Der Sternwanderer

„Stardust“ oder zu Deutsch „Der Sternwanderer“ von Neil Gaiman ist mein Lieblingsbuch. Ich liebe die leisen poetischen Töne, die Gaiman anschlägt, es ist toll zu sehen, wie die verschiedenen Handlungsstränge irgendwann zusammenlaufen, wie sich das Böse selbst austrickst und das Gute nicht einfach gut, sondern auch ganz gehörig naiv ist. Es ist ein Buch, das in mir das Bedürfnis weckt, Textstellen laut vorzulesen. Es ist lange her, dass ich es gelesen habe, aber das positive Gefühl, das es mir damals vermittelte, ist immer noch da.

Als die Verfilmung von „Der Sternwanderer“ angekündigt wurde, war für mich klar, dass ich diesen Film sehen musste – mir war aber bei einer solchen Starbesetzung, der lauten und bunten Vorschau und einfach der Tatsache, dass ein Big-Budget-Hollywood-Streifen daraus gemacht worden war, auch klar, dass eine Enttäuschung auf mich warten würde. Ein Buch, das ich wegen seiner leisen, poetischen Art mag, kann einfach nicht nach meinem Geschmack verfilmt werden.

Der Film war dann auch genau so, wie ich es erwartet hatte. Hollywood hat ein buntes und vor allem lautes Filmspektakel daraus gemacht. Ich glaube, das erste Mal seit ich in Kinos gehe, fand ich einen Soundtrack zu aufdringlich. Die ganze Zeit dröhnten Blechbläser und Geigen und spielten sich zu sehr in den Vordergrund. Die vielfach erprobte Herr-der-Ringe-Optik kam erneut zum Einsatz und grasbewachsener Berg reihte sich an grasbewachsenen Berg.

Ein paar der niedlichen Sequenzen der Vorlage haben es aber in den Film geschafft. Claire Danes als zickiger Stern war hervorragend besetzt und als sie anfängt zu Leuchten, als sie mit Tristan Thorn Walzerschritte übt, ruft das ein ähnliches Gefühl hervor, wie das Buch. Trotz Kitsch ist es irgendwie niedlich. Robert de Niro ist als herrlich tuckiger Piratenkapitän eines der Highlights des Films und auch Michelle Pfeiffer, die als böse Hexe auf der Jagd nach dem Stern ist, um ihr das Herz herauszuschneiden, konnte überzeugen.

Der Film entfernt sich weit genug von der Vorlage, um als eigenständiges Werk zu wirken (was ihm aber freilich nicht überall gut tut). Leider ist er zunächst etwas fragmentiert; erst spät im Film führen die drei Handlungsstränge zusammen. Wenn man das Buch kennt, stört das nicht weiter, aber der unvorbereitete Zuschauer könnte dadurch etwas gelangweilt werden.

Insgesamt ist „Der Sternwanderer“ kein großes Kino-Highlight geworden, konnte mich aber gut unterhalten. Als Weihnachtsmärchen funktioniert er recht gut und man bekommt große Schauspieler in einem bunten Spektakel geboten. Er schafft es aber nicht, meinem Lieblingsbuch gerecht zu werden – aber welcher Film vermag so etwas schon …

Veröffentlicht am 28. Oktober 2007, in Rezensionen. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 9 Kommentare.

  1. Die drei Handlungsstränge kommen zusammen? Das ist doch da, wo sie alle zum Rennen anfangen. :-)))

  2. Stimmt, irgendwie schon. Die Handlungsstränge „laufen“ also im wahrsten Sinn des Wortes zusammen :-)

  3. Wie der Film läuft schon im Kino? Oh Mann hab ich mal wieder verpennt.

  4. Ich habe das Buch nicht gelesen, aber meine Freundin, weswegen wir auch rein sind. Ich kann mich im Prinzip deiner Einschätzung als „Weihnachtsmärchen“ sehr gut anschließen. Das war eigentlich ein wirklich schöner Film, aber da ist auch der Punkt bei dem ich dir widersprechen würde: Ich fand ihn gar nicht laut, ich fand ihn eigentlich schön leise. Ja, mit der Musik und dem Dröhnen hast du zwar recht, aber ich fand es recht gut eingesetzt und auch passend. Insgesamt fand ich den Film wirklich schön und leise und daher auch irgendwie besinnlich und hat mich zum Nachdenken angeregt.

