Chuck Palahniuk: Der Simulant

Chuck Palahniuk ist vor allem wegen seines Romans „Fightclub“ bzw. der entsprechenden Filmumsetzung mit Brad Pitt und Edward Norton bekannt. Ich bin jedenfalls über den Film (und ein Forengespräch) auf den Autoren gekommen und da ich den Film liebe, habe ich beschlossen, auch mal ein Buch von ihm zu lesen. Die Wahl fiel auf „Der Simulant“.

Victor Mancini ist „Der Simulant“. Um Geld für das teure Pflegeheim seiner Mutter zusammenzubringen, geht er in Restaurants und tut dort so, als würde er ersticken. Es gibt immer einen Menschen, den er an diesem Abend zum Helden macht und der ihm aus Freude darüber später Geld schenkt.

Victor tickt anders als normale Menschen, genau wie jede andere Figur in dem Roman. Die gefälschten Erstickungsanfälle spielen eigentlich gar keine große Rolle, es geht vielmehr um Victor selbst, seine Vergangenheit, seine Verbindung zu seiner Mutter, zu seinem Freund und zu Frauen allgemein, Victor ist nämlich sexsüchtig.

Das Buch beschreibt Victor in fragmentarischen, provokativen Einzelszenen. Es liest sich wie man es vom Autoren von „Fightclub“ erwarten würde, die Szenen sind schmutzig, anstößig, teilweise eklig und handeln ausnahmslos von kaputten Typen. Das Buch ist schnell gelesen, denn man staunt auf jeder Seite, wie abgefahren alles ist, und ist man erst einmal über das erste Drittel hinaus und die einzelnen Handlungsstränge verbinden sich langsam zu einem Ganzen, wird es sogar richtig spannend. Was hat es mit dem seltsamen Tagebuch von Victors Mutter auf sich und was will Dr. Marshall wirklich von ihm? Will sie wirklich nur Sex?

„Der Simulant“ ist ein faszinierendes Buch, aber es ist eine morbide Faszination. Obwohl ich mich keine Sekunde gelangweilt habe, kann ich nicht sagen, dass es mir wirklich gefallen hat. Die Provokation stört mich dabei nicht, vielmehr die Geschichte selbst. Sie ist zu zerrissen, die Einzelteile kommen nicht so gut zusammen, wie ich mir es von einem guten Roman erhoffen würde. Palahniuk schien mehr Wert auf Anstößigkeit als auf eine runde Geschichte gelegt zu haben, einige Zusammenhänge scheinen etwas vage zu sein und einige Szenen wirken gekünstelt in ihrer Ekligkeit. Je mehr ich allerdings über das Buch nachdenke, desto mehr kleine Zusammenhänge fallen mir dann doch noch auf.

Aber am Ende sollte nur zählen, dass ich mich amüsiert habe, es muss ja nicht immer hohe Literatur sein.

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Veröffentlicht am 4. September 2007, in Literatur, Rezensionen. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Hinterlasse einen Kommentar.

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