Mansions of Madness

Mansions of Madness[Abenteuersammlung für Cthulhu, Chaosium, 2007, Sprache: Englisch, Softcover, 160 Seiten, $ 21,95]

Chaosiums Ausstoß an neuem Rollenspielmaterial ist die letzten Jahre eher mäßig gewesen. Neben den wenigen wirklichen Neuheiten wurden aber immer wieder Neudrucke von alten Klassikern eingestreut, um die Fans bei der Stange zu halten.

„Mansions of Madness“ ist einer dieser Neudrucke und enthält neben den ursprünglichen fünf Abenteuern ein weiteres neues. Das Layout wurde vollkommen überarbeitet und bietet etwas für das Auge, das mir ausnahmsweise auf Anhieb gefallen hat. Das Layout ist trotz der höchstwahrscheinlich recycelten Bilder modern und ansprechend, auch wenn es nicht mit dem eleganten Pegasus-Layout mithalten kann.

Auftakt macht das Abenteuer „Mr. Corbitt“, das auf deutsch bereits im Band „Kinder des Käfers“, erschienen ist. Die Handlung ist mehr als einfach: Ein Spielercharakter beobachtet seinen netten Nachbarn zufällig, wie diese sein Haus betritt und aus einem Bündel etwas verliert, das er schnell aufhebt und im Haus verschwindet. Bildet sich unser Spielercharakter das ein oder war das ein Arm, der da auf den Boden fiel – ein Kinderarm? Geht er der Sache auf den Grund, erforscht er bald allein ein gruseliges Haus mit einem dunklen Geheimnis.

Anfängern wird mit „Mr. Corbitt“ ein kurzes Abenteuer voller Grusel in die Hand gegeben, das sich einfach leiten lässt. Erfahrene Rollenspieler werden ihren Spaß an dem Abenteuer haben, weil sich ganz ausgezeichnet mit einem Spielleiter und einem Spieler spielen lässt (dafür ist es sogar gedacht). So einfach kann gelungener Gruselspaß sein.

Um ein weiteres Spukhaus geht es in „The Crack’d And Crook’d Manse“, das ebenfalls für „Kinder des Käfers“ übersetzt wurde. Die Ähnlichkeiten zu „Mr. Corbitt“ sind groß: Die Charaktere erhalten von einer Anwaltskanzlei den Auftrag herauszufinden, wo sich der Besitzer des windschiefen Hauses befindet und erhalten zu diesem Zweck den Schlüssel zu dessen Tür. Am Ende der unheimlichen Hausdurchsuchung steht eine grausige Entdeckung. Ein weiteres Mal ist das sehr klassischer Stoff, doch nicht umsonst hat das Pegasusteam auch dieses Abenteuer für die Käferkinder übersetzt, denn es ist für Anfänger geeignet und ganz einfach gut.

Auch das Abenteuer „The Plantation“ liegt bereits übersetzt vor (unter dem Titel „Die Plantage“ im Band „Jenseits der Schwelle“) und wieder ist es ein Abenteuer, das jede Cthulhusammlung bereichert. Ein gelungener Einstieg in die Handlung führt die Charaktere in den Süden der USA auf eine Plantage. Die für deutsche Spieler fremdartige Umgebung mit all ihren Sümpfen, den Ex-Sklaven und Sumpfbewohnern ist ausgezeichnet für ein Gruselabenteuer geeignet und wird mit großem Effekt eingesetzt. Die Handlung wird hauptsächlich von den verschiedenen Motivationen der Nichtspielercharaktere getragen und gestaltet sich relativ frei. Auch das Showdown ist gelungen. „The Plantation“ ist zweifellos ein Klassiker und verdient es erneut abgedruckt worden zu sein.

„The Sanatorium“ liegt im Band „Dementophobia“ von Pegasus übersetzt vor. Die Charaktere werden eingeladen zum titelgebenden Sanatorium zu kommen, das auf einer Insel liegt. Kommen sie dort an, stellen sie fest (man mag mir verzeihen, wenn ich an dieser Stelle eine Pointe verrate), dass die Insassen allein gelassen worden sind. Um herauszufinden, was geschehen ist (und noch immer geschieht), müssen die Charaktere die Insassen befragen und so kurzfristig quasi zu deren Therapeuten werden. Natürlich gibt es noch weitere seltsame Ereignisse auf der Insel, was sich nicht nur durch Schreie in der Nacht bemerkbar macht, sondern auch zu einem spannenden und actionreichen Finale führt. Eine Spukinsel auf der nur Verrückte leben: wenn das keine cthuloide Szenerie ist …

In „Mansion of Madness“ gibt es, obwohl der Titel nur von einem „Mansion“ spricht, eigentlich zwei Gruselhäuser. In Teil eins des Abenteuers gilt es nachzuforschen, wo ein verschwundener bostoner Geschäftsmann sein könnte, was die Charaktere zu Teil zwei in das „House of Dreams“ führt, was dann wiederum in Teil drei und die nächste Häuserbesichtigung mündet. Den dritten Teil könnte man sicher auch weglassen, ohne dass es dem Abenteuer schaden würde, doch insgesamt weiß auch „Mansion“ zu gefallen. Eine mehr oder weniger klassische Geschichte, die aber vom Spielleiter mithilfe von ein paar gelungenen NSCs und einem ungewöhnlichen Monster spannend gestaltet werden kann.

„The Old Damned House“ führt die Charaktere zu einem Haus, das mehr noch als alle anderen direkt einer Lovecraft-Geschichte entsprungen sein könnte. Eine wertvolle, angeblich verfluchte Perlenkette ist verschwunden und die Versicherungsgesellschaft heuert die Charaktere an, diese wiederzufinden. So begeben sie sich zur Familie Hazard und finden ein altes Haus und eine äußerst eigenartige Familie vor, die von einem Verwandten spricht, der nie zu sehen ist und von Kristallfledermäusen, die es regelmäßig zu füttern gilt. Haben die Charaktere das Geheimnis gelüftet, macht die Geschichte allerdings eine Wendung, bei der ich mich frage, ob die Spieler diese mitmachen oder das Abenteuer an dieser Stelle verlassen. Nichtsdestotrotz liefert „The Old Damned House“ ein weiteres Haus des Grauens, das sich lohnt zu besuchen.

Fazit: Man merkt schon: Nicht nur Chaosium sieht die Abenteuer in „Mansions of Madness“ als Klassiker an. Das deutsche Cthulhuteam sieht das offenbar genauso, liegen doch vier der sechs Abenteuer bereits übersetzt vor. Kennt man wenigstens ein paar der Abenteuer noch nicht, kann eine Anschaffung jedenfalls bedenkenlos empfohlen werden

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Veröffentlicht am 15. November 2007, in Cthulhu, Rezensionen. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Hinterlasse einen Kommentar.

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