Kleine Helden

Kleine Helden[Kartenspiel von Malte aus dem Siepen und Laura Balzer, Pegasus Spiele, 2006, Sprache: Deutsch; 162 Karten, 1 Würfel, deutsch; ca. € 14,95]

Die niedlichen „Kleinen Helden“ bevölkern schon seit vielen Jahren das Internet und erzählen in einem Webcomic kleine Rollenspielerlebnisse. Jetzt verlassen sie das Web und betreten als Kartenspiel die Tische der Spieler, um sich gegenseitig abzumurksen. Ob sie als erbitterte Kämpfer immer noch so niedlich sind?

Die „Kleinen Helden“ wollen sich miteinander messen, rüsten sich zu diesem Zweck mit Zauberbüchern und Ausrüstungsgegenständen aus und hauen sich immer wieder gegenseitig auf den Kopf. Wenn sie angegriffen werden, können sie Lebenspunkte verlieren und wenn sie keine Punkte mehr haben, werden sie aus dem Spiel genommen. Die Helden werden durch Karten dargestellt, von denen jeder Spieler zwei zieht. Es gibt magische und kämpferische Helden, jeweils mit unterschiedlichen Spezialisierungen. Kleine Symbole am Fuß der Karten zeigen ihre Eigenschaften (Magie, Attacke, Parade etc.). Diese Werte werden durch Ausrüstung, Zauber und taktische Manöver (auch dargestellt durch Karten) beeinflusst.

Es gibt vier verschiedene Kartenarten: die Helden, Ausrüstung, Magie und Taktik/Manöver. Jeder Spieler zieht pro Runde zwei Karten (neue Helden bekommt man allerdings nur unter besonderen Bedingungen dazu) und kann für jeden seiner Helden anschließend eine Aktion ausführen, ihn also zum Beispiel ausrüsten oder einen anderen Helden angreifen. Helden können sich gegenseitig beschützen, auf diese Weise können Spieler sogar zusammenarbeiten. Bei einem Angriff kommt der Würfel zum Einsatz.

Das sich so ergebende Spiel erinnert stark an einige Sammelkartenspiele. Karten werden gezogen, geschickt auf ein paar Figuren verteilt und die Spieler greifen sich mit diesen Karten gegenseitig an. Der letzte Spieler, der noch einen lebenden Helden im Rennen hat, gewinnt.

Das Spiel macht Spaß und kann auch recht spannend werden. In unserem Testspiel waren wir drei Spieler und haben die etwas verkürzte Version mit nur 12 Lebenspunkten gespielt. Schnell hatten wir die Regeln begriffen (auch wenn uns die vier DIN-A-4-Seiten zunächst etwas verwirrten) und mussten danach zwar noch ab und zu etwas nachsehen, wurden aber immer schnell fündig. Bei zwei oder drei Karten merkt man allerdings, dass das Spiel von Rollenspielern geschrieben wurde, die ab und zu Dinge voraussetzen, die Nicht-Rollenspieler nicht wissen können. Nicht alle diese Lücken haben es bisher in die FAQ-Liste geschafft, ist aber ein Rollenspieler am Tisch, kann man sich schnell etwas zusammenreimen.

Auch schon nach diesem einen Spiel zeigten sich verschiedene Taktikmöglichkeiten. Die Kämpfe waren durch den Einsatz des Würfels spannend. Glück spielte eine entscheidende Rolle, doch wenn man häufiger spielt und die Karten besser kennt, wird das Glück immer weiter in den Hintergrund gedrängt, ohne allerdings eine gewisse Vormachtstellung aufzugeben, die es immer innehaben wird.

Ich muss zugeben, dass mich der Comic nie begeistern konnte. Die Zeichnungen sind wirklich niedlich, aber die Witze selbst konnten mir selten mehr als ein müdes Lächeln entlocken. Zum Glück sind für das Kartenspiel natürlich die Zeichnungen und nicht die Pointen von Bedeutung und dementsprechend ist das Spiel optisch wirklich gelungen. Die Karten sind liebevoll designt und die Figuren, die allgegenwärtigen Symbole, ja sogar der Höllenhund ausgesprochen niedlich. Optisch passt alles wunderbar zusammen.

Der beigelegte Würfel ist eine nette Überraschung, ist doch beispielsweise bei „Munchkin“ kein Würfel enthalten, obwohl auch dort einer gebraucht wird. Störend hingegen ist die Abwesenheit von irgendwelchen Countern. Jeder Held hat 15 Lebenspunkte, die irgendwie angezeigt werden müssen und es können sogar noch weitere Figuren mit weiteren Lebenspunkten dazukommen. Wer hat schon zwei bis drei Rollen Centstücke zu Hause herumliegen? Die zusätzlichen Kosten für Counter hätten den Preis des Spiels allerdings in Höhen getrieben, die für ein Kartenspiel dieser Art einfach nicht mehr angemessen gewesen wären.

Fazit: „Kleine Helden“ ist ein nettes, schnelles Kartenspiel mit genug thematischer Nähe zum Rollenspiel, um Rollenspieler zu begeistern, aber genug Entfernung zum Thema, um auch Nicht-Rollenspielern zu gefallen. Sammelkartenspieler werden viele Elemente wiedererkennen. Die Zeichnungen sind niedlich. Alles zusammen ist „Kleine Helden“ eine rundum gelungene Sache.

Advertisements

Veröffentlicht am 8. Oktober 2007, in Gesellschaftsspiele, Rezensionen. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 3 Kommentare.

  1. Hallo und danke für die allgemein doch positive Bewertung.

    Falls wirklich noch Fragen (auch von Nichtrollenspielern) bestehen würde es mich freuen uns diese mit zu teilen, damit wir diese beantworten können und es in Zukunft besser machen. :)

    Viele Grüße und viel Spass beim spielen
    Malte

  2. Hallo Malte,

    ich hoffe, die Bewertung wirkt nicht nur „doch“ positiv. Ich mochte das Spiel sehr gern und konnte damit sogar meine Freundin begeistern (keine einfach Sache bei Spielen mit Fantasymotiven). Bei den Unklarheiten fällt mir gerade nur eine ein, und die auch nur vage: Es gab einen Zauber gegen physische Angriffe, Eisschild oder etwas Ähnliches. Es war allerdings nicht erklärt, ob man den Magiewert gegen physische Angriffe einsetzen sollte, oder ob man den physischen Wert nimmt. – Oder so Ähnlich, ich kriege es gerade nicht mehr genau zusammen. Als Rollenspieler dachte ich mir jedenfalls: „Aha, der Magiewert gegen physische Angriffe, kein Ding“ (o.ä.), was aber trotzdem eine Diskussion mit den beiden Nicht-Rollenspielern am Tisch gab, weil die das nicht so sahen.
    Wirklich ein nettes Spiel.

  3. Das „doch“ positiv bitte nciht negativ verstehen *gg*

    Der Artikel war kritisch und dabei „doch“ positiv!

    Ich mag kritische Artikel lieber als solche die sich nur nach Werbung anhören.
    Die Kritischen wirken einfach echter.

    Du hattest da recht *g*
    Der Vorteil von Verteidigungsmagie (Wozu auch der Schildzauber gehört) ist der, das die Magieschen Helden sich mit ihrem aktiven Magiewert schützen können.
    Somit kann ein Magier mit hilfe des Schildzaubers auch einen Angriff mit einer normalen Waffe mit einer guten Chance abwehren.

    Grüße
    Malte

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: