Compass of Terrestrial Directions 2: The West

The West[Quellenbuch für Exalted von von Alan Alexander, Eric Brennan, Genevieve Cogman, Conrad Hubbard und Peter Schaefer, White Wolf, 2007, Sprache: Englisch, Softcover, 160 Seiten, $ 24,99]

Im Westen der Schöpfung liegt der Elemenatarpol des Wassers. Was also sollte man dort anderes erwarten als eine Inselwelt, in der Seehandel und Piraterie die Grundlage für die Wirtschaft bilden und friedliche Stämme neben kriegerischen Nationen existieren? Noch hält der von „Pirates of the Carribean“ ausgelöste Piratenboom an und „The West“ könnte auf seiner Bugwelle reiten.

Der Westen ist so unstet wie das Wasser, das seine Lebensgrundlage bildet, doch aus so flexibel. Vielerorts ist er so friedlich und schön wie das Licht der Sonne, das sich auf den Wellen spiegelt, aber er kann auch gewalttätig sein wie ein Orkan auf hoher See. Ungefähr so beschreibt es uns die Einleitung, die wie üblich einen Überblick über das Buch und die einzelnen Kapitel liefert.

Das Coverbild ist eine stimmungsvolle Schlachtenszene zwischen zwei Schiffen, doch Bild scheint wie auch schon beim ersten Teil der Reihe etwas lieblos vor das Exalted-typische rote Banner geklatscht. Die Auswahl er Innengrafiken kann mich diesmal auch nur teilweise überzeugen, denn einige Stile wollen mir einfach nicht zusagen. Handwerklich sind die Bilder aber bestimmt toll und es wird genug Leute geben, die sie mögen. Ansonsten hat sich an der optischen Kost nichts geändert, die 1-seitigen Comics vor jedem Kapitel zeigen wie üblich kurze Szenen aus der Welt von „Exalted“ und den meisten davon gelingt es hervorragend die angestrebte Stimmung zu transportieren.

Wie man sich denken kann, bieten Inselgruppen Platz für ganz verschiedene Gruppierungen, Regierungen, Götter und Monster. Das Buch nimmt sich der verschiedenen Teile dieser Welt an und beschreibt in insgesamt sieben Kapiteln die Geschichte des Westens, einige seiner Monster und Götter und so unterschiedliche Landstriche wie „The Skullstone Archipelago“ oder „The Neck“.

Die Geschichte in Kapitel eins wird kurz und knackig erzählt. Viel Überraschendes gibt es hier nicht, denn auf die Hintergründe der einzelnen Nationen wird in den anderen Kapiteln eingegangen, aber für einen kurzen Überblick einschließlich einer kleinen Zeitleiste reicht es.

Kapitel zwei „Jewels in the Foam“ beschreibt die drei idyllischsten und friedlichsten Gesellschaften des Westens. Die größte Insel des gesamten Westens befindet sich im „Wavecrest“-Archipel. Die hiesige Nation ist ein Zusammenschluss von diversen Stämmen, regiert vom „Feathered One“, einem gewählten Präsidenten, der dafür Sorge trägt, dass der Handel nicht nachhaltig durch die Gefahr des nördlich gelegenen „Coral“-Archipels gestört wird oder gar zum Erliegen kommt. Die vielen Vulkane werden durch regelmäßige Opfer an die Vulkangötter ruhig gehalten. „The Neck“ liegt viele Hundert Meilen nördlich von „Wavecrest“. Die Inseln sind ein Teil des ehemaligen Kontinents Okeanos, der vor langer Zeit unterging und nur seine höchsten Gipfel über dem Wasser beließ. Noch zahlen die verschiedenen Völker der Inseln ihren Tribut an das Reich, es fragt sich nur, wie lange noch. Das friedliche Reich ist ein perfekter Ort für Leute, die untertauchen wollen. „The Tya“ bilden eine interessante kleine Gesellschaft von Frauen, die ihren Status als Frau aufgeben, um zur See zu gehen. Sie leben als Männer wegen eines Vertrages zwischen der Gründerin Tya Edralneth und der Surmmutter Kallaberse.

Wer auf der Suche nach Intrigen, Verbrechen, Gewalt und harscher Lebensweise ist, wird im Kapitel „An Ocean of Silver and Jade“ fündig, das das „Coral“-Archipel beschreibt. Der Boden ist schlecht und die Bevölkerung musste sich schnell auf Handel und – weit mehr – auf Piraterie und Tributzahlungen der umliegenden Inseln gegen Schutz verlegen, um einen angenehmen Lebensstil zu gewährleisten. Politik spielt hier eine große Rolle, und all die Allianzen, Betrug und Verrat bilden die Grundlage für viele spannende Abenteuer.

Kapitel vier mit dem Titel „Mist-Webbed Isles“ könnte man als Beispiel herausgreifen, um Neulingen zu erklären, was an „Exalted“ anders ist als an anderen Rollenspielen. Die Inselgruppe war das erste stabile „Shadowland“ der Schöpfung, wo sich das Totenreich und das Reich der Lebenden überlagerten. Der „Silver Prince“, Gründer des Reiches und aktueller Herrscher möchte eine perfekte Gesellschaft bauen, in der Tote und Lebende in Harmonie und bester Symbiose zusammenleben – so zumindest behauptet er. Wer stirbt, kommt vor einen Richter, der entscheidet, ob seine Seele wieder in den Kreislauf der Reinkarnation zurückgeführt wird, oder ob er als Geist auf der Insel bleiben kann. Manche bringen sich in der Hoffnung um, anschließend besser „leben“ zu können, denn auch wenn anderes behauptet wird, so haben es die Toten auf den Inseln doch besser als die Lebenden. Die Körper der Toten werden zu Zombies und Skeletten verarbeitet, die für die körperlichen Arbeiten auf der Insel eingesetzt werden. Erst wenn der bisher geheim gehaltene Expansionsdrang des silbernen Prinzen dem normalen Volk auffällt, dürfte sich auf den Inseln das Leben erheblich verändern. Wegen solcher Beschreibungen lese ich so gern Exalted-Bücher: Abgefahrene Ideen paaren sich unglaublichen Abenteuermöglichkeiten und guten Sprachstil.

Nicht weniger abgefahren sind die Lintha-Piraten, eine uralte Familie von Dienern des Yozis Kimbery. Sie lebten schon lange vor dem ersten Zeitalter, waren Prinzen und erhielten ihre Befehle direkt von Kimbery. Inzwischen ist ihr Blut stark verwässert, aber ihre Macht, die fast vollständig erloschen war, ist wieder erstarkt. Sie sind Dämonenpiraten und der Anblick ihrer Flagge verursacht Angst und Schrecken. Die Linthas sind ein toller Gegner für ambitionierte Spielercharaktere, denn selbst wenn sie ihre geheime Basis „Bluehaven“ finden, sollte es ihnen nicht leicht fallen einen Sieg zu erringen. Dämonisch, böse, auf ihre Art sehr mächtig und geheimnisumwoben wie sie sind, sollte sie jeder Spieler gerne hassen.

Unter die See geht es in Kapitel sechs „Lost in the Depths“. Eine Kriegsplattform von der Größe einer ganzen Stadt ging einst unter und die Überlebenden taten sich mit intelligenten Meeresbewohnern zusammen. Das Reich in der „City of the Shining Reefs“ stirbt langsam und bietet dementsprechend auch wieder diverse Möglichkeiten für die Charaktere leitend einzugreifen. Der kurze Abschnitt über das Einsetzen der Stadt in der laufenden Kampagne hilft weiter, wenn der Spielleiter nicht weiß, was er damit anfangen soll.

Das letzte Kapitel beschreibt, wie schon von anderen Quellenbüchern bekannt, Götter und Monster, die für die Gegend von Bedeutung sind. Wenn man also herausfinden will, wer der „Ocean Father“ ist, der des Öfteren erwähnt wird, kann man hier nachsehen.

Wie eigentlich alle Exalted-Quellenbücher beeindruckt mit auch „The West“ dadurch, dass es nicht nur gut lesbar, sondern auch ausgezeichnet spielbar ist. Hier ergeht sich niemand in kleinlichen Details über Mode, Wappen oder Essgewohnheiten. Es mag Leser geben, die so etwas glauben zu brauchen, aber alle anderen finden spannende Unterhaltung, exotische Abenteuer und Duzende von Möglichkeiten für weltverändernde Heldentaten für die Charaktere.

Fazit: Wenn der Spielleiter nicht vorhat, im Westen der Schöpfung zu spielen, muss er sich das Buch nicht kaufen. Wenn er aber glaubt, dass ihn eine Gesellschaft, in der Tote und Lebende in Symbiose leben, Dämonenpiraten, exotische Inseln und Städte unter Wasser interessieren könnten, sollte er unbedingt einen Blick darauf werfen. Er wird es nicht bereuen.

Veröffentlicht am 4. Januar 2008, in Exalted, Rezensionen. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Hinterlasse einen Kommentar.

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