Nick Hornby: Mein Leben als Leser

Mein Leben als LeserAls ich vor ein paar Tagen mit einer Freundin telefonierte, erzählte sie, dass sie mir ein Buch ausleihen müsse. Wie jeder Mensch auf dieser Welt, habe ich schon viele solcher Angebote bekommen. „Das Buch musst du einfach lesen. Soll ich es dir ausleihen?“, heißt es dann normalerweise und wie jeder Mensch reagiere ich auf solche Angebote skeptisch. Ich habe eine ganze Wohnung voll Bücher, viele davon ungelesen, warum sollte ich mir ein Buch ausleihen? Und dann auch noch ein Buch wie „Mein Leben als Leser“, das eine Sammlung von Kolumnen ist, die Hornby für eine Literaturzeitschrift geschrieben hat? Es enthält Buchrezensionen von Büchern, von denen ich größtenteils noch nie etwas gehört habe und die ich auch nicht vorhabe zu lesen.

„Als ich das Buch las, musste ich die ganze Zeit an dich denken“, war der Grund, warum mir meine Freundin das Buch so ans Herz legte. Das Buch ist mit ca. 150 Seiten recht kurz und außerdem hatte ich gerade „A Long Way Down“ sehr genossen. Warum also nicht? Ein Buch, das aus irgendeinem Grund an mich erinnert, sollte mir doch eigentlich gefallen.

Jede der Kolumnen beginnt mit einer Liste von Büchern, die Hornby den jeweiligen Monat gekauft hat und einer weiteren von Büchern, die er gelesen hat. Hornby beschreibt sehr liebevoll, mit viel Witz und sehr viel Einsichten in sein Leben und seine Lesegewohnheiten, was er den Monat über gelesen hat und warum. Man erfährt manchmal auch, warum er bestimmte Bücher gekauft hat und warum er manche davon nicht liest. (Hier ist wohl auch der Zusammenhang zu meinem eigenen Leben als Leser: Hornby kauft wie ich viele Bücher, die er nicht liest.) Häufig geraten die Beschreibungen der eigentlichen Bücher zur Nebensächlichkeit, wenn man beispielsweise erfährt, dass Hornby einen autistischen Sohn hat und dass er aus diesem Grund ungern Bücher über autistische Leute liest. Wir erfahren auch, dass Hornby Charles Dickens für den größten Schriftsteller aller Zeiten hält und dass er versucht mit dem Rauchen aufzuhören, es aber nicht schafft (in der Gelesen-Liste taucht des Öfteren „Endlich Schluss mit Rauchen“ von Gillian Riley auf).

Das Buch liest sich einfach so weg. Ist man am Ende einer Kolumne angekommen, fragt man sich, warum man so viel Spaß dabei hatte, Buchrezensionen von teilweise völlig unspektakulären Büchern zu lesen, die man höchstwahrscheinlich nie lesen wird und über die man teilweise noch nicht einmal sehr viel erfahren hat. Man hat aber ein paar Mal herzlich gelacht und man macht sich sofort daran, die nächste Kolumne zu lesen, bis man irgendwann enttäuscht feststellt, dass man am Ende des Buches angekommen ist.

Hornby ist ein begnadeter Erzähler und Beobachter. Er berichtet so warmherzig und witzig über sein Leben und seine Lesegewohnheiten, dass man schnell das Gefühl bekommt, einen Freund vor sich zu haben. Ich lese sehr langsam, doch „Mein Leben als Leser“ hatte ich ruck, zuck fertig gelesen. Der Tipp war gut, ich muss mich bei meiner Freundin noch für die viel zu kurzen Lesestunden bedanken, die sie mir damit beschert hat.

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Veröffentlicht am 14. August 2007, in Literatur, Rezensionen. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Ein Kommentar.

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