Cthulhu: Spieler- und Spielleiter-Handbuch

[Cthulhu-Regelwerk, Pegasus Press, 2007, Sprache: Deutsch, Hardcover, 248/468 Seiten, € 19,95]

2003 wurde die Cthulhu-Fangemeinde überrascht, indem die Neuauflage des alten einbändigen Cthulhu-Regelwerks in zwei Bücher aufgeteilt wurde: das Spieler-Handbuch, das alle benötigten Regeln enthielt, aber auf Mythos-spezifische Informationen verzichtete, und das Spielleiter-Handbuch, eine in einem Grundbuch bisher nie da gewesene Ansammlung von Mythosmonstern, Zaubern und Spieltipps. Dieses Jahr erschien eine leicht veränderte Neuauflage des Regelwerks.

Die folgende Rezension beschreibt hauptsächlich die Änderungen zur alten Auflage, ohne aber die alten Inhalte vollkommen zu vernachlässigen. Neugierige, die sich etwas detaillierter über die alte Auflage informieren wollen, seien hiermit an die früheren Rezensionen verwiesen.

Fairerweise sind gleich unter den Vorworten der beiden Bücher die Änderungen zur alten Auflage aufgelistet, doch das sind selbst im Spielleiter-Handbuch, in dem deutlich mehr geändert wurde, nicht viele. Die offenkundigste Änderung ist das Layout, das grundlegend überholt wurde. Der generelle Look, also das Vortäuschen, man hätte alte Buchseiten vor sich liegen, die an den Rändern schon ausgefranst sind, ist geblieben, doch in der neuen Form besser gelungen als der alte bröckelige Pergamentrand. Die Schriftart für die Überschriften wurde geändert. Nur in den ganz großen Überschriften wurde die alte, hübsche, aber schwer lesbare Schriftart beibehalten. Die Schriftart des Fließtextes wurde auch geändert und ist zwar etwas kleiner aber genauso gut lesbar. Das Layout ist jetzt wirklich über jeden Zweifel erhaben – jedenfalls bis wir es nicht mehr sehen können, weil fast jede Veröffentlichung (auch z. B. die Cthuloide Welten) gleich aussieht.

Im Spieler-Handbuch gibt es inhaltlich drei wesentliche Änderungen zum Vorgänger: Die Errata wurden berücksichtigt (eine Errataliste kann auf der Homepage von Pegasus abgerufen werden), es gibt ein neues Soloabenteuer und einen Bericht über die deutsche Cthulhuszene.

Das neue Soloabenteuer ist gut geworden. Wie sein Vorgänger dient es vor allem als anschauliches Beispiel und als Einführung in die Regeln und die Charaktererschaffung. Der Charakterbogen wird während des Spiels ausgefüllt und alle Würfelwürfe erklärt. Kann man die Tatsache übersehen, dass ein Mann, der eben noch in einem Pflegeheim gehütet werden musste, auf einmal Zugreisen und Hausbesichtigungen unternehmen kann, wird eine spannende Situation gelungen dargestellt, die Stimmung von Cthulhu gut vermittelt und auch noch gehobener Spielspaß geboten. Das alte Soloabenteuer, das vielleicht etwas stimmungsvoller aber dafür auch verwirrender war, gibt es inzwischen bei Pegasus als Download.

Der Bericht über die Cthulhuszene erzählt von den verschiedenen cthuloiden Cons, die es jedes Jahr so gibt, der Homepage für Cthulhu bei Pegasus, der Cthuloiden Welten und anderen Dingen. Für Neulinge ist das sicher eine große Hilfe in den Einstieg.

Der Rest des Buches liefert immer noch alle Informationen, die man als Spieler brauchen kann und sogar ein paar mehr. Die Übersicht über die 20er Jahre ist immer noch hilfreich, die Auswahl und Beschreibung der Berufe ausführlich und die Regeln vollständig. Die vielen Tabellen, die helfen sollen, den eigenen Charakter tiefgehender zu beschreiben, erfüllen mich immer noch mit Skepsis, bleiben aber für viele Spieler, da bin ich mir sicher, ein wünschenswertes Hilfsmittel.

