The Manual of Exalted Power: Dragon-Blooded

[Quellenbuch für Exalted 2nd Edition von Alan Alexander, Kraig Blackwelder, Peter Schaefer, Scott Taylor; White Wolf, 2006, Sprache: Englisch, Hardcover, 240 Seiten, $ 29,99]

Die „Dragon-Blooded“ waren die Fußsoldaten der Götter, so wie die „Solars“ die Generäle und die „Sidereals“ die Berater und Spione waren. Zwar schwächer doch zahlenmäßig überlegen konnten sie die wahnsinnig gewordenen „Solars“ des ersten Zeitalters vernichten und sind nun, nicht zuletzt wegen der ehemaligen Führungskraft der „Scarlet Empress“, die Herrscher der Welt.

Mit der neuen Auflage der „Exalted“-Grundregeln müssen natürlich auch die Charakterbücher über die „Abyssals“, „Sidereals“, „Lunars“ und eben auch die „Dragon-Blooded“ neu herausgegeben und auf den neusten Stand gebracht werden. Die im alten Buch enthaltenen Informationen wurden für die neue Ausgabe in zwei Bücher verteilt: zum einen die Charakterinformationen im vorliegenden Buch und dann die Settinginformationen im bereits besprochenen „Compass of Celestial Directions Vol. 1: The Blessed Isle„. Dieser Trend wird mit den kommenden Büchern fortgesetzt. Bereits erschienen sind „Compass 2: The Wyld“ und „Manual 2: Lunars“ und Ankündigungen für „Yu-Shan“ und „Sidereals“ liegen auch bereits vor.

„Dragon-Blooded“ ist ein schickes Hardcover mit passend zu „Compass 1“ rotem Titelbild, auf dem sich Vertreter der fünf verschiedenen „Dragon-Blooded“-Typen tummeln. Das Buch ist mit 240 Seiten schlanker geworden als sein Vorgänger. Dass es mit 60 Seiten weniger und billigerem Druck trotzdem den gleichen Preis hat, zeigt, dass sich auch White Wolf den Realitäten des implodierenden Rollenspielmarktes stellen muss. Auf die schöne Karte, die auf der Coverinnenseite des alten Buchs aufgedruckt war, müssen wir leider verzichten, doch die restliche Gestaltung ist gewohnt gut – ansehnlich und übersichtlich – obwohl mir die Stile der Zeichnungen größtenteils nicht so recht gefallen wollen.

Die ersten 80 Seiten der alten Auflage unter der Überschrift „Setting“ sind komplett in „Compass 1“ gewandert und so startet „Dragon-Blooded“ gleich mit den Charakteren, wie sie aufwachsen, wie sie leben, arbeiten und Geld und Ruhm verdienen. Alles, was man über die auf der „Blessed Isle“ lebenden „Hohen der Erde“ wissen muss, findet man in diesem Kapitel. Besonders die Abschnitte über Heirat und Familie bieten reichhaltig Stoff für menschliche Dramen und somit Abenteuer. Die großen Häuser, also die wichtigsten der Großfamilien der „Dragon-Blooded“ werden genauer unter die Lupe genommen und bieten einen interessanten Hintergrund für mögliche Charaktere und natürlich Duzende von Möglichkeiten für Intrigen und Politik.

Das zweite Kapitel beschäftigt sich mit den Ausgestoßenen der „Dragon-Blooded“, also den Personen, die am Rande der Schöpfung zu Hohen werden und sich entscheiden müssen, wie sie damit umgehen. Sie können auf die „Blessed Isle“ gehen und dort als Mönche oder Soldaten leben oder sie lassen sich von irgendwem anheuern, der bereit ist, sie auszubilden. Das Kapitel geht die verschiedenen Himmelsrichtungen durch, wobei dem Osten besonders viel Aufmerksamkeit zuteil wird. Beispielhaft werden für jede Himmelrichtung verschiedene Gruppierungen herausgegriffen und beschrieben. Auch dieses Kapitel bietet mehr als genug Informationen für viele Abenteuer.

Kapitel drei erläutert, wie es bei den Charakterbüchern bisher immer üblich war, die Charaktererschaffung. Nicht jeder „Dragon-Blooded“ ist gleich und so unterscheiden sich die zu verteilenden Punkte und die zur Verfügung stehenden Hintergründe je nachdem, ob es sich um einen „Dragon-Blooded“ handelt, der auf der Zentralinsel oder in den Randgebieten der Schöpfung geboren wurde. Abgesehen von drei solcher Auswahlmöglichkeiten (die Dritte ist für „Dragon-Blooded“, die der Armee von Lookshy beigetreten sind) enthält das Kapitel wenig Überraschendes.

Kapitel vier geht wie üblich auf die Eigenschaften ein, beschreibt neue und erläutert alte. Die „Dragon-Blooded“ heißen so, weil sie die Kräfte der fünf elementaren Drachen nutzen und dementsprechend gibt es fünf verschiedene Typen. Ansonsten findet man auch hier wenig Überraschungen.

Mit Kapitel fünf und sechs geht es ins Eingemachte, denn hier werden die „Charms“ bzw. die „Martial Arts“ beschrieben. Mir bleibt nur wenig dazu zu sagen, außer dass es sich um 90 Seiten Regelmaterial handelt, unverzichtbar für den Spieler aber wenig ergiebig für den Rezensenten, der sich nicht in Regeldetails verstricken will.

Den Abschluss des Buches bildet ein langes Spielleiterkapitel mit Tipps für die „Dragon-Blooded“-Kampagne. Entgegen den gerade auch von White Wolf gewohnten Wischiwaschianweisungen bekommt der Leser hier konkrete und ausgesprochen nützliche Tipps. Mir persönlich hat es besonders der Eintrag angetan, der das Für und Wider der „Familien-Kampagne“ beschreibt, in der die Spieler immer wieder neue Charaktere aus einer Familie erschaffen, die verstreut über die ganze Welt Abenteuer erleben.

Die Aufteilung in zwei Bücher war eine gute Entscheidung. Das vorliegende Buch kann sich voll auf die Charaktere konzentrieren ohne sich in ausführlichen Setting-Erklärungen verlieren zu müssen. Außerdem kann der Spieler getrost das gesamte Buch lesen, ohne befürchten zu müssen, irgendwelche geheimen Informationen zu erhalten (auch das Spielleiterkapitel ist für Spieler geeignet). Will man eine „Dragon-Blooded“-Kampagne spielen ist man allerdings gezwungen beide Bücher zu kaufen, denn ohne die Beschreibungen des Regierungsaufbaus und des „Immaculate Orders“ wird der Spielleiter wohl kaum auskommen. Auf der anderen Seiten kann ein Spielleiter, der die „Dragon-Blooded“ nur als Nichtspielerfiguren einsetzen will, mit dem „Compass 1“ und dem Spielleiterhandbuch alles spielen, was er will.

„The Manual of Exalted Power: Dragon-Blooded“ ist ein rundum gelungenes Buch, das spannend mehr als genug Details präsentiert, um lange Zeit zu spielen. Die präsentierte Kombination aus Lesevergnügen und Spielbarkeit ist genau das, was ich von einem guten Regelbuch erwarte. Ich würde jedenfalls am liebsten sofort eine neue Kampagne starten.

[Die Rezension erschien ursprünglich auf Ringbote.de.]

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Veröffentlicht am 10. Mai 2007, in Exalted, Rezensionen. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Hinterlasse einen Kommentar.

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