluss aber sehr zu Gute kommt.

Kapitel zwei bis fünf (106 Seiten) bestehen fast vollständig aus nummerierten Absätzen, die sich auf entsprechende Nummern auf den verschiedenen Karten beziehen, die man in den jeweiligen Kapiteln findet. Was aber zunächst völlig unübersichtlich aussieht, entpuppt sich als schlauer Schachzug, denn durch die Nummerierung von fast allem hat man immer eine Karte auf die man zurückgreifen kann, wenn man etwas sucht. Leider wird eine Suche in die andere Richtung (ich suche ein Hotel und brauche die Nummer) nicht unterstützt. Es ist immer wieder schade, dass sich Rollenspielbücher so selten an Reiseführern orientieren, denn ein paar zusätzliche Listen würden die Brauchbarkeit eines solchen Buches erheblich erweitern.

Lange Listen wie die im Buch vorliegenden versprechen normalerwiese Langeweile, doch Aperlo schafft es aber auch in dieser Form, die diversen Gebäude und Stadtteilbeschreibungen interessant zu gestalten. Durch immer wieder kleine Karten, Verweise auf die Geschichte der Stadt, auf Politik und natürlich den Mythos wird sogar die Beschreibung des LAPD-Hauptgebäudes irgendwie interessant. Der Leser bekommt wichtige politische Gebäude, typische Abenteuerlokalitäten (z. B. darf natürlich nicht das bei Touristen beliebte Restaurant in Chinatown fehlen, das von Tcho-Tchos geführt wird und weit weniger Entenfleisch verwendet, als man annehmen sollte); Gebäude, die von wichtigen Personen bewohnt werden und Orte, die zu Abenteuern werden können (z. B. eine Wäscherei, die als Umschlagpunkt für Menschenhandel genutzt wird).

Kapitel sechs beschäftigt sich mit der Filmgeschichte von Hollywood, dessen Geographie bereits vorher besprochen wurde. Man erfährt, wie es zum Film-Mekka wurde und bekommt sogar ein Film-Glossar (von „Art Director“ bis „Tilt“). Besonders gefallen haben mir ein paar kleine Artikel über ausgewählte Skandale und Niedergänge von Film-Berühmtheiten.

Bisher war von Mythos bzw. Horror abseits vom gelegentlichen Ghoul oder Tcho-Tcho noch wenig zu spüren, doch Kapitel sieben ändert das grundlegend. Drei in der Gegend wichtige okkulte Traditionen werden hier beleuchtet zusätzlich zu einigen kleineren. Ein grober Überblick, wichtige Personen, Zauber, Bücher und Wesenheiten werden alle in der gewohnten, knappen Weise behandelt. Auch wenn von der reinen Seitenzahl nur wenig geboten wird, so gibt das Kapitel genug Anregungen, um viele Spielabende zu füllen.

Zwei kurze Abenteuer und die Bibliographie schließen das Buch ab (neben den Handouts und einem Index natürlich). Die Abenteuer bieten trotz ihrer Knappheit wieder einen guten Einblick und die Bibliographie ist ausführlich und lohnend.

Fazit: Aperlo liefert mit „Secrets of Los Angeles“ einen großartigen Überblick, über eine als Abenteuerkulisse hervorragend geeignete Stadt. Filmfans werden hier sicherlich viele Abenteuer ansiedeln wollen und alle anderen finden eine gut geschriebene Stadtbeschreibung. Die Übersichtlichkeit hätte noch etwas verbessert werden können, und ob die knappe Art der Beschreibungen etwas weglässt, das vielleicht am Spieltisch gebraucht wird, kann sich wohl nur in der Praxis zeigen. Mich hat das Buch trotz dieser kleinen Mängel aber überzeugt.

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Veröffentlicht am 15. Januar 2008, in Cthulhu, Rezensionen. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Hinterlasse einen Kommentar.

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