    Meines Wissens nach ist der Film ja trotz guter Kritiken auch in den USA mehr oder weniger gefloppt und ich denke, das liegt genau daran, dass er nunmal eher leise war und auch der Humor nicht unbedingt der Holzhammer-Humor war. Ich brauchte zumindest auch am Anfang erst einmal eine gewisse Zeit, um mich darauf einzustellen. Lediglich die letzten 20 Minuten waren für mich eher „klassisch Hollywood“, aber auch nicht so, dass es nicht passen würde. Der Film davor war recht still und ich fand ihn gerade eben nicht „monumental“ im LotR-Stil. Klar, die grünen Berge waren da (was ich aber immer recht hübsch finde), aber es hatte bei weitem nicht den Eindruck an „Epik“ irgendwie, weswegen ich mich am Anfang auch ein wenig verloren fühlte und plötzlich überrascht war, als der Film ein wenig anzog. Auch insgesamt schien mir der Film sogar recht dezent zu sein. Natürlich gab es auch mal tolle Effekte, aber ich hatte den Eindruck, dass es nicht total überladen eingesetzt wurde, wie es ja mittlerweile häufiger gemacht wird und das hat mir extrem gut gefallen. Ich hatte nicht den Eindruck, dass Effekte einfach der Effekte wegen eingesetzt wurden und sich insgesamt damit auch zurückgehalten wurde und man eigentlich mehr hätte machen „können“, aber nicht „wollte“. Zwischendurch dachte ich mir nämlich noch „oh, der Film hat wohl nicht all zu viel gekostet, sieht aber hübsch aus“. Trptz so mancher Effekte, so mancher Panorama-Aufnahme, so manchem bombastischen Bild fand ich den Film eigentlich sympathisch bodenständig für die Epik, die doch irgendwie darin schlummert. In den Punkten würde ich also widersprechen. Aber es ist wirklich ein schönes Fantasy-Weihnachtsmärchen, da stimme ich ohne Widerspruch zu.

    Film und Buch darf man ja aber sowieso nicht vergleichen, denn ein Film sollte (zumindest meiner Ansicht nach) sich von der Vorlage genug entfernen, denn es sind einfach unterschiedliche Medien, die unterschiedlich sind und daher auch unterschiedlich bearbeitet werden sollten; das wird leider viel zu häufig vergessen, und da kann ich auch die Sache mit „der Film war schlechter als das Buch“ nicht mehr hören. Es mag da vielleicht durchaus solche Momente geben, aber generell ist es erst einmal nicht „schlechter/besser“, sondern lediglich anders. Viele Leute gehen da ja schon mit der falschen Einstellung in die Filme rein und da kann es nur „schlechter“ werden. Wenn es aber einem gelingt, Film und Buch als unterschiedliche Medien mit unterschiedlichen Strukturen wahrzunehmen, dann klappt sowas viel besser – zumindest meiner Ansicht nach. Von daher Hut ab davor, dass du im Prinzip bei der Rezi nicht in die Richtung gegangen bist, sondern da wirklich zwischen Film und Buch unterschieden hast und unterscheiden konntest und dies dem Film nicht anlastest. Sowas wird leider viel zu selten gemacht. Danke dafür.

  5. Hallo Holger,

    so „trifft“ man sich also auch mal außerhalb des Hauses Pegasus :-)

    Das Problem mit Buchverfilmungen ist von dir gut zusammengefasst worden: Es ist für den Zuschauer leider unmöglich sich von der Buchvorlage zu trennen, wenn er diese kennt. Man hat bestimmte Bilder im Kopf und bestimmte Erwartungen, ob man will oder nicht. Ich versuche das so gut es geht zu trennen (wie z. B. in dieser Rezi), aber irgendwelche Erwartungen hat man zwangsläufig – schon gar wenn man in die Verfilmung seines Lieblingsbuches geht. Das Buch ist noch viel leiser und poetischer, wahrscheinlich habe ich es deshalb als laut empfunden. Kommt man allerdings aus Richtung „Herr der Ringe“ und nicht aus Richtung Roman, hast zu sicher recht.

    So stark können Erwartungen und Empfindungen auseinandergehen … eigentlich macht es kaum Sinn überhaupt Film-Rezis zu schreiben. Ich konnte mich nur nicht beherrschen.

  6. Ich „lurke“ hier ja schon seit geraumer Zeit, als ich vor ein paar Wochen dein Blog entdeckt habe. Diesmal konnte ich mich dann nur auch nicht zurückhalten und wollte auch was dazu schreiben, weil mich der Film doch auch bewegt hat und da unterhalte ich mich dann gerne drüber, wenn mich was bewegt.

    Und genau da würde ich das dann auch nicht so sehen, dass es keinen Sinn macht, Film-Rezis zu schreiben. Ich muss sagen, ich lese im Nachhinein gerne, wie Andere einen Film oder ein Buch erlebt haben, denn sowas kann auch die eigene Sicht auf den Film oder das Buch erweitern. Zugegeben, Rezis im Vorfeld eines Filmes oder Buches schaue ich mir fast nie an, da ich doch sehr genaue Vorstellungen davon habe, was ich will und was ich probieren will. Aber im Nachhinein finde ich Rezis immer sehr angenehm zu lesen; sofern sie eben gut geschrieben sind. Es gibt schließlich solche Rezis und solche. Ich fand es jedenfalls gut, dass du dich nicht beherrschen konntest. ;) Gerade für solche Unterhaltungen finde ich es eigentlich immer gut – und da schreibe ich auch lieber „Unterhaltung“ als „Diskussion“, denn es geht da ja auch weniger um die „Streitpunkte“, sondern darum, wie man so etwas auch sehen kann und das finde ich persönlich immer sehr bereichernd, wenn sowas nicht mit der üblichen „der Film _ist_ so“-Mentalität rüberkommt.

    Ich mag es jedenfalls, Eindrücke bei sowas auszutauschen. Das macht manche Filme noch viel wertvoller, wenn man sich besonders gut über sie unterhalten kann, weil sie eben viel Stoff zum Unterhalten bieten. Parade-Beispiele hierfür sind meiner Ansicht nach „Pan’s Labyrinth“ und „Prestige“, die einfach unwahrscheinlich viel gewinnen, wenn man sich über sie unterhalten kann und ich denke, „Sternwanderer“ zählt da auch dazu, wenn auch vielleicht nicht in dem Ausmaß wie die anderen Beiden. Für mich hatte deine Rezi also durchaus Sinn und daher wollte ich mich dafür bedanken. Wie wir ja auch schon auf der Mitarbeiter-Party uns unterhalten haben: „Gute“ Rezis gibt es leider viel zu selten und da gefällt mir einfach dein Ansatz.

    Aber wenn das Buch noch leiser und noch poetischer ist … oh, dann hebe ich mir das zusammen mit „His Dark Materials“ mal für meine „Weihnachts-Lektüre“ für nach meinen Prüfungen auf. Das könnte genau das Richtige sein, um auszuspannen. Meine Freundin meinte übrigens ähnliches wie du, dass sie sich „ein wenig geärgert“ hätte, dass sie das Buch vor dem Film gelesen hat und nicht anders herum, weil sie ständig auf ein paar Sachen wartete und zwar der Film manche Sachen hübscher als das Buch rübergebracht hat, aber dafür ein paar für sie wichtige Sachen im Film fehlten oder anders waren. Anders rum wäre das wohl nicht passiert. Vielleicht hatte ich also einfach nur Glück, dass ich zuerst den Film gesehen habe.

  7. So habe ich das noch gar nicht gesehen, aber du hast recht, ich lese auch gern Rezis über ein Buch/einen Film *nachdem* ich es gelesen/ihn gesehen habe. Ich habe mir aber nie Gedanken gemacht, wieso.

    Wegen dieses Phänomens, das deine Freundin beschreibt, bin ich übrigens der Meinung, dass man nur dann eine Chance hat beides wirklich zu genießen, wenn man erst den Film guckt und dann das dazugehörige Buch liest. Ein Film muss zwangsläufig kürzen (immer auch Dinge, die mir wichtig waren) und hat keine Chance genau die Bilder zu benutzen, die ich beim Lesen im Kopf hatte. Ein rühmliche Ausnahme ist natürlich der Herr-der-Ringe-Film :-)

  8. Oh der Holger hat ein Blog und ich seh das jetzt erst. Shame on me.

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