Das Spielleiter-Handbuch ist um satte 72 Seiten angewachsen, was sich allerdings höchstwahrscheinlich hauptsächlich aus dem neuen Layout ergeben hat. Natürlich wurden auch hier die Errata berücksichtigt. „Der Hexer von Salem“ wurde in die Settings aufgenommen und die Zeitleisten wurden fortgeschrieben. Die interessantesten Veränderungen sind bei den Abenteuern zu finden, von denen eines erweitertet wurde und zwei neu sind.

Statt „Nachts im Schwarzwald“ finden wir nun „Das Geheimnis des Schwarzwaldhofs“, das auch gleich den Auftakt der Abenteuer bildet. Es ist eine gelungene Spukhausgeschichte mit Einflüssen einschlägiger SciFi-Filme, sehr ausführlich erläutert und für den Neuling aufbereitet. Warum eine gute Geschichte im Schwarzwald gegen eine andere gute Geschichte im Schwarzwald ausgetauscht wurde, erschließt sich mir zunächst nicht, doch vermutlich hat es etwas mit „Mehrwert“ zu tun.

Neu hinzugekommen ist „Das entsetzlich einsam gelegene Haus im Wald“ aus dem längst vergriffenen Band „In Labyrinthen“. Es ist das erste bei Pegasus veröffentlichte Abenteuer von Frank Heller und eine weitere gelungene Spukhausgeschichte. Das Abenteuer ist in englischer Übersetzung in der „Worlds of Cthulhu“ Nr. 4 enthalten, kann also auch ohne das neue Spielleiter-Handbuch gespielt werden, was aber nichts daran ändert, dass es sich gut in einen Regelband einfügt.

Das Abenteuer „Kerkerwelten“ wurde um einige Punkte erweitert, die vor geraumer Zeit in der Cthuloiden Welten vorgestellt wurden. Es ist immer noch ein sehr gradliniges Abenteuer, das hauptsächlich auf Stimmung setzt.

Die anderen Abenteuer sind unverändert geblieben. Es liegen damit sechs Abenteuer vor, von denen jeweils drei in Deutschland und in den USA spielen (wobei der Ort bei einigen sehr leicht austauschbar ist). Mehr Abenteuer wird man wohl nie wieder in einem Grundregelwerk finden. Die Zusammenstellung ist aufgrund der vielen Tipps und Erklärungen für neue Spielleiter geeignet und bietet durchweg hochwertige Abenteuer mit unterschiedlichen Themen. Einzig der hohe Anteil an Spukhausgeschichten (immerhin drei von sechs) erscheint etwas hoch, ist aber wahrscheinlich der Tatsache zu verdanken, dass solche Geschichten relativ einfach zu leiten sind und eine Menge Stimmung und Grusel transportieren können.

Der Rest der 468 Seiten entspricht dem des Vorgängers, lässt also keine Wünsche offen. Alle wichtigen Punkte werden angesprochen, egal ob es um das Leiten oder das Erstellen von Abenteuern, um Kulte, Mythosbücher, Magie oder Monster geht. Die Informationen sind jeweils so reichhaltig, dass man theoretisch nie wieder ein anderes Buch kaufen müsste.

Auf der Homepage von Pegasus gibt es das alte Soloabenteuer aus dem Spieler-Handbuch, ein weiteres Abenteuer (eine Kombination aus Solo- und Gruppenabenteuer) und ein paar Kurzregeln, die alle relevanten Spielregeln und ein Gruppenabenteuer enthalten, als Download. Bisher ist das Abenteuer noch „Am Rande der Finsternis“, demnächst wird es wahrscheinlich durch „Nachts im Schwarzwald“ ersetzt. Die pdf-Dateien haben das gleiche Layout wie die Regelbücher. Ein Blick in die Regeln und ein oder zwei Testspiele – egal ob allein oder mit einer Gruppe – sind also nur ein paar Mausklicks entfernt.

Fazit: Mit dem neuen Regelwerk wurden die besten Grundbücher der langen Cthulhu-Geschichte noch ein bisschen besser gemacht. Die Bücher sehen nicht nur fantastisch aus, sondern bieten neben sechs fertigen Abenteuern auch noch mehr Hintergrundinfos und Spieltipps als man jemals „verspielen“ könnte.

[Diese Rezension erschien ursprünglich im Envoyer.]

Advertisements

Veröffentlicht am 11. Mai 2007, in Cthulhu, Rezensionen. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Hinterlasse einen Kommentar.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: